Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE W3Ättte^.Wf+ er schickt in seiner höchsten Bedrängnis Abgesandte m£häfften, damit sie an der „hohen Stelle" für ihn mit der Versicherung arbeiten, daß um seiner antisemitischen Gesinnung willen Juden und Demokraten ihn zu Tode hetzen wollten. Geza Polonyi, du bist nicht weniger schlau als deine Vorgänger, ELT von denen es ja manch einem nach Wunsch geraten ist. Aber du hast ebensowenig Glück wie beispielsweise der alte Haman oder Plehwe oder der französische Generalstab. Unter deinen bösen „Juden" sind doch zu viel — rassenreine Christen gewesen. Und das ist ein Fehler bei derlei Dingen. ZUR WAHLBEWEGUNG IN OSTERREICH (Von unserem Korrespondenten.) Während das-in den letzten Zügen seines nicht immer rühmlicher* Daseins liegende Kurienparlament Gesetze en gros produziert uiM Ü^PP vor Torschluß alle möglichen Vorlagen glatt erledigt, r&^i Wie Nationen und Parteien zum Wahlkampf. Die Zionisten, die ^während der WahlrefoTmaktion geschichtliche politische Arbeit geleisl&t und die jüdischen Massen zum Bewußtsein ihrer selbst gebracht haben, gehen gleichfalls daran, im Wahlkampf die Früchte jener Arbeit zu ernten. Böswillige Nörgler und kleinliche persönliche Hasser leugnen zwar das Verdienst der Zionisten an den offenbaren politischen Erfolgen des letzten Jahres. Aber diese leugnen oder verkleineren wollen, heißt das Blaue vom Himmel herunter- Itjgp*. Die Regeneration des jüdischen politischen Lebens in Österreich haben die Zionisten angebahnt und werden sie zähe, zielbewußt weiterführen. Und im Zeichen des Zionismus, allen setn&n prinzipiellen und gelegentlichen, offenen und versteckten Gegnern zum Trotz wird der jüdisch-nationale Gedanke den Juden Österreichs die ihnen zukommende politische Stellung und den parlamentarischen Einfluß erringen. Nationale Konzentration ist sonst das Losungswort fast aller nationalen Gruppen des sterbenden Hauses. Diese Erkenntnis ist die deutliche Frucht des allgemeinen Wahlrechtes und führt in logischer ' Konsequenz auch die Juden zu der Notwendigkeit, auf die Schaffung ei&er möglichst starken, unabhängigen, tüchtigen und jüdisch-bewußten Vertretergruppe hinzuarbeiten. Gerade gegenüber dem Starkeverft&ftfisse des slavischen, respektive deutsch-romanischen Blocks, ytärf denen während der Wahlreformaktion soviel die Rede war, g©#4frit der Bestand einer selbständigen jüdischen Gruppe an Be- . deuÄng, weil sie eine Verschiebung der parlamentarischen Kräfteverhältnisse mit sich bringt. Aber abgesehen von dem politischen Einflüsse, der dadurch allein einer jüdischen Gruppe Beachtung garantiert, wird in dem künftigen Hause, das zweifellos eine agrarischklerikale Majorität aufweisen wird, eine nationalbewußte Vertretung der Juden eine unbedingte Notwendigkeit sein. Es ist zweifellos, daß dies in politischen Kreisen anerkannt und mit #r Möglichkeit einer solchen Gruppe auch gerechnet wird. Die Haftung der Wiener Presse, die Taktik des Polenklubs, die fät&öse Löwen st ein-Versammlung sind ein deutlicher Beweis dafür. Öie Wierser Tagesblätter, die Jahre hindurch allen Nachrichten über Zionismus und jüdisches Leben ihre Spalten beharrlich verschlossen haben, bringen jetzt fast tagtäglich Notizen über Kompromißvorschläge und perfekte Kompromisse mit den Zionisten Galiziens. Faktum ist, daß die Herren vom Polenklub schon vor Monaten ihre Fühler ausgestreckt und zunächst versucht haben, voraussichtliche zionistische Kandidaten durch Mandatsangebote zu ködern und die nationale Bewegung im Lande in der Korruption zu ersticken. Der Coup ist mißlungen. Faktum ist weiter, daß alle direkten und indirekten Kompromißangebote von den Zionisten abgelehnt wurden und daß ein frisch-fröhlicher Wahlfeldzug um keinen