Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-01-04 · 1 (4.1.1907) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316245--48883-3343797
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

düngen, der Vereine, der Prospekte usw. aufstellen, und man fände dabei viel an „Lärm um Nichts", an getäuschten Erwartungen, an egoistischen Augenblicksinteressen der betreffenden Staaten und der geschäftstüchtigen Schiffahrtskompagnieen — wie denn charakteristischerweise auch in diesem Falle gewisse deutsche Schiffahrtsgesellschaften seit einiger Zeit auf dem üblichen Wege der Bureaus und „Korrespondenzen" für den Süden Amerikas eine lebhafte und sicherlich nicht nur philosemitische und uneigennützige Propaganda entfalten. Die Ablenker nach Texas würden also Beispiele, wie män's machen, besonders wie man's nicht machen soll, darunter von unvergleichlich größeren Aktionen, genug finden. Und sie werden sich wohl auch darüber klar sein, daß ihr Unternehmen sogar wenn es mehr glückt als die ähnlichen Taten der Hilfsvereine, Logen usw. auf gleichem Gebiete — nur die Erweiterung des Diasporabezirks und als jüdisch-sozialpolitische Tat nur einen Tropfen im Meere bedeutet. Jedenfalls, wenn nur irgend ein Gutes davon herauskommen kann, soll es den Begründern der Aktion gedankt sein. Vielleicht der interessantere Teil an dem Plane ist die Tatsache, daß die Ito es ist, die ihn zur Durchführung übernehmen soll. Der Sprung von dem ursprünglichen Projekt einer Staatsgründung bis zur Protektion der Dispersion-Bewegung und der Ablenkung der Emigration nach Texas ist ein gewaltiger. Kein Zweifel, daf3 ihn die „Ito" damit erklären wird, daß das nur eine vorübergehende Aktion sei, daß aber das Hauptziel nach wie vor sei: Die Gründung usw. In Wahrheit ist es nichts anderes als das Zerschellen von Träumen an den Felsen der Wirklichkeit. Man erinnert sich ohne Zweifel noch an die emphatischen Deklarationen, die man seit dem Ugandaplan von den „Itoisten" der verschiedenen Couleurs vorgetragen erhalten hat: Man müsse sofort für die Hunderttausende hilfloser Emigranten ein Land schaffen, es sei ein Verbrechen, angesichts der russischen Greuel auf Palästina warten zu wollen. So entstand der Plan einer autonomen, nationalen Siedelung für das jüdische Volk irgendwo in der Welt. Wir haben die Entwicklung der Sache still verfolgt, weil wir voraussahen, was folgte, folgen mußte. Im Osten schwelgten die sogenannten „Massen", die S. S., indem sie gegen die „kleinbürgerlichen" Zionisten vergiftete Geschosse richteten, in Träumen eines sozialistischen, jetzt und jetzt erreichbaren, eines nationalen und durch den Willen und die Kraft des Volkes geschaffenen souveränen Staatswesens, Ii. das sich demnächst breite Ströme uidischu Emigranten ergießen würden - im Wösten fuhr das Ii ntern°h!neii mit vollen Segeln ins philanthropische Fahrwasser. Das Nationale, wie die Nationaljuden es verstehen, wurde zuerst über Bord geworfen. Dann versank die Forderung der sofortigen und umfassenden Autonomie, und schließlich verschwand auch der stolze Ehrgeiz, die emigrierenden Massen sofort in einem neuen Lande versorgen zu wollen. Es waren für uns keine neuen Wahrheiten — sind sie ja von den Vertretern des palästinensischen Zionismus unzähligemale wiederholt worden —, aber es waren Entdeckungen, und man kann es wohl behaupten, Enttäuschungen für die Territorialisten, als Zangwill in letzter Zeit erklärte: Diejenigen, welche für den Ackerbau und die kolonisatorische Arbeit ungeeignet sind (und das ist fürs Erste die Masse des emigrierenden Hunderttausende] sind darauf angewiesen, daß man ihnen Plätze für die Einwanderung (in bereits entwickelten Ländern) anweise. . . . Oder das folgende: Die Erreichung einer unmittelbaren politischen Autonomie (irgendwo in der Welt, deren „leichte" Erlangung zuerst als Hauptargument gegen die politischen Schwierigkeiten des Zionismus ausgespielt wurde), erscheint mir höchst zweifelhaft. . . Die einzige Methode der Erwerbung besteht in der Entwicklung eines unentwickelten bewohnten Landes", (was die Itoisten freilich nicht hinderte, dieselbe Methode im Zionismus als „Rückfall in Chowewe-Zionismus" zu bezeichneni. Aber auch das reduzierte Staatsgründungsprogramm ist offenbar nicht so schnell und leicht durchführbar — und so wendet sich die Ito nunmehr „ohne auch nur einen Moment das Augenmerk dem Hauptgegenstande, d. h. der Schaffung eines Territoriums mit autonomen Behörden, zu entziehen, all den zeitgenössischen Schwierigkeiten zu, die durch die Schaffung eines Judenstaates nicht gelöst werden können." So lautet ihre jüngste programmmatische Erklärung. Und dieses Geistes erstes Werk soll die Dispersion-Aktion von Texas sein. Vom 1. Januar 1907 ab erscheint im Verlage der „Weltu eine neue hebräische Wochenschrift unter dem Namen Ha'Olam Ha'Olam wird lediglich selbständige Originalartikel und belletristisch-literarische Aufsätze der ersten hebräischen Schriftsteller der Gegenwart enthalten und wird von allen Freunden der hebräischen Sprache als eine dankenswerte Bereicherung der modernen hebräischen Literatur begrüßt werden. Der Bezugspreis der Wochenschrift beträgt Mk. 8,— jährlich. Abonnenten der „Welt" erhalten Ha'Olam zum ermäßigten Preise von Mk. 4.— jährlich. Die literarische Leitung hat N. Sokolow übernommen. ===========: Probenummern auf Wunsch gratis, zzzzzzzzzzzzz:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.