Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 51 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Reihe von Gewerben, aber künstlerische Leistungen wie die Schlosserarbeiten an der alten kostbaren Jakobuskirche der Armenier bilden auch hier die Ausnahme, die handwerksmäßige Industrie ist die Regel. Dazu kommt, daß die Alliance ein ausgesprochen französisches Propaganda-Instrument ist, und die Begeisterung für La France, seine Tugenden und Untugenden, hat in der jüdischen Masse seit dem Erwachen des nationalen Gedankens ganz erheblich abgeflaut. So bleibt es dabei, daß die von der „Gesellschaft zur Begründung jüdischer Hausindustrie und Kunstgewerbe in Palästina" geschaffene Kunstgewerbeschule „Bezalel" die erste ihrer Art in dem heutigen, aufstrebenden Jerusalem ist. Obwohl sie kaum neun Monde zählt, hat sie schon ihre Lebenskraft gezeigt und beachtenswerte Ergebnisse gezeitigt. Ihr Arbeitsprogramm wird bisher durchgeführt in der Kunstgewerbeschule, in der Abendschule und in Spezialateliers. (Es folgt nunmehr eine eingehende Besprechung der unseren Lesern bereits bekannten Einrichtung der Schule des Bezalel, worauf es weiter heißt:) Das geistige Band um alle diese Abteilungen und um die in mannigfachen Zungen redenden Schüler und Schülerinnen, deutsche und polnische, russische und rumänische, spanische und marokkanische, persische und arabische, schlingt die hebräische Sprache, die gegenwärtig auf den Straßen und in den Schulen Palästinas zu neuem Leben erwacht; ein hebräischer Sprachkursus sorgt dafür, daß die Muttersprache aller auch die Unterrichtssprache für alle werde. ... Ob die Schule sich halten und ausbreiten wird? Zwei Gründe veranlassen den, der Land und Leute kennt, diese losen 8000 Pilgern, die sich vor der Erkrankung ihres Staatskörpers jährlich im Durchschnitt aus Rußland einzustellen pflegten, gesellen sich, je mehr die Verkehrs- und Lebensverhältnisse sich erleichtern, die zahlreichen amerikanischen, englischen, deutschen, jüdischen Reisegesellschaften, die katholischen Wallfahrtszüge und die moslemischen Pilgerkarawanen. Es ist doch gewiß nicht von ungefähr, daß die Hamburg-Amerika-Linie den Reiseverhältnissen im heiligen Lande im letzten Jahre ihre tätige Aufmerksamkeit zugewandt hat. Dank ihrer Fürsorge braucht der Tourist auf dem Ritt von Jerusalem nach Nazareth sich nicht mehr den Unbilden des Zeltlebens auszusetzen, sondern kann das Haupt unter sicherem Hoteldach bergen, braucht er auch nicht mehr in stundenlangem Rudern den See Genezareth von Ost nach West zu durchqueren, sondern kann eiligen Kielflugs die heiligen Stätten am Uferrande erreichen. Und dieser Reisende hat Sinn und Mittel für Geschenke und Andenken; er wird unbedenklich größere Summen für solche Zwecke aufwenden, wenn er den Idealwert der Gegenstände durch echt künstlerische Ausführung und einen dem Lande wie der Geschichte angepaßten Kunststil noch erhöhen und zugleich in einen realen umsetzen kann. Die Kunstgewerbeschule dürfte sich also so gewiß entwickeln und entfalten, so gewiß der Kenner Palästinas an eine Zukunft des Landes glaubt. Für die Herstellung der Erzeugnisse fallen die staatlichen und die Bodenverhältnisse erleichternd ins Gewicht. Das Land liefert selber eine Reihe guter Rohmaterialien, wie die verschiedenen Stein- und Holzsorten und die Teppichwolle in großer Menge. Aber auch aus dem Auslande unterliegt die Einfuhr der Rohstoffe bei dem geringen Zoll (8 Proz.) keinen erheblichen Schwierigkeiten. Dazu p inj a m? ODO Färberei des Bezalel Frage zu bejahen, vorausgesetzt, daß die notwendigen Mittel zur Erweiterung des Unternehmens, gegenwärtig z. B. zur Übersiedelung aus der gedrückten Mietswohnung in ein eigenes Haus mit geräumigen, von oben belichteten Zimmern, bereitstehen. Einmal kommen hier die Verhältnisse Palästinas als des Landes unter den Ländern in Betracht, und zum andern begünstigt die Stellung der mächtigen jüdischen Orthodoxie das junge Unternehmen. In Jerusalem bezw. im heiligen Lande pflegen drei große Weltreligionen ihre Heiligtümer. Dieser Umstand verleiht den Erzeugnissen des Landes schon an sich einen Affektions wert und erschließt die weite Welt mit ihren Kirchen, Synagogen und Moscheen als Absatzgebiet. Dazu wächst von Jahr zu Jahr der Strom der Touristen, die in der Saison, d. h. zwischen Weihnacht und Ostern, das heilige Land überschwemmen. Zu den wunschist der kleine Mann in Palästina bedürfnisloser als in andern Ländern. Und gerade der palästinische Bauer oder Kolonist, der durch seine Landwirtschaft nur einen Teil des Jahres in Anspruch genommen ist, wird samt seiner Familie Gelegenheit haben, die übrige Zeit mit der Hausindustrie auszufüllen t und den vorderhand noch spärlichen Ertrag bezw. Absatz der Äcker und Weinberge durch diese neue Erwerbsmöglichkeit zu erhöhen. Denn wenn schon, wie andere Länder erwiesen haben, die handwerksmäßige Hausindustrie in Verbindung mit einem Stückchen Acker dem Bauer auch in einem bodenarmen Lande die Existenzmöglichkeit gewährt, so wird das ganz gewiß von dem Kunsthandwerk gelten, das nicht bloß besser bezahlt, sondern gerade von den intelligenten Teilen der Bevölkerung auch eifriger gepflegt wird. So kann die Schaffung des palästinischen Kunsthandwerks eins der Mittel werden, um den