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Die Welt · 1907-01-18 · 3 (18.1.1907) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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DIE^ELT reale Abneigung gegen den Juden als Menschen, den Juden in Fleisch und Blut. Sie hegt für sie eine Bewunderung, wie sie etwa manche für gewisse präjafaelitisc^ Bilder .haben,!/— sie bewundern sie, -4sie begeistern; sich an ihnen, so lange sie! für sie Ideale, Traumgebilde bleiben. Sie würden sich; wahrscheinlich von ihnen mit Unbehagen abwenden^ wenn sie den Vorbildern-dieser Idealgestalten begegneten... f. Piü forte che l'amore. für die Toten . Israels <ist die Stimmung gegen die Lebenden. Das isf ja bei den meisten Judenhassern der Fall! Man frage einen Pobjedonoszew, einen Stöcker, was sie über die alte jüdische Kultur denken, und sie — die alten Konservativen — werden in Schwärmerei für die Bibel und deren Schöpfer aufgehen. Sie werden den Juden in der Geschichte vielleicht bewundern und gerade deshalb die Juden der Gegenwart verdammen... Der Antisemitismus eines Chamberlain, der das Judentum an den, Wurzeln selbst angreift, der die Axt an den Stamm legt, der seine Kritik bis in die früheste Vergangenheit zurück verlegt, ist weniger gefährlich als dieser versüßte Antisemitismus der Carmen-Sylva- Typen. Denn Chamberlain regt an. Er erweckt in uns manche schlummernden: Kräfte, er kämpft gegen unsere .Kultur. Seine Stellung ist falsch — desto schlimmer für ihn. Seihe Waffen sind zu leicht, — er wird unterliegen. Aber wir werden dadurch gezwungen, in uns selbst zu schauen. Aber das historische Judentum kritiklos bewundern, — das lebende kritiklos verstoßen, oder, wie im Falle Carmen Sylvas, die Verelendung und das Verschmachten eines Volkes ruhig mitanzusehen, — während sie, die Königin, doch immer Mittel hat, auf die Geschichte eines Landes irgendwelchen Einfluß zu gewinnen, — das schadet den Juden! Wir, die Juden der Gegenwart, die uns eine Zukunft bauen wollen, legen nicht viel Wert auf die verschwommene Liebe der Bibelträumer, der Nathan-Enthusiasten. Sie mag in gewisser Hinsicht schön sein, — sie ist unproduktiv. Auch die Liebe muß werktätig sein. Eine platonische Liebe für ein Volk hat keinen Wert. Piü forte che l'amore — ist manchmal der schöpferische Haß. Und von diesem Gesichtspunkte aus gestatten wir uns, undankbar zu sein und die Liebeserklärungen Carmen Sylvas nicht ernst zu nehmen. Herr Professor War bürg hat an unser Auch e.n Studienkomitee Bruderbiatt, die „Jüdische Rundschau" nachstehendes Schreiben gerichtet: An die Redaktion der jüdischen Rundschau! In No. 2 Ihres Blattes bringen Sie eine Notiz, betitelt Korrespondenz des „Studien-Komitees fü> jüdische Ansiedlungen." Ich erlaube mir, darauf aufmerksam zu machen, daß das im Sommer begründete „Studien-Komitee für jüdische Kolonisation" dem ich anzugehören die Ehre habe, diesem neuen Komitee, von dessen Existenz ich bisher nichts wußte, völlig fern stehe. Das Studien-Komitee für jüdische Kolonisation, dem außer mir die Herren Geheimrat Ludwig M. Goldfinger, Charles Hallgarten, Dr. Paul Nathan und Direktor O. Oliven mitangehören, ist seit dem 6. Juni vorigen Jahres nicht wieder einberufen worden und ist demnach nicht in der Lage gewesen, eine Korrespondenz herauszugeben. Um so bedauerlicher ist die von ihrem werten Blatt wiedergegebene Korrespondenz, als sie faktische Unrichtigkeiten enthält, die geeignet sind, arme jüdische Auswanderer eventuell in die größte Not zu bringen, da laut Auskunft des Norddeutschen Lloyds, die er auf eine Anfrage des Hilfsvereins der Deutschen Juden erteilte, derselbe weder eine direkte noch eine wöchentliche Verbindung mit Galveston unterhält. gez. Prof. O. Warburg. Wir haben im Gegensatz zu Professor Warburg von der Existenz dieses zweiten „Studienkomitees" bereits früher Kenntnis gehabt, allerdings keine erfreuliche. Unser russisches Bruderbjetzige „Jewrejskij Narod", früher „Jewrejskaja