Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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16 DIEt&ELT No. 2 Breslau. Am Sonnabend den 15. Dezember veranstaltete die Breslauer Zionistische Vereinigung wieder einmal ein Makkabäerfest größeren Stils, daß sich vorteilhaft von derartigen Festen der früheren Jahre unterschied. Die Festteilnehmer wurden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht, — das Publikum, das sich eingefunden, war ein besseres, — schließlich, dem Zwecke des Festes, dem zu begründenden palästinensischen Waisenhaus für die Pogromwaisen, wurden ca. 250 M. erübrigt. In dem künstlerischen Teil entzückte besonders das Publikum der Gesang von Fräulein Else Weiß, die von Herrn Hermann Cerini verständnisvoll begleitet wurde, sowie der prächtige Klaviervortrag des bekannten Breslauer Tonkünstlers Dr. Felix Rosenthal, der der Aufforderung zur Mitwirkung bereitwilligst Folge geleistet hatte. Herr Paglin und Herr Stern fanden gleichfalls viel Beifall mit ihren Gesangsvorträgen. Die Festrede hatte Herr Dr. Hans Gideon Hey mann-Berlin übernommen, der dieZuhörer durch seinen Vortrag für das modern-jüdische Leben und Wirken zu interessieren wohl verstand. Ein gemütlicher Tanz beschloß das Fest. In der Tanzpause fand eine Verlosung von Büchern, Bildern etc. statt. Am 25. Dezember war eine öffentliche Versammlung. Der geräumige Saal des Palartrestaurants war überfüllt. Dr. Elias Auerbach sprach über allgemein-jüdische „Gegenwartsarbeit", Verhältnis und Stellungnahme des Zionismus zu derselben. Hatte dieser Redner vor allem die kühler erwägenden Verstandesmenschen unserer Idee nähergebracht, so ergänzte ihn vorzüglich als zweiter Redner Dr. Heinrich Sachse, der sich diesmal mehr an das Gemüt und an das jüdische Herz wandte. Reicher Beifall lohnte die beiden Redner. In der kurzen Pause, die auf die beiden Reden folgte, entrichteten 37 Personen den Schekel, den sie sämtlich bisher noch nie bezahlt hatten. Diese Schekelzahlung ist um so mehr als ein Bekenntnis zum Zionismus zu betrachten, als vorher ausdrücklich auf diese Bedeutung der Schekelzahlung hingewiesen worden war. (Ein Berichterstatter versucht, den Erfolg dieser Versammlung und der Makkabäerfeier im „Israelitischen Familienblatt" herabzusetzen. Hierzu sei bemerkt, daß derselbe nicht aus eigener Anschauung urteilt, — und über die Motive soll nicht erst gesprochen werden). Österreich Teplitz-Schönau. Der Jüdische Volksverein „Zion" hat außer einem Aufruf an die Bevölkerung ein Rundschreiben erlassen, in dem es u. a. heißt: Der neugewählte Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Teplitz hat seine Tätigkeit damit begonnen, Spenden für den Jüdischen Volksverein „Zion" bei Vorlesung derThora fortan nicht mehr zuzulassen. Wir richten infolgedessen an unsere Freunde und Gesinnungsgenossen, an sämtliche Mitglieder des Volksvereins Zion und an alle, die ein Empfinden für die Gesamtheit des Judentums haben, die Bitte, bei allen passenden Gelegenheiten den Volksverein Zion mit Spenden zu bedenken. Jede, selbst die kleinste Spende für die Sache unseres Volkes wird dankend entgegengenommen. Hochachtungsvoll Für den Jüdischen Volksverein „Zion" Ludwig Steiner. Es wird gebeten, gütige Spenden in das vom Vereinsdiener vorzulegende Spendenbuch freundlichst einzutragen. Nach od. Am 16. Dezember 1906 veranstaltete der jüdische Volksverein „Zion" einen Eröffnungsabend, verbunden mit einer Makkabäerfeier, der im Nachoder Gemeindehaus stattfand und sehr animiert verlief. Die Feier war so stark besucht, daß der Saal die Anwesenden kaum zu fassen vermochte. Die Festrede hielt Herr Dr. Sicher, der in begeisterten Worten die Bedeutung des Festes schilderte und der für seine meisterhaften Ausführungen das uneingeschränkteste Lob verdient. Göding. Am 22. d. M. veranstalteten der Verein „Zion" aus Gaya und die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Gamala" aus Göding eine Makkabäerfeier in Gaya, die einen würdigen und animierten Verlauf nahm. Nach der Begrüßung durch den Obmann des D.