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Die Welt · 1907-01-25 · 4 (25.1.1907) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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in welchen von vornherein bestimmte Redner im Namen ihrer Klubs sprechen. Vielleicht gelingt es derart auch für die Kommissionsberatungen mehr Zeit und Muße zu gewinnen. Die Wahl in einen Ausschuß war bis nun nicht nur eine Ehrenbezeugung, sondern vielmehr eine Arbeitsüberbürdung und mit einem Ausschluß von den Kongreßberatungen gleichbedeutend. Das muß anders werden, ebenso wie es an der Zeit ist, den Ausschüssen mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden und sie, die zur Entlastung des Kongresses und eingehenden Behandlung von Einzelfragen beizutragen haben, sorgfältiger zu pflegen und auszugestalten. Zunächst muß der Finanzausschuß zu einer ständigen Einrichtung werden. Der Kongreß hat es bedauerlicherweise fast gänzlich unterlassen, von seinem Budgetrechte Gebrauch zu machen. Auf Grund der mehrjährigen Erfahrung läßt sich wohl ein Voranschlag für die kommenden zwei Jahre entwerfen, der vom Finanzausschusse zu prüfen und vom Kongresse zu bewilligen wäre. Es handelt sich hier nicht darum, den Kongreß mit einer „Etatberatung" zu beglücken und ihm um jeden Preis alle parlamentarischen Bekleidungsstücke anzuhängen. Es soll mir fortan vermieden werden, daß der Kongreß nicht unbeträchtliche Summen, sei es auch für die schönsten Zwecke, bewilligt, ohne zu wissen, ob sie in das Budget der Organisation hineinpassen. Ich glaube, diese voraussetzungslosen Bewilligungen haben dem Aktionskomitee nicht wenig Verlegenheiten bereitet. Der Finanzausschuß soll die Pflicht haben, das Budget des Aktionskomitees und der vom Kongresse eingesetzten Kommission auszuarbeiten, jeden finanziellen Antrag vom Gesichtspunkte der Belastung des Budgets zu prüfen und dem Kongresse darüber Bericht zu erstatten. Es soll vom Kongresse kein Heller bewilligt werden, bevor der Finanzausschuß sein Gutachten abgegeben hat. Neben ihm ist der politische Ausschuß der allerwichtigste. Das uneingeschränkte Vertrauen, das Theodor Herzl. als Staatsmann, entgegengebracht wurde, mochte einen solchen Ausschuß überflüssig erscheinen lassen. Es sei aber daran erinnert, daß sogar in minder demokratischen Parlamenten, als es unser Kongreß ist, so z. B. im österreichischen Kurienparlament, den Abgeordneten wenigstens in einer „Delegation" die Möglichkeit gegeben wird, die auswärtige Politik der Regierung kennen zu lernen und zu kritisieren. Es ist sicherlich eine der größten Merkwürdigkeiten der bisherigen Kongresse, daß sie es nicht der Mühe wert gefunden haben, die Politik des Aktionskomitees wenigstens in einem engen Kreise von Ausschußmitgliedern auf ihre Voraussetzungen und ihre Richtung zu prüfen. — Der politische Ausschuß müßte über alle politisch-diplomatischen und politisch-wirtschaftlichen Schritte des Aktionskomitees und der Palästinakommission, die, wie ich glaube, im Zusammenhange zu behandeln sind, unterrichtet werden. Es wird seinein Ermessen überlassen, ob er über seine Beratungen und in welchem Umfange dem Kongresse Bericht erstatten will, aber er muß dem Plenum mitteilen, ob er dem abgehenden Aktionskomitee das Vertrauen votiert oder dieser Ausschuß soll die Delegationen der Vertrauensmänner der großen Landsmannschaften ersetzen, denen Theodor Herzl gewöhnlich vertrauliche Mitteilungen über den Stand der Bewegung machte; er soll zugleich die Funktionen des Kolonisationsausschusses übernehmen, wie erz. B. am dritten Kongresse gewirkt und zur Klärung der Situation seinen Teil beigetragen hat. Es wird sich sicherlich die Notwendigkeit ergeben, von Fall zu Fall noch andere Kommissionen zu wählen, so einen Organisations-, Nationalfonds-, Bank-, Palästina-, Preß- und Agitationsausschuß etc. Aber der Finanz- und politische Ausschuß müssen Bestandteile des Kongresses werden, deren er nicht entbehren darf. Es erübrigt uns noch, um mit den Abänderungsvorschlägen zürn Schluß zu gelangen, auf das Generalsekretariat und engere Aktionskomitee zurückzukommen. Das Vernünftigste wär es wohl, ohne Rücksicht auf die Personenfrage, im Statute festzulegen, daß fünf in einer Stadt domilizierende Mitglieder des Aktionskomitees das engere Aktionskomitee bilden. Allein für die Wiederaufnahme dieser bis zum VII. ICongreß giltigen Organisationsbestimmung