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Die Welt · 1907-02-08 · 6 (8.2.1907) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 6 =DIE] Verwechslung und Identifizierung mit rein diplomatischer Arbeit. Ich fordere Herrn Cowen auf, uns klipp und klar zu erklären, was er unter „politischem" Zionismus versteht, und uns zu zeigen, ob es einen anderen Weg gibt zur Realisierung unseres politischen Ideals. Mitantragsteller S ach er: Wir stehen vor einem kritischen Wendepunkt im englischen Zionismus. Das politische Handwerkszeug der ersten Jahre ist stumpf geworden. Die Jugendaufgabe des Zionismus bestand darin, das Nationalbewußtsein des Judentums zu wecken, und wir haben es erreicht, den Zionismus zur ersten repräsentativen Bewegung im Judentum zu machen. Wir haben an die Einbildungskraft, die Begeisterungsfähigkeit der Juden appelliert, heute stehen wir vor harten Realitäten. Palästina läßt sich nicht im Fluge der Begeisterung erobern und auch nicht durch abstrakt diplomatische Aktion gewinnen. Wir haben uns abzufinden mit der Erkenntnis, daß der Zionismus nur durch langsame Arbeit, durch organischen Fortschritt ans Ziel kommen kann. Wir haben das nationalbewußte Judentum mit Palästina lebendig zu verknüpfen, wenn wir es nicht entmutigen und verlieren wollen. Die Notwendigkeit praktischer Palästinaarbeit ist vor allem auch eine propagandistische Notwendigkeit. Der Zionismus hat einen Grad der Reife erlangt, der ihn verpflichtet, für sein Ziel tatkräftig und sichtbar zu arbeiten. Rußland, Amerika und andere Länder treiben lebendige zionistische Politik der Tat. Wir englischen Zionisten stehen mit unserer Passivität allein da. Wir sind ein Zweig, abgeschnitten vom treibenden Baume des Zionismus. Der englische Zionismus welkt und kränkelt. Unsere Resolutionen sind ein Versuch, den Fortschritt der Krankheit zu hemmen. Niemand darf es wagen, die Hände des Arztes zu binden, der nicht ein anderes und besseres Heilmittel beizubringen weiß. Cowen: Daß praktische Palästinaarbeit eine propagandistische Notwendigkeit ist, darf für uns kein Grund sein, sie zu akzeptieren, wenn uns nicht der Vorwurf der Demagogie treffen soll. Antragsteller, die ihre Resolutionen derartig begründen, haben kein Recht, mir Demagogie vorzuwerfen. Aus Rücksicht auf propagandistische Tätigkeit allein dürfen wir die Volksgelder nicht in Gefahr bringen. Ein Brief aus dem Handelsministerium belehrt uns, daß wir kein Recht haben, für die Unternehmungen der Anglo Palestine Co. in Palästina auf englischen Schutz zu rechnen. Wir wären gewissenlos, wenn wir den Bau erweitern wollten, ehe der Baugrund aufs sorgfältigste sondiert ist. Man hat mir den Vorwurf abwartender Untätigkeit gemacht. Sind wir untätig? Jeder Vorschlag, den man vor uns bringt, erfährt sorgfältigste Beachtung und eingehendes Studium. Wir haben in Palästina 3 Filialen der Anglo Palestine Co. etabliert. Verlatigen Sie, daß wir alle 5 Minuten eine Filiale aufmachen sollen? Chowewe-Zionismus ist sehr gut, hat aber mit uns so wenig zu tun als Territorialismus. „Praktische Arbeit — so ermahnt uns ein Freund aus Palästina - solle nicht von zionistischer Seite propagiert werden. Die habe in aller Stille zu geschehen und Jas Hauptaugenmerk müsse gerichtet bleiben auf die Erlangung von Rechten in Konstantinopel". Überstürzte Tätigkeit in Palästina muß ins immer tiefer in Konflikt mit dem türkischen Gesetz bringen und;s wäre unmoralisch einem derartigen Konflikt das Wort zu reden Wir dürfen und können nicht rascher vorgehen, als es bisher gediehen. Unsere politischen Pläne kann ich nicht enthüllen. £ELT - 15 tr Dr. Weizmann: Nicht die Art der Pläne wollen wir wissen, sondern nur, ob solche Pläne überhaupt existieren, Cowen: Ich habe über die Tätigkeit des