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Die Welt · 1907-01-25 · 4 (25.1.1907) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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16 DIE ELT No. 4 Alle Mitglieder des Zentralkomitees sind bereits nach Wilna übersiedelt und haben schon begonnen, die Aufgaben zu erledigen, die ihnen von der Konferenz auferlegt worden sind. Wilna, Dezember (alt. St.). Das Zentralkomitee. Zweite Konferenz der amerikanischen „Poale-Zion" In der Chanukkahwoche fand in Boston die zweite Konferenz der amerikanischen Poale-Zion in Boston statt, die von 54 Delegierten (welche 37 Vereine in 27 Städten veitraten) beschickt war. Die Konferenz, die 4 Tage dauerie, (und fast ebensoviele Nachtsitzungen in Anspruch nahm) hat ein bedeutendes Stück Arbeit geleistet. In folgendem seien die wichstigsten Gegenstände der Beratung hervorgehoben: Bericht des Zentralkomitees, vorgetragen vom Sekretär Herrn Rozowsky. Er weist darauf hin, daß die erste sozusagen konstituierende Konferenz der Poale-Zion erst im vorigen Jahre stattfand, wobei sie die schwierige Aufgabe zu lösen hatte, ihre Anschauungen erst zu klären und ein Programm auszuarbeiten, mit dem die Poale-Zion vor die breiten jüdischen Massen treten könnten. Zum Glück fanden sich damals Leute zusammen, die bald einen gemeinsamen Boden fanden, die ein einheitliches Ideal beseelte — das Ideal der Lösung des jüdisch-nationalen Problems mit dem sozialistischen zu vereinigen. Die Tätigkeit dieses vor einem Jahre gewählten Zentralkomitees äußerte sich hauptsächlich in folgendem: Vor allem erfolgte die Gründung eines Partei-Organes, des „Jüdischen Kämpfers" und des Verlages „Der Kämpfer". Der Verlag hat im Verlaufe einiger Monate verschiedene Bücher und Broschüren in über 8000 Exemplaren herausgegeben über nationaljüdische, sozialistische und zionistische Fragen, darunter auch eine kleine Anzahl belletristischer Werke. Was das Blatt anbetrifft, so war sein Einfluß auf die jüdische Arbeitermasse zweifellos sehr groß und günstig, obwohl sich dieser Einfluß natürlich nicht wägen und messen läßt. Weiters hat das Zentralkomitee 160 Massenversammlungen, 400 Vorlesungen und 614 Geschäftsmeetings veranstaltet. Die Zahl der Mitglieder ist auf 150O gestiegen. Diese bilden 37 Vereine, welche in 3 Gruppen verteilt sind. Unter den Mitgliedern befinden sich 1200 aus Rußland herübergekommene Poale- Zion und 250 - 300, die in Amerika zur Partei zutraten. Das Hauptthema der Konferenz bildete: Das Programm und seine Kritik. Obwohl die Mehrheit der Delegierten in ihren Anschauungen einig war, gab es eine kleinere Gruppe, auf der Konferenz durch 7 Personen vertreten, die in ihren Ansichten von den übrigen abwich. Das waren im Laufe des letzten Jahres neu zugekommene russische Poale-Zionisten, die sich sozialdemokratische Poale-Zion nennen und sich zu einem strengen Marxismus bekennen. Während die amerikanischen Poale-Zion den Zionismus als ihr höchstes Ideal anerkennen und behaupten, sie werden treue Zionisten bleiben, auch in dem Falle, wenn morgen die soziale Revolution eintreten wird, sagen die russischen sozialdemokratischen Poale-Zion, daß sie nur insofern den Zionismus als berechtigt anerkennen, inwiefern er für die Verwirklichung des Sozialismus als unumgängliche Vorstufe notwendig ist. Da der Unterschied zwischen den 2 Strömungen einen prinzipiellen Charakter trägt, so befürchteten viele, daß es zu einer Spaltung kommen könne — die aber erfreulicherweise nicht eintrat. Nach mehrstündigen heißen Debatten wurde inbezug auf diese Frage folgende Resolution angenommen: 1. Wir beschließen, daß die Prinzipien des Baltimorer Programms*) imperativ und bindend seien für jeden, der in die sozialistische Organisation Poale-Zion eintreten will. Die Konferenz erachtet es für notwendig, im Programm nur Änderungen technischen oder redaktionellen Charakters vorzunehmen. 2. Von den Interessen der jüdischen Arbeiter ausgehend, streben wir zu einer vollkommenen nationalen und sozialen Freiheit was durch die subjektiven und objektiven Kräfte des jüdischen Volkes verwirklicht werden kann. Die Minderheit, die eine andere Resolution ausgearbeitet hatte, erklärte nach der Annahme der obigen Resolutionen, daß sie trotzdem in der Partei bleibe, um die Einigkeit zu wahren, die für sie vor allem wertvoll ist. Nachdem die theoretischen Debatten erledigt worden waren, konnte die Konferenz ruhig an die Lösung ihrer praktischen Aufgaben herantreten. Es wurden folgende Berichte erstattet: 1. Der Verwalter des Verlages „Der Jüdische Kämpfer" teilt mit, daß der Verlag drei Broschüren herausgegeben und außerdem gegen 10 003 Exemplare Bücher und Broschüren fremder Verlage verkauft habe. *) Von uns seinerzeit berichtet. Anm. d. Red. r Der Redakteur des Blattes „Der jüdische Kämpfer'6 