Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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18 — "DIE 2 Bericht des böhmischen Distriktskomitees Die nachstehende Tabelle zeigt am besten, wie sehr der zio_ nistische Gedanke in unserm Distrikte Fortschritte macht und gibt zugleich Aufschlüsse über die Organisation des böhmischen Distriktes, die vielleicht für manchen anderen Bezirk interessant sein dürften. Schekelbeiträge Parteisteuer Name und Ort des Vereins .... 1904; 1905 1906 1904 1 1905 1906 Prag j j i 1. Jüdischer Volksverein Zion 309 273 | 325 195! 274 325 2. Jüdischer Frauenverein . 82 90; 100 82! 90 100 3. Freie zionistische Vereinigung ........ — 54 - -h 10 — i 54 -h 10 4. Bar Kochba...... 40 40 44 28! 27 44 5. Verein alter Herren der 45 1 - j — — 6. Fraternitas....... 20 25 : 20 | 25 — 7. Barissia........ 26; 17 .._ | 26 17 8. Teplitz, J. V. Z...... 224 183! 155 173 157 155 9. Dux-Bilin, J. V. Z. . . — — 37 —; „_ 32 10. Brüx, J. VZ....... 37 —! .... 37 11. Komotau, J. V. Z. ... 50 50 50 50 24 — 24 13. Kolin, J. V. Z...... 62 47 1 59 57! 47 45 14. Kuttenberg, J. V. Z. . . . 41 25 i 25! 16 13 15. Podiebrad, J. V. Z. . . . 37 ---- 37 16. Leitomischl, J. V. Z. . . 38 12 ■ 19 12 14 17. Budweis, J. V. Z..... — 51! 50 --! 51 50 18. Strakonitz, J. V. Z. . . . 30! .... | 30 19. Pisek, J. V. Z...... 37 44 | 42 — 44 42 20. Pilsen, J. V. Z...... 82 173 1 167 82 | 173 167 21. Eger, Ahavath Zion . . . 40 31 | 25 — i 22. Karlsbad, J. V. Z..... 40 50 : 54 20 _ i i 35 23. Horazdiowitz, J. V. Z. . . 33 16 I 9 19 16 24. Raudnitz, J. V. Z..... 27 21; 20 29 | 5 — Zerstreute kleinere Gruppen . | 68 "—751 5~ 1 ~2| 1 ~"3 Summa . . . 1 143 1 262! 1410 688 1 077 1235 Hierbei ist zu bemerken, daß der Rückgang bei manchen Vereinen nur ein scheinbarer ist, indem auswärtige Mitglieder vielfach zu einem eigenen Verein anwuchsen. Dies ist z. B. in ausgesprochenem Maße bei Teplitz (bez. Brüx, Dux, Komotau) der Fall. Nur ein Verein (Fraternitas in Prag) ist, wenigstens temporär, ausgeschieden, indem dessen Mitglieder größtenteils zur Poale-Zion- Organisation übertraten. Diese zählte in ihrem Gründungsjahi 1906 in Böhmen 28 Schekelzahler, welche in keiner sonstigen Verbindung mit der Landesorganisation stehen. Es ist ferner die Zahl der Schekelzahler oft nicht identisch, fast immer größer, als jene der Parteisteuerzahler; das kommt daher, daß manche Zionisten nur Schekel zahlen und dem betr. Vereine nicht als Mitglieder angehören; sie sind trotzdem stets einem Vereine zugeteilt, da das Distriktskomitee seit 2 Jahren prinzipiell ausschließlich Vereinen gegenüberstehen will, und diesen wiederum den Verkehr mit den einzelnen völlig überläßt, eine Teilung der Arbeit, die sich sehr gut bewährt, und jede Reibung zum Verschwinden gebracht hat. Vereinsmitglieder — und nur solche haben Wahlrecht etc. für die Landesorganisation — zahlen abgesehen von dem jeweiligen Vereinsbeiirage 1 Krone Schekel und 1 Krone Parteisteuer. Von den Schekelgeldern erhält das A. K. (durch Vermittlung des L. K. in Wien) 50 °/o, seit einem Jahr 60 %, Wenn die Verhältnisse sich weiter günstig gestalten, wird die Quote weiter erhöht werden. 1904 1905 1906 Es erhielt vom D. K. das A. K.: 557,50 637,50 792,— Kr. ferner erhielt das L.K. in Wien: 45(V-■ 478/75 500,--__„ Summa: 1007,50 1116,25 1292,— Kr. Von den letzten 500 Kr. wurden 200 Kr. überwiesen und 300 Kr. zur Tilgung einer alten Schuld des L. K. bei einer hiesigen Bank verwendet. £ LT No. 6 Was das Jahr 1906/7 anbelangt, so läßt sich schon jetzt ein weiteres starkes Anwachsen des Zionismus in Böhmen konstatieren; ein besonders reges zionistisches Leben ist, abgesehen von Prag und Teplitz, in Kolin und Brüx, in letzter Zeit auch in Budweis (50 neue Mitglieder) und Nachod (60) zu verzeichnen. Vor allem strömt die Jugend immer stärker und begeisterter zu uns, was naturgemäß erst in einigen Jahren zahlenmäßig zum Ausdruck kommen kann. Amerika Das Ereignis der letzten sechs Wochen war für die amerikanischen Zionisten — und vielleicht für die amerikanischen