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Die Welt · 1907-01-11 · 2 (11.1.1907) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 2 DIE^ELT 15 überging. Dadurch wollte sie nicht nur die Unwandelbarkeit des Prinzips hervorheben — daran zweifeln sogar unsere Feinde nicht — sie wollte damit vor allem auf den Grundcharakter unserer Gegenwartsarbeit hinweisen: Unsere ganze Arbeit hierzulande wird durch den Gesichtspunkt bestimmt, welchen Einfluß sie auf unsere Tätigkeiten in Palästina ausübt. Wir stellen hier solche Forderungen auf, deren Befriedigung nicht nur unsere Lage hier verbessern, sondern auch unsere Kräfte für die Arbeit in Palästina vermehren wird. Worin besteht nun das Tätigkeitsprogramm für Palästina? Die Konferenz hat die Idee eines Charters nicht verworfen, sie rechnet mit dieser Möglichkeit, aber sie hat es abgelehnt, die ganze zionistische Arbeit in Abhängigkeit von der plötzlichen Erwerbung eines Charters zu 'bringen. Die Konferenz hat sich deswegen zugunsten einer realen Tätigkeit in Palästina ausgesprochen, weil sie darin eines der mächtigsten Mittel erblickt, das zur Erlangung eines Charters, zur Bildung eines autonomen jüdischen Gesellschaftskörpers in Palästina führen kann. Die Konferenz hat auf keine Weise die diplomatische Tätigkeit verurteilt, sondern hat es nur abgelehnt, sie als das einzige Mittel zur Erreichung unserer Ziele zu betrachten. Noch mehr, sie hat klar dargelegt, worin die zionistische Tätigkeit jetzt bestehen muß. Sie bewies, daß man sich trotz der entsetzlichen Lage unseres Volkes darein finden muß, daß es schwer oder unmöglich ist, die plötzliche radikale Lösung unserer Frage zu erwarten. Jetzt, wo wir die Erfahrung von zehn Jahren haben, wäre es geradezu eine Demagogie, zu behaupten, daß die Diplomatie un.s alles, was wir nötig haben, geben kann. Die Idee der allmählichen Entwicklung ist auch in das Programm unserer Tätigkeit in Palästina hineingetragen worden. Aber die Konferenz, als eine von politischen Zionisten, wollte auch den politischen Charakter unseres Palästinaprogramms unterstreichen, um auf solche Weise sich vom alten Chowewezionismus abzugrenzen. Deswegen „fordert sie", entsprechend der angenommenen Resolution, „von unseren ausführenden Organen, parallel mit der politischen Tätigkeit und dem politischen Charakter der Bewegung entsprechend, eine energische, stetige, planmäßige Tätigkeit in Palästina." Das von der Konferenz akzeptierte Programm einer Tätigkeit in Palästina stellt sich folgendermaßen dar: Unsere Ausführungsorgane müssen eine möglichst intensive diplomatische Arbeit entwickeln, wozu unter anderem in Konstantinopel eine besondere Institution zu schaffen ist. Der Zweck dieser Tätigkeit muß die Beseitigung der auf dem Wege unserer Kolonisationsarbeit in Palästina liegenden Hindernisse sein. Diese allgemeine Formel besagt folgendes: Unsere Diplomatie darf sich nicht auf die Forderung eines Charters im Sinne einer Maximalkonzession mit Autonomie festlegen, sondern hat Konzessionen zu erstreben, auch in dem Falle, wenn sie im Anfang uns nicht das Maximum dessen, was wir brauchen, geben werden. Auch die kleinste Konzession ist für uns sehr nützlich. Eine Konzession unserer Palästinabank, Land auf ihren Namen kaufen zu dürfen, eine Konzession zum Empfang des „Oscher", eine Konzession, dieses oder jenes Landstück, diese oder jene von den natürlichen Reichtümern des Landes exploitieren, Staatsländereien, oder diejenigen, die dem Sultan gehören, in langfristige Pacht nehmen zu dürfen — dies alles z. B. würde unsere ökonomischen Positionen in Palästina verstärken und uns günstige Vorbedingungen für den Zufluß von jüdischem Kapital und jüdischer Arbeit schaffen. „Ohne die Erreichung von greifbaren Ergebnissen in dieser Richtung wird unseren Bemühungen um Palästina auf dem Boden der politischen Diplomatie das nötige Gewicht und die wirkliche Kraft fehlen", heißt es dem Wortlaute nach in der von der Konferenz angenommenen Resolution. Mit einem Worte, nicht der Wille, die Diplomatie abzulehnen, hat die Konferenz geleitet, sondern der Wunsch, für unsere Diplomatie einen realen Boden zu schaffen, auf welchem man stetig sich steigernde Ergebnisse erreichen kann. Aber noch eine andere Erwägung hat der Konferenz ihre Resolutionen inbezug auf Palästina diktiert. Nehmen wir an, wir hätten plötzlich den Charter bekommen, welcher die „Fülle der uns nötigen öffentlich-rechtlichen Garantien" enthält. Auch dann wäre es unmöglich, Millionen oder nur Hunderttausende von Juden nach Palästina zu bringen. Denjenigen, die glauben, daß der Charter als solcher schon Bedingungen für eine Massenimmigration schafft, ist die Geschichte der Emigration ganz und gar unbekannt. Plötzlich wurde nie eine Kolonisation geschaffen, sogar in den Fällen nicht, wo solche Riesenmächte wie England und Frankreich sich damit befaßt hatten. Jede staatsbauende Kolonisation muß in ihrem ersten Stadium einen durchausplanmäßigen Charakter tragen, d.h. siemuß in bescheidenem Umfange sich vollziehen, und erst allmählich wird der Boden für eine