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Die Welt · 1907-01-18 · 3 (18.1.1907) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 3 DIE3^ELT 13 In Rußland, Rumänien und Galizien z. B. wäre es meines Erachtens viel richtiger, durch geringe Beiträge „alle" Juden zu gewinnen, als durch hohe sehr viele Zionisten (d. h. hier für den Zionismus Empfängliche) auszuschließen. Und wer da meint, daß die ca. 1 700 000 Juden Nordamerikas oder die ca. 250 000 Juden Englands „reich genug" sind, um mehr zu zahlen, der ist nie „drüben" gewesen. In Deutschland und noch ein paar Ländern wird es freilich einige Tausende geben, die man mit höheren Zahlungen herankriegen kann, ob man sich aber damit nicht viel Sympathie und Anhängerschaft in den „unteren Hunderttausenden" verscherzt, ist die Frage. Eine Federation wie die deutsche könnte aber ganz gut die Schekel- Eingänge vollständig überweisen (welcher wahre Idaelist fragt denn, wie viel die anderen geben?) oder sie könnte von ihren 50° o alljährlich etwas Greifbares leisten, was (neben zionistischer Ersprießlichkeit) in der Propaganda in Deutschland spezielle Wirkung verspricht. Warum soll denn nicht die deutsche Landsmannschaft die Jerusalemer Nationalbibliothek unterstützen? Würde es sich schlecht machen, wenn das A. C. auf dem nächsten Kongreß erklären kann: „Von der Ehrenpflicht, die Nationalbibliothek zu subventionieren, befreit uns die von der deutschen Landsmannschaft übernommene Verpflichtung, diesem Institut auf vorläufig 10 Jahre einen Minimalbetrag von x-tausend Mark zur Verfügung zu stellen". Diesem schönen Beispiel nacheifernd haben sich die ... . (folgen sieben Federations, die sieben SpezialSubventionen auf sich nehmen). Das ist ganz durchführbar, kostet das A. C. kein Hundertstel eines einzigen Schekels und gibt der Propaganda in den betreffenden Ländern einen neuen Anstoß. Um — ganz beispielsweise — bei den Deutschen und der Nationalbibliothek zu bleiben — könnten nicht die deutschen Zionisten der Nationalbibliothek einen tüchtigen Bibliothekar stellen, in die recht wahllos zusammengekommenen Bücherbestände durch Organisation des Austauschs und Neuanschaffungen System bringen etc.? Besonders populär wäre in Deutschland die Erzielung möglichsten Vorwiegens hebräischer und deutscher Literatur in dem Jerusalemer und anderen palästinesischen Instituten, womit man in den weiten Kreisen der „Hilfsvereinler" Anklang und Unterstützung fände. So kann jede Federation eine besonders geeignete Verwendung für ihren Anteil am Schekeleingang finden, und neben allem anderen liegt darin der quasi-persönliche Ansporn, den man — auch in ideellen Dingen — nicht versuchen sollte auszuschalten. Federations, die sich solchen „Luxus" nicht leisten können, haben schon den Ansporn in ihren dringenderen Sorgen. Aber auch hier könnte viel mehr erzielt werden, wenn der Ansporn noch persönlicher würde. Ich habe mir sagen lassen, daß manche jüdischen Organisationen sich ihre Einkünfte dadurch auf der Höhe halten, daß sie Kollektoren anstellen, die 10—I5°'n bekommen von allem, was sie einnehmen. Wir sollten das auch anwenden. Macht jemand ein „Geschäft" daraus — umso besser für die zionistischen Kassen, die durch nichts anderes so viel gewinnen würden. Will jemand das schnöde Geld nicht für sich behalten, so wird er zwar sicher weniger zuwege bringen als der Berufskollektor, aber immerhin auch nicht weniger als bisher.1) Herrn Berger's „sammelfrohen jungen Mädchen" wird es ihren Sammeleifer nicht rauben, wenn sie gelegentlich in den Spenden-Registern der „Welt" einen Ölbaum pflanzen oder die El Arisch-Expedition bezahlen helfen können. Da die je 50% des energischer eingesammelten Schekels bei wieder jährlichen Kongressen zweifellos mehr ausmachen werden, als je bisher, so wären die Finanznöte zur Genüge besprochen 2) und wir schreiten nun zur Wahlfrage. Hier verstehe ich nicht, was man eigentlich fürchtet. Ich verstehe auch nicht, wie Herr Berger die Wahlen dadurch interessanter machen will, daß jeder vorher weiß, wie die Wahl ausfallen wird. („Welt" Nr. 37, S. 8 oben rechts). Auch muß man der Wahl die breite Grundlage der „Schekelzahler" lassen. Sonst vertreten wir auf dem Kongreß keine genügende Zahl von Juden, um uns mit Anstand als Vertreter des Volkes ansehen zu können. Die „Spender" zu vertreten ist nichts. Es würden auch viel weniger sein, als man meint. Der Schekel, wie er war, hatte Zugkraft — der Spendenschekel wird sie kaum besitzen. ' ) Wie der Berufskollektor auch durch Broschürenvertrieb etc. ein hochwichtiger Faktor in unserer Propaganda werden könnte, — das und ähnliche Fragen (wir stehen überhaupt, richtig'betrachtet, erst im Anfang unserer Propaganda!! führt hier zu weit. '2> Die glatte und gleiche Teilung der Eingänge zwischen Federation und A.