Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 4 DIE^ELT 15 das Vorgehen des zionistischen Zentralbureaus in Köln, welches > sich zur direkten Abgabe von Schekeln an den Verband Poald:' Zion in Krakau hat bestimmen lassen. Der Verbandstag betrachtest dieses Vorgehen nicht nur als im Widerspruche stehend mit den . Bestimmungen des Baseler Statuts, sondern auch als einen die > Interessen des Zionismus in Österreich schädigenden Akt. Der! Verbandstag beauftragt das L. K., diesbezüglich die geeignete^ \ Schritte beim A. K. zu unternehmen. Ferner wurde beschlossen, den Parteitag für Ende Mai nacrp Bielitz einzuberufen, u. zw. mit folgender Tagesordnung: 1 Rechenschaftsbericht, 2. Berichte der D. Ks., 3. Stellungnahme zum Kongreß,; 4. Palästinaarbeit, 5. Nationalfonds, 6. Organisationsfragen. Rundschreiben I desZentralkomitees derZionistischen Organisation in Rußland (Schluß.) Die Konferenz beschäftigte sich auch mit der Verbesserung der Organisation unserer zionistischen Kräfte. Die Organisationsfrage ist nicht nur bei uns, sondern auch bei allen Parteien der wunde Punkt, besonders wenn die betreffenden Parteien sich in einem Obergangsstadium befinden. Die Organisation wird ja wesentlich durch das Leben selbst, nicht durch Statuten geschaffen. Die Konferenz hat nur allgemeine Gesichtspunkte vorgezeichnet. Die Details auszuarbeiten hat sie dem Zentralkomitee überlassen. Was den Kern der Organisation ausmacht, so betrachtet die Konferenz als solchen ein siebengliedriges Komitee, das eine Gruppe von hundert Schekelzahlern wählt. Nur auf diese Weise, indem wir die Scliekelzahler zu allen Angelegenheiten der zionistischen Arbeit heranziehen werden, können wir sie zu bewußten und wahren Mitgliedern unserer Organisation machen. Selbstverständlich werden dadurch diejenigen lokalen Vereinigungen nicht aufgehoben, deren Zweck es ist, an der Spitze der ganzen lokalen Arbeit zu stehen oder eine besondere Form der zionistischen Tätigkeit zu entwickeln. Es ist notwendig, daß man, je früher desto besser, alle Schekelzahler einberufe, damit sie die leitenden Komitees wählen. Selbstverständlich haben die zionistischen Arbeitskräfte vor allem alles daranzuwenden, den Schekel zu verbreiten, um die großen Massen an unsere Organisation heranzuziehen. Sofort nach dem Empfang dieses unseres Zirkulars ist folgendes zu unternehmen: 1) Eine intensive Agitation unter den Massen zu betreiben und den Schekel zu verbreiten. 2) Auf irgend eine Weise eine Versammlung der Schekelzahler einzuberufen. Falls eine Versammlung unmöglich ist, kann man eine schriftliche oder mündliche Umfrage veranstalten. Und 3) ein Lokalkomitee zu wählen, wobei „alle Schekelzahler, die das Baseler Programm anerkennen und sich den Beschlüssen unserer Konferenzen unterwerfen", dieselben Rechte wie die übrigen Zionisten besitzen. „Diejenigen Vereine, die entweder eine besondere Richtung im Zionismus darstellen oder ein spezielles Ziel verfolgen, oder aus irgendwelchen andern Gründen existenzberechtigt sind — haben auch ihre besonderen Vorsteher in den Lokalkomitees", mit diesen Worten meint die Konferenz nicht Vereine, die etwa aus dem Mode gewordenen Sektengeiste heraus sich absondern, sondern nur jene, die einem wirklich vorhandenen Bedürfnis entsprechen. Im allgemeinen müssen wir eine künstliche Zerbröckelung unserer Kräfte bekämpfen. Je fester und inniger wir unsere Kräfte vereinen, desto besser ist es für unsere Sache. In die Masse zu gehen — das ist die Aufgabe der zionistischen Propagatoren. Damit soll nicht gesagt werden, daß einzelne Gruppen von Zionisten sich nicht zu einem besonderen engeren Zwecke vereinigen können. Ein Teil der lokalen Organisation kann sich z. B. mit der Arbeit der Stärkung unserer Finanzinstitutionen beschäftigen (der Bank, des Nationalfonds etc.), ein anderer Teil mit der Agitation, der Verbreitung unserer Literatur und Presse, ein dritter endlich mit der politischen und der kulturellen Arbeit an Ort und Stelle beschäftigen. Nur wenn eine Gruppe einen ganz speziellen Zweck verfolgt, der in der allgemeinen Organisation absolut undurchführbar ist, ist es gut und nützlich, eine spezielle Vereinigung zu gründen. Die hier ausgesprochenen Prinzipien haben alle unsere Genossen zu befolgen. Sie sind das Ergebnis unserer zehnjährigen Erfahrung und liegen durchaus im Interesse der Sache, das uns allen gleich teuer ist. Das Zentralisationsprinzip hat die Konferenz in allen Teilen der Organisation durchgeführt. An der Spitze der Organisation steht ein Zentralkomitee, bestehend aus sieben Mitgliedern, das in Wilna seinen Sitz hat. Das Zentralkomitee leitet die ganze zionistische Arbeit in Rußland, ausgenommen