Massenemigration geschaffen. Aber diese Arbeit—die Schaffung der Bedingungen — benötigt nicht die Grundlage eines Charters, sondern kann sofort in Angriff genommen werden, besonders durch die Mitwirkung unserer diplomatischen Kräfte, die als ihr nächstes Ziel die Erreichung von Konzessionen betrachten werden. Aus dem Gesagten geht hervor, daß die Konferenz den politischen Charakter des Zionismus in seiner vollsten Reinheit aufrecht erhalten hat. Wir politische Zionisten erstreben in unserer realen Arbeit in Palästina nicht „Dinge", sondern wollen „den Komplex von Bedingungen für eine natürliche, stetig wachsende Immigration der jüdischen Massen" schaffen. Für die Schaffung von „Dingen", für Gründungen, sind Milliarden notwendig, die wir nicht besitzen, für die Schaffung von Bedingungen aber sind nur Hunderttausende oder im äußersten Falle Millionen notwendig, die wir zum Teil schon besitzen. Das ganze von der Konferenz ausgearbeitete Programm der realen Tätigkeit in Palästina ist von einer Idee durchdrungen: Es ist notwendig, alle die materiellen und geistigen Kräfte für die Schaffung von Bedingungen auszunützen, die für die Hinzuziehung von Kapital und jüdischer Arbeit nach Palästina notwendig sind. Die letzte Erwägung endlich, die der Konferenz die Palästinaresolution diktiert hat, war: Eine abwartende Haltung kann sich als schädlich für die Standhaftigkeit und die Fruchtbarkeit unserer Bewegung erweisen. Man kann keine öffentliche Bewegung auf Versprechungen gründen, die am letzten Ende in hochklingende Worte ausarten. Wir bekommen oft den Vorwurf zu hören: Ihr versprecht viel, führt aber wenig aus. Für die erfolgreiche Entwicklung und für die Befestigung unserer Organisation ist nicht nur eine lebendige Arbeit an Ort und Stelle notwendig, sondern auch eine solche Arbeit in Palästina. Wir sind davon überzeugt, daß die kleinsten Erfolge in Palästina als das gewichtigste Argument gegen die Einwände unserer Feinde, Kritiker und Skeptiker dienen. Tatsachen sind immer beweisführender als logische Auslegungen. Die Palästinatätigkeit muß nicht nur als das Ergebnis, sondern auch als das Motiv für unsere Organisationsarbeit unter den Juden in der Diaspora gelten. Es ist notwendig, daß die Augen aller Juden auf Palästina gerichtet seien, und das ist nur möglich, wenn man tatsächliche Erfolge in der realen Arbeit in Palästina sehen kann, das ist nur dann möglich, wenn die Verwirklichung unseres Ideals nicht in eine Wolkenferne gerückt, sondern sofort wahrzunehmen ist, wenn sie eine greifbare Form annimmt. Dann wird die Liebe zu Palästina nicht nur aus Gefühlen ihre Kraft schöpfen, sondern auch aus den lebendigen Interessen der jüdischen Masse. Alle diese Argumente in Betracht ziehend, hat die dritte Konferenz eine ausführliche Resolution angenommen, deren einzelne Punkte keine weiteren Komentare benötigen. Auf einen Punkt jedoch müssen wir hinweisen: auf den, der sich auf unsere kulturelle Tätigkeit in Palästina bezieht. Es handelt sich dabei um die Schaffung eines Schulsystems und einer nationalen Presse in Palästina. Es handelt sich darum, die Grundsteine für eine normale und gesunde Volkskultur zu legen, die harmonisch die Ergebnisse der allgemein-menschlichen Errungenschaften und die Schöpfungen der Volksseele vereinigen soll. Diese kulturelle Arbeit können wir sofort beginnen, ohne den Charter abwarten zu müssen. Mit der energischen Unterstützung aller Zionisten kann eine jüdische Kultur — im schönsten und edelsten Sinne dieses Wortes — schon jetzt in Palästina erstehen. Einiges — aber sehr Geringfügiges — ist schon geschaffen worden, aber es bleibt uns noch vorbehalten, die Volksschulen zu vermehren, die neugegründete Mittelschule zu befestigen, eine ganze Reihe von Bibliotheken mit Vorlesungskursen neben ihnen einzurichten und eine lokale Presse zu schaffen. (Fortsetzung folgt.) Deutschland Regens bürg. Aus Gründen lokaler Natur konnten wir erst am 12. Tebeth unsere Makkabäerfeier abhalten, die als gelungen bezeichnet werden darf. — Hervorragende musikalische und gesangliche Vorträge, so die beiden Klavierpiecen des Herrn Otto Hönigsberger und die Lieder des Stadttheatermitgliedes Herrn Fritz Robert, wechselten mit oratorischen — Festrede unseres ersten Vorstandes Herrn Rudolf Weiner — und deklamatorischen des Herrn Alexander Schnürmann in bunter Reihenfolge miteinander ab und erweckten den ungeteilten Beifall der Zuhörer. — Herr Cand. jur. Siegfried Wein er sprach in formvollendeter Weise über „Pinkers Autoemanzipation", wobei er besonders die Jugend zur regen Tätigkeit für den Zionismus aufforderte. — Wenngleich wir mit dem Verlauf des Abends zufrieden sein können, — es meldeten sich zwei neue Mitglieder, und die Sammlung für den Nationalfonds ergab ein gutes Resultat —, so müssen wir es doch bedauern, daß es in unserer Vereinigung noch manche Mitglieder gibt, die sich damit begnügen, bloß ihren Beitrag zu zahlen und unseren Veranstaltungen fern bleiben. Regensburger Zionistische Vereinigung (E.V.): Alois Netzler.

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