Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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und haben daher in Wilna und- Bjelostok beschlossen, auch für ~ christliche Kandidaten zu stimmen: „Wenn wir uns fortreißen lassen und nur für Juden stimmen, machen wir * einen unverzeihlichen \ Fehler und zerstören dadurch unsere eigene Sache." Jedoch haben i sich die jüdischen Versammlungen in Wilna gegen eine Vereinigung mit den Polen und ebenso gegen eine solche mit dem Verband der friedlichen Erneuerung ausgesprochen, da eine solche Vereinigung den Interessen der Juden schädlich sein würde. In dem Verhalten der Regierung gegenüber den Juden läßt sich ein einheitlicher Gedanke nicht erkennen. Was sie mit der einen Hand gibt, nimmt sie mit der andern. Die zionistische Bewegung nimmt zu, seitdem im vorigen Monatin Helsingfors ein politisches Programm derZionisten Rußlands aufgestellt worden ist. Das Zentralkomitee verteilt Flugblätter, worin gefordert wird: Gleichberechtigung aller Konfessionen und Nationalitäten, uneingeschränkte Selbstverwaltung der jüdischen Gemeinden und Selbstbestimmung in allen die Juden betreffenden Fragen, demokratische Form der Verfassung, Einführung eines strengen Parlamentarius. Weder Anlehnung an den Verband vom 17. Oktober noch an die Partei für friedliche Erneuerung, vielleicht aber an die Partei der Volksfreiheit. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Juden, trotz aller Verfolgungen und Anfeindungen an Selbstbewußtsein sehr zugenommen und auch, infolge mancher toleranter Strömungen an den maßgebenden Regierungsstellen einige praktische Erfolge zu verzeichnen haben. Es würde, wenigstens im Nordwestgebiet, kaum noch angebracht sein, die Juden als ein geknechtetes Volk zu bezeichnen. Von den Wahlen in Rußland Die „Rjetsch" berichtet ausPinsk: Dieser Tage fand eine zahlreich besuchte Versammlung der jüdischen Wähler zum Zwecke der Aufstellung von Wahlmännerkandidaten statt. Die Mehrheit der Versammlung bildeten die Zionisten. Die „Bundisten" und „Iskrowzi" versuchten mit aller Kraft, die Versammlung zu stören und zu sprengen. Es entstand ein solcher Lärm, daß es unmöglich wurde, die Frage zu debattieren. Die Energie der Mehrheit der Versammlung und deren Einberufer hat jedoch die Versuche der Ruhestörer ■ zum Scheitern gebracht. Statt aller Debatten schritt man unmittelbar an die Wahlen, und es wurden ein Zionist und ein parteiloser Progressist, ein Nationaljude, gewählt. Obwohl die „Bundisten" und die „Iskrowzi" gar keine Chancen haben, ihre Kandidaten durchzubringen, haben sie eine eigene Liste aufgestellt, für welche sie eine "eifrige Propaganda entfalten. Ihre Kandidaten aber sind gänzlich unpopulär. * Aus Warschau wird berichtet: Die „Nationaldemokraten", die stärkste Partei des Landes, haben den Zionisten die Abschließung eines Wahlblocks angeboten, wonach die Zionisten mehrere Mandate in Polen erhalten sollten. Die Zionisten haben jede Vereinigung mit der früher offen, jetzt versteckt antisemitischen Partei abgelehnt. * In Elisabethgrand wurde mit der Liste der fortschrittlichen Wahlmänner auch das Mitglied des zionistischen A. C. Ing, Temkin, in Rowno unser Gesinnungsgenosse Schabotinski gewählt. Die Lage in Odessa Odessa, 5. Februar, Die Lage ist hier sehr ernst Anarchisten überfallen täglich Polizisten auf ihren Posten und erschießen sie. Die Ausschreitungen der „Schwarzen Hundertschaften" gewinnen immer mehr an Umfang. In Proklamationen droht die „Weiße Garde" sich an den Juden zu rächen. •**+****m^*^*^^m*mrm*i*+*^+^****** |^v^w«W»^^^^^^*W^^M'''■^»A^*» Fani Ehrlich * Mayer Henisch - VERLOBTE.- STANISLAU, im Januar 1907 (Sebat 5667). t**m**+~~m**H ^m+^**»*<y ^^ttA*******^**** W^^W-***» KORRESPONDENZKARTEN künstlerische Ausführung, von unserem Gesinnungsgenossen Rochumowski in Paris, Helldruck, vorläufig deutsci und hebräisch, zu beziehen nur von 100 Stück aufwärts und nur gegen Vorausbezahlung beim Zentralbureau des Jüdischen Nationalfonds in Wien IX, Türkenstraße 9. Preis per 100 Stück franko zugestellt K. 10.—, für Organisationen 20°/o Provision. Das Erträgnis ist für den Jüdischen Nationalfonds bestimmt.