Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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No. 6 DIE30KELT 19 Felix Saiten, Arthur Schnitzler und Jakob Wassermann. Karten bei A. Gutmann. Mähr.-Ostrau. Der literarische Geselligkeitsverein zionistischer Mädchen Jehudith hielt am 20. Jänner a. c. seine 2. Generalversammlung ab. In den Ausschuß wurden gewählt: Frl. Josef ine Hahn, Präsidentin, Frl. Milly Baron, Vize-Präsidentin; Frl. Frieda Haberfeld, 1. Schriftführerin; Frl. Mania Alter, 2. Schriftführerin; Frl. Adele Milch, kassierin; Fr. Rosa Süßmandl, Bibliothekarin; Frl. Ella Presser und Frl. Else Beer. Zum Beirat wurde Herr Oberlehrer Kraus wiedergewählt. Der Verein zählt derzeit 30 Mitglieder. Kimpolung. Der jüdisch-nationale Verein junger Juden „Theodor Herz!" in Kimpolung feierte am 26. v. M. sein Gründungsfest. Der festlich geschmückte Rathaussaal war bis aufs letzte Plätzchen besetzt. Nachdem der Obmann des Vereins, med. Dr. Niederhofen die Festversammlung begrüßt hatte, hielt Herr cand. jur. Fischel Pichler die beifällig aufgenommene Festrede. Auch die Tendenzrede des stud. phil. Herrn Schloima Drimmer iZephira) machte auf die Versammlung einen großen Eindruck. Viele Mitglieder sind dem Vereine beigetreten, darunter einige Christen, so der Ho. Bürgermeister Eudoxius Prodanciuc, welcher die Tendenzen des Vereins, insbesondere das Wachhalten des nationalen Bewußtseins der jüdischen Jugend, mit großen Sympathien begrüßte. Wien. Die akad. Verbindung „Kadimah" veranstaltet am 13. Februar 1907 im Ballsaale des Hotels Bayerischer Hof, IL, Taborstraße, einen Kommers ad hon. Ihrer A. H. A. H. mit anschließendem Tanze. Beginn 9 Uhr. Regiebeitrag 2 K. Familienkarte 5 K. Soiree-Toilette, Karten zu haben: IX., Grünethorg. 19a von 6—8 Uhr abends. Basel. Am vorigen Samstagabend fand die Generalversammlung des Zionistenvereins „Misrachi" statt. Der Präsident des Vereins, Herr J. Rokovsky, teilte in seinem Jahresberichte mit, daß die Arbeit des Vereins im verflossenen Jahre auf allen Gebieten segensreich war, obwohl eine rege agitatorische Tätigkeit wegen desallgemeinen Nachlassens an Interesse für zionistische Fragen und infolge der Unzulänglichkeit der misrachistischen Zentrale in Frankfurt sehr erschwert wurde. Der Kassenbericht schloß mit einem günstigen Aktivsaldo. In der lebhaften Diskussion über die zukünftige Gestaltung der misrachistischen Arheit wurden verschiedene Leitsätze angenommen, nach welchen in Zukunft innerhalb und außerhalb der zionistischen Bewegung den Prinzipien der jüdischen Thoratreue Geltung verschafft werden solle. Dem Schomre-Thora-Männer-Verein, der dem „Misrachi" das Vereinslokal kostenlos überläßt, sprach die Versammlung wärmsten Dank aus. Einem geschätzten Mitgliede des Vorstandes, das in jüngster Zeit von einem hiesigen nichtzionistischen Vereine scharfen Angriffen ausgesetzt war, gab die Versammlung ihre Sympathie kund. Die Vorstandswahl wurde per Akklamation vorgenommen; es wurden gewählt die Herren: J. Rokovsky, Präsident, cand. phil. J. J. Braun, Vize-Präsident, P. xM/Goldschmiedt, Kassier, stud. med. Ch. Lauer, Schriftführer, und Kantor L. Lob, Beisitzer. In seinem aneifernden Schlußworte konnte der Präsident vollständige Einhelligkeit unter den Mitgliedern in sämtlichen Fragen der taktischen und prinzipiellen Tätigkeit mit Genugtuung konstatieren. Fröhlich nnd vergnügt verließen die Mitglieder das Vereinslokal mit dem Wunsche: Chasak wecmaz! Jamnitz. Dieser Tage haben die Kultus-Ausschußwahlen in unserer Gemeinde stattgefunden. Das Ergebnis war für uns Zionisten ein sehr erfreuliches, da wir die Majorität in der Gemeinde errangen. Es ist dieses nicht das Resultat hitziger Wahlkämpfe, sondern konsequenter, ruhiger, beharrlicher Arbeit. Bis auf einige Mitglieder, die mit ihren assimilatorischen Gewohnheiten noch nicht brechen wollen, steht jetzt unsere ganze Gemeinde im zionistischen Lager. Wir hoffen auf ein rasches Entwickeln und Gedeihen unseres Gemeindewesens auf zionistischer Grundlage. ooooooooo s^sr NACHRICHTEN ISiS OOOOOOOOO Ergebnis der deutschen Reichstagswahlen Jetziger Stand Nationalliberale ...... "reisinnige Volkspartei freisinnige Vereinigung . Süddeutsche Volkspartei Deutschkonservative . teichspartei...... Reformpartei *)..... Deutschsoziale*) . . . . 