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Die Welt · 1907-02-08 · 6 (8.2.1907) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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14 DIE^fE LT No. 6 o o o o o o o c o o o o o o o J AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o Spezialbericht über die Jahreskonferenz der English Zionist Federation Die Jahreskonferenz der E. Z. F. war beherrscht von dem Kampf der Geister, der seit dem VI. Kongreß und seit der Aufnahme des Prinzips praktischer Arbeit in Palästina durch die zionistischen Reihen geht. War dieser Kampf für die kontinentalen Landsmannschaften eine Quelle regen politischen Lebens, so war er hier in England von persönlichen Differenzen derart überwuchert, daß der erzieherische Effekt ausblieb und für eine Zeitlang politische Stagnation die Folge war. Die Konferenz hat dem Bruderzwist ein Ende bereitet und die divergierenden Heeressäulen in dieselbe Marschrichtung gebracht. Ihr Verdienst geht aber darüber hinaus. Durch eine tiefangelegte prinzipielle Debatte brachte sie Klarheit in Dinge, in denen man dem englischen Zionismus bisher mit einigem Rechte Ignoranz vorwerfen durfte. Die Beseitigung der Personalfragen hat die Bahn freigelegt, mit der Diskussion und Annahme der auf praktische Palästinaarbeit gerichteten Resolutionen hat die Konferenz den Boden für künftige fruchtbringende Tätigkeit geschaffen. * Zu besten Hoffnungen berechtigt das lebhafte Interesse, welches die Konferenz programmatischen Fragen entgegenbrachte. Eine programmatische Broschüre von Weizmann und Sacher veranlaßte die Delegierten, am Vorabende der Konferenz zu einer zwanglosen Besprechung zusammenzutreten, eine Neuerung, die beweist, daß nun auch im englischen Zionismus das früher ganz fehlende Interesse für theoretische Fragen lebendig geworden ist. * Vormittagssitzung Die Konferenz wurde am Sonntag den 3. Februar vormittags von Sir Francis Mo ntefiore in Anwesenheit von ca. 50 Delegierten eröffnet. Der Geschäftsbericht des Sekretärs, H. Percy Baker, gab Anlaß zu einer recht lebhaften Debatte, die sich zunächst um den s. Zt. mit der Ito gemeinsam erlassenen Aufruf dreht. Sir Francis ergreift die Gelegenheit, um sein Bedauern auszusprechen, den Brief ohne Vorwissen der Exekutive unterzeichnet zu haben, eine Erklärung, die lebhaften Beifall findet und die Diskussion abschließt. iGreenberg ist abwesend.) Zum Punkte „Zionistische Presse" wurde auf Antrag Salkinds eine Fünferkommission gewählt und beauftragt, die Herausgabe eines zionistischen Blattes in jüdischer Sprache vorzubereiten. Die Frage der' Legalisierung des Nationalfonds brachte die Annahme eines Antrages des Bnei Zion, Glasgow, betreffend Einsetzung eines Komitees mit dem Auftrag, einen Plan zur Schaffung einer legalen Grundlage für die Sammlungen auszuarbeiten. Eine Majorität findet ferner der Antrag Bentwich, der verlangt, „daß das Aktionskomitee ersucht werden möge, Schritte zu unternehmen, um das im Namen des Nationalfonds zum Zwecke des Landankaufs in Palästina gesammelte Geld sicherzustellen und zu verhindern, daß es für andere Zwecke verwendet werde." Der Bericht des Sekretärs wird genehmigt. Nachmittagssitzung In der Nachmittagssitzung erreichten die Diskussionen der Konferenz ihren Höhepunkt. Zur Diskussion stehen die prinzipiell wichtigen Resolutionen der Manchester Zionist Association, in welchen versucht wird, die Stellung des E. Z. F. auf dem nächsten Kongresse zu präzisieren. Die Anträge werden nach einer bedeutungsvollen Debatte mit unwesentlichen Amendements in folgender Form angenommen: Resolutionen I. Die Konferenz ist der Ansicht, daß die diplomatische Arbeit der Aktionskomitees nur einen Teil der politischen Aktion darstellt und daß die Diplomatie um so wirkungsvoller wird, je mehr sie sich stützen kann auf starke wirtschaftliche und kulturelle Positionen in Palästina. IL Der nächste Zionistenkongreß möge in Palästina selbst ein Komitee zur Untersuchung der natürlichen Hilfsquellen des Landes einsetzen. Das Komitee soll der Kontrolle des Aktionskomitees unterstehen. III. Man möge, um jüdische Aktivität in Palästina zu ermuntern, den Kolonisten bei Gründung von Vereinen und Gesellschaften behilflich sein. Spezielle Aufmerksamkeit soll der Entwicklung von jüdischen Schulen in Palästina zugewendet werden, und schließlich möge geschehen, was in unsern Kräften steht, um die Lage der jüdischen Proletarier in Palästina zu verbessern. IV. Der 8. Zionistenkongreß sei aufgefordert, zu erwägen, auf welche Weise man jüdischen Kolonisten durch Landwerte sichergestellte Darlehen verschaffen könnte. Zur Begründung der Anträge erhält Dr. Weizmann das Wort: Der Zionismus ist lange sozusagen Plattformzionismus gewesen. Der ersten Form des Zionismus ist das Verdienst nicht abzusprechen, die große zionistische Organisation geschaffen zu haben. Aber die praktischen Probleme, vor die uns die Gegenwart stellt, konnte diese Form nicht lösen. Sie verlangen langsame, mühevolle Arbeit und Arbeit anderer Art. Opfer sind nötig, schwere Opfer, schwerer als die, welche die russische Revolution darbringt, weil es stille Opfer sind, Opfer, die unbeachtet fallen. Wir haben die Arbeit zu leisten, die der Franzose conquete du sol nennt. Nur als Folge, als Sanktion dieser friedlichen Durchdringungspolitik kann der Charter kommen. Die Geschichte des Charters kennt kein Beispiel einer mühelos gewonnenen Konzession. Die von dem Berliner Kongreß dekretierte armenische Autonomie ist nie effektiv geworden. Man stimmt uns bei, wenn wir praktische Arbeit im Zionismus verlangen, doch an die Zustimmung knüpft eine Anzahl unserer Gesinnungsgenossen ein Aber um das andere. Und dieses „Aber" ist es, daß die Aktionsfreude tötet, aus diesem „Aber" spricht der Geist passiver Resistenz, der jeder Tätigkeit in Palästina entgegen ist Man verweist uns auf die Beiruter Neugründung. Beirut sei angeblich ein Fehlschlag gewesen. Wer beweist es? Einen Einzelfall herauszugreifen und ihn zu generalisieren, ist ein demagogisches Manöver, würdig der antisemitischen Agitation, die auch für Einzelfälle alle Juden verantwortlich macht. Das Argument von Beirut ist so ein Beispiel für die Methode der passiven Resistenz. Die alten Schlagworte sind abgenutzt, mit leeren Händen und leeren Herzens stehen wir vor dem Volke. Überall im. Lande zeigt sich dann Stagnation . . . Palästina darf nicht länger ein toter Buchstabe bleiben, es muß eine Realität werden, eine Realität mit Schatten und Licht. Ich unterschätze nicht den Wert der Diplomatie, aber unsere diplomatische Aktion wird ja unterstützt und erleichtert durch wirtschaftliche Erfolge in Palästina. Wogegen ich mich wende' daß ist der Mißbrauch des Begriffs „Politischer" Zionismus, seine

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