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Die Welt · 1907-01-18 · 3 (18.1.1907) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE LT No. 3 den ich hiermit meine Meinung abgebe. Erst wenn der Sinn feststeht — oder wenigstens den verschiedenen möglichen und zuzulassenden Auslegungen die Grenzen gesteckt sind, — läßt sich über die Form der Schekel-Entrichtung reden. Ich meine also: Wenn wir den Zionismus* als Sache —nicht einer Partei, — sondern des ganzen jüdischen Volkes ansehen, respektive, wenn wir wünschen, das ganze jüdische Volk zionistisch zu machen, so muß auch der Schekel der Partei - Geltung entzogen und zu einer Volkssteuer gemacht werden. Wer den Schekel nicht zahlen will, den können wir ohnehin nicht zwingen, und wer ihn (und wenn auch nur auf Grund der verschwommensten Vorstellung von unseren Zielen) entrichten möchte, den sollten wir nicht abstoI3en, indem wir von ihm das Auswendiglernen unseres Programms und die Lektüre von sieben Kongreß-Protokollen und von zehn Jahrgängen der „Welt" verlangen. — Unser Gewissen können wir hinreichend beruhigen, indem wir das Baseler Programm auf die Schekel-Quittung (keine neuen „Marken"!) aufdrucken. (meinethalben „sogar" auf der Vorderseite). Wer sich den „Schekel14 so „heilig" vorstellt, wie Herr Berger, begeht einen Irrtum: Nicht einmal Parteisteuern werden so feierlich bezahlt. Wie viele Mitglieder des „Zentrums" oder der sozialdemokratischen Partei sind ihnen nur beigetreten, weil es eine antisemitische Ortsgruppe gerade nicht gab oder aus andern äußeren Gründen — wie wenige Mitglieder irgend einer Partei „kennen" ihr Programm oder bringen ihm gar Verständnis entgegen! — Die Förderung einer Partei von lauter „Kennern" und „Verständigen", wie Berger und viele andere sie aufstellen möchten — das ist etwas Unmögliches. Das gäbe einen möglichen Generalstab, aber unmöglich eine Armee! Und gar die Volksteuern! Man fragt den Deutschen nicht, ob er die „deutschen Ideale" anerkennt, ob er mit den neuen Flottenplänen einverstanden ist etc. Er muß zahlen, auch wenn er sich als Chinese fühlt. Es ist durchaus ein genügender „Vorzug" des Schekels im Sinne der „Strengen", daß wir seine Entrichtung nicht erzwingen können, daß er also freiwillig gezahlt wird, und daß darin ein Akt der Sympathie für unsere Bestrebungen liegt, für die wir dem Betreffenden das Recht geben, sich an Kongreßwahlen zu beteiligen. Daß wir dann bloße „Mitläufer" nicht in unsere Leitung wählen, ist unsere Sache. Ohne „Mitläufer" ist keine Partei, kein Volk, keine Bewegung denkbar. Und die Mitläufer müssen vollberechtigt sein! Sonst fällt's ihnen gar nicht ein, „mitzulaufen". Abgesehen davon, daß es von der großen Mehrheit der Zionisten de facto immer so.gehalten wurde, ist es auch das einzig Richtige, denn wirkliche Übelwollende auszuschließen — dafür gibt es keine Handhabe. — Gegen solche ist das einzige, aber auch völlig ausreichende Mittel, daß die Kongreßleitung1) keine Reden, Diskussionen oder Handlungen zuläßt, die dem Sinn des Zionismus widersprechen. Auch sonst ist Weitherzigkeit am Platze. Ich kenne einen reichen Mann, der für zionistische Zwecke stets zu haben ist, der aber entschieden dagegen remonstriert, von den Zionisten als ausschließliches Eigentum angesehen zu werden. Er sagt ungefähr: Wer kann sich vermessen zu sagen, von welcher der verschiedenen Seiten uns das Heil kommen wird? Inzwischen leiste ich meinen Beitrag an die Zionisten und an den „Esra", an den „Hilfsverein" und an die „Alliance" etc. Kann nun jemand meinen, daß die Beitragleistung zu verschiedenen Vereinen (die sich ja manchmal befehden) die Rechte solcher Mitglieder, wie z. B. das Wahlrecht, beeinträchtigen sollte? — Haben wenig Zionisten sogar „politische" — im „Esra" mit gestimmt und mitgewählt? Und wenn wir nicht zweierlei Maß anwenden wollen — kann es da eine Frage geben? Ich selbst habe immer gesucht den Außenstehenden oder noch Zögernden den Eintritt in die Organisation so leicht wie möglich zu machen, und die „Partei" ist dabei nicht schlecht gefahren. Einige unserer „Besten" waren ..nur auf diesem Wege" zu gewinnen, und solcher gibt es noch viele. Ganz präzise habe ich meinen Standpunkt in einem Propaganda-Artikel nach dem VII. Kongreß ~) formuliert, in dem ich schließlich zum Beitritt zur Organisation alle diejenigen auffordere, „die das zionistische Programm gutheißen können und in der Mitarbeit an den vielerlei Aufgaben, die der Zionismus umfaßt, den Weg oder einen der Wege sehen, auf denen Judenheit und Judentum einer besseren Zukunft entgegengeführt werden können". ') Ebenso wie die Leiter der Delcgiertentage, der Vereins- und der Schekelzali 1er- V ersa m m 1 u nj^en. 2) Der neue Kurs im Zionismus« iGeneral-Anzeiger September 1905). Das