Preis ihren Widersachern erspart bleiben wird. Eine Konferenz der' ^Äischen Parteileitung tagt in Wien seit dem 18. d. M., und wtr$'fcäa$ äignal zu diesem Wahlfeldzug in unzweifeibarer Form gebeit Säe 1 wird die Freunde der Bewegung beruhigen, welche sich döfäfe die scheinbare politische Untätigkeit der letzten Wochen irritiert firhlten, und wird alte Gegner überzeugen, daß die Zionisten das begonnene politische Erziehungswerk der österrichischen Juden mit aller Kraft durchzuführen gewillt sind. Auf Grund der Beratungen dieser Konferenz, die einige Tage dauern soll, steht heute schon fest, daß als Kandidaten der Zionisten aufgestellt werden: Abgeordneter Dr. Straucher, Dr. Braude, Dr. Schalit, Stand, Dr. Zip per. Die Verlautbarung der anderen Kandidaten und der Wahlbezirke soll in kürzester Zeit erfolgen. Im ganzen dürften in ungefähr 30 österreichischen Wahlbezirken zionistische Kandidaten nominiert werden. Die politische und agitatorische Arbeit wird sich nicht auf die östlichen Kronländer allein beschränken. Auch in Wien und Mähren werden die Zionisten in jüdisch - nationalem Sinne einzugreifen haben, wenn auch positive Erfolge hier nicht winken. Aber es gilt, die Juden des Westens der politischen Bevormundung durch assimilatorische Wahlmacher zu entziehen und die Zeit der Wahlen für eine national-jüdische Agitation nach Kräften auszunützen. Die „Invaliden und Inkurablen" der jüdischen Politik werden wieder hinter Noske und Wrabetz her sein und die altliberalen Wahlmätzchen versuchen. Es wird und soll den Herren mit aller Schärfe und Deutlichkeit gesagt werden, daß die Zeiten solcher Wahlen und solcher Kandidaten unwiderruflich vorüber sind. In Wien soll diesmal der „Freisinn" unter aktivster Unterstützung der jüdischen Wähler, den bekannten Vorkämpfer der „Freien Schule", Freiherrn von Hock, der im Aisergrund kandidiert, zum Siege führen. Im Kaiviertel, das als jüdischer Besitzstand gilt, wird angeblich der Präsident der „Union", Herr Anninger, in den Wahlkampf treten. Wir trauen der „Union" und ihrem Präsidenten, der wohl als Verfechter sehr gemäßigter jüdischer Interessenpolitik gelten kann, nicht zu, daß sie unter offener oder auch verhüllter deutsch-liberaler Flagge ein solches Armutszeugnis politischer Rückständigkeit und Unfähigkeit riskieren werden. Abg. Dr. Ofner, der trotz seiner deutschtümelden Schrullen eine der sympathischsten Persönlichkeiten der Wiener Politik ist, soll — wohl nur um Herrn Anninger in der Innern Stadt Platz zu machen — in der Leopoldstadt sein Wahlglück versuchen. In Mähren liegen die Wahlaussichten bei den Reichsratswahlen für die Juden nicht so günstig wie beim Landtag. Wir wollen das Exekutivkomitee seligen Andenkens, das von der „Union" mit so großem Applomb zusammengetrommelt wurde und unter dem falsch verstandenem Schlagworte „einer jüdischen Interessenpolitik" ohne jede nationale Organisation und ohne jeden tieferen politischen Gehalt die mährischen Juden sammeln sollte, nicht höhnen. Es hat Fiasko auf der ganzen Linie erlitten und hat sich als durchaus einflußlos und in der Führung politischer Geschäfte beängstigend unfähig erwiesen. Jede erste beste Bezirks¬ und Lokalgröße konnte ihm in das ganz voraussetzungslos betriebene politische Handwerk pfuschen. Die Aufgabe der jüdischen Agitation vor den Reichsratswahlen wird darin bestehen, daß man rechtzeitig antisemitische Kandidaturen, wo es möglich ist, verhindert und die Juden Mährens endlich auf nationaler Grundlage zu organisieren beginnt. Sonst bleiben sie, wie sie es in den letzten Jahren fast überall waren und wie es sich bei den letzten Landtagswahlen besonders kraß gezeigt hat, der ewige Spielball aller möglichen Parteien und Politiker. Für die Zionisten Österreichs kommen