Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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anspräche gedachte Herr Goldreich der Anwesenheit des Präsidenten und des enthusiastischen Empfanges, der ihm allerseits zuteil geworden. Juden und Nichtjuden hätten sich beeilt, dem Führer der zionistischen Bewegung ihre Sympathie zu bezeugen, und es sei nicht daran zu zweifeln, daß der Besuch Wolffsohns für den Zionismus in Südafrika von entscheidender Bedeutung sein werde. Herr Goldreich verbreitete sich hierauf über die Erfolge des Zionismus seit dem letzten Kongresse und verweilte mit besonderem Nachdrucke bei den zionistischersei ts in Palästina unternommenen* Arbeiten. Die reale Arbeit in Palästina sei die Seite des zionistischen Programms, die auch bei Nichtzionisten Verständnis und die meiste Anerkennung finde. Die Arbeit in Südafrika selbst schreite sehr gut vorwärts, Für das kommende Jahr rechne man mit einer Zahl von 20 000 Schekelzahlern. Die Einrichtung einer Filiale des Jewish Colonial Trust sei in die Wege geleitet Inzwischen aber sei mit einem lokalen bedeutenden Bankinstitut eine Vereinbarung getroffen worden, wonach dieses vorläufig als Agentur des J. C. T. in Südafrika fungiere. Der Einfluß der Zionisten in Südafrika wachse von Tag zu Tag. Und ihre Meinung komme sehr in Betracht nicht nur bei allen Dingen des jüdischen, sondern auch des allgemein-politischen Lebens. Es sei Ehrenpflicht jedes Zionisten, bei den Wahlen zum Parlament darauf zu achten und dahin zu wirken, daß antisemitische Kandidaten unter keinen Umständen gewählt würden. „Ein Judenhasser ist immer moralisch und geistig — ich wiederhole geistig — unfähig zur Gesetzgebung oder Regierung. Und wenn wir wollen, können wir Zionisten in solchen Dingen gewiß sehr viel ausrichten." Der Redner erinnerte dann an die großen Summen, die Südafrika für zionistische Zwecke aufgebracht habe und immer noch aufbringe. Das Komitee für die Unterstützung der in den Pogromen verwaisten Judenkinder habe bis jetzt schon £ 2000.— gesammelt, und seine Sammlung sei noch nicht beendigt. Auch der Nationalfonds erhalte aus Südafrika beträchtliche Zuwendungen. Besonderes Augenmerk richteten die südafrikanischen Zionisten auf die Frage der jüdischen Erziehung. Sie seien bemüht, durch Einrichtung sogenannter „Korrespondenzklassen" auch den Kindern jüdischer Eitern, die in kleinen Dörfern oder auf Farmen verstreut wohnten, jüdischen Unterricht zu gewähren. So zeige die Tätigkeit der südafrikanischen Federation auf allen Gebieten einen erfreulichen Aufschwung. Sache dieser Konferenz sei es, Mittel und Wege zu finden, um diesen Aufschwung noch kräftiger zu gestalten. Nach der Rede des Vorsitzenden hielt Herr Wolffsohn eine Ansprache, die mit außerordentlichem Beifall aufgenommen wurde. Zu Beginn seiner Rede erinnerte er an eine Unterhaltung, die er mit einem der südafrikanischen Delegierten auf dem letzten Kongresse gehabt habe. Als er damals Zweifel geäußert habe, ob der Delegierte wirklich aus Südafrika gekommen sei und nach dem Grunde seines Zweifels gefragt worden sei, habe er geantwortet: „Aus Afrika kommt nur -Geld zu uns, aber Leute kommen nicht zu uns." Er freue sich, diese seine Meinung berichtigen zu können, um so mehr, als er während seines Aufenthaltes in Südafrika die Erfahrung gemacht habe, daß ein reger Besuch aus Südafrika dem Kongresse nur zum Vorteile gereichen könne. Die südafrikanischen Zionisten könnten in ihrer glänzenden Organisation und in ihrem regen Eifer für die heilige Sache der ganzen zionistischen Welt als Muster dargestellt werden. Den ersten Punkt der Beratung bildete die Erziehungsfrage. Es wurde eine Resolution angenommen, die besagt, daß es Pflicht aller zionistischen Vereine des Landes sei, dahin zu wirken, daß überall, wo es nur möglich sei, jüdische Schulen eingerichtet würden, und daß