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Die Welt · 1907-01-04 · 1 (4.1.1907) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 1 -- ---DIE] Von sonstigen endemischen Krankheiten ist nur noch das Trachom, die ägyptische Augenkrankheit, von Bedeutung, jedoch leiden gerade die jüdischen Kolonien infolge der besseren ärztlichen Behandlung daselbst in weit geringerem Maße daran als die arabischen Dörfer. ' KELT-- n Ein Hindernis für die Ansiedlung bieten jedenfalls die klimatischen Verhältnisse in keiner Weise und ebensowenig die sommerliche Hitze, da sie vielfach durch Seewinde gemildert wird, und die Ernte, die einzige wichtige Arbeit der Sommermonate, auch des Nachts vorgenommen werden kann. Wahlaufruf des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation in Rußland Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Rußland versendet nachstehenden Wahlaufruf an die jüdische Bevölkerung: An die Wähler! Was wollen die Zionisten bei den Wahlen in die Gossudarstwennaja Duma? Die Zio nisten beteiligen sich an den Wahlen in die Duma, weil sie glauben, daß die zukünftige Duma im Hinblick auf die Lage der russischen Juden eine sehr wichtige Rolle spielen wird. Wir Zionisten haben uns an den Wahlen in die frühere Duma energisch beteiligt und trugen sehr viel dazu bei, daß jüdische Deputierte gewählt wurden. Wir konnten nicht mit denjenigen Parteien einverstanden sein, die einen anderen Weg zur Änderung der Staatsordnung gehen zu müssen glaubten; wir wußten genau, wieviel Ströme jüdischen Blutes auf diesem Wege umsonst fließen werden. Jetzt, da diese Parteien sich an den Wahlen beteiligen, können wir nicht mit ihrer Ansicht über die Tätigkeit der zukünftigen Duma übereinstimmen. Wir betrachten diejenigen Bestrebungen, die gegen eine organische Tätigkeit einer vollberechtigten Duma gerichtet 'sind, als gefährlich für uns Juden. Wir sind damit nicht einverstanden, weil uns die Interessen des ganzen Volkes, aller Juden nahegehen und gleich wichtig sind. Wir Zionisten wallen in die Duma eigene jüdische Deputierten bringen, solche, die des Namens „Jüdische Deputierte" wert, die wirkliche Vorsteher des jüdischen Volkes, seine Gemeindeabgesandten sein sollen; solche Juden, die immer, in den schwersten, bittersten Zeiten unseres Lebens, alle Leiden und alle Gefahren mit dem Volke geteilt haben, solche, die vom jüdischen Schmerz und von jüdischen Hoffnungen durchdrungen sind, die sich in das Volksleben eingelebt haben, die dem Volke treue Diener, die die Ersten bei jeder Arbeit sind; solche Juden, die die Massen längst als ihre wahren Vertreter kennen, die ernstlich bemüht sind, eine Antwort auf die Fragen, die das ganze Volk und nicht nur einzelne Teile angehen, zu finden. Indem wir unsere Abgeordneten wählen, wollen wir nicht, daß sie sich als unsere ungebetenen Repräsentanten aufspielen sollen, die sich im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen erlauben und dabei ableugnen, daß unser Volk noch existiert, die unsere Sprache, alle, unsere Nationalinteressen nicht kennen. Wir wollen keine solchen Abgeordneten, wie sie zum Beispiel die Juden in Österreich hatten, die als die Lakaien verschiedener Nationen und Parteien Handlangerdienste leisteten und sich wie vor Feuersgefahr davor fürchteten, man könnte in ihnen Juden erkennen, die es nicht wagten, ihre Stimmen im Parlamente zur Verteidigung jüdischer Interessen zu erheben, während man Gesetze gegen Juden erlassen, während man jüdische Lebensinteressen angegriffen und den jüdischen Namen und die jüdische Ehre auf das schändlichste beleidigt hat. Die Abgeordneten, die wir wählen, müssen stolze und mutige Juden sein, die mit Leib und Seele für die Rechte und die Interessen des jüdischen Volkes eintreten werden. Wir Zionisten verlangen, daß unsere Abgeordneten, abgesehen von den demokratischen Forderungen, die sie gemeinsam mit allen progressiven Elementen Rußlands erheben, folgende nationale Forderungen in der Duma vertreten sollen, deren ungeheure Wichtigkeit und Notwendigkeit jedem Juden einleuchtend sind: 1. Die volle Gleichberechtigung der Juden (als Bürger des Landes). 