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Die Welt · 1907-02-15 · 7 (15.2.1907) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Beziehung haben die unterworfenen und aufgezehrten Aramäer gesiegt; „Aram victa ferum victorern cepit", kann man frei nach Horaz sagen. Schon seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts läßt sich in Assyrien der Gebrauch der aramäischen Konversationsspraehe ander Hand -von-Denkmälern konstatieren, sie herrschte damals in Babylonien, sie dringt nach Palästina vor und überwindet das Hebräische, das allerdings von den Gebildeteren noch geschriebeil und wohl auch gesprochen wurde. Die Juden der späteren Zeit standen ganz unter dem Einfluß der die ganze damalige semitische Kulturwelt beherrschenden aramäischen Sprache, in deren westlichem oder palästinensischem und östlichem oder babylonischem Dialekt die Literatur der spätem Juden abgefaßt ist: die aramäischen Stücke des alten Testaments, die Talmudim, Targumim, Midraschim und verschiedene Apokryphen. Als ich in der „Frankfurter Zeitung" vom H). Januar 1905 von den Murashu-Tablets sprach, habe ich die Verbreitung der aramäischen Sprache in Mesopotamien schon betonen können, denn die Keilschrifttafeln, welche die Geschäftsdolcumente der großen Firma Muraschü in Nippur repräsentieren, trugen aramäische Indossamente. Diese Denkmäler der aramäischen Sprache stammen aus der zweiten Hälfte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts; es ging aus den in den Urkunden vorkommenden Namen u. a. hervor, daß eine jüdische Bevölkerung damals noch und noch viel länger in Babylonien auch nach der Esraperiode wohnen blieb und in angenehmem Verkehr mit der eingeborenen und der herrschenden Rasse stand. Schon früher hat man nun auch Fragmente aramäischer Papyri in Ägypten gefunden, die man immer in die ptolemäische Zeit gesetzt hat, da man nicht glauben wollte, daß sie aus frühern Zeiten stammen könnten. Nunmehr hat aber der so unendlich reiche ägyptische Boden eine Anzahl aramäischer Papyri hergegeben, die von ungewöhnlicher Bedeutung sind: sie versetzen uns in die Zeit der Achämenidenherrschaft in Ägypten, also fast in die gleiche Periode, aus der auch die Murashu-Tablets stammen, und in eine jüdische Familie, die in einer jüdischen Gemeinde in Oberägypten an der nubischen Grenze lebt. Diese zehn umfangreichen und fast tadellos erhaltenen Originalurkunden in aramäischer Sprache aus der Zeit der persischen Könige Xerxes, Artaxerxes und Darius sind im Jahre 1904 in Assuan, dem alten Svene, an der Grenze von Oberiigypten und Äthiopien, wahrscheinlich bei Straßenbauten, zusammen in ein Gefäß verpackt, gefunden worden. Herr Robert A'lond aus London, ein Mitglied der aus Kassel stammenden Familie, die durch ihre vorzüglichen Kunstsammlungen und ihr Mäcenatentum wohlverdienten Ruhm besitzt, hörte davon, während er gerade in Theben mit Ausgrabungen beschäftigt war; er eilte nach Assuan, und es gelang ihm, 51-* der Papyri zu erstehen, 31-' kaufte Lady W. Cecil, den letzten die Oxforder Bodleiana. Die neun erstgenannten Papyri wurden von den Käufern dem Museum von Kairo überlassen. Herr Mond trug auch die Kosten der Publikation, die in 79 Seiten Text und 27 Tafeln vorliegt. („Aramaeic Papyri discovered at Assuan." London, A. Moring 1906.) Prof. Sayce hat die Einleitung des hervorragenden Werkes geschrieben, Cowley hat die Entzifferung der aramäischen, schwer leserlichen Kursivschrift durchgeführt und einen ausführlichen philologischen und exegetischen Kommentar dazu gegeben. Über die ägyptologischen Dinge hat sich Prof. Spiegelberg in dem Bande geäußert, und der Franzose Seymour de Ricci hat eine Bibliographie der sonst bekannten aramäischen Sprachdenkmäler aus Ägypten dazugegeben. Statt der gefundenen zehn Papyri finden wir jedoch deren elf publiziert, indem eine schon vor Jahren von Cowley herausgegebene, dazu gehörige Urkunde mit aufgenommen wurde, über weiche schon eine reiche Literatur existiert. Auch die neuen überraschenden und sehr bedeutsamen Funde und ihre glänzende Publikation haben schon eine wichtige Besprechungs- und Ergänzungsiiteratur hervorgerufen, von der mir Clermont-Ganneau (Revue critique d'histoire et de litterature Nr. 44, 1906), Th. Nöldecke (Zeitschrift für Assyriologie und verwandte Gebiete, Februar 1907), E. Schürer (Theologische Literaturzeitung Nr. 1 und 3, 1907),. Ulrich Wilcken (Archivfür Papyrusforschung, 17.