hat sich gegen eine scharfe Kritik zu verteidigen, die gegen vermeintliche Mängel des Blattes auftritt: wie z. B., daß zu wenig theoretische Artikel über die Theorie des Poale-Zionismus gebracht worden seien, daß Erörterungen über Zeitfragen gefehlt hätten,-daß die (Jegner der Poale-Zion zu wenig kritisiert worden seien u. dgL m. In seiner Antwort verwies der Redakteur, Herr Marmor, auf die beschränkten Mittel, die ihm zur Verfügung ständen, und darauf, daß er sich mit jugendlichen Kräften als seinen Mitarbeitern begnügen rriußte etc. Die Konferenz anerkannte die Stichhaltigkeit seiner Argumente und beschloß, zur Abhilfe eine Kommission von zwei Mitgliedern ihm zur Seite zu stellen, die die Aufgabe haben soll, die Parteiabteilung des Blattes zu redigieren und das Blatt selbst von Philadelphia nach New York zu überführen. Des weiteren wurde ein Vorschlag angenommen, einen Fonds von 2000 Dollars zu sammeln, um dafür eine Druckmaschine zu kaufen und so die Existenz des Verlages zu sichern. Sofort übernahmen alle Delegierte für ihre Vereine die Verpflichtung, gewisse Summen zu bezahlen, Und auf diese Weise sind 2300 Dollars zusammengekommen. Nachher erstattete das Nationalfonds- und Bankhaus seinen Bericht, wonach es während des Jahres für extra 600 Dollars Nationalfondsmarken verkauft und 500 Dollars auf anderem Wege gesammelt hat. Für 100 Dollars wurden Aktien der Kolonialbank abgesetzt. Aus den weitern Beschlüssen ist noch folgender hervorzuheben: Eine Delegation nach Palästina zu schicken, die die amerikanischen Gesinnungsgenossen über alle wichtigen Angelegenheiten daselbst unterrichten, die Poale-Zion in Palästina organisieren und womöglich ein Arbeiterbureau errichten soll. Eine Kommission von fünf Mitgliedern ist gewählt worden, um diesen Vorschlag zu verwirklichen. Während der Konferenz hielten die Delegierten ein Massenmeeting im Grand-Opera House ab, wozu sich ein etwa 3000 köpfiges Publikum einfand, — die größte Versammlung, die bisher in Boston stattgefunden hat. Als charakteristisch für die Konferenz und die amerikanischen Poale-Zion überhaupt hat einer der Anwesenden in der Schlußrede ihre Arbeitsamkeit hervorgehoben. „Sie theoretisieren wenig, aber sie arbeiten viel." Hoffentlich bewahrheitet sich das auch in der Zukunft. Verschiedene Mitteilung-en Wien. Dienstag, den 18. v. Mts. fand im Festsaale des Hotels Zentral die alljährl'che Makkabäerfeier des Theologischen Vereins statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Der Präsident, Herr Dr. Alcalay eröffnete die Festversammlung mit einer kurzen Ansprache, in der er besonders auf den nationalen Charakter des Chauukkafestes hinwies. Der darauf folgende von Herrn Torc^yner verfaßte und von Herrn Lövy stimmungsvoll vorgetragene Prolog fand großen Beifall und trug viel zur Hebung der Stimmung der Erschienenen bei. Das Anzünden der Chanukkaliehter vollzog in weihevoller Weise Herr Oberkantor B. Guttmann unter Klavierbegleitung des Komponisten Leo Ascher. Die darauf folgende von Herrn Schwenger gehaltene deutsche Festrede machte großen Eindruck. Stürmischen Beifall fand auch die von Herrn Halberstamm in vortrefflichem Hebräisch gehaltene hebräische Festrede, die die wohlverdiente Anerkennung der anwesenden Sachverständigen fanl Den würdigen Schluß der stimmungsvollen Feier bildeten die von HerrnTorczyner mitGefühl und Ausdruck vorgelesenen Dichtungen aus Grünau und Frug. Wohltätigkeitsakademie der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien. Die größte jüdische Studentenkorporation Wiens, die Lese- und Redehalie jüdischer Hochschüler rüstet anläßlich des 25. Semesters ihrer Tätigkeit zu einer großen Veranstaltung. Am 28. Februar laufenden Jahres findet nämlich zugunsten ihres Unterstützungsfonds und des Arbeit wermittlungsbureaus für arme jüdische Hochschüler in den Sophiensäien eine Festakademie statt, bei welcher die hervorragendsten Wiener Kunstkräfte mitwirken werden. Diesem Feste, das einen glanzvollen Verlauf zu nehmen verspricht, werden zwei Komiteeabende im Hotel zur Post am 15. Jänner und am 6. Februar vorangehen. Die Akademie steht unter der Patronanz eines Ehrenkomitees, dem die bedeutendsten akademischen Persönlichkeiten der Wiener Universität angehören. Die Leitung des Exekutivkomitees hat Herr ing. Arthur Flach übernommen. Teschen. Am 23. v. Mts. fand hier die von den zionistischen Mädchen und der zionistischen Studentenschaft veranstaltete erste Makkabäerfeier statt. Herr stud *mel Isidor Müller begrüßte als Vorsitzender des Kommerses die Gast 3 m:t einigen kernigen Worten und eröffnete die Feier. Die von Frau Kolban, einem Mitgliede des Troppauer Vereins „Jeschuum" in warm empfundenen, zündenden Worten gehaltene Tendenzrede fand enthusiastischen Beifall

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