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Die Welt · 1906-12-21 · 51 (21.12.1906) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
51 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 51 DIE3äKELT 15 bäerfeier, haben den Zionismus kennen gelernt — in der Makkabäerfeier. Ist es wirklich ein Erfolg? Ein Erfolg des Zionismus? Lohnen diese Feiern die Mühe, die sie verursachen? Ich bitte, ich bin kein Ketzer. Ich möchte keinem feierbegeisterten Vereinsvorstande die Freude verderben. Aber sollen wir uns nicht einmal unterhalten dürfen über den Wert, den ethischen, den zionistischen Wert der ä la mode — Makkabäerfeierri? Vielleicht haben wir Glück, ein Chanukkahlicht dämmert uns auf und zeigt uns, daß man etwas besser machen kann. Unterhalten wir uns also einmal. Zunächst: Die Idee der Makkabäerfeier ist sehr gut, weil sie natürlich ist. Sehr gut aber auch in vielen anderen Beziehungen. Eine schöne Feier vor allem ist immer sehr gut. Freude ist gut und Licht ist gut, und eine Stunde festlicher Unterhaltung ist eine gewonnene Stunde. Wir legen dem Feste eine allgemeine Idee zu Grunde, und zwar eine jüdische, und zwar eine zionistische. Es gibt nichts dagegen einzuwenden. Und dem trockenen Philister- Spießer und den romantisch-sehnsuchtsvollen Jünglingen und Mädallerorten gefeiert. „Wir Berliner" z. B. machen sie ganz anders! Jüdisch, zionistisch! Jüdische Musikstücke, d. h. jüdische Musik von jüdischen Komponisten und gespielt womöglich von jüdischem Orchester, jüdische, hebräische Lieder, nationale Reden, eine Aufführung von „Doktor Kohn" oder „Neues Ghetto" und dann natürlich Ball. Ja, wir Berliner können das. Wir haben Komponisten unter uns, die uns ihre Manuskripte zur Verfügung stellen gedruckt und verlegt wird vorderhand noch wenig jüdische Musik - wir haben Sänger und Sängerinnen, die ein jüdisches Repertoire besitzen, weil sie es wagen können, damit auch dort zu brillieren, wo sie bezahlt werden; wir haben vor allem ein jüdisches Publikum, das Jüdisch versteht. Wir sind eben heute eine eminent jüdische Stadt. Aber die Provinz! Wenn sie Jargonlieder nicht auslacht verstehen wird sie sie sicher nicht; aber es sind ja auch keine da, die man vortragen könnte. Und dazu kommt noch eins: Unser Programm, unser Repertoir ist so beschränkt. Und wenn die „Rundschau"' jedes Jahr eine noch so schöne und verlockende Programmvorlage bringt, so bringt sie doch immer dieselbe. Und wenn mal, selten genug, Teppichmuster Spinnerei des Bezalel chen wird inder gesteigerten Sphäre des mit jüdischen Traditionen durchsetzten, durchleuchteten Festsaalglanzes manches Heimliche klar, was bis dahin „vorborgen schlummerte". Aber: Ist es auch ganz so? Ist die Makkabäerfeier wirklich eine Makkabäerfeier? Oder ist sie vielleicht nur ein unter falscher Etikette segelndes hausbackenes Philistervergnügen? Wie der größte Teil aller anderen Feiernein Reklamepodium für die Gesangsschule der Exprimadonna A oder des Klaviervirtuosen B? Oder vielleicht ein Äquivalent an die Familie für die vielen Abende, wo man zu Hause sein muß? Das wäre ein schlechter Spaß. Aber seien wir nicht spaßhaft. Betrachten wir die Frage recht ernsthaft. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß viele Makkabäerfeiern bei uns in Westeuropa nicht der hohen Idee entsprechen, die sie ausdrücken, der sie dienen sollen. Das einzig Jüdische an ihnen ist gewöhnlich der Name und, wenn es hochkommt, die Festrede. Wird aber der Name schon vielfach unangenehm empfunden, auch vom Vereinsvorstande, nämlich weil er manchen guten Juden auf die Idee bringt, nicht zu kommen, so ist es bei einer Festrede immer der Fall. „Aller Feiern Zweck ist der Ball!" Und wenn das Entree nicht zu teuer ist, kann man schließlich nichts dagegen haben, wenn auch etwas geredet wird. Und dann klatscht man natürlich Beifall und konstatiert mit Befriedigung, daß der Redner so rücksichtsvoll war, das Tanzen nur um eine halbe Stunde verzögert zu haben. Und jetzt noch schnell ein Flöten Vortrag, eine Rezitation, jung-jüdisch natürlich, und dann die Tische weggeräumt. „Antreten zur Polonäse!" Nein, das ist keine Makkabäerfeier! So wird sie auch nicht ein Neues auftaucht, ist es 10 zu 1 — Jargon. Und den verstehen sie nicht! Und immer dasselbe hören, Unverstandenes und Unverständliches hören, nein, das braucht man auch nicht auf der Makkabäerfeier; dann gehen sie lieber nicht hin. Und so bleibt nichts übrig, als „Das Veilchen am Bach" und „Erste Liebe" oder wenn es schon hochgeht „Die Königin von Saba" und in besonders jüdischen Fällen „Der Prophet" oder gar den „Messias" von Händel — nicht wahr? Nun wollen wir gewiß nicht allen guten Leuten die Festesiust und den jungen die Tanzfreude verderben. Auch unsereins hält ja da gerne mit. Aber es fragt sich, ob wir dazu den Namen der Makkabäer gebrauchen oder mißbrauchen sollen. Wenn man schon so etwas wie eine Tendenz verfolgt, muß man sie auch zeigen, daß aber dieser Sorte Makkabäerfeiern eine agitatorische Kraft innewohnt, nein, das macht mir niemand weis. Durch Tanzen kriegen wir keine Zionisten und durch Singerei gieichgiltiger Lieder auch nicht. Und die Rede, na, die tut es in solchem Ensemble auch nicht. Ich meine: Wo wir auftreten, sollen wir gut auftreten, so daß man merkt, daß wir da sind. Wenn wir schon Feste machen, als Zionisten Feste machen, sollen es auch wirklich zionistische sein. Wo das nicht geht, lassen wir es besser bleiben. Wo wir kein zionistisches Programm zusammenstellen können, sollen wir auch kein anderes nehmen! Wenn wir unsern Mitgliedern einmal ein Fest geben müssen — es ist zwar nicht unbedingt notwendig, auch nicht absolut überflüssig -- geben wir ihnen ein Fest, aber dann soll es auch so heißen. Nennen Sie die Feiern, wie sie sind: Unterhaltungsabend, Festball, wie Sie wollen, meine Herrschaften, aber

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