Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 1 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 DIEl^ELT 17 Hauptwahl auf unsere Kandidaten, in vielen Bezirken hat die Mehrheit zionistisch gewählt. Diesen überwältigenden Erfolg verdanken wir der begeisterten Aufopferung unserer Parteigenossen. Jeder einzelne, Bürger, Arbeiter, Student, hat seine Pflicht erfüllt. Nur in einer Richtung hat sich die Wahlkampagne als nicht genügend erwiesen: Unsere finanziellen Mittel reichten — namentlich bei der Stichwahl — nicht so weit, um gleich unseren Gegnern durch Aufbietung eines entsprechenden Agitationsapparates auch auf fernstehende Kreise der Wählerschaft zu wirken, und diesem Umstand allein .ist es zuzuschreiben, daß wir nicht die absolute Mehrheit der in allen Bezirken abgegebenen Stimmen auf unsere Kandidaten vereinigten. Dem soll in Zukunft vorgebeugt werden! Unsere Parteileitung hat einhellig beschlossen, an die Gründung eines Agitationsfonds zu schreiten, welcher als Kriegsschatz für die Vorbereitung und Durchführung unserer nächsten politischen Aufgaben dienen soll. Schon in den kommenden Wochen wollen wir unsere Aufklärungsarbeit in sämtlichen Bezirken Wiens aufnehmen. Zur Förderung dieser Tätigkeit möge sich jeder Parteigenosse mit einer freiwilligen Steuer belasten, auch kleine Beträge sind willkommen; denn wenn jeder Parteigenosse nur etwas beiträgt, so werden bei der Stärke unserer Partei genügende Mittel einfließen. Kein Zionist aber darf sich ganz ausschließen. Einen mäßigen Betrag kann und muß in diesem für die weitere Gestaltung des zionistischen Gedankens geradezu entscheidenden Augenblick auch der unbemittelte Gesinnungsgenosse leisten. Die Beträge sind mit dem Vermerk „Agitationsfonds" an das J. 0. Distriktskomitee, Wien, IX., Türkenstraße 9, zu senden. Mit Zionsgruß für die Agitationsfondsverwaltung des i.-ö. Distriktes: Dr. Max Bernhard Adolf Böhm Dr. Richard Wagner. Rußland Die Organisationsfrage auf der Helsingforser Konferenz Die Frage des Hauptorganes der russischen Zionisten wurde durch folgende Resolutionen gelöst: 1. Zum Zwecke der Verwaltung aller Angelegenheiten der zionistischen Organisation in Rußland und der Erfüllung aller Aufgaben des zionistischen Programms wird ein Zentralkomitee in Wilna errichtet, welches 7 Mitglieder umfaßt, von denen 5 in derselben Stadt wohnen müssen. 2. Die russischen Mitglieder des A.-K. besitzen bei den Versammlungen des Zentralkomitees dieselben Rechte wie dessen gewählte Mitglieder. Weiter wurde folgendes Projekt eines Normalstatuts der Organisation akzeptiert: Als Mitglied der zionistischen Organisation in Rußland kann jeder Jude gelten, der das Baseler Programm anerkennt und sich den Beschlüssen unserer Kongresse und Konferenzen unterwirft. Als Einheit der Lokalorganisation gilt jedes zionistische Ortskoniitee, das von 100 Schekelzahlern in der Zahl von 7 Mitgliedern gewählt wird. (Eine Gruppe von 200 Schekelzahlern wählt 8 Mitglieder usw.) Einzelne Vereine, die eine besondere Richtung vertreten oder sich zu einem bestimmten Zwecke oder aus einem bestimmten Grunde vereinigt haben, sind zulässig und schicken einen Delegierten in die Lokalkomitees. Die Konferenz betrachtet als zweckmäßig die Errichtung von 5 Provinzkomitees, die die Organisationen in den 5 Hauptgebieten Rußlands verwalten sollen (im Süden, Polen, Litauen, in den Ostseeprovinzen, Großrußland und Sibirien). Diese Provinzkomitees können im Einvernehmen mit dem Zentralkomitee Unterabteilungen bilden. Die Bedeutung und der Zweck der Provinzkomitees ist die Vermittelung zwischen dem Zentralkomitee und dem Ortskomitee. Sie werden gewählt entweder in den Versammlungen dieser Provinzen oder auf den allgemeinen Konferenzen. Das Zentralkomitee ist verpflichtet, solche Versammlungen einzuberufen, die die Provinzkomitees zu wählen haben. Bis dahin kann das Zentralkomitee diese Komitees selbst einsetzen. Das Zentralkomitee hat das Recht, unmittelbar mit den Ortskomitees in Berührung zu treten. Es hat ferner das Recht der Kooptation unter der Bedingung des Einverständnisses aller seiner Mitglieder und der Mehrheit der Mitglieder des A.