Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 3 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Palmen geschmückt. Der Dajin hielt eine von Begeisterung getragene Ansprache über den Zionismus. Abends gab es ein Kinderblumenfest in der Zionshall. Die Kinder trugen hebräische Lieder und Gedichte vor, Adressen wurden überreicht, und Geschenke und Andenken von vielen Vereinen und Privatpersonen. Und so gab es ernste und fröhliche Veranstaltungen auch an allen folgenden Tagen, solange Herr Wolffsohn in Johannesburg weilte. Bankette, Massenmeetings (von vielen tausenden Personen], Bälle, Straßenaufzüge, kurzum, ein Festleben, wie es unsere junge ehrsame Stadt Johannesburg noch selten gesehen hat. Am Dienstag war feierliche Auffahrt und großer Empfang beim Gouverneur, Lord;Selborne. Hier erwies sich, daß es keine Phrase war, wenn die südafrikanischen Nichtjuden von ihrer Sympathie für den Zionismus sprachen. Der Gouverneur zeigte sich nicht nur auf das eingehendste unterrichtet über alle äußeren Fragen der Bewegung, auch die kulturellen, schwierigeren Probleme waren ihm nicht unbekannt und wurden von ihm richtig beurteilt. In Prätoria, wo nur wenige Juden wohnen, war der Empfang klein aber nicht weniger würdig. Wiederum Begrüßuug durch den Mayor und sämtliche hohen Beamten in der Stadthalle und darauf Massenmeeting. Tags darauf Besuch der Schulen, dann großer Festakt seitens der Stadt mit Gesang und Musik, abends Festbankett unter Beteiligung sämtlicher Honoratioren der Stadt usw. usw. Freitag früh Weiterfahrt. Und nun wiederholte sich an vielen Stationen dasselbe Bild. Großer Empfang, Überreichung von Adressen und Mitreisen der Delegierten bis Middelburg, wo Rast gemacht wurde. In Middelburg wohnen fast keine Juden. Trotzdem standen am Bahnhofe Scharen von Zionisten, die aus der ganzen Provinz zusammengeströmt waren. Wiederum Empfang durch den Mayor und Gouverneur, Banketts uswr. An der portugiesischen Grenze verließen die südafrikanischen Delegierten den Zug, aber nur um den portugiesischen Platz zu machen. Eine Delegation aus Lorenzo Marques war bis zur Grenze gekommen und geleitete Herrn Wolffsohn bis aufs Schiff. Es waren festliche und erhebende Tage für den südafrikanischen Zionismus. Der zionistische Gedanke stand in diesen Tagen vor allen südafrikanischen Juden und war auch für die nichtjüdischen Bewohner Südafrikas die Verkörperung des Judentums. Es gab keine Parteiunterschiede, keine Divergenzen der Anschauungen. Die Reise unseres geschätzten Gastes durch Südafrika hat unwiderleglich gezeigt, daß das Wort wahr ist, das der Gouverneur auf einem der Bankette ausgesprochen hat: „Südafrika für den Zionismus!" Wir sind stolz darauf, mit in der Avantgarde der Bewegung zu stehen, der wir aus diesem freien Lande noch Bedeutendes an Kraft und Mitteln zuzuführen hoffen. G. Oberschlesischer Zionistentag (Bericht für die „Welt") Ein Zeichen für die Aufwärtsbewegung des Zionismus in der Gegenwart bilden zweifellos auch die Tagungen kleinerer Verbände innerhalb der deutschen Organisation. Sind sie doch ein Beweis für das rege zionistische Interesse, das in den Verbänden vorhanden ist. Ihr Wert für die ganze Bewegung darf nicht unterschätzt werden. Als Veranstaltungen rein lokaler Natur haben sie freilich nicht .die Aufgabe, durch ihre Beschlüsse die Gesamtbewegung zu beeinflussen. Sie sind aber dadurch bedeutsam, daß sie den Gesinnungsgenossen reiche Anregung und Gelegenheit zum Gedankenaustausch bieten und auf diesem Wege ihr Gemeinschaftsgefühl, ihre zionistische Gesinnung und ihre Arbeitsfreudigkeit fördern. Außerdem sind sie hervorragende Kundgebungen nach außen hin und deshalb von starker propagandistischer Wirkung. Wo, wie in Oberschlesien, eine konzentrierte jüdische Bevölkerung wohnt, sind derartige Gruppentage geradezu geboten, um einheitliche Aktionen der Ortsgruppen zu gewährleisten. Von diesen Gesichtspunkten aus verdient der Oberschlesische Zionistentag, der am 30. Dezember 1906 in Beuthen O. S. vom Gruppenverband „Oberschlesien" veranstaltet wurde, allgemeine Beachtung. Den Schwerpunkt der Tagung bildete die fünfstündige Nachmittags Sitzung, an welcher die zahlreich erschienenen Vertreter und Mitglieder der oberschlesischen Ortsgruppen sowie die auswärtigen Zionisten -— im ganzen gegen 70 Personen — teilnahmen. Unter den Gästen befanden sich außer den für die Veranstaltung besonders gewonnenen Herren Dr. Heinrich Loewe und Dr. Elias Auerbach aus Berlin, die Herren Zahnarzt Schachtel-Breslau, Dr. Isidor Margulies-Wien, Dr. Emil Margulies-Teplitz, Assessor Dr. Dobrzynski und einige Zionisten aus den russisch-polnischen Nachbarstädten. Die interne Sitzung bot Gelegenheit zu einem regen Gedankenaustausch sowohl über die allgemeinen zionistischen Fragen, wie insbesondere die Lage des Zionismus in