ist „sanft und wirksam" und ist auch kein „Verrat" an irgendwessen Mehrforderung. — Es ist eine breite Straße, auf der alle Wohlmeinenden zu uns kommen können, und gegen die Obelwollenden gibt es keine Paragraphen-Barrikaden. Ich bin also durchaus dafür, die „Verknüpfung der Schekelzahlung mit dem Wahlrecht" beizubehalten. Was nun die Höhe des Betrages anlangt, durch den man berechtigt wird, an der Wahl teilzunehmen, so meine ich, daß es auch hier beim alten bleiben müsse. Die Gründe, die auf dem ersten Kongreß dafür sprachen, gerade eine Mark, einen Frank etc. als Schekel festzusetzen, gelten noch heute. Noch heute hieße es, viele von der vollberechtigten Mitgliedschaft an der allgemeinen Organisation ausschließen, wollte man einen höheren Schekel oder einen zweiten und dritten Beitrag für lokale und Landes-Organisationen als obligatorisch für den Beitritt zur allgemeinen Organisation fordern. — Schon der so niedrige Schekel schließt viele aus, die den Betrag nicht erübrigen können! Und wie wenige (verhältnismäßig) sind imstande, für alle ihre Familienmitglieder (die doch auch zum Volke gehören und für die in alter Zeit der „Schekel" gezahlt werden mußte) diese Steuer zu entrichten! (Was doch gefordert wird!) Also keine Erhöhung des Schekel und keine Verkürzung seiner „Privilegien". Beiträge zur Landes-Organisation dürfen nicht obligatorisch gemacht werden. — (Ebenso wenig wie die Zulassung zur Landes- Organisation von der Zugehörigkeit zu einem Verein abhängig gemacht werden sollte. Aber das ist schließlich eine untergeordnete Frage. — Jedenfalls sollten die Schatzmeister der Vereine und der Federations den Zionismus stets höher halten als ihre Kassen). — Der Schekel muß die Grundlage bleiben. Wie bekommt man aber doch mehr Einkünfte? Der Bericht über die Jahreskonferenz besagt, daß die Kongreßjähre bedeutend höhere Schekel-Eingänge zeigen als die Zwischenjahre. Und Julius Berger, dem genauere Angaben zur Verfügung stehen als mir, gibt zwei Ziffern an: Im letzten Kongreßjahr gab es 225 000 Schekolim. In diesem Jahre, in dem es nicht einmal zum Nötigsten reichte, zahlte beispielsweise die englische Federation nur £ 50 ein. Das will ungefähr besagen, daß man den Schekeleingang des kongreßlosen Jahres mit einem Drittel bis einem Viertel des Kongreßjahrergebnisses eher zu hoch als zu niedrig einschätzt. Unter solchen Umständen präsentiert sich als einfaches Mittel die Rückkehr zum jährlichen Kongreß! Warum wurde denn die Kongreßperiode verlängert? Weil es in der Periode des nur-diplomatischen Zionismus nicht Nahrung genug gab für jährliche Kongresse. Seit dem siebenten Kongresse aber ist der lange übersehene erste Leitsatz zum Pogramm in seine Rechte eingetreten — wir haben jetzt ein wirtschaftliches Programm, das schon allein genug Stoff gäbe für jährliche Kongresse. Ja, nicht nur genug, sondern so vi el, daß es zur Wiederaufnahme der jährlichen Kongresse zwingt, ... . so daß ich viel mehr um des Zionismus und um Palästinas willen den jährlichen Kongreß fordern möchte, als wegen des — hiermit verglichen — recht uninteressanten Schekels.') Damit gewännen wir aber nicht nur mehr Schekelgelder, sondern ein außerordentlich viel flotteres Tempo für unsere Arbeit. Mehr Leben, mehr Propaganda — und wieder mehr Schekeleinkünfte.2) Einen befriedigenden Schekel-Einlauf „hätten wir" also. Wie sichert man nun dem engeren A. C. den vollen Eingang dieser Gelder? — Bei der Beantwortung dieser Frage hindert mich einigermaßen, daß ich kein Budget kenne. Wenn aber gesagt wird, daß jetzt gegen früher bedeutende Ersparnisse erzielt werden (was ich gern glaube) und daß wir 1905 doppelt soviel Schekelgelder hatten als je vorher, so scheint mir, daß das Aktionskomitee sich prinzipiell mit 50% der Eingänge begnügen, diese aber mit geeigneten Maßnahmen sich absolut sichern sollte. Die Landsmannschaften wollen doch auch leben, und woher sollen sie's dazuhaben, ohne der Judenschaft ihres Bereiches den Zionismus „teurer zu rechnen". ') Die .Jahreskonfercnzeiv werden dadurch nicht berührt. Man kann sie „Halbiahrskouterenzen" nennen und in der Mitte zwischen beiden Kongreßterminen abhalten. 2) Einen regelmäßigeren Schekeleinlauf bietet auch (neben anderen großen Vorteilen wie größere sofort verfügbare Geldbeträge etc.) mein Vorschlag betreifend „S c h e k e l ab 1 ö s u n g durch einmalige Zahl u n g", den ich in der „Welt" Nr. 2, 1906 veröffentlichte. — Daß diese Anregung widerspruchslos hingenommen wurde, läßt (neben vielerlei direkten Zustimmungen) ihre offizielle Annahme durch den VIII. Kongreß als nicht unwahrscheinlich erscheinen. Jch empfehle daher den Teilnehmern an dieser Diskussion auch diesen Vorschlag zur Berücksichtigung.

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