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Die Welt · 1907-01-04 · 1 (4.1.1907) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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10 DIE^ELT No. 1 o o o o o o o 0====== o o o JJ AUS DER BEWEGUNG ({ O Q O O O O (looo Amerika Die letzteSitzung des Exekutivkomitees befaßte sich hauptScächlich mit der Propagandatournee des Dr. Schmarjahu Lewiii, die inzwischen mit bestem Erfolge ausgeführt worden ist Das Palästinakomitee berichtet über seine Arbeiten, die einen erfreulichen Fortschritt aufweisen. Es wurde beschlossen, überall dafür zu agitieren, daß der 15. Schebath als ein „Baumpflanzungstag" im ganzen Lande gefeiert werde; an diesem Tage sollen alle Zionjsten oder zionistischen Vereine eine Stiftung für den Ölbaumfonds machen. Von dieser Neueinrichtung verspricht man sich einen guten Erfolg. Man kann diesen Oedanken, der eine Wiederauffrischung einer alten jüdischen Tradition in modernem, zionistischem Sinne bedeutet, nur von Herzen begrüßen und ihn allen Federationen und Vereinen zur Nachahmung dringend empfehlen. Die Schekelkommission berichtete, daß sie fast 100000 Flugblätter für die Schekeltage an die Vereine ausgegeben habe. Das Literaturkomitee berichtete, daß die Broschüren „Autoemanzipation" von Pinsker, „Unser Programm" von Ussischkin und „Zionismus", von Nordau in englischer und jüdischer Sprache gedruckt und in großen Mengen verbreitet worden seien. Ebenso erscheint allwöchentlich ein Bericht über die Tätigkeit der Federation in den englisch-jüdischen Zeitungen. Die Poale-Zion -Kommission berichtete, daß die Organisation der amerikanischen Poale-Zion ihre zweite Jahreskonferenz Mitte Dezember in Boston abhalten würde. Es wurde eine Resolution gefaßt, die diese Konferenz begrüßt und Maßregeln vorschlägt, die ein gedeihliches Zusammenarbeiten der Federation mit der Organisation der Poale-Zion sichern sollen. Berichte über Versammlungen liegen vor aus Baltimore, Bayonne, Brooklyn, Buffalo, Greenberg. Haverhill, Louisville, Montgomery, New Orleans, New York, Pittsburg, Shreveport und Washington. Die Versammlungen waren durchwegs sehr gut besucht und nahmen teilweise einen geradezu enthusiastischen Verlauf. In New York hat sich zum erstenmal in Amerika eine jüdisch-nationale Sriidentenkorporation unter dem Namen „Student Nationalist^" gegründet. Die Statuten der Vereinigung besagen, daß der Verein erstrebt, „durch systematisches Studium sich mit der jüdischen nationalen Geschichte und Literatur vertraut zu machen, die jüdischnationalen Bewegungen kennen zu lernen, die Lebensbedingungen des jüdischen Volkes zu erforschen und alle Schritte zu tun, um die Gesundung des jüdischen Volkes auf nationaler Grundlage herbeizuführen". Die Vereinigung erstrebt des weitern den Zusammenschluß aller jüdischen Studenten Amerikas auf nationaler Grundlage. Das Bureau der Vereinigung befindet sich: 171, Hast Broadway. Die Bewegung zugunsten des Bezalel macht weiter erfreuliche Fortschritte. Auf der konstituierenden Versammlung des Bezalelvereins in New York wurden mehr als 100 Dollars gesammelt. Argentinien Nachdem sich herausgestellt hat, daß die Beteiligung an der dritten argentinischen Zionistenkonferenz über Erwarten groß sein werde, ist die ursprüngliche Tagesordnung erheblich erweitert worden. Zugleich war gleichfalls infolge der starken Beteiligung erforderlich, den Ternrn der Konferenz, die ursprünglich im November stattfinden sollte, auf den 19. Dezember und die folgenden Tage zu verschieben. Bemerkenswert ist, daß an der diesjährigen Konferenz zum erstenmal auch Vertreter der organisierten Poale Zion Argentiniens teilnehmen werden, und auch die spaniolischen Juden werden voraussichtlich ihre Delegierten entsenden. Die Tagesordnung der Konferenz umfaßt folgende Punkte: Festsetzung der Organisation der Federation, Generalbericht über die gegenwärtige Lage des Zionismus, Propagandavorschläge, Immigration und Naturalisation,Zionismus undTerritorialismus, Verbreitung des Zionismus unter der Jugend, Zionismus und Poale-Zionismus u. a. m. Man erwartet von der Konferenz eine nachhaltige Stärkung der zionististischen Idee in Argentinien