-C. wird vermutlich auch' die gerügte „Kompliziertheit und Schwerfälligkeit des bisherigen Systems'" genügend vereinfachen und erleichtern. — Die Vereine dürften es im wesentlichen halten wie bisher. Nur sollten sie verpflichtet werden, etwa jährlich mindestens 4 mal Versammlungen der Schekelzahler (nicht nurVereinsleute —- und keine Gäste einzuberufen. Dennpch bedarf es einiger Reformen des Wahlmodus und auch eines geeigneteren Arbeits-Systems der Kongresse. ■— Wir haben zu viel Delegierte. Schränkt man die Ziffer aber ohne weitere Maßnahmen durch Bildung größerer Wahlgruppen ein, so ist zu befürchten, daß gerade die wertvollsten Mitglieder der Kongresse die von der Opposition — Mandate verlieren werden. Denn je größer die Wahlgruppen, um so schwerer werden sie für einen bestimmten, noch kämpfenden Standpunkt zu gewinnen sein. Daß aber das Fehlen derer, die „andere" Meinungen vertreten, wie auch das Fehlen der Kritik die Verflachung jeder Organisation bedeutet, ist nachgerade auch im Zionismus klar geworden. Wenn wir also bei wachsender Organisation die Wählergruppen immer größer machen müssen, so sollte man möglichst bald schon dazu schreiten, eine Anzahl von bewährten Genossen — diesmal meine ich die „Offiziellen" — aus dem Wahlkampf auszuschalten, indem man sie schon durch ihre Wahl ins Aktions-Komitee oder in die ständigen Kommissionen gleichzeitig zu vollberechtigten Teilnehmern des nächsten Kongresses macht. Wenn durch eine solche Maßregel, sagen wir 50 Mandate, frei werden, so kann man daraufhin schon die voraussichtliche Delegiertenzahl um ganze 100 oder 200 verkürzen, indem man die Wählergruppen — allmählich — immer größer gestaltet. ') Das Arbeits-System der Kongresse ausführlich zu besprechen, geht hier nicht gut an. Ich werde bei anderer Gelegenheit ausführen, auf welchen Wegen etwa durch Einrichtung von Sektionen lahnlich wie auf so vielen wissenschaftlichen Kongresseni die Spezialf ragen dem hierfür gänzlich ungeeignetem „Plenum" (soweit als angängig!) zu entziehen wären. Ich resümiere: Ich wäre (mindestens bis zu genauerer Information) gegen eine eigentliche Änderung des Organisations - Statuts und halte einen entsprechenden Ausbau für ganz hinreichend und für organischer, •— für unserem bisherigen System und der bisherigen Praxis entsprechender. — Die Entwickelung zu „legalisieren" und zu fördern ist entschieden besser als „Experimente" mit Schekel und Wahlrecht Also: Keine Erhöhung des Schekel und keine Verkürzung seiner Privilegien. Höhere Einkünfte durch lebhaftere Arbeit und Propaganda. Lebhaftere Arbeit vor allem durch Rückkehr zum jährlichen Kongreß. Budgetierung der Landsmannschaften und Verbilligung ihrer „Mitgliedschafts-Minimal-Beiträge" durch Reservierung von 50 "n der Schekel-Eingänge. Bessere Methoden der Schekel-Einsammlung und großzügige Propaganda. Ausschaltung der A.-C.-Mitglieder etc. (als eo ipso-Teilnehmer) aus der Kongreßwahl und Vergrößerung der Wählergruppen. Besseres Arbeits-System der Kongresse. Verstärkung des Palästina-Charakters der Kongresse. '* * Zum Schluß noch eine Anregung zur Technik dieser Diskussion. Soll der Kongreß sich mit dieser Frage befassen, so sollte man nach Möglichkeit die Meinungen schon vorher klären. Sonst könnte es passieren, daß der VIII. Kongreß, (der mir dazu bestimmt scheint, unser erster Palästina-Kongreß zu werden) mit der Organisationsfrage zuviel Zeit verliert. Ich meine deshalb, man sollte die Vorschläge zu dieser Diskussion in einer Druckschrift susammenfassen und allen Organisationen zugänglich machen. Vor der definitiven Drucklegung, sollte es Jedem, der dazu das Wort ergriffen hat, ermöglicht werden, sich nochmals kurz zu dem Diskussions-Material der Anderen zu äußern — evtl. auch (wenn es ohne Schaden für die Verständlichkeit der späteren Diskussion geschehen kann) seine Ausführungen ganz oder teilweise zurückzuziehen. Dann haben alle Interessenten die nötigen Unterlagen zur ernsthaften Behandlung der Sache. Das wird die geringen Mühen und Kosten wert sein." Die Zeit des Kongresses ist kostbarer. Jaffa. Davis Trietsch. ') Eine Ausnahmestellung wäre vielleicht — ich gebe das als Anregung der werdenden „Landsmannschaft Palästina" einzuräumen. Wir haben liier mindestens 30 .,kongrel.)fähige" Zionisten i Mitglieder früherer Kongresse U-h kenne darunter solche, die Mitglieder aller sieben Kongresse waren - die Bankdirektorun. mehrere Mitglieder des A.-C. etc.). -- Soviele etwa sollten von Palästina delegiert werden können, gleich viel w i e g r o I.» die Z a h 1 d e r S c h e k o 1 i in a u s P a 1 ästina sei. Der Palästina-Charakter unserer Sache wurde dadurch viel gewinnen.

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