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Die Welt · 1907-02-15 · 7 (15.2.1907) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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tönig, daß man die Laute auf der Gasse hörte, und dann suchte, er das Lächeln auf seinen Lippen zu unterdrücken. So verbrachte er eine Reihe glücklicher Tage, und das Lächeln^ schien ihm keine Last. Im Gegenteil, er meinte, daß die Tage ihn , wie mit einem Zauber umgeben und einspinnen. Diese Freude unterbrachen die Hausgenossen nur am Ereb Sabbat. Da wandte sich die Mutter an ihn und sagte: J — Geh doch, mein Trost, leg dich nieder! Und dann zeigte sich jene Art des Lächelns auf seinen Lippen^; das immer der Reflex seiner physischen Schmerzesempfindungen war. Und wenn er schlief, umspielte dieses Lächeln seine Züge, und manchmal stammelte er im Schlafe: — Mama . . . Im Traume erschien ihm nicht seine Mutter, nicht s i e umarmte und küßte er, — sondern Deborah war der Gegenstand seiner Träume, sie küßte er, ihr flüsterte er ins Ohr: — Mama . . . Und sie küßte ihn und glättete sein Haar, wie die Mutter ihm manchmal tat, und sie sagte zu ihm die Worte, die manchmal die Mutter gebrauchte. — Mein Teurer. Und er antwortete ihr, Deborah, voller Entzücken: — Hen — na — nan. Langgezogen erklangen die Silben, aus tiefstem Herzen quoll die Wonne eines Todesschauers. Und eine Furcht überkam ihn, daß das weite, weite Licht auf ihn vom Himmel herabfallen könnte . . . Als er vom Schlafe aufstand, eilte er zu der Tür ihrer Stube. — Mama . . . stammelten seine Lippen hinter der Türe. Und dann kam es ihm wie ein Wunder vor, warum sie ihn nie des Nachts verließ, während sie tagsüber sich doch stets von ihm fernhielt. Er wußte nicht, was ein Traum sei. Und wenn er einmal einen Blick in ihr Zimmer werfen konnte und sie ihn nicht ansah, dann meinte er insgeheim, daß er diesmal besonders schlau gewesen. Dann setzte er seinen Fuß sachte über hre Türschwelle. Und wenn er merkte, daß sie seine Tat nicht sah, zog er auch den linken Fuß ins Innere der Stube nach. Sie sah nichts, sie blickte nicht auf ihn. Sie lag mit geschlossenen Augen auf ihrem Bette. — Und er saß neben ihr . . . :hr Gesicht trug die Züge eines kleinen Kindes, voll Liebe und Güte, ^r fühlte, wie mächtige Wonne, Freude und Erleichterung sein Herz durchrieselten. — Mama ... — stammelte er leise. Sie regte sich nicht. — Hen-na nan, Mama . . . wiederholten seine Lippen. Und er küßte sie . . . Dann erwachte sie und begann sich zu erheben, ganz wie gewöhnlich. Auf ihrem Gesichte, einem ruhigen, guten Kindergesichte, nalte sich anfangs Furcht, dann aber Ingrimm. Endlich faßte sie hn beim Arm und schleppte ihn aus ihrer Stube. Und gleich daaif hörte er, wie der Schlüssel im Loche sich drehte. Am Abend verließ sie mit ihren Paketen, Säcken und Bündeln das Haus. Er sah durch das Fenster, wie sie den Wagen bestieg und abreiste. Das Lachen wich nicht von seinen Lippen, unaufhörlich schaute er durch das Fenster und warf ab und zu einen Blick in ihre Stube. Leer war ihre Stube, auch auf der Gasse erspähte er niemand. Erst in der Nacht, als der Schlaf ihn umfing, kam sie zu ihm, bald schreckhaft und zürnend, bald weich, gut und voller Anmut mit ihrem Kindergesichtlein. Und dann umarmte sie ihn, wie früher die