inneren Aktionskomitees keinerlei Information. (Die Zwischendiskussion ruft starke Bewegung hervor.) Unsere politische Arbeit soll vor allem unser politisches Ideal lebendig erhalten. Wenn wir das Ideal aus dem Auge verlieren, dann wird unsere Tätigkeit so fruchtlos bleiben wie die Rothschilds in Palästina. Redner beantragt hierauf Amendements, die die Zustimmung der Antragsteller finden und wendet sich vor allem gegen die Empfehlung eine Agrarbank zu etablieren, die den in Palästina bereits bestehenden Instituten unnötige Konkurrenz machen würde. Dr. Gaster: Daß die Notwendigkeit praktischer Palästinaarbeit für Zionisten Gegenstand einer Diskussion sein kann, ist ein äußerst betrübendes kompromittierendes Schauspiel, besonders, wenn es, wie die Ironie es will, von Leuten inszeniert wird, welche darauf Anspruch machen, die direkten Erben Herzls zu sein. Den Nationalfonds hat unser Volk gegeben zum Landankauf in Palästina im vollen Bewußtsein des Risikos. Und wo ist denn dieses Risiko? Hat denn Baron Rothschild seine Millionen eingebüßt, ist nicht englisches Geld in Palästina investiert? Wird uns nicht anbaufähiges Land Stück für Stück von Nichtjuden weggefischt? Hier kämpfen zwei Weltanschauungen, die der Vorsichtler, die das Kind in ihrem Vorsichtseifer töten, und die der Visionäre, der Politiker der Zukunft. „Utopisten", Visionäre haben den Bezalel geschaffen und den Herzlwald. In der Politik sollten die großen politischen Nationen unsere Lehrmeister sein, die durch wirtschaftliche Arbeit politische Ansprüche etablieren. Sehr kläglich war der Hinweis auf den Brief des Handelsministeriums. Unsere nationale Ehre bäumt sich dagegen auf, wenn wir hören, daß unsere Vertreter sich dazu hergegeben haben, bei der englischen Regierung um Schutz zu betteln. Aus diesem Mangel an Selbstvertrauen sollen wir Begeisterung schöpfen? Leute, die alle Probleme zu einer Geldfrage reduzieren, sollen die Helden sein, die eine Bewegung zum Sieg führen? Bentwich: Das, was Cowen abschreckt, ist das, was unsere Kampfeslust weckt. Das Schreckgespenst, das Cowen uns vorhält, soll uns als Banner vorausgehen im Kampfe gegen den Feind. Die Verhandlung wird abgebrochen, um die Wahl des Vorstandes vorzunehmen. Zur Vorstandswahl liegt eine Resolution der Manchester Zionist Association vor, die eine Statutenänderung beantragt und vorschlägt, neben der Präsidentenstelle noch eine Ehrenpräsidentensteile zu schaffen. Die Diskussion führt zu einem erregten Auftritte zwischen Gaster und Cowen und endet in einer eindrucksvollen Versöhnungsszene, die von der Konferenz stürmisch akklamiert wird. Nach einstimmiger Annahme des Antrages der Manchester Zionist Association wird Gaster mit Akklamation zum Präsidenten gewählt. Sir Francis Montefiore wird Ehrenpräsident, Cowen Vizepräsident für London, Dr. Weizmann Vizepräsident für die Provinz. Die programmatischen Manchester-Resolutionen werden hierauf einstimmig akzeptiert und gehobene Stimmung begleitet den Schluß der Konferenz. Nach Erledigung des Kassenberichts wird die bedeutungsvolle Tagung von Cowen geschlossen. Die Tagesordnung konnte leider nicht erschöpft werden. Dr. F. Zweite Jahreskonferenz der South African Zionist Federation Die zweite Jahreskonferenz der südafrikanischen zionistischen federation wurde am 29. November v. J. in der Masonic Hall in Johannisburg in Gegenwart des Präsidenten des A. C, Herrn David Wolffsohn, und zahlreicher Delegierter eröffnet. Die Konferenz war so gut besucht wie noch nie eine Zusammenkunft von Vertretern der südafrikanischen zionistischen Vereine. 63 Vereine waren durch 85 Delegierte vertreten. Den Vorsitz führte der Präsident der Federation, Herr S. Gold reich. In seiner Eröffnungs-

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