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Die Welt · 1907-01-04 · 1 (4.1.1907) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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No. 1 DIE LT 15 □jgg^g □!□ ^Oo Jl KORRESPONDENZEN oO Oo >ü» ooooOG (Diese Rubrik, für die die Redaktion nicht die Verantwortung trägt, ist, wie wir wiederholt bemerken, Zuschriften aus dem Leserkreise und freiem Meinungsaustausch offen.) Wir erhalten von kompetenter Stelle folgende Zuschrift, die von denen, in deren Interesse sie geschrieben ist, gewiß ernstlich beherzigt werden wird: Ein Mahnwort an die in Deutschland lebenden ausländischen Juden Ein Teil der in Deutschland wohnenden ausländischen Juden hat sich bisher, wenn auch nur in vereinzelten Fällen, zuweilen am innerpolitischen Leben Deutschlands beteiligt. Hieraus sind, wie bekannt sein dürfte, bereits mehrmals Unannehmlichkeiten für alle ausländischen Juden (Ausweisungen usw.) entstanden. Die Gefahr von Repressivmaßregeln droht von neuem in den nächsten Wochen, in denen infolge der Reichstagswahlen eine sehr starke politische Agitation einsetzen wird. Wir möchten daher unsere in Deutschland ansässigen ausländischen Glaubensgenossen auf das dringendste warnen, politische Versammlungen zu besuchen oder sich gar an der Agitation selbst zu beteiligen. Aufruf des Odessaer Komitees Die Palästinabewegung, die bei uns in der zweiten Hälfte des Jahres 1881 eine reale Form annahm, blickt jetzt auf eine 25jährige Tätigkeit zurück. Dieses Ereignis, das hellstrahlend, aber zu unserem großen Bedauern so spät erst von dem finsteren Hintergrunde unserer 1800jährigen Verbannung sich abhob, verdient es, daß man ihm nach den Ergebnissen einer 25jährigen Tätigkeit durch eine genaue historische Darstellung gerecht werde. Das Odessaer Komitee hat es nun unternommen, getragen von dem Wunsche, das Jubiläum der Bewegung, die unserem Volke ungeahnte Horizonte eröffnete, durch ein entsprechendes Denkmal zu feiern, die Herausgabe der Geschichte der Palästinabewegung von der Zeit ihres ersten bescheidenen Auftretens bis zum Momente ihrer blühenden Entwicklung und des kühnen Auftretens vor der Öffentlichkeit aller Länder, d. h. vom Jahre 1881 bis zum Jahre 1897, bis zum ersten Baseler Kongreß zu bewerkstelligen. Das Komitee würdigt alle Schwierigkeiten des geplanten Unternehmens, das die Tätigkeit so vieler Personen und Vereine in Rußland und im Auslände umfassen soll. Zugleich aber die Wichtigkeit und die Notwendigkeit dieser Arbeit anerkennend, nimmt das Komitee die schwere, aber angenehme Mühe auf sich, in der Hoffnung, daß alle, die Interesse an unserer Volksbewegung nehmen, es unterstützen und ihm alle bei ihnen befindlichen Dokumente, die als eventuelles Material dienen können, zur Verfügung stellen werden. Demzufolge erlaubt sich das Komitee, sich an alle diejenigen, die im Besitze von allerhand Briefen und Dokumenten sind, die die Tätigkeit verschiedener Ortsvereine beleuchten, mit der höflichen Bitte zu wenden, ihm solche Dokumente überlassen zu wollen. Alles, was verdient, in der Geschichte dieser Bewegung erwähnt zu werden, wie die Richtung einzelner Vereine, ihre Statuten, die Art und Weise ihrer Anteilnahme an der Bewegung, die Tätigkeit führender Persönlichkeiten in allen Ländern der Diaspora während dieses Zeitlaufes, kann verwendet werden. Wir glauben nicht befürchten zu müssen, daß ein Indifferentismus von irgendeiner Seite die UnVollständigkeit dieser Geschichte verschulden wird. Alle Briefe und Dokumente werden nach ihrer Verwendung zum obengenannten Zwecke rechtzeitig und mit aller Sorgfalt den Eigentümern zurückgeschickt werden. Der Vorsitzende: M. Ussischkin. Die Adresse für Zusendung von Briefen und Dokumenten ist: An das Jüdische Palästinakomitee Odessa, Artschinikowsky Per. 12, für M. L. Wir bitten alle jüdischen Zeitungen, die Interesse für die Palästinabewegung haben, diesen Brief zu veröffentlichen. Sehr geehrter Herr Redakteur! Wir bitten Sie um die Veröffentlichung nachstehenden Briefes an den Vorsitzenden des Bureaus für Palästina-Angelegenheiten. Hochachtungsvoll! Das „Odessaer