Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 -- — DIB3 wie wir es \or\ einer großen Bewegung erwarten müssen. Es gäbe? dann tatsächlich eine zionistische Bewegung auf der ganzen Erdt^ eine zionistische Leitung, der nicht nur nichts Jüdisches, sondern auch vor allen Dingen nichts Zionistisches fremd wäre. Von diesen Zentrale aus könnte in die zionistischen Massen Initiative und Tätigkeit hineingetragen werden, die immer von neuem Mut und Kraft anspornen, und die, was auch wichtig ist, über die unvermeidlichem mageren Jahre leicht hinwegzukommen helfen würde. Und die auf diese Weise geschaffene große Organisation und große Begeisterung würde auch — und vielleicht in erster Linie — unseren materiellen-' Institutionen zugute kommen und schon in dieser Hinsicht ihre Unkosten mehrfach aufbringen. Und dann wären wir natürlich mittels dieser Zentrale und der uns von ihr geschaffenen Stellung ein noch ganz anderer Faktor als heute, — denn wir Unzufriedenen können uns nicht damit begnügen, daß man uns schon heute die Bestorganisierten nennt, — nicht nur innerhalb des Judentums, sondern auch draußen, und könnten auch dort ganz anders auftreten, als es uns heute möglich ist. Nun die Frage: Woher die Mittel für ein solches Bureau? Selbst gesetzt den Fall, daß die Stärkung der materiellen Mittel infolge der Tätigkeit des Zentralbureaus nicht so bedeutend wäre, daß es sich aus seinen ordentlichen Einnahmen erhalten könnte und daß es daher immer auf außerordentliche Beiträge und Zuwendungen der Gesinnungsgenossen angewiesen wäre, wäre dies etwas so Ungewöhnliches, bedeutete dies etwas so Seltenes, daß dieserhalb mein Vorschlag als eine Phantasie zu bezeichnen wäre? In Österreich, in Deutschland, in Rußland stehen die Parteien gerade im Wahlkampf. Fragen wir sie doch einmal, wie viele Millionen nicht von den Völkern, nein von den einzelnen Parteien aufgebracht werden, um diesem oder jenem Schlagwort, um diesem oder jenem Kandidaten ins Parlament zu verhelfen. Sollen wir Juden, sollen wir Zionisten nicht in der Lage sein, die zwei- oder dreihunderttausend Mark: jährlich, die die Ausführung meines Vorschlags bedingt, aufzubringen, wo es sich darum handelt, einem geknechteten und unglücklichen Volke die Freiheit zu erringen? Es sei gesagt: Wenn der Idealismus der Zionisten nicht so weit geht, dazu nicht fähig ist, dann sind die gegenwärtigen Träger der zionistischen Bewegung noch nicht die tauglichen Menschen, den zionistischen Gedanken zu verwirklichen. Darüber möge man sich klar werden: Ein Aktionskomitee mit dem bischen an Mitteln wie das bisherige wird allezeit zu einer Palliativtätigkeit, die für uns fast an Untätigkeit grenzt, verurteilt sein, eine Leitung, die so Großes will und von ihren Anhängern so erbärmlich wenig erhält, gerät höchstens in Gefahr, grotesk zu wirken. Alles Geld, das für eine solche Geschäftsführung aufgebracht wird, ist verschwendet und möge lieber nach Palästina oder nach Rußland geschickt werden. Ohne eine Zentrale aber wird die zionistische Bewegung nie und nimmer weit über das an Anhängerschaft und Bedeutung hinauskommen, was sie heute schon erreicht hat, wird sie immer darauf angewiesen sein, auf einen Zufall zu warten, der ihr eine Erfüllung zuwirft. Und wenn wir schon die Bewegung auf Zufälligkeiten aufbauen wollen, haben wir schließlich nicht einmal das an Bewegung nötig, was wir heute schon haben. Dann könnte man uns weiter in Ruhe lassen, bis man uns eines schönen Tages den Charler oder was ähnliches verweisen kann. Nun natürlich: Woher nehmen? Ich sehe nur einen Weg. Die bisherige Art der Beitragszahlung durch den allgemein-gleichen Schekel von 1 Mark und einen Frcs. reicht offenbar nicht aus. Auf eine so gewaltige Zunahme an Schekelzahlern, daß mit den Mitteln des Schekels eine große umfassende Zentrale geschaffen und unterhalten werden könne, ist nicht eher zu rechnen, als bis wir größere Erfolge in politischer, praktischer und organisatorischer Beziehung aufzuweisen haben. Und all diese sind unmöglich, solange nicht eine große Arbeitszentrale die Energie aufgewendet g ELT ~ 17 hat, die zur Erreichung dieser Ziele notwendig ist und die der bisherige Apparat nicht zu produzieren vermag. Es ist aber auch nicht abzusehen, warum unsere Organisation nicht imstande sein soll, größere und viel größere Summen für die Geschäftsführung der Bewegung als bisher aufzubringen. Ich wiederhole: Wovon leben denn die politischen Parteien in aller Welt? Und welche Summen werden dort alljährlich aufgebracht von viel kleineren Massen als den Zionisten? Ist