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Die Welt · 1907-02-15 · 7 (15.2.1907) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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idem schon genannten), dal» er von der Klage gegen (seine Vettern) Yedonyah und jyiah.seya.lv beides Söhre des Natan und der Mibtayah, Tochter des Mahseyah, wegen des Besitzes des Hauses des Yezaniah, Sohnes des Uryah, zurücktritt. Das Haus ist beschrieben als an der Hauptstraße und beim Heiligtum Gottes (Yahus'i liegend.: ■■417 v. Chr.) 10. Mahseyah und Yedonyah, Söhne des Natan, Aramäer aus Syene, nehmen eine Teilung der von ihrer Mutter geerbten Sklaven v.or. Yedonyah erhält Petosiros, Mahseyah . den B3I0; Tebo, die Mutter des Erstgenannten, und Lilu, ein dritter Sohn, bleiben gemeinschaftliches Eigentum. 11. Der früher gefundene und ursprünglich zu derselben Dokumentenreihe gehörige Papyrus Cowley handelt von einem Darlehensgeschäft, bei dem ein Mahseyah, Sohn des Yedonyah, als Zeuge figuriert. Was waren dies für Aramäer respektive Juden, die da zu Syene in Oberägypten Ehen schlössen und trennten, Geschäfte machten, Prozesse führten und Familienpapiere wie auch Besitztitel bewahrten? Denn es scheint doch sicher zu sein, daß diese Dokumente, die sich über eine Periode von über 60 Jahren erstrecken, zusammen bewahrt wurden, um Eigentumsverhältnisse durch Generationen zu sichern. Es muß sich daher auch um jüdische Familien handeln, die an eine dauernde gesicherte Niederlassung glaubten. Der bekannte irische Althistoriker J. P. Mahaffy hat auf Grund des Jowleypapyrus und nach Mitteilungen des gerade mit der Herausgabe der anderen Assuanpapyri beschäftigten Prof. Sayce in den Melanges Nicole (1906, S. 660 1) die Ansicht aufgestellt, die auch Sayce annimmt, es handle sich um in Oberägypten zur Achämeniden- 'eit niedergelassene Kaufleute; und seine Phantasie ließ diese jüdischen Bewohner von Elephantine die Bankiers von Ägypten sein, vie heutzutage noch jüdische Bankiers den Völkern der Erde mit Telddarlehen beistehen. Aber die Aramäer von der nubischen irenze waren an und für sich zu nichts weniger als zu üeschäftsavecken dahingekommen. In einein Nachtrag zu Nöldeckes Anzeige n der Zeitschrift für Assyriologie scheint Rud. Smend das Richtige •etroffen zu haben. Es handelt sich um eine jüdische Militärkolonie n Syene. Von jeher haben die Herrscher Ägyptens Soldaten aus ien Nachbarvölkern verwandt, die kriegerischer waren als die i.andeskinder, und für die gefährliche Südgrenze mochten solche Semiten passend erscheinen. Die militärische Bestimmung steht u dem in Wirklichkeit friedlichen Leben, das die papyri vorausetzen, nicht im Widerspruch. So ist es verständlich, daß ein \rchitekt der Citadeile erwähnt ist (Pap. 6), daß Mahseyah zu ingerem Dienst auf der Festung abwesend war, dato ein Militär- •efehlshaber als Richter erscheint (8), daß der Zusatz „zu den Feldzeichen gehörig" (1) gebraucht wird, u. a. m. Wenn man sich rinnert, daß Herodot, als er zwischen 445 und 432 v. Chr. Ägypten besuchte, davon spricht daß in Elephantine persische Besatzungsaippen lagen, so möchte man gar an die Möglichkeit denken, daß 'er Vater der Geschichte von solchen jüdischen Soldaten, wie sie iit ihren Namen jetzt, in den neugefundenen papyri auftauchen, in der Festung Yeb herumgeführt wurde. Diese Juden genossen nach allem, was aus den Papyri zu lesen i, einen mäßigen Wohlstand, ohne gerade reich zu sein. Denn e Mitgift der Mibtayah, die, wie Nöldecke bemerkt, bei ihrer veiten Ehe schon ziemlich verblüht gewesen sein muß, erscheint : ieht gerade als eine große Entschädigung für den Mangel an igend für den Gatten