Komitee". Herrn Dr. Ch. Chissin, Vorsitzender des Palästinabureaus in Jaffa. Sehr geehrter Herr! Ich habe dem Odessaer Komitee Ihren Bericht vorgelegt, worin Sie von der Unzufriedenheit eines Teiles der jüdischen Einwohnerschaft Jaffas Mitteilung machen wegen der Weigerung unseres Komitees, Privatunterstützungen auszufolgen und von den Klagen und Invektiven dieser Personen sprechen. Das Komitee hat sorgfältig alle diese Tatsachen untersucht und beschlossen, Ihnen kategorisch zu erklären, daß es nicht gewillt ist, die Prinzipien seiner ferneren Arbeit in Palästina umzuändern. Das Komitee wird in seiner Tätigkeit durch die Statuten der Gesellschaft und die Instruktionen der allgemeinen Versammlungen geleitet und kann auf keine Weise von irgendjemand durch irgendwelche Mittel von ihnen abgelenkt werden. Die letzte allgemeine Versammlung des Komitees, welche Ende Juli 1906 stattfand, hat klar und deutlich ihr Verhältnis zur weiteren Arbeit in Palästina ausgesprochen, sich hierbei auf die Erfahrung von 15 Jahren Palästinatätigkeit stützend und zugleich seine geringfügigen Mittel in Betracht ziehend. Das Komitee hat die Aufgabe, in Palästina Bedingungen zu schaffen, unter denen es jüdischen Landarbeitern, Handwerkern und anderen Personen möglich werden soll, dort ihr Auskommen zu finden, sich niederzulassen und ihre Position fortzuentwickeln. Bedingungen zu schaffen, darunter verstehen wir, Leute mit Land zu versehen, einen billigen Kredit zu schaffen, Schulen zu errichten, ärztliche und juristische Hilfe zu leisten, die für die Einwanderer notwendigen Informationen zu geben usw. Dies alles bemüht sich das Komitee, entsprechend seinen Mitteln und Kräften, zu leisten. Wir haben 50 000 fr. angewiesen, um in Gemeinschaft mit der Anglo-Palestine-Company eine Genossenschaft zur Beschaffung kleinen Kredits ins Leben zu rufen, und wir hoffen, das Einverständnis der Direktoren der Anglo- Palestine-Company bald zu erreichen, damit die Genossenschaft zu funktionieren beginnen kann. Wir haben ferner 20 000 fr. für die Errichtung einer Arbeiterniederlassung bei der Kolonie Petach-Tikwah assigniert und weitere 15 000 fr. von den Geldern, die am Vorabend von Jom-Kippur gesammelt wurden, zum Ankauf von Land für Landarbeiter angewiesen. Wir haben etwa 30 000 fr. für verschiedene gemeinschaftliche Bedürfnisse der Arbeiter ausgeteilt. Wirgeben bedeutende Summen für Schulen in den Städten und den Kolonien Palästinas aus, wo die Kinder der Handwerker und Landarbeiter umsonst oder für eine minimale Zahlung Unterricht erhalten. Wir leisteten einigen Kolonien ärztliche Hilfe und stifteten für das Krankenhaus von" Jaffa einen Beitrag. Schließlich errichteten wir noch in der letzten Zeit Informationsbureaus, wo jeder Einwanderer Rat und notwendige Anweisungen erhält. Durch diese Maßnahmen hoffen wir es einem wirklich Arbeitswilligen zu ermöglichen, sich in Palästina niederzulassen. Was die unmittelbare Unterstützung von Privatleuten durch Geld anbetrifft, so hält sie das Komitee für ausgeschlossen. (Eine Ausnahme machen nur jene Summen, die zu einem speziell wohltätigen Zwecke bestimmt sind.) In dem obengenannten Falle wären Summen von so kolossalem Umfange notwendig, wie sie das Komitee in keinem Falle aufbringen könnte. Außerdem verfehlt gewöhnlich eine solche Unterstützung vollständig ihren Zweck, da sie auf den Bittsteller in der Regel demoralisierend wirkt, indem sie ihn in eine Art Bettler verwandelt, nicht aber in einen ehrbaren Arbeitsmann. Das ist, verehrter Herr Doktor, die Antwort, die wir Ihnen erteilen können. Sie müssen unbedingt die Instruktionen des Komitees befolgen, ohne einen Schritt davon abzuweichen. Das Komitee selbst hat zur Grundlage seiner Arbeit die Beschlüsse der allgemeinen Versammlung genommen, die ihrerseits sich durchaus von den Interessen unserer Sache leiten ließ. Diesen unseren Brief empfehlen wir Ihnen, in den in Palästina herausgegebenen Zeitungen zu veröffentlichen, damit das jüdische Publikum davon Kenntnis nehme. Mit Hochachtung Der Vorsitzende des Odessaer Komitees. «

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