-K., Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Julius Reach nahm namens der Gamala c. ing. Steinitz das Wort, um in längeren Ausführungen auf die nationale Bedeutung des Festes hinzuweisen. Den Glanzpunkt des Abends bildete die Tendenzrede Sr. Ehrwürden, des Herrn Dr. Reach. Mit beredten Worten wies er an der Hand der Geschichte das stete Bewußtsein nationaler Einheit und Zusammengehörigkeit nach und schloß, indem er der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß der nationale Gedanke immerwährend in der begeisterungsfähigen Jugend fortleben werde. Nach den trefflichen künstlerischen Darbietungen des c. ing. Brammer und c. phil. Drechsler und nachdem H. Pollak für die Ausfüllung des heiteren Teiles des Programms durch humoristische Vorträge in bester Weise gesorgt hatte, folgte eine animierte Unterhaltung. Tarnopol. Im Verlage des zionistischen Komitees in Tarnopol erschien eine Broschüre unseres Gesinnungsgenossen Dr. Daniel Pasmanik unter dem Titel: „Drei Vorträge über den Poalei- :Zionismus". Preis 24 Heller. Bestellungen bei Herrn Wilhelm Beigel, Tarnopol, Sokola 2. Kim polung. Der jüdisch-nationale Verein junger Juden „Theodor Herzl" in Kimpolung veranstaltete am Dienstag, den 11. ds. Mts. eine Makkabäerfeier, die einen sehr würdigen Verlauf nahm. Fast sämtliche Mitglieder und eine große Anzahl Gäste waren versammelt. Der Vereinspräsident Dr. med. Niederhofer begrüßte die zahlreichen Festgäste, worauf das Chanukkalicht unter Absingung des rituellen Gebetes vom Kantor Jakob Schächter angezündet wurde. Herr cand. jur. F. Pichler hielt die Festrede. Die Tendenzrede hielt Herr Israel Siegel. Herr Berl Siegel referierte über die Schekelinstitution. Er wies auf die Notwendigkeit des Schekelzahlens als der ersten zionistischen Pflicht hin. Die glänzend verlaufene Feier schloß erst mit Tagesanbruch. Österr.-Nowosielitza. Sonntag, am 23. Dezember fand hier ein Makkabäerfest statt. Der große Saal des hiesigen kaufmännischen Vereines war bis aufs kleinste Plätzchen gefüllt. Das nicht unbedeutende Reinerträgnis fällt dem Fonds der hiesigen jüdischen Schule zu. Für den Nationalfonds wurden K. 17.— gesammelt. Friedrich Beer Der akademische Rat der königlichen Akademie der bildenden Künste in Mailand (Reale accademia di Belle arti in Milano) hat in seiner Sitzung vom 21. Dezember v. J. unserm Gesinnungsgenossen, Bildhauer Friedrich Beer in Florenz per Akklamation zum Ehrenmitglied (Socio Onorario) dieser Akademie erwählt. In der sehr schmeichelhaften Zuschrift, mit welcher der diesfällige Beschluß dem Künstler mitgeteilt wird, heißt es: „Der Rat wollte dem Künstler die hohe Würdigung seiner Talente und seiner Verdienste um die Kunst, hierdurch in klarster Weise bezeugen und fühlt sich glücklich, zu den anderen hervorragenden Namen von Pflegern der Kunst, welche im Gedenkbuche der sekulären Akademie eingetragen sind, einen neuen illustren Namen hinzufügen zu können". Wie bekannt, hat Bildhauer Beer bei der letzten Ausstellung in Mailand, nebst anderen seiner Werke, auch das Modell seiner kolossalen Brunnenstatue vom Monumentalbrunnen in Mülhausen int Elsaß (Bronze, Höhe 5,60 m) ausgestellt und war von der Ausstellungskommission einstimmig in die Jury für die Preisverteilung berufen worden. „Palästina oder ein anderes Land?" Unter diesem Titel läßt die zionistische Propagandakommission soeben die Rede, welche Dr. E. W. Tschlenow auf dem VII. Zionistenkongreß gehalten hat, in Broschürenform erscheinen. Angesichts der Agitation, welche die territorialistische Partei unter nationaler Flagge betreibt, obwohl sie die wesentlichsten Forderungen der jüdisch-nationalen Bewegung fallen ließ, erschien es, wie die zionistische Propagandakommission im Vorwort hervorhebt, angezeigt, den Standpunkt, den die offizielle Organisation der national empfindenden Judenheit in der Land- und Kolonisationsfrage einnimmt, vor der großen Öffentlichkeit nachdrücklich zu betonen und die Motive in Erinnerung zu bringen, die sie für alle Zukunft unerschütterlich bei der Devise „Palästina" und „geschlossene Kolonisation" beharren lassen werden. Dr. Tschlenow hat in seiner bedeutsamen Rede den treffendsten Ausdruck für die Gedanken und Gefühle gefunden, die alle seine Gesinnungsgenossen beleben. Die vornehm ausgestattete Broschüre, welche sich vorzüglich zur Agitation eignet, erschien im Verlage der „Jüdischen Rundschau" und ist in der Expedition derselben, Berlin N., Augustastraße 49a, um den Preis von 15 Pfennig zu beziehen. Bei größeren Bestellungen Rabatt. Briefkasten der Redaktion Lehrer K. Büczacz: N. Sokolow, Cöln, Ubierring 23. Dieser Nummer liegt das Inhaltsverzeichnis des Jahrgangs 1906 der „Welt" und die erste Nummer der hebräischen Zeitschrift, H a' 01 a m* bei.