Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 3 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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> No. 3 DIE^ELT 15 OOOOOOOjj c==== o o o jl AUS DER BEWEGUNG (7 II o o o o o o o Ho o o o o o o Australien und Neuseeland Das Zionistische Zentralbureati hat an die zionistischen Vereine Australiens und Neuseelands ein Rundschreiben gerichtet, in dein es sie ersucht, sich zwecks gemeinsamer Arbeit in eine Federation zusammenzuschließen. In dem Zirkular wird zum Ausdruck gebracht, daß alle Arbeit der Konzentration bedarf, um wirksam zu werden. Bisher stehen die australischen und neuseeländischen Zionisten untereinander nur in lockerer Verbindung. Man hofft, daß die neue Federation die zionistische Tätigkeit in Australien, die unter so guten Auspizien begonnen hat, auch weiterhin gedeihlich entfalten und sichern wird. Texas Am 30. Dezember fand die zweite Jahreskonferenz der Texas Zionist Association in Fort Worth statt. Ein genauer Bericht über die Versammlung wird demnächst erscheinen. Die Tagesordnung war sehr reichhaltig und sah Referate vor über: Propaganda und Organisation, die hebräische Sprache, Strömungen im Zionismus etc. Außerdem nimmt die Konferenz die Wahl der Delegirten zum Baseler Kongreß vor. Anläßlich dieser Konferenz gibt das Organ der Zionisten von Texas, „The Jewish Hope", einen interessanten Rückblick über die Geschichte der zionistischen Bewegung in Texas, dem wir folgendes entnehmen: Am 31. Dezember 1905 versammelten sich die Delegierten von sechs zionistischen Vereinen von Texas in Houston, um über einen engeren Zusammenschluß der texanischen Zionisten zu beraten. Es wurde einstimmig beschlossen, die Zionisten von Texas in einer besonderen Organisation zusammenzuschließen und sich mit Eifer und Ausdauer der Propaganda der zionistischen Idee in Texas zu widmen. Die Vereinigung untersteht der Amerikan Federation und hat in dem ersten Jahre ihres Bestehens schon große Erfolge erzielt. Die Zahl der Vereine wurde verdoppelt, die Mitgliederzahl nimmt beständig zu, der Nationalfond und die übrigen zionistischen Institutionen wurden in reichem Maße unterstützt. Von großer Bedeutung für die Entwicklung des Zionismus in Texas wurde das neugegründete Organ, die Monatsschrift „The Jewish Hope". Die äußerst elegant ausgestattete und sehr gut redigierte Zeitschrift trug nicht wenig dazu bei, die zionistische Idee zu popularisieren. Auch die vorliegende Nummer, die anläßlich der Konferenz in besonders reichem Gewände erscheint, ist ihrer ganzen Anlage nach geradezu musterhaft. Präsident der Vereinigung ist Rabbi Friedlander, früher in Beaumont, nun in Waco, einer aus der alten zionistischen Garde, der die Geschäfte der Vereinigung mit Geschick und Energie leitet. Dr. Friedlander ist zugleich der Herausgeber der Zeitung, und wir möchten nicht verfehlen, unserem verdienstvollen Kollegen jenseits des Ozeans unseren aufrichtigen Glückwunsch zu seiner ausgezeichneten Leitung des Blattes auszusprechen. Die Dezembernummer der „Jewish Hope" bringt Berichte über sehr gut verlaufene Versammlungen in San Antonio, Astin, Houston, Waco, Dallas und Fort Worth. Amerika Die Agitationsreise Dr. Schmarjahn Levins Die Agitationsreise unseres Freundes Dr. Levin durch Amerika gestaltete sich zu einer begeisterten Sympathiekundgebung der amerikanischen Juden für diesen bewährten Verfechter des Judentums und für die von ihm propagierte Idee des Zionismus. In allen Versammlungen, wo er sprach, lauschten viele Tausende seinen Ausführungen. In New York fanden mehrere Massenmeetings statt, die selbst für amerikanische Verhältnisse außergewöhnlich stark besucht waren und großen Erfolg hatten. Dr. Levin sprach ferner in Pittsburg, Hartford, St. Louis, Baltimore und Boston. Er wurde vom Präsidenten Roosevelt empfangen und hatte mannigfache Unterredungen mit den leitenden Juden Amerikas. Viele große Zeitungen bringen leitende Artikel, in denen seine Reden sehr zustimmend kommentiert werden und in denen ausgedrückt wird, daß die Reise Levins durch Amerika viel zur Aufklärung über die Lage der russischen Juden beigetragen und die Sympathien für unsere östlichen Brüder außerordentlich verstärkt habe. Brief aus Süd=Afrika Wer noch daran gezweifelt hätte, daß sich der Zionismus hierzulande nicht