2. Die Anerkennung der Juden als einer besonderen Nation gleich allen Nationen Rußlands, weil davon die Anerkennung von Forderungen und Rechten abhängig ist für eine Nation, die eigene Bedürfnisse und Interessen besitzt. 3. Die Anerkennung jüdischer Gemeinden. Die Juden sollen das Recht haben, ihre Gemeinde zu entwickein, alle ihre Angelegenheiten und Anstalten, Schulen, Vereine usw. im jüdischen Geiste zu leiten, und zwar auf demokratischer Grundlage, damit alle Juden gleiche Rechte und gleichen Anteil an den Gemeindeangelegenheiten nehmen können. 4. Die Anerkennung beider jüdischen Sprachen. Die Juden sollen das Recht besitzen, beide jüdische Sprachen, Hebräisch und Jüdisch, in der Schule, im Gerichte, überhaupt im öffentlichen Leben zu benutzen, weil verschiedene Reformen des russischen Lebens, wie z. ß. ein gerechtes Gerichtswesen, eine freie Schule, für uns nur einen geringeren Wert haben werden, wenn wir in ihnen nicht unsere Sprache werden gebrauchen können. 5. Die Anerkennung des jüdischen Schulwesens. Wir sollen das Recht besitzen, freie jüdische Schulen zu gründen, damit wir nicht von der allgemein-russischen Schule verschlungen werden in einer Zeit, wo in Ruf31and, wie in allen europäischen Ländern, die allgemeine Schulpflicht eingeführt werden wird. Wir sollen z. B. nicht dasselbe erleben müssen, worunter jetzt die Polen in Preußen leiden. 6. Das Recht der Sabbatruhe, so daß jeder Jude, der am Sonnabend weder Geschäfte macht noch arbeitet, am Sonntag seiner Arbeit nachgehen kann. In Österreich verteidigten die jüdischen Abgeordneten die Sabbatruhe nicht, und es ist infolgedessen ein Gesetz angenommen worden, wonach Juden entweder am Sonnabend arbeiten oder zwei Tage in der Woche ruhen müssen, was die Konkurrenz für die jüdischen Bürger des Landes noch mehr erschwert. 7. Die Einberufung einer jüdischen Nationalversammlung, die alle Fragen des jüdischen Nationallebens zu untersuchen und zu erledigen und vor allem die Grundlagen einer nationalen Organisation auszuarbeiten haben wird. Denn das zentrale Parlament kann nicht ganz allein alle Fragen behandeln und lösen, die einzelne Nationen angehen. Es rechnet mit den Beschlüssen der Nationalversammlungen verschiedener Völker, es erteilt seine Sanktion für diese Beschlüsse und macht sie zum Gesetz. 8) Das proportioneile Wahlsystem. Zum allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht muß noch das proportioneile Wahlsystem hinzugefügt werden, bei dem auch die Minderheit ihre Vorsteher haben kann und von der Mehrheit nicht verschlungen wird. Dieses System, das in verschiedenen Ländern eingeführt ist, ist für uns Juden besonders wichtig, weil wir überall eineMinderheit bilden. Undgerade dann, wenn man ein demokratisches Wahlsystem einführen wird, besteht die Gefahr, daß wir ganz und gar ohne Vertreter bleiben werden, wenn man keine Mittel anwenden wird, um die Rechte der Minderheiten zu verteidigen. 9) Eine nationale parlamentarische Gruppe. Um alle diese Forderungen zu schützen und durchzusetzen, verlangen wir von unseren Abgeordneten, sie sollen sich in der Duma zu einer jüdisch-nationalen Gruppe vereinigen und in allen Fragen, die die jüdische Allgemeinheit angehen, gemeinsam handeln. Nur wenn es eine einige jüdische Gruppe geben wird, eine Art jüdischer Nationalversammlung, wird man mit uns wie mit einem Volke (gleich allen anderen Völkern Rußlands) rechnen können. Wir würden uns mit unauslöschlicher Schande bedecken und keine Sache erreichen können, wenn unsere Abgeordneten nicht einig sein und in Fragen der jüdischen Sache gegeneinander handeln werden. Denn in diesem Falle werden Fremde als dritte unsere Angelegenheiten beschließen müssen — nach ihrer Meinung und ihrem Gutdünken. Die jüdischen Abgeordneten dürfen nicht durch die Disziplin anderer Parteien gebunden sein, denen sie in Hinsicht auf allgemeinrussische Fragen angehören. In der jüdischen Frage müssen sie sich die volle Freiheit wahren, damit wir nicht dasselbe Schauspiel erleben müssen, das sich in Österreich ereignete, wo Juden aus Klubzwang für Gesetze stimmen mußten, die gegen die Juden gerichtet waren, oder in England, wo Juden aus demselben Grunde gegen die Zulassung einwandernder Juden stimmten. Das sind unsere Hauptforderungen, die wir an diejenigen stellen, t

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