denn die Frage, die uns beschäftigt für uns Zionisten weniger bedeutsam als dem österreichischen Wähler die Sprachenfrage, als dem deutschen die Kolonialpolitik? Und sollen wir nicht in der Lage sein, nur einen Teil der Summen für uns aufzubringen, die wir täglich und stündlich anderen Parteien in ihren Rachen stopfen? Auch diese Parteien leben nicht von den regelmäßigen Beiträgen ihrer Mitglieder, auch die Sozialdemokraten können ihre Kämpfe nicht durchführen, wenn sie das Prinzip der Gleichheit auch für die Beitragsleistung aufstellten. Überall ist es so, im kleinsten Verein und in der größten Bewegung, daß die großen Mittel gegeben werden von den Wohlhabenden, von den Reichen, von jedem nach Maßgabe seines Vermögens, von jedem nach Maßgabe seines Interesses. Nichts ist demokratischer als dieses Prinzip der Höhe der Leistungen relativ zu der Fähigkeit zu Leistungen. Unsere Reichen sollen mehr geben als unsere Armen, das heißt, der eine soll genau so viel leisten wie der andere. Wenn wir 20 Mitglieder haben, die sich verpflichten, alljährlich 1000 Mark als Beitrag zu zahlen, haben wir schon 20000 Mark. Und wenn wir weitere 40 finden mit einem Jahresbeitrag von 500, — und 80 mit einem von 250, — und 200 mit einem von 100, so haben wir weitere 60000 Mark, und 80000 Mark von nur 340 Mitgliedern. Und das würde stufenweise so weitergehen, 75 Mark, 50 Mark und 25 Mark bis zu unserem alten ehrwürdigen 1-MarkschekeI, den heute schon nur mehr die wenigsten bezahlen, dieweil das Doppelte als selbstverständlich gilt. Ist das denn wirklich zuviel verlangt? Zahlen denn nicht die Kleinen, die alljährlich 10 und 20 Mark in kleinen Beträgen hier und dort für unsere Zwecke geben, tausendmal mehr als der Reiche, der wirklich einmal 50 oder, wenn es hoch geht, 100 Mark hergibt? Woher würden -denn die wissenschaftlichen Vereine existieren, die große kostspielige Expeditionen ausrüsten, die Museen unterhalten mit 1 und 2 Millionen jährlich, wenn sie nicht Mitglieder hätten, die alljährlich 5- und 10- und 20000 Mark für ihre Zwecke spendeten? Und haben wir denn wirklich keine Leute, die zu solchen Beiträgen fähig sind, die ver pflichtet sind, sie zu zahlen? Und wenn man sagt: Unsere andern Einrichtungen werden leiden, der Nationalfonds wird zurückgehen, und die Bank wird keine Aktien mehr verkaufen, mit Verlaub: ich sehe nicht, daß der Nationalfonds Spenden erhält, die über das gewöhnliche Maß hinausgehen, und wir wissen, daß die Bank im ganzen verflossenen Jahre so etwas wie für 500 £ Aktien losgeworden ist. All dieses Geld kommt in seiner Masse ebenso in kleinen Beträgen und ebenso von den Kleinen und Kleinsten zusammen wie der Schekel. Und dann glaube ich ja ausgeführt zu haben, daß unsere Institutionen den größten Vorteil davon haben, wenn unsere Tätigkeit eine intensivere ist. Von einem Kongresse müßte es ausgehen.. Eine Parole müßte die zionistischen Reihen durchfliegen. „Jeder nach seinem Vermögen!" Und wenn man einmal sich darangewöhnt hat, für unser einziges Ideal, für unsere Zukunft wirklich Mittel zu liefern, nicht nur Beitrag zu zahlen für die Bewegung, wird man es als selbstverständlich betrachten und es für unverzeihlich ansehen, daß man ein Jahrzehnt lang sich begnügte, anderen Götzen Opfer zu bringen und den eigenen Gott abzuspeisen. Ich resümiere: Wir werden keine leistungsfähige Leitung haben, solange wir keine Betriebsmittel haben. Folglich müssen wir die Mittel schaffen. Verus. o o o o o o o C 1 o o o o o o o S) AUS DER BEWEGUNG Zweite Palästinareise des Zionistischen Zentral= Vereins in Wien Auf Grund der Erfahrungen, die der genannte Verein anläßlich seiner ersten Palästinareise (Herbst 1906) gesammelt hat, veranstaltet er eine zweite Palästinareise April/Mai 1907. Diesmal soll nicht nur Judäa, sondern auch Galiläa und Samaria besucht, außerdem sämtliche möglichen Separatausflüge von vornherein ins Programm aufgenommen werden. Mit Rücksicht auf diese Umstände und die teurere Reisesaison erscheint der Preis außerordentlich niedrig, Noch o o o o o 'J % o o o o o o keines der großen Reisebureaus hat je eine so billige Palästinafahrt veranstaltet. Wir behalten uns vor, ausführlichen Prospekt in einer der nächsten Nummern abzudrucken, und geben heute bloß einen Auszug aus dem Programm: „Eine allgemeine jüdische Gesellschaftsreise nach dem Heiligen Lande wird im Frühjahr d. J. vom Zionistischen Zentralverein, Wien IX, Türkenstraße 9, veranstaltet. Die Reise dauert 32 Tage (vom 15. April bis zum 16. Mai), von welchen 2 Tage in Konstantinopel, ein halber Tag in Smyrna,