- Januar 1907),- S. A. Cook (Quarterly Statement des Palestin6 Exploration Fund 1907. I). Mark Lidzbarski (Deutsche Literaturzeitung 1906 Nr. 51 und 52) vorliegen. Cowley und Nöldecke haben in ausgezeichneter Weise gezeigt, wie wichtig diese Texte für die semitische Sprachforschung und die aramäische Paläographie sind; eine notwendige Ergänzung dazu gibt Lidzbarskis Abhandlung über aramäische Texte auf Stein, Ton und Papyrus in seiner Ephemeris für semitische Epigraphik (1906, 2), bei der allerdings nur der Cowleysche und noch nicht die neugefundenen Papyri benutzt wurden. Die Semitistik wird noch lange sich mit diesem Meufund zu beschäftigen haben; für weitere Kreise tritt aber das sprachliche Interesse vor dem historischen, kulturhistorischen und religionsgeschichtlichen weit zurück, was aus der kurzen Inhaltsangabe der Dokumente ohne weiteres hervorgeht. 1. Qonyah, Sohn des Zadoq, Aratnäer aus Svene, erhält von seinem Nachbar Mahseyah, Sohn des Yedonyah, Aramäers aus Svene, aus dem Quartier (richtiger Feldzeichen) Ouarizat die Autorisation, eine Ziegelmauer neben seine Haustüre zu bauen. (Jahr 15 des Xerxes 470 vor Chr.) 2. Dargman, Sohn des Harsin vom Tempel des Feuers (?) zu Elephantine, gibt seine Ansprüche auf das von Mahseyah, Sohn des Yedonyah, Jude (Yahoüdi) aus Elephantine, beanspruchte Grundstück auf, nachdem dieser mit Frau und Sohn vor dem von Demidata präsidierten Tribunal einen Eid bei dem Gotte Yahu von Elephantine geschworen hatte. (Jahr 21 des Xerxes— Jahr l des Artaxerxes - -. 465 v. Chr.) 3. Mahseyah, Sohn des Yedonyah, Jude aus Elephantine, bestätigt seinem Schwiegersohn Yezanyah, Sohn des Uryah, die Schenkung eines Stück Landes als Mitgift für seine Tochter Mibtayah. (Jahr 6 des Artaxerxes ----- 459 v. Chr.) 4. Bezieht sich auf das gleiche Landgeschenk und den Veizichi von Dargman darauf (Nr. 2). 5. Mahseyah gibt seiner Tochter auch ein Haus, das er einst von Mechullam, Sohn des Zalckur, gekauft hatte, unter Übergabe des damaligen Kaufaktes. Diese Schenkung gilt als Entgelt für verschiedene Auslagen der Tochter, als Mahseyah in der Zitadelle fern war. Dieses Haus grenzt an das Heiligtum (agora) des Gottes Yahu. ( Aus dem Jahre 19 des Arta xerxes 446 v. Chr.) 6. Bin Ägypter, Architekt der Citadelle von Syene, verhandel1 mit Mibtayah, Tochter des Mahseyah, des Sohnes des Yedonyah. über verschiedene Dinge. Mibtayah erhält den Eid zugeschobei und schwört bei der Göttin Sati. (Jahr 25 des Artaxerxes — 44< v. Chr.) 7. Es-Hor, "Sohn des Seho, Architekten des Königs, nimm Mibtahyah, Tochter des Mahseyah, zum ehelichen Weib (sie waalso Witwe oder geschieden worden). Der Gatte zahlt dem Schwieger vater 5 Siles als Mohär und bestätigt den Empfang der Mitgift der Frau, 12 Sieles Silber, 3 große Stücke Zeug, allerlei Geräte, darunter ein Gefäß oder eine Schüssel aus Palm blättchen, 2 Becher au Bronze u. a. m. Dieser Ehevertrag enthält alle möglichen Be Stimmungen für Todesfall, Scheidung, Rechte der Kinder usw. (440 v. Chr.) 8. Menahem und Ananyah, Söhne des Mechullam, des Sohne des Chelomim, Juden aus Elephantine, stehen von der bei dem Gericht unter dem Garnisonskommandanten Quidrang eingerichtete.': Klage gegen Yedonyah und Mahseyah, beides Söhne des Es-Hcr und der Mibtayah, Tochter des Mahseyah, ab. Es handelt sich um verschiedene Dinge, die Es-Hor von Chelomim, Sohn des Azaryak zur Verwahrung erhalten hatte. (Im Jahre 4 des Darius 421 v. Chr. 9. Yedonyah (ein anderer dieses Namens), Sohn des Hochayali Sohnes des Uryah, Aramäer aus Elephantine, erklärt vor Qüidranti

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