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Die Welt · 1907-01-11 · 2 (11.1.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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14 DIE^qKELT No. 2 nach Köln kommen und wer eventuell außerdem noch erscheinen wird. Auch wäre sehr erwünscht, wenn der unterzeichneten Stelle Adressen angegeben würden, an die dieses Zirkular mit Aussicht auf Erfolg geschickt werden kann. Mit Zionsgruß hochachtungsvoll Zionistische Vereinigung für Deutschland Ortsgruppe Köln, Ubierring 23. Ungarn Die zionistische Bewegung in Ungarn greift immer mehr um sich und dringt in alle Schichten der Gesellschaft ein, selbst in solche, die dem Zionismus nicht nur passiv, sondern selbst recht feindlich gegenübergestanden haben. Besonders der Umstand verdient hervorgehoben zu werden, daß eine Reihe von Rabbinern jetzt in Reih und Glied mit uns kämpft. In Budapest ist es Dr. Kiss, in Ujpest Dr. Venetianer, in Szombathely (Steinamanger) Dr. Bernstein, die unserer Organisation beigetreten sind und auch schon eine rege Tätigkeit in ihrem Interesse entfalten, wovon besonders die stark besuchten Volksversammlungen in Szombathely, in Ujpest und das glänzende Makkabäerfest in Budapest ein sprechendes Zeugnis ablegten. England Infolge unvorhergesehener Umstände mußte der Termin der Jahreskonferenz der englischen Zionisten vom 27. Januar auf den 3. Februar verlegt werden. Die Konferenz wird an diesem Tage in Birmingham im Grand Hotel stattfinden und vormittags 10 Uhr unter dem Präsidium von Sir Francis Montefiore eröffnet werden. Die Schekelgelder gehen sehr zufriedenstellend ein. Die englische Federation hat den Tod eines sehr eifrigen und bewährten Mitgliedes zu beklagen, des Hon. See. der Brynmawr und Abertillery Zionist Association, Herrn N. Israel, der im frühen Alter von 18 Jahren gestorben ist Das Bedauern über den Verlust dieses verdienten und enthusiastischen Mitgliedes unserer Bewegung ist allgemein. Canada Die Schekeltage wurden im ganzen Lande mit großem Erfolge begangen.- Es wurden nicht nur viele Schekel gesammelt, auch viele neue Mitglieder wurden in den zahlreichen Versammlungen und Veranstaltungen gewonnen. Die Bewegung in Canada war nie besser als gerade jetzt. Rundschreiben I des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation in Rußland Die Russische Zionistische Organisation hielt zwischen dem 21. und 27. November v. J. ihre dritte Konferenz in Helsingfors ab. Diese Konferenz bedeutet einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte unserer Bewegung. Zum ersten Male formulierte der Zionismus seine Forderungen klar und deutlich, wies auf die Wege hin, die zur Verwirklichung seiner essentiellen Aufgabe führen, die ein für allemal im Baseler Programm festgelegt worden ist, und präzisierte genau die Mittel, die bei geringstem Kraftaufwand das höchste Ergebnis zeitigen können. Wir können ohne Übertreibung feststellen, daß die dritte Konferenz tatsächlich die Krisis beseitig hat, die seit einigen Jahren in unseren Reihen herrschte. Vor allem etwas über diese Krisis selbst. Nur diejenigen, die gar keine Kenntnis des politischen Lebens, der Entwicklung verschiedener nationaler Organisationen und politischer Parteien besitzen, haben Furcht vor Krisen. Es gibt keine einzige nationale oder soziale Partei,, die in ihrer Entwicklung nicht kritischen Momenten unterworfen wäre. Das liegt von vornherein begründet in dem Charakter einer lebendigen Bewegung, die mit gespannter Aufmerksamkeit den Forderungen des Zeitgeistes lauscht und nicht in Formeln erstarren will, die in der Arbeitsstube von Theoretikern und Doktrinären das Licht der Welt erblickten. Man darf nur eines nicht vergessen: Nicht die Krisis selbst ist ausschlaggebend, sondern ihre Form und ihr Charakter. Nur diejenige Krisis ist für eine Bewegung gefahrvoll, die an das Endziel selbst greift. In dieser Hinsicht müssen wir ein für allemal feststellen, daß das Endziel des Zionismus das gleiche geblieben ist und bleiben wird: Die Renaissance des jüdischen Staatslebens in Palästina. Was die Krisis in unserer Bewegung gezeitigt hat, das waren die Meinungsdifferenzen über die Mittel, die zu diesem Ziele führen und über die Formen unserer darauf hinzielenden Tätigkeiten. Hier finden wir eine vollständige Analogie zwischen der Krisis, die der Zionismus in den letzten 2—3 Jahren durchgemacht hat, und anderen politischen Bewegungen. Auch der Zionismus hatte das Stadium des Optimismus und der rosigen Hoffnungen inbezug auf die baldige rein mechanische