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Die Welt · 1907-01-11 · 2 (11.1.1907) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 2 DIE ELT 13 Fruchtmann angenommen: „Die jüdische Volksversammlung beschließt, eine jüdische Landesorganisation zur Wahrung der politischen Rechte und. wirtschaftlichen Interessen der jüdischen Bevölkerung des Landes zu schaffen, in der Überzeugung, daß mit ajeser Aktion am erfolgreichsten den allgemeinen galizischen und nationalpolnischen Interessen gedient sein wird. Die Versammlung wählt zu diesem Behufe ein Exekutivkomitee mit dem Sitze in Lemberg und nominiert in den Provinzstädten die Delegierten, welche im Einvernehmen mit dem Exekutivkomitee sich mit der Organisierung der Lokalwahlkomitees befassen werden. Das Exekutivkomitee wird aufgefordert, das Aktionsprogramm festzustellen, die Postulate der . galizischen Judenschaft zu formulieren, energisch sich für die Verwirklichung dieser Postulate einzusetzen und zu diesem Zwecke bei den staatlichen und autonomen Behörden sowie auch bei den öffentlichen Vereinigungen des Landes die geeigneten Schritte zu unternehmen." Der Prozeß über den Oktoberpogrom in Kertsch Am 31. Dezember wurde in Kertsch die Gerichtsuntersuchung über den Pogrom beendigt. Eine chiffrierte Depesche Trepows an den Gendarmeriewachtmeister wurde bei geschlossenen Türen verlesen. Während der ganzen Gerichtsuntersuchung war ein Adjutant des Generalgouverneurs anwesend. Die Debatten dauerten bis in die tiefe Nacht; auch der Generalgouverneur wohnte ihnen bei. Der Rechtsanwalt Hillerson bemühte sich, zu beweisen, daß der Pogrom wohl vorbereitet und organisiert worden war und nannte den General Trubnikow als den Hauptanstifter. Rechtsanwalt Bobrischtschew-Puschkin hielt eine lange Rede, in der er unter anderem sagte: „Wir werden es niemals erlauben, daß sich die Juden uns auf den Kopf setzen. Sie sollen nicht vergessen, daß auch dann, wenn sie gleichberechtigt sind, Pogrome stattfinden können." Hillerson antwortete auf diese Rede und bezeichnete das Verhalten Bobrischtschews als das eines Rechtsanwalts unwürdiges. Das Urteil steht noch aus. o o o o o o C H o o o o o o o I AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o Mitteilungen der Palästina-Kommission Die Palästina-Kommission bittet die geehrten Schriftführer der zionistischen Ortsgruppen sämtlicher Länder ihr die genauen Adressen der kapitalkräftigen Zionisten und Palästinafreunde güt. baldigst bekannt zu geben. Dieses Adressen-Material ist für die Arbeiten der Palästina-Kom» mission unentbehrlich. 11. Die Palästina-Kommission bittet die jüdischen Zeitungen in Rußland, ihren Lesern mitzuteilen, daß Zahlungen in Rußland zugunsten des Palästina=Industrie=Syn<Iikats, des Pflanzungsvereins „Palästina44 und des Vereins „Bezalel" an Herrn J. L. Goldberg, Wilna, zu richten sind. Kommission zur Erforschung Palästinas, O. Warburg. Oberschlesischer Zionistentag Der am 30. Dezember 1906 vom Gruppenverbande,,Oberschlesien" in Beuthen O.-S. veranstaltete Zionistentag nahm in jeder Beziehung einen glänzenden Verlauf: Nach einer Mittagstafel im „Deutschen Hause", an der etwa 30 Gesinnungsgenossen von Nah und Fern teilgenommen hatten, versammelten sich die zahlreich erschienenen Vertreter und Mitglieder der oberschlesischen Ortsgruppen sowie die auswärtigen Zionisten — im ganzen gegen 70 Personen — im kleinen Saale des Theater- und Konzerthauses zu einer internen Sitzung. Unter den Gästen befanden sich außer den für die Veranstaltung besonders gewonnenen Herren Dr. Heinrich Loewe und Dr. Elias Auerbach aus Berlin, die Herren Zahnarzt Schachtel-Breslau, Dr. Margulies-Wien, Dr. Margulies-Teplitz, Assessor Dr. Dobrzynski und einige Zionisten aus den russisch-polnischen Nachbarstädten. Die interne Sitzung, die den Schwerpunkt der Tagung bildete, bot Gelegenheit zu einem regen Gedankenaustausch, sowohl über die allgemeinen zionistischen Fragen wie insbesondere über die Lage des Zionismus in Oberschlesien. Die allgemeine Erörterung krystallisierte sich um das lichtvolle Referat des Herrn Dr. Elias