-K. Es ist erwünscht, daß das Zentralkomitee in Berührung tritt mit den Ortskomitees von Polen durch die Vermittelung des polnischen Distriktskomitees. Diese Beschlüsse hat das Zentralkomitee als Direktive bei der Ausarbeitung eines Normalstatuts zu benutzen. Inbezug auf die Organisation werden noch folgende Resolutionen gefaßt: 1. Die Konferenz beschließt, daß das Zentralkomitee, abgesehen von dem Schekel, Maßnahmen zur Einziehung einer besonderen Abgabe trifft (Selbstbesteuerung), entsprechend der Wohnungssteuer, von denjenigen aber, die keine Wohnungssteuer bezahlen, wenigstens 1 Rubel pro Jahr. 2. Die Palästinakommission soll bei der Beratung und Ausarbeitung von Projekten inbezug auf die Palästinaarbeit rechtzeitig das russische Zentralkomitee davon in Kenntnis setzen. Bei der Verwirklichung von Maßnahmen sowohl in Rußland als auch in Palästina soll es verpflichtet sein, in direktes Einvernehmen mit dem Zentralkomitee zu treten. Nach der Annahme dieser Beschlüsse wurden folgende Mitglieder des Zentralkomitees gewählt: Dr. J. D. Bruzkus, B. A. Goldberg, L. J. Goldberg, Dr. J. Lurie, Dr. D. S. Pasmanik, Rechtsanwalt S. J. Rosenbaum (Präsident) und L. B. Jaffe. In die Palästinakommission sind folgende Personen gewählt worden: A. Susmann, J. Sapir, M. Ussischkin, alle in Odessa. England Manchester. Am 23. v. M. fand ein ungemein zahlreich besuchtes Meeting unter Vorsitz des Dr. Charles Dreyfuß statt. Abdullah Quilliam Efendi Bey (Sheikh Ul-lslam) befürwortete eine enthusiastisch akklamierte Resolution, wonach die Zionisten bei der Schekelleistung und in Hinsicht auf die kommenden Kongreß wählen ihre unverbrüchliche Treue zu Palästina gelobten. Außer den beiden Genannten sprachen noch Rabbiner Rabbinowitsch und Dr. Gast er, dessen Ansprache begeisterten Beifall weckte. In vielen Städten Englands fanden in der Chanukkahwoche von den Zionisten veranstaltete Makkabäerfeiern statt, bei denen gleichzeitig die Schekelsammlung vorgenommen wurde. Die nächste Jahreskonferenz der englischen Zionisten wird am 27. Januar in Birmingham stattfinden. Das Sekretariat verlautbart, daß nur diejenigen Vereine, die ihren Verpflichtungen gegen die Federation nachgekommen sind, insbesondere ihre Schekelabrechnung erstattet haben, zur Delegation berechtigt sein werden. Rumänien Am 7., 8. und 9. Januar wird in Bukarest der Delegiertentag der rumänisch-zionistischen Landesorganisation stattfinden. Verschiedenes Kultuswählen in Brünn. In Brünn fanden Kultuswahlen statt. Sie hatten einen ähnlichen günstigen Ausgang wie in Wien. Von 739 abgegebenen Stimmen entfielen zirka 250 his 300 auf die zionistischen Kandidaten. Suczawa, 19. Dezember 1906. Am S. d. M. veranstaltete der Verein „Th. Herzl" einen musikalisch-deklam. Abend, der überaus zahlreich besucht war. Herr Dr. Chaim Kinsbrunner („Zephirah") sprach in mehr als einstündiger Rede über die jungjüdische Literatur und erntete brausenden Beifall. Frau Dr. Guttmann und Frl. M. Bein er füllten sehr gut den musikalischen Teil des Programms aus. Herr Brunnwasser besorgte die Rezitationen. --■ Die Makkabäerfeier des „Theodor Herzl" fand am 16. d. M. in der Großen Synagoge statt. Die Festrede hielt Herr Dr. Gabor. Der Oberkautor Cheitniann leitete den Chor, der noch von einem Musikorchester unterstützt wurde. Die Feier hatte eine große Wirkung auf alle Anwesenden. Der Damenverein „Ruth" veranstaltete seine Makkabäerfeier am 18. d. M. in seinem geräumigen Vereinslokale. Überaus gelungen war die Festrede des Frl. Mulvine Dawid. Herr Bar dach („Zephirah") las einige Stücke von Scholem Aleichem vor, die sehr gut aufgenommen wurden. Herr N. Goldstein ergötzte die Anwesenden durch seinen Gesang und seine Violinvorträge. Der Damenverein gedenkt schon in den nächsten Wochen einen Vortragszyklus über jüd. Geschichte, Literatur und Zionismus für junge Mädchen zu eröffnen. Die nötigen Kräfte sind schon vorhanden. Hervorzuheben wäre die aufopfernde und energische Leitung der Frau Ch. Langer. Mr. T. Leipzig. Die „Zionistische Volkslesehalle und Bibliothek'', die von der Zionistischen Vereinigung Leipzig unterhalten wird, befindet sich jetzt Peterskirchhof 5. I (Eingang auch Petersstraße, Goldener Hirsch) in sehr schönen großen Räumen. Während die