Es-Hor; er hat es in Anbetracht dessen ziemlich billig getan. Die Juden hatten freie Religionsübung in Syene; ein Heiligtum ihres Gottes Yahu ist erwähnt, das ein Altar unter freiem Himmel gewesen zu sein scheint; sie schwören bei diesem ihrem Gott, und sie können ungestraft Proselyten machen; denn der Ägypter Es-Hor erscheint später als wahrscheinlich zum Judentum übergetretener Natan. Die meisten in den Urkunden vorkommenden Namen sind auch im alten Testament nachzuweisen; sehr viele sind Wort-Zusammensetzungen mit Jah, die Enkel heißen nach dem Großvater. Es ist wahrscheinlich, daß in der Militärkolonie der Name Gottes noch ausgesprochen wurde, wie er geschrieben wird, und nicht Adonai dafür gesagt wurde; überhaupt ist die deuteronomische Reform bei den Juden, die wir hier kennen lernen, noch nicht durchgedrungen. Und Jeremias würde bei jener Mibtayah, die (Nr. 6i bei der Göttin Sati schwört (es war allerdings ein von einem Ägypter zugeschobener Eid), kein Blatt vor den Mund nehmen, wie er auch z. B. im 44. Kapitel gegenüber den Weibern der Judäer, die in Ägypten weilen, verfuhr. „Voilä bien de .quoi faire hurler encore Jeremie!" sagt Clermont-Gamieau. Aber trotzdem hat Mibtayah aus dem Es-Horus einen Natan gemacht! Für die Rechtsgeschichte, wobei das ägyptische und persischassyrische Vertragsrecht noch zum Vergleich heranzuziehen sind, enthalten diese Dokumente außergewöhnlich viel Material. Dann läßt die Urkunde 7 z. B. die Organisation der Juden als Gemeinde erkennen, in der für den Mann und ebenso für die Frau die Befugnis vorausgesetzt wird, in der Gemeindeversammlung die Ehe für gelöst zu erklären. Auch die kulturhistorisch interessante und grausame Sitte, Sklaven mit einer Eigentunismarke zu tätowieren, ist in dem Papyrus 10 illustriert, wo vielleicht weniger gesagt ist, daß die zur Teilung gelangten Sklaven mit dem aramäischen Buchstaben Yöd tätowiert wurden, als daß zu ihrer genauen Beschreibung ihre Tätowierungen aufgeführt waren. Die Datierungen erfolgen nach jüdischem sowie nach ägyptischem Datum, wozu noch die nach der Regierungszeit der Achämeniden tritt. Dadurch sind vergleichende Kalenderstudien ermöglicht, die Schürer in der Theologischen Literaturzeitung vom 2. Februar („Der jüdische Kalender nach den aramäischen papyri von Assuan") bereits in Angriff genommen hat. Er glaubt bereits festgestellt zu haben, daß die Juden damals ihre Monate mit dem Sichtbarwerden des Neumondes begannen und daß man für den Schaltmonat von einem festen System noch recht weit entfernt war. Wie lange diese Gemeinde in Syene Bestand hatte, können wir nicht wissen. Wilcken erinnert im Archiv für Papyruskunde an einen Malchaios, der zur Zeit Trajans in Syene die Hafenwache hatte. Und könnte nicht auch von Syene aus jüdische Propaganda nach Äthiopien hinübergegriffen haben? „Und siehe, ein Äthiopier, ein Eunuche und Großer der äthiopischen Königin Kandake, der über ihren gesamten Schatz gesetzt war, war gekommen, in Jerusalem anzubeten, und saß nun auf dem Rückweg in seinem Wagen und las den Propheten Jesaias" („Der Apostel Taten" 8, 271. Auch auf diesen Mann mit der ersten konstatierten Reiselektüre macht Wilcken im Zusammenhang mit den Assuan-Papyri aufmerksam. Wir konnten nur andeuten, welche Fülle von interessanten Dingen und welche Anregungen dieser Neufund darbietet. Vieles ist noch bestritten, nicht weniges noch gänzlich ungeklärt; aber jetzt schon kann man sagen, daß hier einer der bedeutsamsten, jemals in Ägypten gemachten Funde der wissenschaftlichen und der wissensbegierigen Welt geschenkt worden ist. M. (Aus der „Frkft. Ztg.")

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