Oberschlesien. Die allgemeine Debatte kristallisierte sich um das überaus bedeutsame, einstündige Referat des Herrn Dr. Elias Auerbach über „Stand und Aussichten der zionistischen Bewegung". Nach einem ausgezeichneten Oberblick über die Geschichte des Territorialismus und einer überzeugenden Widerlegung desselben gelangt Redner zu folgenden, von der Versammlung mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Leitsätzen: „Die Aufgabe des Zionismus ist nicht unmittelbar die Beseitigung der augenblicklichen Judennot, obwohl diese Arbeiten notwendig sind, denn diese Aufgabe ist nicht augenblicklich lösbar. Die Aufgabe des Zionismus ist vielmehr die Erhaltung des jüdischen Volkstums durch Schaffung eines jüdischen Zentrums mit weitgehenden politischen Freiheiten. Dieses Zentrum kann aus ideellen und praktischen Gründen nur Palästina sein. Die Kraft des Zionismus und seine stärkste Aussicht auf Erfolg liegt in der Konzentrierung aller seiner Kräfte auf dieses eine Ziel. Aus diesem Grunde muß der Zionismus die Besiedelung anderer Landstriche und die Beteiligung an Notstandsarbeiten mit seinen finanziellen Mitteln ablehnen. Er kann höchstens als Vermittler solcher Arbeiten durch seine politischen Verbindungen tätig sein. Die Besiedelung eines unbesetzten Territoriums kann die akute Judennot in den nächsten Jahrzehnten ebenfalls nicht merkbar mindern. Auch die Heimstätte in Palästina könnte das erst ganz allmählich tun. Bis zur Erlangung eines Charters in Palästina dürfen wir im Lande selbst nicht untätig sein. Aussicht auf Erreichung unseres Zieles haben wir nur, wenn wir ein ausschlaggebendes Element im Lande sind. Die nächste große und aussichtsreiche Arbeit in Palästina ist die Umwandlung der jetzigen jüdischen Bevölkerung in ein produktives Element. Alle Arbeiten in Palästina müssen auf dem Boden des Rechts vor sich gehen und Hand in Hand mit der politischen Arbeit!" Die organisatorischen und praktischen Arbeiten in Oberschlesien wurden im Anschluß an ein bezügliches Referat des Herrn Dr. med. Stahl-Tarnowitz und die Berichte der Distrikts- und Ortsgruppenleiter in eingehender Diskussion besprochen. Am Abend fanden vor einem etwa 600 Personen zählenden Publikum die öffentlichen Vorträge der Herren Dr. Elias Auerbach über „Judennot und Juden Wanderung" und Dr. Heinrich Loewe über „Kreuz und quer durch Palästina" (mit Lichtbildern) statt. An die mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vorträge knüpfte sich eine bis über Mitternacht währende Diskussion, welche dadurch bemerkenswert war, daß auch die Gegner ihre Anschauungen in klarer und wohlüberlegter Form vortrugen. Insbesondere fand die Stellung des Zionismus zum Kosmopolitismus und zum religiösen Judentum eine eingehende Erörterung. Die öffentliche Versammlung war ein starker Erfolg der zionistischen Idee. Wn. Fr. Rundschreiben I desZentralkomitees derZionistischen Organisation in Rußland (Fortsetzung.) Nachdem die Konferenz ihre Beziehungen zum Hauptpunkt des Baseler Programms aufgeklärt hatte, der das Endziel unserer Bewegung markiert, ging sie zur Beratung der Frage: Vorbereitungsarbeiten in der Diaspora über. Es ist klar, daß diese Vorbereitungsarbeiten nur ein Ziel haben können: die Organisierung und Verstärkung des Judentums, das, gestützt auf historische Bedingungen, alle seine Kräfte für die Renaissance eines national-politisch und sozialökonomisch autonomen Volkes in Palästina einzusetzen haben wird. Demgemäß auf Grund der Überlegung, unter welchen allgemeinen Bedingungen es am besten gelingen wird, eine planmäßige Organisation des Judentums durchzuführen, sind wir an die Festlegung eines allgemeinpolitischen und nationalen Programms herangegangen. Inbezug auf die innerpolitische Arbeit hat die Konferenz zwei Grundpunkte aufgestellt. Die Juden als Minderheit dürfen und können sich nicht an die Spitze des politischen Kampfes in Rußland stellen. Die Juden können nicht die Initiative in diesem Kampfe ergreifen. Anderseits dürfen und können sie nicht als gleichgültige Zuschauer die Ereignisse um sich herum betrachten, weil sie in Rußland leben müssen und ihre Interessen von diesen oder jenen Ergebnissen des Kampfes stark berührt werden. Infolgedessen hat es die Konferenz als Pflicht der Zionisten erklärt, an dem politischen Kampfe Anteil zu nehmen mit Rücksicht auf die lebendigen jüdischen Interessen aber auch im Hinblick auf die möglichst schnelle Erreichung unseres Endzieles. Aus zwei Gründen ist die Konferenz zu diesem Beschlüsse gelangt: Erstens veranlaßt durch die Geschichte des Zionismus selbst, die uns gelehrt hat, den Zionismus als einen Entwicklungsprozeß zu betrachten, dessen Erfolg nicht von der Diplomatie, sondern hauptsächlich von der stetig wachsenden Organisation der jüdischen Kräfte abhängt. Zweitens, weil die Bedingungen des uns um-