Juden insgesamt — die Vortragsreise des Dr. Schmarje Levin durch Amerika. Zwar hatten die amerikanischen Zionisten große Hoffnungen an den Erfolg dieser Tournee geknüpft, aber diese Fülle des Enthusiasmus hatten sie doch nicht erwartet. Überall, wohin er kam, wurde Dr. Levin mit einer Begeisterung gefeiert, die gleichermaßen auf das Konto des unermüdlichen Vorkämpfers für die Rechte der russischen Juden, des eifrigen und unermüdlichen Propoganisten unserer Idee wie auch des glänzenden und in jeder Beziehung hervorragenden Redners zu setzen ist. Die gesamte amerikanische Presse beschäftigte sich eingehend mit der Persönlichkeit Dr. Levins und mit den von ihm vorgetragenen Anschauungen und es kann mit Genugtuung konstatiert werden, daß die Vorträge Dr. Levins die Meinung der Presse ganz außerordentlich zu unsern Gunsten gewendet haben. Stand bis dahin schon die amerikanische jüdische und nichtjüdische Presse dem Zionismus mit freundlicher Sympathie gegenüber, so haben die Reden Dr. Levins bewirkt, daß die Blätter aller Parteirichtungen den Zionismus als eine berechtigte — und was in Amerika viel sagen will — realisierbare Bewegung bezeichnen, die zu unterstützen die Pflicht jedes Juden und Menschenfreundes sei. Man kann sonst nicht eben sagen, daß die amerikanischen Juden immer einig seien. Wer aber das große Meeting vom 9. Dezember in Durlands Riding Academy mit erlebt hat, wer gesehen hat, wie Tausende und Abertausende Menschen den riesengroßen Saal, einen der größten New Yorks, füllten und wie wieder andere Tausende unverrichteter Dinge umkehren mußten, weil das starke Polizeiaufgebot, das erschienen war, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, niemanden mehr einließ, da der Saal schon mehr als überfüllt war, wer beobachtet hat, wie alle Schichten der New Yorker Judenheit an diesem Abende einträchtig nebeneinander saßen, die Einheimischen wie die Zugewanderten, der Kapitalist neben dem Proletarier, und wer sich schließlich erinnert, welchen Eindruck es machte, daß diesem Meeting präsidierte Jakob HL Schiff — der „Philanthrop" — und Cyrus L. Sulzberger — der „Territorialist" - neben den anerkannten Führern der Zionisten Amerikas, dem wurde es an diesem Abend wohl klar, daß auch in Amerika der Zionismus die Mittellinie darstelle, die geeignet und berufen ist, die mannigfachen Strömungen des Judentums zu einigen und zu verbinden. Als Dr. Levin seine Rede beendet hatte, brach ein Sturm der Begeisterung los, wie er selbst im Amerika nicht zu den Alltäglichkeiten zählt: Die Zehntausende Menschen erhoben sich, klaschten und riefen Beifall, zionistische Fahnen wurden geschwenkt, ein Blumenregen ergoß sich über den Redner und mit mächtigem Schalle ertönte die zionistische Hymne, die von denen, die draußen auf der Straße harten, mitgesungen wurde. Und in Philadelphia, Pittsburg, Chicago, Cincinnati, Baltimore, St. Louis, Claveland und all den anderen Städten, wo Dr. Levin sprach, war der Empfang nicht weniger herzlich und der Erfolg nicht weniger großartig. Die Zionisten Amerikas sind Dr. Levin zu großem Danke verpflichtet, seine Reise war für die Zukunft des amerikanischen Zionismus von entscheidender Bedeutung. Verschiedenes Dublin. Am 31. Januar fand in der Molesworth Street Hall eine Versammlung statt, der M. S. Cornick, Vorsitzender der Chowewe Zion präsidierte und wobei Rabbiner Dr. S. Daiches aus Sunderland einen Vortrag über Zionismus hielt. Der warmherzigen Beredsamkeit des Vortragenden gelang es das sehr zahlreiche Publikum zu enthusiasmieren. Besonderen Eindruck machten die Stellen der Rede, in denen der Referent auf die geistigen und historischen Grundlagen des Palästinaideals hinwies. Dr. Daiches fand den lebhaften Dank der Versammlung, Wien. Veranstaltung des Wiener Zionistischen Frauen verein es. Sonntag den 10. Februar findet im Bösendorfer Saal eine Vorlesung statt, deren Erträgnis dazu bestimmt ist, für die hinterbliebenen Kinder der in Rußland gemordeten Juden ein Waisenhaus in Palästina zu errichten. Es werden lesen: Richard Beer-Hofmann,