wird der Kongreß nicht zu haben sein, solange die Organisation nicht in der Lage ist, den Mitgliedern des engeren Aktionskomitees die Möglichkeit zu geben, ihre Wohnsitze im Interesse der Bewegung zu ändern. Daß die Kontinuität der Arbeit des engeren Aktionskomitees infolge der räumlichen Zerstreuung seiner Mitglieder Schaden leidet, unterliegt keinem Zweifel. Nur ein Sekretariat, das aus befähigten, der Bewegung treu ergebenen Gesinnungsgenossen gebildet ist, kann hier, wenn auch teilweise nur, die Lücke ausfüllen. Ich habe im Organisationsausschuß des letzten Kongresses bereits den Antrag eingebracht, in das Statut die Bestimmung aufzunehmen, daß das Generalsekretariat aus drei besoldeten Sekretären zu bestehen hat. Sie sollten vom Kongreß nicht gewählt werden, um ihnen dem Aktionskomitee gegenüber keine allzu unabhängige Stellung einzuräumen. Anderseits muß die Gewähr vorhanden sein, daß die Sekretäre keine einfachen Beamten sein werden, die jeder Initiative bar, nur nach erteilten Weisungen handeln können, sondern das Vertrauen der Parteien des Kongresses genießen. Sie sollen daher unmittelbar nach Schluß des Kongresses in einer gemeinsamen Sitzung des großen Aktionskomitees und des Permanenzausschusses dem engeren Aktionskomitee in Vorschlag gebracht werden. Ein derartig ernanntes Generalsekretariat würde imstande sein, die Beschlüsse des von Zeit zu Zeit zusammentretenden engeren Aktionskomitees gehörig auszuführen. Daß es einige Sekretäre sein müssen, leuchtet wohl ohne weiteres ein. Jeder übernimmt ein bestimmtes Ressort. Wird der Schekel richtig organisiert, was wie bereits früher ausgeführt, eine Reform der Landesorganisationen zur Voraussetzung hat, so besitzt die zionistische Organisation auch die nötigen Mittel, um die Kosten eines solchen Sekretariats zu tragen. Die Verstärkung der zentralen Leitung durch tüchtige, gesinnungsgenössische, besoldete Fachsekretäre wird umso dringender, als die wichtigsten Landsmannschaften immer in höherem Maße gezwungen werden, einen großen Teil ihrer sicher nicht überschüssigen Kräfte den Aufgaben der Gegenwartspolitik zuzuwenden. Zum Schlüsse wollen wir dem Wunsche Ausdruck geben, daß das Aktionskomitee rechtzeitig an die Revision des Organisationsstatuts herantrete, damit die betreffenden Statutenentwürfe noch vor dem Kongresse veröffentlicht und zur Diskussion gestellt werden. Sollten manche der hier gemachten Anregungen nicht ins Kongreßstatut gehören, so z. B. die auf die Technik des Kongresses Bezug habenden, so wäre auch eine Revision der Geschäftsordnung desselben sehr erwünscht. Die zionistische Organisation hat einen räumlich derart schwer zu überblickenden Wirkungskreis, daß die territoriale Dezentralisation von selber gegeben ist. Daß die dezentralistischen Tendenzen nicht zur Atomisierung führen, muß die Sorge des Kongreßstatuts sein. Es muß das Zentralistische mit Nachdruck hervorheben. Die einzelnen Fäden müssen in einer Hand, in einem Punkt zusammenlaufen. Dabei aber keine Vertuschung von Differenzen und Gegensätzen, wo sie vorhanden sind. Nur bei gesunder Gliederung ist eine stramme Zusammenfassung möglich. Für die Differenzierung sollen aber nicht die Grenzpfähle der Golusländer, sondern die sachlichen und theoretischen Besonderheiten maßgebend sein. o o o o o o o C i o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o Verbandskonferenz der österreichischen Landesorganisation Am Sonntag den 20. Januar tagte in Wien die Verbandskonferenz, bei welcher vertreten waren die Distriktskomitees: Innerösterreich, Mähren-Schlesien, Böhmen, Ost- und Westgalizien, Bukowina. Auf der Tagesordnung standen lediglich Fragen der Organisation und die Einberufung des nächsten Parteitages. Ein Bericht des Präsidenten Dr. Schalit über die Tätigkeit des L. K. im abgelaufenen Jahre wurde dankend zur Kenntnis genommen. , Es wurden nach gründlicher Beratung folgende Beschlüsse gefaßt: 1. der Verbandstag legt es den D. Ks. nahe, ihren Verpflichtungen inbezug auf Abführung des Schekels in der vom letzten Verbandstage beschlossene Quote für das L. K. ohne Verzug nachzukommen. 2. der Verbandstag hält die Gründung eines Zentraiblattes der österr. Landesorganisation für unbedingt notwendig und begrüßt die vorbereitenden Schritte des innerösterr. D. K. 3. der Verbandstag protestiert mit aller Entschiedenheit gegen

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