Schisn" hattip^ nicht'netomen fassen, in eine* ernsten Aüs,einanders.el£ung v^fe|j| „Studienkomitee für Ansiedlungen" zu wajrnen, als/einer InstJtÖä die, von.yeiriem Einzelnen geleitet; private.': Zwecke der Schiffahrts- . gesellschaften verfolgt. Schon damals wujde dem „Studienkomitee Mr Ansiedlungen" derb und unzweideutig auseinandergesetzt, welche moralische Qualifikation der. Kunstgriff verdient, für Qescliäftszwecke sichifast aufs Wort getreu den Namen einer kurz vorher gegründeten, reinwissenschaftlichen und sozialpolitischen Kommission anzueignen, deren Autorität durch, die Brüsseler Konferenz . und die Namen der Mitglieder gewährleistet ist, und so die Öffentlichkeit geradezu herauszufordern zu Verwechslungen, die natürlich nur dem Geschäfts-Studienkomitee zunutze kommen konnten.. Auch das „Zentra für jüdische Aus wanderungs-Angelegenheitenin Berlik eine scharfe Demarkationslinie zwischen sich und dem „Studienkomitee" gezogen und darauf aufmerksam gemacht^ große Gefahren aus dieser neuartigen, durch den irrefür^sfgji^ Titel verschleierten Kombination von Geschäft und Emignttfotis^- regelung sowohl für die jüdjsche; Öffentlichkeit als insbesondere für die armen Auswanderer erwachsen können. Obwohl wir gerade damals gezwungen waren, grobe Unznkömmlichkeiten bei den Schiffahrtsgesellschaften zu rügen und mehrmals die Sache der , Auswanderer gegen Ausbeutung und Quälereien zu führen, — ein Kampf, der, nebenbei bemerkt, nicht erfolglos geblieben ist, — haben wir die Affäre „Studienkomitee Nr. 2" übergangen. Wir stehen auch nicht an, den Grund zu nennen. Wir glaubten Anhaltspunkte dafür zu haben, daß dieses „Studienkomitee" in intimer Fühlung mit einer Berliner Gruppe stand, die sich damals das nach ihrer Meinung harmlose Vergnügen leistete, die jüdische und allgemeine Presse mit allerhand aufgebauschten Nachrichten über ungeheure Erfolge der „Ito" und nebenbei mit offenen oder versteckten Antizionismen zu füttern. Es gehörte nicht viel Kenntnis der jüdischen Wirklichkeit dazu, um vorauszusehen, daß dieses Federballspiel mit jüdischen Staatsgründungen, jetzt in Kanada, jetzt in Argentinien, eines Tages ein jähes Ende finden müsse. Wir zogen es vor, diesen Zeitpunkt abzuwarten, statt uns in einen langwierigen Kampf gegen Bluff und Phantasmen einzulassen* so sehr es uns leid tat, daß die jüdische Presse zu einem Teil kritiklos alle die mit vieler Bereitwilligkeit angebotenen „Korrespondenzen" abdruckte, — und nicht nur die antizionistische Presse, für die jede irgendwie gegen den Zionismus gerichtete Notiz (je mehr Humbug, desto besser) ein „gefundenes Fressen" ist.' Nun aber, nachdem die „Ito" mit anerkennenswerter Offenheit durch ihren Führer offiziell die Illusionen von 17 Monaten zerstört hat, da sie nach ihrem früheren grenzenlosen Optimismus die Aussichten von „Itoland" in solche Fernen daß manche jüdische Blätter nunmehr vom „Tode der 1 durfte man hoffen, daß das „Korrespondenzen"-Unwes^| haben werde, zumal Zangwill selbst mit großer Schärfe^—' war gegen jene „gefährliche Mischung von Wahrheit und die halbinformierte Journalisten der momentanen Sensation wegen (über die Ito-Projekte) in die Öffentlichkeit tragen". Man durfte insbesondere hoffen, daß auf dem neuen Arbeitsfelde, dem sich die „Ito" jetzt zuwenden will, dem der Emigranten- Ablenkung nach Südamerika — wobei Vorsicht und Genauigkeit erste Vorbedingung, das Gegenteil geradezu ein Verbrechen wäre — jede Sensationsmacherei und gar Geschäftsmacher- Sensationen ängstlich ferngehalten werden würden. Wir wissen nun nicht, wieweit in Wirklichkeit ein Zusammenhang der «Ito" mit dem „Studienkomitee" Nr. 2 besteht, wir wissen nur, daß ^upjn^t dieses Studienkomitee in seinen „Korrespondenzen" einej mit der „Ito" prätendiert, und daß seine Mitteilungen von djörf kommentarlos als objektive und wissenschaftliche Kundg aufgenommen werden. Die oben von Prof. Warburg i

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