Mutter. — Mama . . . Man vernahm ihre Antwort: — Mein Teurer! Aber am Tage, an den großen, langen Tagen sah er sie nicht. Und wenn er an der Schwelle ihrer Stube stand und in das Innere schaute, — meinte er, sie würde wiederkommen. Und er lief zum Fenster, — er wartete, noch ein Weilchen, und sie kehrt wieder mit ihrem weichen, leuchtenden, guten Gesichte. Und seine'Lippen lächeln, wie immer, wenn er einen heftigen Schmerz fühlte. Und gewaltig war der Schmerz, der sich für ewig in seinem Herzen einnistete. Am Tage -■— sobald seine Augen sich auftaten, begann er, und in der Nacht — da erschien sie ihm, und ihre Züge drückten Furcht und Zorn aus. Und in seinem Schmerze wich das Lachen nicht von ihm, und seine abgerissenen Laute ,,Hen-na-nan'* vernahm man im ganzen Hause. — Was fehlt ihm und wessen bedarf er? — dachte zunächst seine Mutter. Und er konnte nicht denken. Nur instinktiv erfaßte er die Eindrücke, die in seiner Seele das Leben der Umgebung reflektierte. Und er fühlte, daß Deborah ihm fehle, er ihrer bedürfe. Und je älter er wurde, desto gewaltiger übermannte dieses Gefühl seine Seele, desto heftiger ward sein Schmerz. Sein Gesicht begann abzumagern. — Warum ist sein Gesicht so mager? Mit Schrecken beschlich der Gedanke das Herz der Mutter. Aber sie vermochte die Ursache nicht zu ergründen. Sie sah nur das eine, daß sein Gesicht bleicher und magerer wurde, daß es allmählich der Schwindsucht verfiel, daß seine Lippen erblaßten und das Lächeln auf ihnen mit einem Schmerze gemengt war. Sie sah, daß er nicht mehr in allen Winkeln des Hauses herumschlich, daß er nicht mehr „wie ein Blitzstrahl vor den Augen hin- und herfuhr", sondern zumeist still'da lag. Und dann sah sie ihn eines Tages kalt, bewegungslos und stumm am Boden liegen..... Das Lächeln umspielte noch seine Lippen, und die Beimischung des Schmerzes war noch deutlich zu erkennen. . Und mit diesem schmerzdurchzitterten Lächeln senkten sie ihn in die Grube und schütteten die Erde darüber. I.Aus dem Hebräischen übersetzt von Josef Meist) Aus einer jüdischen Gemeinde an der nubischen Grenze 5. Jahrhundert v. Chr.! Die Aramäer waren ein von den „babylonischen" und kanaa-;äischen Semiten scharf unterschiedener Völkerstrom, der sich von!ser Mitte des 2. Jahrhunderts vor Chr. an aus Arabien in das ^leinasiatische Kulturland zu ergießen begonnen hatte. Im 14. und;3. Jahrhundert hören wir von den Aramäern aus Keilschriften: 1100 müssen sie bereits Damaskus, den tiauran und die Gebiete ostlich vom Jordan vom Tiberiassee bis an den Hermon besetzt naben; und die Bibel wie die babylonisch-assyrischen Urkunden vissen aus der Zeit Salomons und aus der der Auflösung des Davidreiches gar viel von dem mächtigen Aramäerstaat mit der Hauptstadt Damaskus zu erzählen, bis Tiglat-Pileser von Assyrien 732 vor Chr. Damaskus unterwarf und um 710 der syrisch-aramäische Staat assyrische Provinz wurde. Auch in die östlichen Gebiete der nordsemitischen Länder, nach Assyrien und Babylonien, vollzog sich eine aramäische Einwanderung, wobei es zu keinen großem, selbstständigen Staatenbildungen kam; die Aratnäer dieser Gegenden sind nach und nach in <ier babylonischen Kultur aufgegangen tvergl. darüber Sanda „Die Ahimäer" in „Der alte Orient"). Aber in einer

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