Verwirklichung seines Ideals. Wir glaubten früher, daß die Juden auf einen Schlag Palästina erlangen würden, dank dem allgemeinen Willen des Volkes und dem hervorragenden Talente der Führer. Diese Periode wird durch ein Wort charakterisiert — Charterismus. Damals erwarteten wir täglich die plötzliche Verwirklichung unserer Wünsche. Daraus, und nur daraus entsprang unser Indifferentismus gegenüber den Alltagsfragen des Lebens. Wir dachten damals, daß wir kein Recht hätten, unsere Kräfte zu verschleudern, sondern daß wir uns konzentrieren und die äußeren Bedingungen für die Heimstättengewinnung vorbereiten mußten. Dementsprechend erstreckten sich unsere Bemühungen auf die Verbreitung von Schekeln, auf den Verkauf von Aktien für unsere Kolonialbank und die Sammlung von Spenden für den Nationalfonds. Und da wir die plötzliche Erwerbung des Charters erwarteten, verzichteten wir auf eine reale Tätigkeit sowohl in Palästina als auch hierzulande. Das Leben hat diese Träume zerstört, wie es die Erwartungen aller derjenigen öffentlichen Bewegungen zerstört, die die plötzliche Verwirklichung ihrer Hoffnungen anstreben. Das Wesen der Krisis, die wir durchgemacht haben, besteht also darin, daß wir den evolutionären Charakter des Zionismus anerkennen und dementsprechend unsere Mittel ändern mußten. Das Endziel ist geblieben, die Mittel haben sich geändert. Wir verstehen jetzt vor allem, daß nur das organisierte Judentum diejenigen kolossalen geistigen und materiellen Machtmittel aufbringen kann, die zur Verwirklichung unseres Ideals notwendig sind. Das Judentum organisieren aber kann man nur auf zweifacher Grundlage: auf der Basis der Probleme seines täglichen Lebens und der beginnenden, wenn auch teilweisen Verwirklichung seiner Ziele. Es ist daher notwendig, daß der Zionismus alle Erscheinungen unseres Lebens umfassen, eine Antwort auf alle seine Fragen geben und alle in ihm enthaltenen Kräfte ausnützen soll. Zu diesem Zwecke wäre es notwendig, ein Programm auszuarbeiten, das unsere Tätigkeit in der Diaspora und in Palästina vereinigen, eine Brücke von der Gegenwart zur Zukunft schlagen, und das zugleich die einzelnen Momente, die zur stufenweisen Verwirklichung unseres Ideals führen, in ihrer allmählichen Reihenfolge enthalten soll. Dabei war es notwendig, alle früher geübten Methoden aus dem ersten Stadium unserer Bewegung einer Kritik zu unterziehen und nur diejenigen beizubehalten, die sich als real erwiesen, die anderen aber, die den Charakter des Utopischen an sich trugen, auszuscheiden. Das war das Wesen unserer Krisis. Weder die entsetzlichen Pogrome noch das Erwachen von rosigen Hoffnungen auf die baldige gründliche Besserung unserer Sache in Rußland haben unser Grundziel geändert. Umgekehrt: Bourgeoisie wie Proletariat sind jetzt mehr denn je von der Unmöglichkeit überzeugt, unser nationales Problem in der Diaspora lösen zu können. Die III. Konferenz der russischen Zionisten hat nun die Tatsachen formuliert und trat entschlossen an die kritischen Probleme heran. Wir können offen sagen daß das Programm, welches diese Konferenz ausgearbeitet hat, allen Anforderungen der im Zionismus vertretenen jüdischen Massen entspricht, daß es in allgemeinen Zügen einen Wirkungsplan für alle Zionisten der verschiedensten Schattierungen enthält. Das Schwanken und Wanken in unsern Reihen hat nun ein Ende. Wir wissen jetzt genau, was wir erstreben und wie wir es erstreben. Die Helsingforser Konferenz war eine Arbeitskonferenz. 7 Tage arbeiteten die Delegierten, die von allen Ecken und Enden Rußlands herbeigekommen waren, auf das angestrengteste. Man fühlte, daß die Zeit der pathetischen Reden und schönklingenden Worte zu Ende sei. Alle Delegierten äußerten ein vollständig klares Verständnis für die Aufgaben der Tagesordnung. Jedermann fühlte die schwere Verantwortung, die er auf sich genommen hatte, indem er an die Revision der Programmpunkte herantrat. Alle bemühten sich, die Fehler unserer Tätigkeit aufzudecken und Mittel zur Reorganisation unserer Kräfte zu finden. Wenn die Minsker Konferenz einen hohen Wogen schlag des Gefühlsmäßigen aufzuweisen hatte, so zeichnete sich Helsingfors durch kühle Überlegtheit aus. Dort war der tiefe Glaube, hier — die feste Überzeugung. Worin bestand die Arbeitsleistung der Konferenz? Es ist kein Zufall, daß die Konferenz mit der Ausarbeitung eines Tätigkeitsplanes für Palästina begann und erst nachher zur Erörterung unseres politischen und nationalen Programms in der Diaspora

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