die Angelegenheiten, die Palästina betreffen, welch letztere der Palästinakommission, bestehend aus drei Mitgliedern mit dem Sitze in Odessa, übergeben wurden. Die Palästinakommission, die unter der Leitung der Berliner Palästinakommission stehen soll, wird in allen wichtigen Angelegenheiten, die sich auf Rußland und Palästina beziehen, mit dem Wilnaer Zentralkomitee in Verhandlungen zu treten haben, damit die ganze zionistische Arbeit einen einheitlichen Charakter trage. Das Zentralkomitee hat das Recht, mit allen einzelnen Vereinen in Verbindung zu treten. Damit ihm aber die Aufgabe erleichtert werde, wurde ganz Rußland in f ünfProvinzen eingeteilt, an deren Spitze Provinzkomitees stehen. Die hauptsächliche Aufgabe der Provinzkomitees besteht nicht darin, reine Kanzleiarbeit zu tun. Das kann das Zentralkomitee ausführen lassen, wodurch vieles an Zeit und Geld erspart werden kann. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, die lokale Arbeit zu leiten, die Propaganda und die Agitation zu überwachen, sie an die lokalen Bedingungen anzupassen, das Zentralkomitee von dem Zustand der Bewegung in ihren Rayonen zu benachrichtigen, kurz, — eine schaffende Tätigkeit zu entwickeln, aber alles im Einverständnis mit dem Zentralkomitee. Nur in einigen Gegenden werden Gouvernementskomitees gegründet. Solche Komitees sollen vorläufig z. B. in Charkow und Riga geschaffen werden. Die Provinzialkomitees können solche Gouvernementsverwaltungen auch anderweitig gründen, wenn sich die Notwendigkeit hierfür herausstellt und wenn das Zentralkomitee nichts dagegen einzuwenden haben wird. Auf diese Weise hoffen wir unsere Organisation auf die ihr gebührende hohe Stufe zu bringen. Die Konferenz hat auch eine Resolution betreffend die Selbstbesteuerung angenommen. Im allgemeinen ist das Prinzip, von allen Gesinnungsgenossen die gleiche Abgabe eines Schekels zu erheben, kein gerechtes, weil wir berechtigt sind, von den Einzelnen eine Abgabe, entsprechend ihren Mitteln, zu fordern. Aber auch praktische Motive führen uns einer Änderung des Systems entgegen. Die Absonderung der proletarischen Organisationen, die Programme und die allgemeine Krisis haben die Einkünfte aus den Schekeln bedeutend verkleinert, während wir jetzt um so größerer Summen für die zionistische Arbeit benötigen. Wir müssen die Propaganda und die Agitation auf einer festen Grundlage aufbauen, unsere Literatur verbreiten, unsere zentralen Institutionen stützen, besonders die Palästinakommission, usw. Dazu hat das Zentralkomitee die Kasse mit einem Defizit von 13000 Rubeln übernommen, wovon wenigstens 6000 Rubel in der allernächsten Zeit gedeckt werden müssen. In Anbetracht dieser Verhältnisse hat die Konferenz beschlossen, alle Zionisten zu verpflichten, sie sollen außer dem Schekel noch eine Abgabe leisten, und zwar ihren Einkünften entsprechend, jedenfalls aber nicht weniger als die Wohnungssteuer. Diejenigen, die keine Wohnungssteuer einzahlen, müssen an die Organisation nicht weniger als 1 Rubel pro Jahr bezahlen. Nur auf diese Weise kann das Zentralkomitee diejenigen Mittel erhalten, die zur Ausführung unserer großen und schweren Aufgaben notwendig sind. Alle tätigen Elemente müssen nun unverzüglich an die Arbeit gehen. Die dritte Konferenz hat die theoretischen Zwistigkeiten in unseren Reihen geschlichtet und für lange Zeit den Weg bezeichnet, welchen der Zionismus zu schreiten hat, damit er gedeihe und sich entwickele. Sie hat eine richtige Zusammenfassung für alle Strömungen im Zionismus geschaffen, hat die Gegenwart mit der Zukunft, unsere Arbeit in der Diaspora mit derjenigen in Palästina verbunden. In diesem Sinne hat die Konferenz Neues nicht nur für den Zionismus in Rußland, sondern auch für die Bewegung in allen anderen Ländern geschaffen. Jetzt hat jeder von uns seine Pflicht zu erfüllen; jeder von uns muß alle seine Kräfte, seine ganze Energie in den Dienst der Sache stellen. Gesinnungsgenossen! Nur bei voller Hingabe an unsere Sache kann sich unsere Organisation entwickeln und diejenige Stellung im Judentum einnehmen, die ihr geziemt: die Stellung eines Führers in der Geschichte unseres Volkes, die Stellung der Ersten im Kampf um die Renaissance des jüdischen Volkes in Palästina! Stark und vereinigt durch die Idee können wir die erste wirkende Kraft sowohl im russischen Judentum, wie auch in der zionistischen Organisation der ganzen Welt werden. Die Konferenz hat uns leitende Prinzipien gegeben, die wir jetzt im Leben durchführen müssen. Wir rufen deswegen alle Zionisten auf, sie mögen mit Mut und Energie an die Arbeit gehen, getreu dem Programme, das wir uns auf der dritten Konferenz gegeben haben.