Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 6 D I E lfe LT 13 jetzt nichts mehr vorfindet. Es wäre doch wohl Pflicht jedes ' Zionisten, wenigstenz jetzt, da der J. V. offiziell ist, ihn auf alle Art zu fördern. Man schenke zu. Geburtstagen und vor allem? Barmizwas nur Bücher aus dem JÜDISCHEN VERLAG, damit auch die Nicht-Zionisten* ihn kennen lernen. Doch das ist ja nur eines von den Mitteln und Mittelchen, die uns forden können. Solcher gibt es noch mehn Wir wollen aber zurück zu unserem Ausgangs- .« punkt und wir fragen: Warum ist der Fortschritt unseres ■_ Nationalfonds ein gar so kläglicher? Warum ist die Bilanz unserer Gesamtorganisation eine so durchaus unerfreuliche? Warum is*t unsere Leitung nicht im, Stande^ finanzielle Verflichtungen, die ihr der Kongreß auferlegt, zu erfüllen? Antwort: weil wir zu wenig opferfreudig sind, und zwar um so weniger, je mehr wir dazu in der Lage wären. Wir L dürfen die Behauptung wagen, daß von wenigen sehr rühmlichen Ausnahmen abgesehen, die ein jeder kennt, insbesondere die in \ vorzüglichen Verhältnissen Lebenden unter uns sich ihr Ideal nicht , gar zu viel kosten lassen. Irgendwo stand einmal die scheinbar nicht sehr falsche Behauptung, daß es Leute geben soll, die sich den Zionismus nicht so viel kosten lassen, wie vielleicht ein Briefmarkensammler in gleicher Lage für seine Sammlung ausgibt. Wenn man solche verbrecherische Gedanken mal ausspricht, so hört man zuweilen die Entgegnung: „Ja, woher wissen Sie denn, was der oder jener für den Zionismus hergibt? Das muß doch nicht ' immer im N.-F.-Ausweis stehen." Das mag ja stimmen, daß manch einer gibt, ohne daß die Öffentlichkeit davon erfährt. Merkwürdig > ist nur, daß all die heimlichen Spenden dann bei den Schlußab-; rechnungen so gar nicht zum Vorschein kommen ... Also klopfen wir allesamt an unsere Brust und sagen wir : .: „Chotonu. Wir haben gesündigt. Wir haben unsere Pflicht nicht erfüllt gegenüber unserem Ideal. Wir wollen aber nun im neuen Jahre das Versäumte nachholen, wir wollen unsere Schuld wieder gut machen." — Es ist hohe Zeit, daß wir so handeln. Aber eines noch: Wir sehen immer wieder, wie wenig wir für unsere Zwecke von denen erlangen, die nicht in unseren Reihen sind. Wir wollen uns daraus die Lehre ziehen, daß wir unsere Mittel für unsere Zwecke erhalten. Wir müssen uns darauf beschränken, daß wir beitragen zur Verwirklichung unserer Ziele. Für andere Zwecke und andere Ziele mögen die geben, die für uns nichts übrig haben. Es mag das manchem vielleicht kleinlich und engherzig erscheinen, wenn wir aber als praktisch denkende Menschen handeln wollen, können wir nicht anders tun. Es haben z. B. manche von uns schon öfters die Erfahrung gemacht, daß Zionisten, die, wenn es hoch kam, im ganzen Jahre vielleicht 15 Mark für zionistische Zwecke übrig hatten, wenn sie dann — vielleicht noch um, wie sie sagten, in diesen Kreisen den Zionismus zu fördern — in eine Loge eintraten, hier schlankweg 100 Mark und mehr im Jahre hingaben. Und wenn man die kostspieligen Vergnügungen in diesen Kreisen in Betracht zieht, waren es auch 200 Mark und viel mehr. Ist das nicht sündhaft? Entspricht das einer vernünftigen Erwägung? — Es wäre vielleicht auch gar nicht so falsch, wenn man sich daran gewöhnte, so oft man darum an-; gegangen wird, für irgend welche Zwecke Gelder herzugeben, den Betrag, den man sonst dafür bereit gehabt hätte, dem Nationalonds zukommen zu lassen und den, der die Spende erbeten, davon in Kenntnis zu setzen, damit er wisse, daß er noch ein gutes Werk . ollbracht, und daß man nicht etwa aus Hartherzigkeit das Erbetene verweigere . . . Ich schließe: Sorget, daß man zur Zeit des 8. Kongresses euch nicht mehr anderer Leute Opferfreudigkeit als Musterbeispiel vorzuhalten nötig hat, daß man euch nicht mehr zu sagen braucht: ihr habt gesündigt. ...... Vorstehendes ist bereits vor längerer Zeit an anderer Stelle gesagt worden, ich habe aber die Redaktion der „Welt" gebeten, es an dieser Stelle mich noch einmal sagen zu lassen. Denn es scheint mir, es kann nicht oft genug gesagt werden, und ich werde es mit diesen oder andern Worten wiederholen, bis Wandel eingetreten ist. Bis es nicht mehr möglich ist, daß uns vorgehalten wird, wie es in der letzten Nummer der „Welt" geschehen ist (leider an etwas versteckter Stelle, in dem Artikel: Vom System der Leitung) : „Ein Aktionskomitee mit dem bischen an Mitteln wie das bisherige wird allezeit zu einer Palliativtätigkeit, die für uns fast an Untätigkeit grenzt, verurteilt sein, eine Leitung, die so großes will und von ihren Anhängern so erbärmlich wenig erhält gerät in Gefahr, grotesk zu wirken." Und ferner: „Sollen wir Juden, sollen wir Zionisten nicht in der Lage sein, zwei-oder dreihunderttausend Mark jährlich . . aufzubringen, wo es sich darum handelt, einem geknechteten und unglücklichen Volke die Freiheit zu erringen? Es sei gesagt: Wenn der Idealismus der Zionisten nicht soweit geht, dazu nicht fähig ist, dann sind die gegenwärtigen Träger der zionistischen Bewegung noch nicht die tauglichen Menschen, den zionistischen Gedanken auszuführen." Das ist Wahrheit, und heißt mit andern Worten nichts anderes als: Wenn das nicht bald, aber sehr bald anders wird, dann ist es besser, wir machen die Bude zu und überlassen kommenden Generationen, das Werk, das ein fierzl begonnen, und für das er Alles geopfert hat, zu Ende zu führen, — kommenden Generationen, die gelernt haben werden, für die Sache, die ihnen heilig ist, Opfer zu bringen: ein jeder nach seinem Vermögen. DIBARTL Ehrengeschenke des „Bezalel" Anläßlich ihres Aufenthaltes in Palästina nahmen Herr und Frau Wolffsohn Gelegenheit, auch den „Bezalel" zu besuchen. Prof. Boris Schatz machte den Gästen bei dieser Gelegenheit im Namen des „Bezalel" zwei prächtige Teppiche zum Geschenk, von denen wir in dieser Nummer Reproduktionen bringen.