und die endgültige Zentralisation aller Vereine in einer Federation. Die Federation eröffnete eine rührige Propaganda für den Nationalfonds und die übrigen Institutionen der Bewegung. Zugleich wendete sie ihre Aufmerksamkeit in erhöhtem Maße der Lage der einwandernden Immigranten zu. Da diese infolge ihrer Unkenntnis der Landessprache von vornherein in wirtschaftlichem Kampfe inferior sind, hat die Federation in ihrem Bureau, Buenos Aires, Talcahuano 358, Abendkurse im Spanischen eingerichtet, deren Besuch jedem unentgeltlich freisteht. Mitteilungen des innerösterreichischen zionistischen Distriktskomitees (Zionistische Parteileitung für Wien und die Alpen- und Karstprovinzen.) Die Kultuswahlen und unser Gemeindeprogramm. Dreiundvierzig Prozent aller abgegebenen Stimmen (1800—1900 gegen 2200—2400) vereinigten sich bei der Hauptwahl am 2. Dezember auf unsere Liste, und bei der Stichwahl stimmte in den Bezirken Landstraße, Mariahilf, Neubau, Josefstadt, Aisergrund, Meidling, Hietzing, Rudolfsheim, Fünfhaus, Döbling und Wäiring die Majorität für die zionistischen Kandidaten Dr. Schalit und Bankier Brecher. Dr. Alfred Stern, der Präsident der Kultusgemeinde, der Hauptrepräsentant des alten autokratischen Systems, erhielt nur 68 Stimmen über die absolute Majorität: ein Resultat, das alle Erwartungen übertrifft. Ein Memento mori für das bisherige Regierungssystem! Der Verlauf der Wahl wird hoffentlich erziehlich auf die Herren vom Kultusvorstand gewirkt haben. Wenn aber nicht, so war dies ihr letzter Erfolg. Noch einmal wollen wir ihnen daher ganz deutlich sagen, was wir von ihnen verlangen, — worum wir gekämpft haben und weiter kämpfen werden. Wir verlangen: Ein mannhaftes, offenes, mutiges Eintreten für alle jüdischen Interessen, kein feiges Sichverkriechen, keine Angst vor antisemitischen Gegenströmungen, kein Verbergen in jenen Ghettowinkel der Seitenstettengasse. (Der Kultusvorstand hat seine Teilnahme an der großen Protestversammlung gegen die russischen Massakers am 28. November 1904. abgelehnt und dem Ober-Rabbiner Güdemann, der trotzdem in der Versammlung sprach, einen Verweis erteilt.) Eine Heranziehung aller Juden zum jüdischen Gemeindeleben durch allgemeines Wahlrecht und maßvolle Besteuerung aller, die einen Beitrag leisten können. (Das Programm des Zentral-Wahlkomitees bekämpfte, um das plutokratische System aufrecht zu erhalten, sogar die Herabsetzung des unerhört hohen Kultussteuerminimums von 20 Kronen auf 10 Kronen.) Eine großzügige jüdische Sozialpolitik, um die schwere Benachteiligung wettzumachen, welche die Juden im öffentlichen und privaten Leben durch die politischen und sozialen Strömungen erleiden. Eine intensive Pflege der neu jüdischen Kultur und der hebräischen Sprache. Eine durchgreifende Reform der schleppenden bureaukratischen Verwaltung. Einen völligen Bruch mit der Protektionswirtschaft und dem persönlichen Regirnente in allen Ressorts. Eine Modernisierung der Armen- und Krankenpflege. Volle Berücksichtigung der Bedürfnisse, der religiösen Kreise des Judentums im Sinne eines richtig verstandenen Freisinns. Eine Ausgestaltung der Bezirkskommissionen zu autonomen Beschlußkörpern. Aufteilen der Vorstandsmandate nach Bezirken, damit die Wähler den Kandidaten, dem sie ihre Sünrne geben sollen, auch kennen und damit eine Opposition auch dann zur Geltung kommen kann, wenn sie auch noch nicht die Majorität der ganzen Wählerschaft für sich gewonnen hat. Einleitung einer Aktion zur Schaffung eines öffentlich rechtlichen Verbandes der Kultusgemeinden Österreichs behufs wirksamer Vertretung der jüdischen Interessen und Lösung größerer Kultusaufgaben. Wir werden in diesen zwei Jahren auf der Wacht stehen, ob die Herren auch weiterhin die „israelitische K'dtusgemeinde" zum Gespött der Welt machen, oder ob sie endlich m energischer, mutiger Weise und modernen Formen für die Intdessen des jüdischen Volkes eintreten werden! Parteigen ossen! Die letzten Wiener Kultuswahlen bedeuten — wie auch die Gegner anerkennen müssen — einen glänzenden moralischen Sieg der zionistischen Partei. Gegen 1900 Stimmen fielen bei der

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