Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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18 - DIE2 O. Oliven ist, seit dem 6. Juni vorigen Jahres nicht wieder einberufen wurde und darnach nicht in der Lage gewesen sei, eine Korrespondenz herauszugeben. Gestatten Sie mir hierauf zu bemerken, daß das „Studienkomitee für jüdische Kolonisation" mit dem „Studienkomitee für jüdische Ansiedelungen", dessen Korrespondenz ich herausgebe, identisch ist. und dal) von der einzig zustehenden Seite, nämlich von Herrn Direktor 0. Oliven, dem Vorsitzenden des „Studienkomitees für jüdische Kolonisation", der meine Korrespondenz kennt, gegen dieselbe Einwendungen nicht erhoben worden sind. Von Ihrer Loyalität darf ich erwarten, daß Sie meine Richtigstellungen unverzüglich an eben denselben Stellen veröffentlichen werden, wo Sie die irrigen Angaben gemacht haben. Nicht minder darf ich von Ihrer Loyalität erwarten, daß Sie auch die Redaktion der „Welt", die das offizielle Organ der Bewegung ist, an deren Spitze Sie stehen, veranlassen werden, die im Anschluß an Ihren Brief in der letzten Nummer der „Welt" gegen das „Studienkomitee" und gegen mich persönlich erhobenen ungeheuerlichen Angriffe, zu widerrufen. Mit ausgezeichneter Hochachtung gez. Arthur Meyerowitz. Entgegnung Soweit die Berichtigung des Herrn Meyerowitz. Was zunächst die Angelegenheit der Verbindung des Norddeutschen Lloyd nach Galveston anbelangt, so legt uns der Hilfsverein der deutschen Juden folgende Depeschenkopieen vor: Die Anfrage des Hilfsvereins der deutschen Juden lautete: 11. Januar 1907. Lloyd Bremen. Bitten um telegraphische Mitteilung wie oft und wann ihre Dampfer Bremen direkt Galveston laufen. Hilfsverein Dr. Nathan. Die Antwort lautet: 11. Januar 1907. Jüdischer Hilfsverein Dr. Nathan, Berlin. Nach Galveston Frankfurt 17. Januar, Köln 21. Februar, Frankfurt 14. März, Breslau 4. April, Köln 25. April, Frankfurt 16. Mai sämtlich Baltimore. Lloyd. Laut dieser Auskunft ist also der Verkehr des Lloyd nach Bremen fünf-, beziehungsweise vierwöchentlich, höchstens im Mai vierzehntägig. Wenn jetzt der Lloyd an Herrn Meyerowitz schreibt, daß er .zurzeit" eine vi erzen ntägige Verbindung nach Galveston unterhalte, so bezieht sich das entweder auf eine momentane Einrichtung, oder es steht diese Mitteilung in einem vollständigen Gegensatz' zu der dem Hilfsverein telegraphisch übermittelten — eine Art der Informationserteilung, die aufzuklären Sache des Norddeutschen Lloyd wäre. Auf jeden Fall aber ist Herr Prof. Warburg vollständig im Recht gewesen, die von der Korrespondenz des Herrn Meyerowitz verbreitete Meldung: „Der Norddeutsche Lloyd unterhält eine regelmäßige wöchentliche Dampferverbindung von Bremen nach Galveston" als unwahr zurückzuweisen, da auch in der Mitteilung des Norddeutschen Lloyd an Herrn Meyerowitz die Einführung eines wöchentlichen Verkehrs erst als geplant dargestellt wird. Nach dieser Feststeilung, die eigentlich nur ein Detail betrifft, gehen wir zur Hauptsache über. Wenn Herr Meyerowitz unsere Angriffe ungeheuerlich findet — so wird er zunächst selbst zugeben müssen, daß wir Persönliches einzuziehen durchaus vermieden, daß wir auch seinen Namen nicht einmal erwähnt haben. Wenn aber in der Sache nach seiner Meinung unsere Angriffe ungeheuerlich waren — um so schlimmer für die Sache, umso schlimmer dann auch für den Träger der Sache. Denn unsere Angriffe waren nur zu berechtigt - das wollen wir beweisen. Und um alles von vornherein klar zu stellen, wollen wir vorausschicken, daß wir uns mit Herrn Meyerowitz nicht auseinandersetzen, soweit er als Beamter des Norddeutschen Loyd Funktionen im Emigrationsdienst vollführt dieses Amt ist so ehrenhaft wie jedes andere —, sondern daß wir ihm entgegentreten und mit größter Schärfe entgegentreten, soweit er durch sein „Studienkomiteek< seine Stellung im Norddeutschen Loyd mit jüdischer Politik und jüdischhumanitären Instituten und Korporationen zu vermengen sucht oder tatsächlich vermengt. Also: Wir haben in unseren Ausführungen Herrn Meyerowitz den allerdings schwerwiegenden Vorwurf der „Jewrejskaja Schisn" wiederholt, daß er den Titel des „Studienkomitees für jüdische Kolonisation", das nach der Brüsseler Konferenz eingesetzt wurde, sich mit einer kleinen Variante zu Unrecht angeeignet habe und dadurch zu unliebsamen und gefährlichen Verwechslungen dieses rein philantropischen Komitees mit seinem rein geschäftlichen Unternehmen Anlaß gebe. KB LT - No. 4 r Herr Meyerowitz bestreitet in seiner Zuschrift an uns und Herrn