in den zerstreut liegenden kleinen Ortschaften und Farmen Vorsorge getroffen würde, daß auch dort jedes jüdische Kind in jüdischen Dingen unterrichtet würde. Die Konferenz empfahl zu diesem Zwecke das von Dr. Magnes, New York, ausgearbeitete Korrespondenz-System zum Selbstunterricht. Eine rege Aussprache entspann sich über den nächsten Punkt der Tagesordnung: die Frage der Jugend vereine. Allseitig wurde die Wichtigkeit und die Notwendigkeit der Errichtung zionistischer Jugendvereine anerkannt; doch wurde auch darauf hingewiesen, daß solche Jugend vereine, die sich auf eigne Füße stellten, der Gesamtorganisation leicht unbequem werden könnten. Die schließlich angenommene Resolution besagt, daß ein besonderer Funktionär gewählt werden soll mit der Aufgabe der Errichtung iind Überwachung von zionistischen Jugendvereinen. Es sollen »Schritte getan werden, um die Gründung einer jüdisch-nationalen Jugendzeitung in englischer Sprache zu ermöglichen. - ■ In, der Nachmittagssitzung beschäftigte man sich zunächst mit der Frage der besseren finanziellen Kontrolle der einzelnen Vereine und wandte sich dann dem Kapitel „Palästinafragen" zu. Der Präsident brachte zunächst die Frage des Palästina-Industrie-Syndikates zur Besprechung. In einer eindrucksvollen Rede forderte er die Konferenz auf, für dieses Unternehmen Propaganda zu machen und selbst mitzuwirken, um einen Erfolg zu ermöglichen. Es wurde beschlossen: a) daß eine Abteilung des Industrie-Syndikates unter der Leitung der südafrikanischen Federation in Südafrika gebildet werden solle; b) daß ein Subkomitee eingesetzt werde, das alle Fragen der praktischen Arbeit in Palästina prüfen und sie unterstützen solle. Des weitern wurde beschlossen, den Verkauf von Aktien der A. P. C. und des J. C. T. energisch in die Hand zu nehmen und die Vereine zu ersuchen, alle ihre Geldgeschäfte in Europa durch den Trust vornehmen zu lassen. Hierauf verlas Herr S. Lennox Loewe einen Bericht über die Tätigkeit des Bezalel, der großen Eindruck machte. Es wurde beschlossen, daß die Federation dem Bezalel eine Subvention gewähren und daß ein Aufruf an alle Juden in Südafrika erlassen werden solle, den Bezalel zu unterstützen. Ein Antrag, einen Aufruf zur Sammlung für die Ölbaumspen de an alle Vereine zu erlassen, wurde mit Stimmeneinheit angenommen. Im weiteren Verlauf der Debatte wurden an Herrn Wolffsohn mehrere Fragen wegen der gegenwärtigen Lage in Palästina, der türkischen Gesetzgebung usw. gerichtet. Herr Wolffsohn antwortete in längeren Ausführungen, daß noch nicht die Zeit gekommen sei, daß die zionistische Organisation als solche größere Flächen Land erwerbe, daß dagegen Privatpersonen außerordentlich gute Aussichten in Palästina hätten. Am folgenden Tage wurde mit der Beratung über den Nationalfonds begonnen. Es wurde eine Resolution angenommen, die wünscht, daß eine illustrierte Propagandabroschüre über den Nationalfonds in deutscher, englischer und jüdischer Sprache herausgegeben werden möge, daß in jeder Stadt eigene Nationalfondsklubs eingerichtet werden und daß ein besonderes Komitee gebildet werden solle mit dem Auftrage, die Propaganda und die Verrechnung des Nationalfonds für Südafrika zu übernehmen. Nach einer eingehenden Aussprache über die Sammlungen für die Pogromwaisen wurde beschlossen, diese Sammlungen mit größter Energie fortzuführen. Eine längere Erörterung entspann sich über die Frage, welche Aufträge den Delegierten zum Kongresse mitzugeben seien. Es wurde beschlossen, die Delegierten zu beauftragen, dafür zu stimmen, daß, unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Errichtung und Unterstützung von Kolonien mittels des Nationalfonds dringend notwendig sei, vor allen Dingen jedoch die politischen Momente der Bewegung immer in Betracht gezogen werden müßten. In der Schlußsitzung wurde zunächst ein Antrag angenommen.