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Die Welt · 1907-01-11 · 2 (11.1.1907) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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10 der Antimetaphysiker. Es ist eine Begriffsdichtimg Dichtung eines schlechten Poeten! . . . blEffil ja aber die Ein Gestrüpp von Worten! Ein Durcheinander von Gedanken! Lohnt es sich, ihnen mit dem kritischen Messer an den Leib zu gehen? Wir nehmen es als eine Phantasie, eine Geschichtssymbolik. ELT No. 2 Eine Phantasie rechnet weder mit der Logik, noch mit der Wahrheit . . . Aber eines ist mir daran wertvoll — das Symptomatische. Eine Sehnsucht nach dem neuen Judentum geht durch das jüdische Volk . . . Die Sehnsucht hat bereits ihre Form gefunden. Die Form sehnt sich nach dem Inhalt ... A. Cor. SALOMON BUBER Eine mächtige Eiche im Walde Israels ist gestürzt. Salomon Buber ist tot Achtzig Jahre war er, als ihn der Tod traf, aber er war ein scheinbar so Unverwüstlicher, so voll unerschöpflicher, unermüdlicher Kraft, daß sein Hinscheiden wie ein jähes, unvermitteltes Ereignis wirkt. Ein kleiner stiller Hügel deckt nun die Überreste desjenigen, der noch vor einigen Tagen kühne Pläne mit der Begeisterung und dem Feuereifer eines Jünglings geschmiedet, der eben noch ein stolzes Projekt in Tat umsetzen wollte: in Galizien, der alten Heimat jüdischer Forschung, der Geburtsstätte der Krachmal, Rappaport, Mieses usw., durch Begründung einer jüdisch-literarischen Vereinigung ein neues Zentrum für jüdische Wissenschaft zu schaffen uud den alten fruchtbaren, aber jetzt arg vernachlässigten Boden fürs Judentum wieder urbar zu machen. Noch in den letzten Tagen legte er die letzte Hand an die Vollendung der Herausgabe und wissenschaftlichen Bearbeitung des Raschi Siddur, eines Werkes von hervorragender Bedeutung für die Entwicklungsgeschichte unseres synagogalen Ritus, dessen Drucklegung jetzt die Aufgabe der von Salomon Buber gegründeten Raschi-Stiftung sein wird. An einem Sonntag — 30. Dezember v. J. — trugen wir ihn zu Grabe. Es war ein kalter, düsterer Dezembertag. Dichte Flocken fielen nieder, und mächtige Schneemassen erschwerten das Gehen und Fahren. Und doch sammelte sich eine große Menschenmenge, um Salomon Buber das letzte Geleite zu geben. Man sah viele Vertreter der Behörden, bedeutender Institute u. dgl. m. Die meisten erwiesen ihm die letzte Ehre als dem geachteten Zensor der österreichisch-ungarischen Bank, der Landesbank, der Sparkasse, als dem alten würdigen Mitgliede der Lemberger Handels- und Gewerbekammer, als dem Senior in der Lemberger jüdischen Gemeinderepräsentanz, als dem Kurator vieler wohltätiger Gesellschaften; eine kleine Schar im Leichenzuge aber folgte in tiefer Trauer dem Sarge, der für sie den Nestor der jüdischen Wissenschaft und jüdischer Forschung barg. Als den Mann der Wissenschaft haben Salomon Buber bloß die Wenigen gekannt. Im persönlichen Verkehre hat er sehr selten von seinen literarischen Leistungen gesprochen. Unter diesen Wenigen in Lemberg, die Bubers Bedeutung zu schätzen wußten, waren es junge Leute — zumeist die Theologen — die mit liebevoller Verehrung den Verkehr mit ihm pflegten. Die wenigen Alten, denen Bubers Leistungen nicht frernd waren, waren sogar oft nicht frei von Neid. Denn fürwahr! er war beneidenswert, der alte Salomon Buber! Ihm war es gegönnt, neben seinem Wissen über einen großen materiellen Wohlstand zu verfügen. Wie in der jüdischen Gelehrtenzunft Salomon Buber als hervorragender Gelehrter, so war in galizischen Fachkreisen Salomon Buber als vornehmer Kaufmann geschätzt und geehrt. Während sonst jüdische Gelehrte von der jüdischen Literatur ihr kümmerliches Brod schöpfen müssen, förderte Salomon Buber die jüdische Wissenschaft nicht nur geistig, sondern auch materiell: die Herausgabe und Drucklegung der von ihm bearbeiteten Midraschim verschlang allein ganz bedeutende Summen. So war er ein von der Vorsehung doppelt gesegneter Mann. Die große Masse der galizischen Judenheit — die sogenannte Intelligenz inbegriffen — kannte Salomon Buber, den Gelehrten, gar nicht. Ein Land, dessen Bürger aus mittelalterlich-feudaler Knechtseligkeit zur Arbeit auf der Arena des politischen Lebens gewaltsam geweckt wurden, hat für wissenschaftliche Arbeit keine Zeit. Die jüdische Jugend, die aus dem Cheder und Ghetto in politische Strömungen und ins soziale Parteileben hineingetrieben wurde, hat für mittelalterliche Ideen und vergilbte Midrasch-Folianten kein Interesse. Das Verständnis für wissenschaftliche Arbeit und deren Bedeutung für die kulturelle Entwicklungsgeschichte und nationale Evolution eines Volkes fehlt bei uns in Galizien noch ganz; dazu bedarf es einer Konsolidierung und Klärung des politischen und nationalen Lebens. Galizien hat aber — speziell was Juden betrifft — politisch und national den Gärungsprozeß noch nicht vollendet. In diesem Sturm und Drang stand der Gelehrte Salomon Buber als ein Einsamer da. In seiner Vaterstadt trat er im täglichen Verkehr fast bloß als Kaufmann und in letzteren Jahren als eifriger Vorsteher und Sachwalter vieler wohltätiger und gemeinnütziger Institute hervor. Sein eigentlicher Verkehrskreis aber waren die vielen Gelehrten im Ausland, mit denen ihn innige Freundschaft verband und mit denen er einen eifrigen Briefwechsel pflegte. Über zehntausend Briefe längst verstorbener und heute noch lebender jüdischer Gelehrter befinden sich im Nachlasse Bubers, die der Veröffentlichung harren und die einen recht bedeutenden Beitrag zur Entwicklung unseres jüdisch-wissenschaftlichen Lebens in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts liefern dürften. Am Grabe Bubers wurde viel gesprochen. Die meisten Redner — unter ihnen befand sich auch Schreiber dieser Zeilen, der in hebräischer Sprache im Namen der Zionisten einen Nachruf sprach — hoben in beredten Worten die Bedeutung Bubers für die jüdische Wissenschaft hervor, und beklagten seinen Tod als einen unersetzlichen Verlust für die jüdische Forschung. Unvergleichlich mehr als die Redner sprechen die vielen stattlichen (34 an der Zahl) Bände — selbständige Werke und wissenschaftlich bearbeitete Editionen alter Handschriften, zumeist aus der Midrasch-Literatur — sowie unendlich viele in Zeitschriften verstreute wissenschaftliche Aufsätze, die das Lebenswerk Bubers bilden — ein unversiegbarer Born für jüdische Forschung und jüdische Kultur. Als in seinem

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