Auerbach über „Stand und Aussichten der zionistischen Bewegung". Die organisatorischen und praktischen Arbeiten in Oberschlesien wurden im Anschluß an ein bezügliches Referat des Herrn Dr. Stahl- Tarnowitz und die Berichte des Distrikts- und Ortsgruppenleiter in eingehender Diskussion besprochen. Die interne Sitzung währte etwa 5 Stunden. Unmittelbar darauf vereinigte der große Saal des Theater- und Konzerthauses ein etwa 600 Personen zählendes Publikum zu. den öffentlichen Vorträgen der Herren Dr. Elias Auerbach über „Judennot und Judenwanderung" und Dr. Heinrich Loewe über „Kreuz und quer durch Palästina". An die Vorträge knüpfte sich eine freie Diskussion, die so anregend war, daß ein stattlicher Zuhörerkreis bis über Mitternacht im Saale verblieb. Die öffentliche Versammlung bedeutete einen starken Erfolg der zionistischen Idee. — Ein gemütliches Beisammensein der Gesinnungsgenossen gab der Tagung einen würdigen Abschluß. Dem Zionistentage gingen in der Zeit vom 26. bis zum 29. Dezember öffentliche Versammlungen in einzelnen oberschlesischen Gruppen voraus. Herr Dr. Heinrich Loewe sprach in Groß-Strehlitz, Gleiwitz und Königshütte, Herr Dr. Elias Auerbach in Gleiwitz und Ratibor und Herr Dr. Margulies aus Teplitz in Kattowitz. Zionistische Vereinigung für Deutschland Ortsgruppe Köln. Die Ortsgruppe Köln versendet nachstehendes Zirkular: Köln, 7. Januar 1907. Sehr geehrter Herr Gesinnungsgenosse! Es ist eine betrübende Erscheinung, daß in den Provinzen Rheinland und Westfalen die zionistische Idee noch überaus wenig festen Fuß gefaßt hat. Gerade in diesen beiden Provinzen mit ihrer zahlreichen und teilweise gut situierten jüdischen Bevölkerung müßte von Rechts wegen der zionistische Gedanke stärker entwickelt sein, als anderswo. Zwar sind schon vielfach Versuche unternommen worden, in dieser Beziehung Wandel zu schaffen, aber die mannigfachen Bemühungen litten unter dem Mangel an einträchtigem Zusammengehen, an dem Mangel eines einheitlichen Planes. Es erscheint daher notwendig, daß die Gesinnungsgenossen aus Rheinland und Westfalen einmal zu einer gemeinsamen Besprechung zusammenkommen, um sich über die Mittel und Wege auszusprechen, die geeignet erscheinen, neue Ortsgruppen zu bilden, den zionistischen Gedanken zu vertiefen, Mißverständnisse zu beseitigen und neuer, kraftvoller zionistischer Arbeit den Weg zu bahnen. Zu diesem Zwecke ladet die Zionistische Vereinigung Köln die verehrlichen Gesinnungsgenossen von Rheinland und Westfalen zu einem Rheinisch-westfälischen Zionistentage auf Sonntag, den 20. Januar nach Köln ins Hotel „Zum goldenen Stern", Perlenpfuhl 12, ein. Die Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: 1. Referat: Stand und Aussichten der zionistischen Bewegung; 2. Referat: Propaganda in Rheinland und Westfalen; 3. Diskussion. Die Referate werden voraussichtlich von den Herren Dr. Bodenheinier und Julius Berger gehalten werden. Die Tagung soll nachmittags um 2 Uhr beginnen. Bei genügender Beteiligung soll der Besprechung ein gemeinsames Mittagsmahl vorangehen. Wir richten an unsere Gesinnungsgenossen in Rheinland und Westfalen die dringende Bitte, die Tagung recht zahlreich zu beschicken. Es handelt sich darum, endlich dem Zionismus auch hier in Westdeutschland unter der Judenheit die Stellung und Bedeutung zu verschaffen, die ihm zukommt und die er sonst überall einnimmt. Es ist die Pflicht eines jeden guten Zionisten, zu diesem Versuche einer gemeinsamen Aussprache der rheinisch-westfälischen Zionisten zu erscheinen und seinerseits dafür zu sorgen, daß auch aus seinem zionistischen Bekanntenkreise möglichst viele zur Tagung kommen. Falls einer der Herren Gesinnungsgenossen bereit sein wollte, ein Korreferat zu übernehmen oder über einen mit der Tagesordnung im Zusammenhang stehenden Gegenstand ein besonderes Referat zu halten, möge er dies unverzüglich der unterzeichneten Stelle mitteilen. Im Interesse einer genügenden Vorbereitung wird dringend ersucht, gefälligst unverzüglich anzugeben, ob man selbst zur Sitzung

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