Prof. Warburg, daß die Aneignung des Titels zu Unrecht erfolgt sei. Ohne zu erklären, warum das Komitee, dessen „Korrespondenz" er herausgibt, die Worte „für jüdische Kolonisation" in „für jüdische Ansiedlungen" umgewandelt hat, behauptet er rundweg, daß das „Studienkomitee für jüdische Kolonisation" mit dem „Studienkomitee für jüdische Ansiedlungen", dessen Korrespondenz er herausgibt, identisch ist." Wir wandten uns nun an Herrn Dr. Paul Nathan, der bekanntlich auch an der Brüsseler Konferenz teilnahm und der eines der 5 Mitglieder des „Studienkomitees für jüdische Kolonisation" ist, mit der Bitte, sich zur Behauptung des Herrn Meyerowitz zu äußern. Herr Dr. Nathan, (den merkwürdigerweise Herr Meyerowitz zu erwähnen systematisch unterläßt,) schreibr uns daraufhin folgendes: Hochgeehrter Herr Redakteur! In Beantwortung Ihres heutigen Telegramms erlaube ich mir das Folgende festzustellen: Es wurde hierselbst ein' Studien- : komitee für jüdische Kolonisation ins Leben gerufen. Der Vorsitzende dieses Komitees ist Herr Direktor Oliven, und dem Vorstande dieses Komitees gehören an: Herr Charles L. Hallgarten in Frankfurt a. M„ Herr Geh.-Kommerzienrat Goldberger in Berlin, Herr Professor Warburg in Berlin und der Unterzeichnete. Dieser Vorstand hat niemals den Beschluß gefaßt, sich jenes Bureau U. d. Linden 53 anzugliedern, an dessen Spitze Herr Meyerowitz steht. Auf meineAnregung ist vielmehr au sdrücklic h festgesetzt worden, daß eine solche Angliederung, die von Herrn Meyerowitz erstrebt wurde, nicht stattzufinden habe. Dieser Beschluß fand seine Motivierung darin, daß Herr Meyerowitz ein von den Schifffahrtsgesellschaften honorierter Angestellter ist. Dem Komitee hingegen erschien es als durchaus unzulässig, Kräfte für sich in Anspruch zu nehmen, die als Angestellte von Erwerbsunternehmungen der Disziplin und den Unterweisungen dieser unterworfen sind. Eine solche Vermischung von Geschäftsbetrieb und humanitären Bestrebungen wurde nach eingehenden Beratungen als unzulässig erklärt. Behauptet also Herr Meyerowitz, daß sein Bureau in irgend welchem organischen Zusammenhang steht mit dem Komitee, zu dessen Vorstand ich gehöre, so sagt er die Unwahrheit. Ich persönlich möchte überdies erklären, um auch allen zukünftigen Verdunkelungsgründen vorzubeugen, daß ich es mir versagen müßte, an irgend welchen humanitären Aufgaben mitzuwirken, an denen gleichzeitig Herr Meyerowitz beteiligt ist. (Einen kleinen Passus, der hier folgt, lassen wir fort, um alles Persönliche auszuschalten. Anm. d. Red.) In vorzüglicher Hochachtung Hilfsverein der deutschen Juden gez. Dr. P. Nathan. Die Antwort des Herrn Dr. Nathan ist von einer unzweideutigen Klarheit. Woher aber, wird man unwillkürlich fragen, nimmt Herr Meyerowitz bei solcher Lage der Dinge den Mut, nicht nur die Identität des Meyerowitzschen mit dein Kolonisationskomitee zu behaupten, sondern sogar eine absolute Solidarität dieses letzteren. Komitees mit ihm und seinem Bureau U. den Linden 53 zu proklamieren, wie kann er es wagen, uns entgegenzuhalten, daß wir, indem wir sein Bureau und sein Komitee angegriffen haben, gleichzeitig die Herren Oliven, Goldberger und Hallgarten angegriffen hätten, mit denen er sich solidarisch wisse? Und wie kann er es sich leisten, ein Mitglied des Vorstandes des Kolonisationskomitees, Herrn Professor Warburg, darüber mit geradezu bewundernswerter Entschiedenheit zu belehren, was für eine Bewandtnis es eigentlich mit diesem Komitee hat? Wir können darauf keine Antwort geben, aber wir dürfen wohl eine Antwort darauf von den Herren Direktor Oliven, Hallgarten und Geheimrat Goldberger erwarten, deren Namen Herr Meyerowitz ausdrücklich nennt, während er den Dr. Nathans geflissentlich verschweigt. Denn was aus Herrn Meyerowitz' Behauptungen implicite hervorginge, wäre nicht mehr und weniger, als daß ihm von den drei oben genannten Herren die Vollmacht erteilt wurdef sein Komitee mit dem Komitee für Kolonisation zu identifizieren, daß ihm dies gestattet wurde,'obwohl — wie aus uer Erklärung des Herrn Dr. Paul Nathan hervorgeht, — in einer Vorstandssitzung ein gegenteiliger Beschluß gefaßt worden war, daß ihm ferner gestattet wurde, im Namen der beiden „identischen" Komitees eine Korrespondenz herauszugeben, und daß diese Gesamtidentifikation zustande kam, ohne daß zwei von den fünf Herren des Vorstandes des Komitees für Kolonisation, nämlich die Herren Warburg und Nathan, von dieser Umstürzung des Vorstandsbeschlusses irgendwie in Kenntnis gesetzt wurden. Das aber ist nur das Formelle.