nur in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Bürgerrechte erworben hat, sondern auch von allen Nichtjuden außerordentlich sympathisch empfunden wird, der hätte durch den geradezu beispiellos herzlichen und glänzenden Empfang, der dem Präsidenten des A. C. anläßlich seiner Anwesenheit in Süd-Afrika zuteil wurde, einen vollen und unzweideutigen Beweis erhalten. Es ist bekannt, daß wir englisch sprechenden Juden in der ganzen Weit es sehr gut verstehen, politische Demonstrationen zu veranstalten, und unseren Banketten und Festen einen Glanz zu verleihen, der vielleicht ihrer inneren Bedeutung nicht immer entspricht. Der Empfang aber, der Herrn Wolffsöhn in Süd-Afrika zuteil wurde, war von einer so imponierenden Großartigkeit und getragen von einer so aufrichtigen Begeisterung, daß auch derjenige, der Massendemonstrationen gegenüber — und oft mit Recht —- skeptisch ist, zugeben müßte, daß es sich hier nicht um eine Parade, sondern um die begeisterte Äußerung der Anhänglichkeit an eine große Idee und an ihre Repräsentanten handelte. Ein besonderes Charakteristikum an der Begrüßung, die Herrn Wolffsohn hier zuteil wurde, war die Einmütigkeit, in der sich alle Juden des Landes vereinigten, um dem Präsidenten der zionistischen Leitung in groß angelegten Veranstaltungen ihre Sympathie für die hier von ihm repräsentierte Bewegung zu bezeugen, war insbesondere aber das allgemeine Bestreben aller staatlichen und städtischen Behörden, die Anwesenheit des Herrn Wolffsohn dazu' zu benutzen, in glänzenden Kundgebungen dem Zionismus ihre aufrichtige Teilnahme an seinen Bestrebungen und Forderungen auszudrücken. Gleich der Empfang in Kapstadt gab hiervon eine Probe. Als das Schiff, auf dem Herr Wolffsohn reiste, in die Reede von Kapstadt einlief, näherte sich ihm ein über und über mit Flaggen und Wimpeln in den jüdischen und den Landesfarben geschmückter Extradampfer mit einer Deputation, bestehend aus 150 Delegierten aller zionistischen Vereine des Landes, die gekommen waren, den Präsidenten des A. C. bei seiner Ankunft auf süd-afrikanischem Boden zu begrüßen. Unter den Klängen mehrerer Musikkapellen und unter den begeisterten Zurufen einer vieltausendköpfigen Menschenmenge stiegen Herr und Frau Wolffsohn ans Land. Abends war ein großes Bankett in der Stadthalle, dem mehr als 2500 Personen beiwohnten. Die Spitzen der städtischen Behörden waren anwesend, und der Mayor hieß Herrn Wolffsohn im Namen und Auftrage der Bevölkerung Kapstadts von Herzen willkommen. Die Ansprache, in der Herr Wolffsohn für die warmen Worte der Begrüßung dankte, erweckte ein stürmisches Echo. (Über das Bankett, das der Mayor der Stadt am anderen Tage Herrn Wolffsohn gab, und bei dem die Spitzen der städtischen Behörden und die Konsuln der verschiedenen Länder anwesend waren, hat die „Welt" schon berichtet. Ebenso über die mannigfachen Feiern in Port Elizabeth, die denen von Kapstadt in nichts nachstanden. Wir übergehen also diesen Teil des Berichtes unseres Korrespondenten. Anm. d. Red.) Der Empfang, der hierauf Herrn Wolffsohn in Johannesburg zuteil wurde, übertraf sogar noch die glänzenden Veranstaltungen, die vorhergegangen waren, um ein Bedeutendes. Bei der Ankunft des Zuges am Bahnhofe waren viele Tausende zugegen. Die ganze Stadt war festlich geschmückt, und die Straßen waren überfüllt von einer begeisterten Menschenmenge, die unaufhörlich hebräische und zionistische Lieder sang. Auch hier ließ der Mayor der Stadt es sich nicht nehmen, den Gast auf das herzlichste zu begrüßen und ihn der wärmsten Sympathien der Bürger von Johannesburg für den Zionismus zu versichern. Am Freitagabend war großer Festgottesdienst in der alten Synagoge. Die Synagoge war herrlich mit zionistischen Emblemen geschmückt. Vor dem Eingang zur Synagoge empfingen der Vorsteher und die drei Rabbiner Johannesburgs Herrn Wolffsohn. Rabbiner Herz feierte in seiner Predigt den Zionismus als die Hoffnung des Judentums, als die einzige Form seiner Erfüllung und Erlösung. Am Sabbatmorgen fand abermals ein Festgottesdienst, diesmal in der neuen Synagoge, statt, dem nachmittags ein Kindergottesdienst folgte, wobei Herr Wolffsohn eine Ansprache hielt. Nachher fand ein Festakt im Beth Hamidrasch statt. Das ganze große Gebäude und alle angrenzenden Häuser waren über und über mit Laub und