Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 51 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 DIE^ELT No. 51 einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina kollidieren durchaus nicht unsere täglichen Gebete zu Gott dem Allmächtigen, dem Hüter Israels, der nicht schläft und nicht schlummert. Wird Gott seinen Beistand für eine solche Heimstätte geliehen haben, dann brauchen wir nicht zu sorgen, welcher Art die Verfassung derselben zurzeit sein wird! Dann werden alle die weiteren Verheißungen sich erfüllen, für die uns Gott selbst Gewähr leistet, und „Gott ist kein Mensch, daß er lüge, kein Erdensohn, daß es ihn gereue," ruft schon der heidnische Seher aus." „Aber inzwischen gilt es zu arbeiten, teilzunehmen an dem großen, großen Arbeitsgebiete, dessen Umrisse zu zeichnen vorzüglich die jetzige Aufgabe der Misrachisten sein wird, für die sie aber alle gesetzestreuen Elemente auf- und wachrufen müssen. Nur durch den Massen eintritt aller gesetzestreuen Jehudim kann einerseits der Gefahr der Religionslosigkeit, wie sie ursprünglich geplant war, gesteuert werden, anderseits die religiös-nationale Richtung im Zionismus immer mehr zur Geltung gelangen. Der Aufruf ergehe von Land zu Land, von Ort zu Ort, von Haus zu Haus, daß sich alle Gesetzestreuen konzentrieren, organisieren, ordnen, um dem Zionismus die religiös-nationale Richtung aufzuprägen, die allein ihm gebührt und von ihm erwartet werden muß auf Grund unserer Thora und unserer Geschichte durch die .Jahrtausende!" Wenn ich selbst auch nicht mit allem, was in obigen Worten gesagt ist, übereinstimme, so glaube ich doch durch diese von flammender Begeisterung fürs Judentum zeugenden Sätze dafür gerechtfertigt zu sein, daß ich diesen Vortrag auf einer Versammlung, die die gesetzestreuen Juden dem Zionismus näher bringen sollte, durchaus am Platze fand! Meines Erachtens haben wir allen Grund, uns zu freuen, daß schon so viele Mißverständnisse beseitigt sind, und dürfen freudig in die uns dargebotene Hand einschlagen. Mit bestem Zionsgruß Ihr sehr ergebener Hermann Struck. Stipendien der israelitischen Kultusgemeinde Wien Wien, 11. Dezember 1906. In Angelegenheit der magistratischen Kundmachung, wonach aus der Theobald Uffenheimerschen Stiftung vier Plätze ä K. 275.— für je einen israelitischen Hörer der medizinischen, juridischen und der philosophischen Fakultät der Wiener Universität sowie der k. k. technischen Hochschule zu verleihen sind, sei hervorgehoben, daI3 die Gesuche bis längstens 31. Dezember 1906 im Einreichungsprotokolle der Magistrats-Abteilung XIII zu überreichen sind, die Verleihung jedoch durch den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde stattfindet. Den Interessenten werden alle erforderlichen Auskünfte (über Beilagen etc.) im Stiftungsamte der Wiener israelitischen Kultusgemeinde erteilt. Der Sekretär: Dr. Lieben. m? □ □!□ m h □ □ □ s h Obere Klasse des Bezalel (Dekorativ-Zeichnungen) C ooooooooooooooo c NOTIZEN Vom palästinensischen Kunstgewerbe Rektor O. Eberhard, unser christlicher Freund, widmet im „Reichsboten" dem palästinensischen Kunstgewerbe ein ausführliches Feuilleton, dem wir nachstehenden Auszug entnehmen: Am 1. März d. J. wurde in Jerusalem die erste Kunstgewerbeschule eröffnet. Wohl fehlte es auch früher nicht an Ansätzen zu kunstgewerblicher Arbeit; ich denke nicht nur an die mehr oder minder gelungenen Perlmutter-, Olivenholz- und Stinksteinschnitzereien der Basare, auch nicht an die mit der einheimischen Flora künstlerisch geschmückten Blumenkarten unserer deutschen Diakonissen oder die selten zierlichen Handarbeiten ihrer arabischen Schützlinge, auch nicht an die aus Olivenkernen gearbeiteten Rosenkränze, die wir im Kloster der katholischen Zionsschwestern ausgelegt sahen. Ich denke vor allem an die Industrie-Werkstätten der Londoner Judenmission und an die Konkurrenzgründung der jüdischen Alliance, an die mich ein eingeborener Lehrer des Syrischen Waisenhauses wies, wenn ich zu festen Preisen gediegene Arbeit kaufen wollte. Die Handwerkerschule der Alliance umfaßt eine