3'und der Landwirte *) Jhristlichsoziale *) . . Wirtsch. Vereinigung *) bayrischer Bauernbund Vlittelstandspartei *) . . Zentrum . . ■...... :lsaß-Lothr. Zentrum . . Weifen.......;3olen........ Sozialdemokraten . . . Oänen ....... Lothringer ....... vVildliberal...... Wildkonservativ . . . Besitzvor der stand Auflösung 56 51 28 20 12 10 7 6 59 52 23 22 6 7 8 5 7 4 3 2 3 1 1 3 2 0 106 105 4 6 0 2 20 16 43 79 1 1 3 4 4 0 1 1 *) Offen antisemitisch. Eine neue hebräisch=zionistische Zeitschrift „HAETH" betitelt sich eine neue, dreimal in der Woche herauszugebende politisch - literarische Zeitschrift in hebräischer Sprache mit zionistischer Tendenz, deren erste Nummer am 28. Januar in Lemberg erschienen ist. Redakteur dieser Zeitschrift ist der bekannte jüdische Journalist Gustav Bader. Viele hervorragende Schriftsteller haben der neugegründeten Zeitschrift ihre Mitarbeiterschaft versprochen. Zur Wahlbewegung in Russisch-Polen Der Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" schreibt in einem längeren Artikel: Die polnischen Bemühungen, die Juden für sich zu gewinnen, werden von den Russen mit Hohn kritisiert. Man wirft ihnen vor, daß sie mit unlautern Schmeicheleien und durch das wiederholte Ausgraben von Erzählungen über die durch polnische Magnaten in frühern Zeiten den Juden so oft angeblich bewiesene Großmut und Mildtätigkeit versuchen, die Gunst der Juden zu erobern. In russischen Wählerversammlungen Wilnas hörte man z. ß.: Die Juden säen zwar die Anarchie, aber trotzdem bemühen wir uns, den Juden im Wahlkampf zum Siege zu verhelfen, denn ein Jude spricht Russisch und haßt nicht Rußland, während jeder Pole die Kenntnis der russischen Sprache verleugnet und Rußland Verderben wünscht. Solche Äußerungen erregen den Zorn des Verbandes wahrhaft russischer Männer, deren unversöhnlicher Antisemitismus keinen Juden aufkommen lassen will. „Die Polen sind schlecht, aber die Juden sind schlechter, ein Jude ist schlimmer als zehn Polen", rief ein Redner in einer Sitzung des Verbandes in Wilna. In einem von dem Vorsitzenden des Verbandes Dubrowin unterzeichneten Aufrufe, der in jener Versammlung verteilt wurde, heißt es: „Der Jude hat bei der Wahl in die erste Duma nur durch trügerische Versprechungen von Verteilen den Sieg davongetragen. Mit den Juden ist in die erste Duma eine Bande von Lumpen und abgerissenen Habenichtsen gelangt, eine Rotte vaterlandsloser Subjekte ohne Ehre und Gewissen, ohne Glauben an Gott, ohne Liebe zum Vaterland und zum Zaren. Russische Männer, wollt ihr, daß die Schmach sich wiederholt? Der Jude ist unser Feind und seine Kapitalien haben uns besiegt, weil die Juden einig sind und weil hinter jedem Juden das Gebet des ganzen jüdischen Volkes steht. Wir aber sind uneinig und zersplittern unsere Stimmen. Hört nicht auf die schmutzigen Lügen der Juden, sondern verfolgt diese Verläumder. Ihr, die ihr schreiben könnt, unterschreibt selbst bei der Wahl, und die des Schreibens Nichtkundigen dürfen nur solche Männer bevollmächtigen, die nicht fähig sind, für einen jüdischen Rubel oder ein jüdischesFiinfzigkopekenstück ihre Brüder zu verraten." Die Juden sind klug genug, um einzusehen, daß sie allein, ohne Unterstützung einer anderen Partei, keinen Erfolg haben werden