Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 3 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ik Qit U)l jEßwiesene Meldung (hoffentlich stammen Zangwills Mitteilung: „direkte fempfer von Galveston werden von Bremen ausgehen" und andere seiner Informationen nicht aus derselben, Quelle) ist sicherlich nicht die einzige irrige oder aufgebauschte des Studienkomitees. Es fehlt uns die Möglichkeit zu untersuchen, inwieweit ein Dithvrambos über Galveston, der, von dieser „Korrespondenz" verschickt die Runde durch die Blätter machte, im ganzen den Tatsachen entspricht. Aber die letzte Ausgabe der „Korrespondenzen" bringt wieder eine Texas betreffende Mitteilung, die wir überprüfen können. Sie lautet: Jüdisches Vereinsleben in Texas. Die letzte Nummer der in San Antonio erscheinenden jüdischen Monatsschrift „The Jewish Hope" bringt einige interessante Mitteilungen über das jüdische Vereinsleben im Staate Texas. Danach sind in letzter Zeit eine ganze Anzahl jüdischliterarischer und musikalischer Vereine in den jüdischen Ge- ^i.ptneinden in Texas gegründet worden. So in Dallas, Galveston, .-^Houston und Maco. Diese Tatsache wird als ein gutes Zeichen für das geistige Erwachen der sonst indifferenten jüdischen Gemeinden im Süden bezeichnet. - Aus anderen Mitteilungen der genannten Zeitung ist zu ersehen, daß auch sonst das jüdische Leben im Süden immer stärker zu pulsieren beginnt, und daß allmählich auch im Süden sich wichtige jüdische Zentren bilden. Nun muß man wissen, daß „The Jewish Hope", das zionistische Organ für Texas, gerade in seiner letzten Nummer von Anfang bis Ende angefüllt ist mit zionistischen Nachrichten und Meldungen über das reiche zionistische Vereinsleben. Niemand wird leugnen, daß das Vorhandensein so starker zionistischer Tendenzen in Texas ein bedeutsames Zeichen für die Beurteilung der jüdischen Situation daselbst ist — und wenn das Stndienkomitee „zionistisch" in diesem Fall durch „jüdisch" ersetzt, hat man wieder guten Grund, Hintergedanken zu vermuten. Wir haben nichts gegen eine Wahrung der Geschäftsinteressen der Schiffahrtsgesellschaften, die ja keine Wohltätigkeitsinstitute sind, auch nichts gegen ihre Propaganda von Immigrationsplätzen, - selbst auf publizistischem Wege. Aber wir müssen von ihnen im Interesse der hilflosen Ärmsten fordern, daß sie peinlich gewissenhaft in ihren Auskünften und Aktionen sind, daß sie nicht mit plumpen Spekulationshänden in das Getriebe jüdischer Politik eingreifen, die hüben und drüben von ehrenwerten, selbstlosen Männern geführt wird, daß sie nicht den Markenschutz der Uneigennützigkeit und Wissenschaftlichkeit für Geschäftszwecke ausnutzen. Wenn die „Ito" einen Einfluß auf das Pseudo-Studienkomitee oder Beziehungen dazu hat, so wird sie sie zweifellos dazu benutzen, um der Geschäftsführung dieses „Komitees" beizubringen, wie schädlich und gefährlich die von ihm beliebte Methode der Reklame für die Südstaaten Amerikas ist, — wenn sie aber keinerlei Zusammentng mit ihm hat. dann wird es gut sein, wenn auch ihr Emigransdepartement gleich anderen philanthropischen Institutionen für tche Auswanderungsangelegenheiten sich deutlich von dem dienkomitee für jüdische Ansiedelungen" abscheide. Öl«-Zionisten im russischen Wahlkampf „Einem Juden war es beschieden, mit seinem Weib die große russische Residenz zu besuchen. Als sie nun vor dem Denkmal Nikolaus I. standen, da konnte das Weiblein den Überschwung seines Gefühls nicht zurückdämmen, und auf das Denkmal klopfend, rief es mit lauter Stimme: „Hörst du, Sprinze ist auch da!" Der diese Anekdote zum besten gab, war Herr Ostrogorski, der frühere Dumaabgeordnete, und der Ort, wo er sie zum besten gab, die berühmte Generalversammlung des „Verbandes zur Erlangung der Gleichberechtigung", in der der Kampf um die Begründung einer jüdisch-parlamentarischen Gruppe tobte, und die anwendung, die er aus der Anekdote zog, die, daß die Juden irem Judentum nicht immer so laut und bemerkbar hervortreten |n, (wie z. B. durch eine jüdische Parlamentsgruppe), daß sie |-igleich der Sprinze überall ihr: „Ich bin auch da!" herauslaen sollten. Die Anekdote und die Moral daraus bekamen Herrn Ostrogorski in der Folge nicht gut. Die jüdische Presse entdeckte nämlich schnell, daß es noch einen anderen Sprinze-Typus gab: Leute, die sich ein ganzes Menschenalter lang um Juden und Judentum nicht im Kleinsten kümmern und die plötztlich als ungebetene Vertreter der Judenheit auf der Bildfläche erscheinen, und die es jeden, der da will, hören lassen: „Ich bin auch da!" -— nämlich wenn die Juden Mandate oder Ehrenstellen zu vergeben haben. Es war ein böser Zufall, daß gerade Herr Ostrogorski solch ein ungebetener jüdischer Repräsentant in idealer Reinkultur war, einer, der sich vorher in der jüdischen interessenspäre der weitesten Unbekanntheit erfreui hatte und nun plötzlich das Wort der Juden führen wollte. Der Name Sprinze heftete sich von der Stunde an an seine Fersen, und er wird ihn wohl nicht mehr loswerden. Das mag nun eine recht trübselige Sache für den Betroffenen sein. Aber die Tragikomik wird sehr ernst, wenn wir vom Anekdotenhaften zur Wirklichkeit übergehen. Herr Ostrogorski, der Assimilator als Vertreter der Juden, ist nämlich kein Einzeltypus, und sein Anschauungskreis repräsentiert das politische Programm einer ganzen Kategorie. Man erinnert sich wohl noch, wie in dem als neutralen Boden behandelten „Verband zur Erlangung der Gleichberechtigung" zur Zeit der Dumatagung die ersten Konflikte zwischen nationalem und nicht-nationalem Judentum ausbrachen, wie sich schon damals angesichts des Widerstandes eines Teiles der Verbandsmitglieder gegen eine national-jüdische Gruppe warnende Stimmen derZionisten erhoben, die dem „Judentum" der Verbandsgenossen nicht trauten und lieber eine kleinere zionistische Gruppe als eine größere, aber nicht wahrhaft nationale in der Duma haben wollten, und wie man sich schließlich — nach Sturm und bereits vollzogener Trennung — um des Friedens und der jüdischen Gesamtinteressen willen auf eine jüdische Gruppe ohne Klubzwang einigte. Es war ein leidlicher Sieg des Nationalismus, und wir wenigstens fühlten, daß die Herren Winawer, Ostrogorski und Konsorten schließlich nur dem nationalen Prinzip sich unterworfen hatten, weil sie seine Macht verspürten, nicht, weil sie sich ihm innerlich verbunden fühlten. Damals war die nationale Note in den Dumasphären, in der jüdischen von Pogromen durchzitterten Welt eine Unvermeidlichkeit — und weil dem so war, so fand auch der sehr begabte Herr Winawer die Möglichkeit, aus dieser Note eine vollklingende Melodie herauszuschlagen. Aber schon damals schrieben wir in unserer Polemik mit Herrn „Schmi" vom „Woschod" (die wegen der von uns verteidigten Idee eine zionistische Gruppe ausgebrochen war): „Wir wissen, was wir von den nichtzionistischen Vertretern zu erwarten haben. Weder Herr Jollos noch Herr Ostrogorski und vielleicht auch nicht Herr Winawer werden die Forderung der nationalen Selbstverwaltung der Juden verfechten. Sie sind aus einem andern Milieu gekommen, sie haben meistens jede innere seelische Beziehung zum Judentum abgebrochen. Ein. Volk wählt seine Vertreter nicht „pour les beaux yeux", sondern weil sie seine Interessen vertreten sollen. ... Es gilt einen Kampf um Menschenrechte für die Juden — und in diesem Kampfe gibt es keine Meinungsverschiedenheiten. Aber es gibt auch einen Kampf um Volks rechte, in dem aus den Reihen der Juden selbst Störer und Bremser kommen werden und darauf müssen wir bedacht sein. Wenn der „Woschod" besser informiert ist, wenn er überzeugt ist, daß alle zwölf Abgeordnete wie ein Mann für die jüdische Nation und nicht nur für die jüdische Konfession eintreten werden, desto besser — für uns sieht's nicht darnach aus ..." So schrieben wir, und die Entwicklung hat uns — leider! — nur zu sehr Recht gegeben. Noch in Helsingfors, wo die Zionisten ihre politische Platform festlegten, machten sie bezüglich des „Verbandes zur Gleichberechtigung" als einer außerhalb spezifischer politischer Ziele stehenden Vereinigung eine Ausnahme. Und