Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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16 DIE3§JFLT No. 50 büßen würde und die Besitzer der gemeinschaftlichen Shares über die voraussichtliche zukünftige Dividende vermittels des Jewish Colonial Trusts, das heißt ihres Treuhänders, leicht verfügen könnten. Ich erlaube mir daher an die geehrten Leiter der Federationen die ergebene Bitte zu richten, vom vorliegenden Vorschlag den Ortsgruppen und Vertrauensmännern durch Rundschreiben Kenntnis zu geben. Mit bestem Dank und vorzüglicher Hochachtung gez. Prof. Dr. 0. Warburg Vorsitzender der Palästina-Kommission. P. S. Sämtliche Parteiblätter werden um vollinhaltlichen Abdruck der heutigen Mitteilung höflichst gebeten. Die Palästina-Kommission teilt hierdurch den geehrten Gesinnungsgenossen ergebenst mit, daß die Zeitschrift zur wirtschaftlichen Erschließung Palästinas und der Nachbarländer, die bisher unter dem Namen „Altneuland" herausgegeben wurde, mit dem neuen Jahre beginnend den Namen „Palästina" führen und zu einem Organ der im Orient tätigen jüdischen Kolonisationsvereine und Informationsbureaus erweitert werden wird. Die Zeitschrift „Palästina" wird in zwanglosen Heften in Gesamtstärke von ungefähr 20 Druckbogen jährlich erscheinen. Der Bezugspreis wird auf Mark 4.— jährlich (pränumerando) herabgesetzt. ■ Die Abonnenten der „Welt" erhalten „Palästina" zum Vorzugspreise von Mk. 2.50 in Deutschland und Österreich und Mk. 3.— im Ausland. Die Redaktion von „Palästina" wird gleichzeitig die Funktionen einer Auskunftsstelle für den Orient erfüllen. Aufruf an die jiid.-nat» Studentenverbindungen aller Hochschulen Kommilitonen! Im Rahmen der zionistischen Bewegung fällt den jüdischen Studenten, als zukünftigen Trägern und Yerkündern der nationalen Idee, eine große Rolle zu. Auf Jung-Juda ist das Auge aller Welt, die Hoffnung aller Juden gerichtet; ihm, dem Inhaber jugendlicher Kraft und fröhlichen Muts, liegt es vorzüglich ob, den für das jüdische Volk arbeitenden und in langem schwerem Kampfe ermatteten Männern Israels, das Joch tragen zu helfen. Daß die jüdische Studentenschaft diesen mit Recht auf sie gesetzten Erwartungen nicht in jeder Weise entsprach, ist vielleicht nicht gerade in der Ermangelung ihrer Begeisterung für das jüdische Interesse, sondern viel eher in der ungenügend flotten und planmäßigen Organisiertheit zu suchen, in welcher scheinbar die jüdischen Korporationen arbeiten, abgesehen von einigen Kartellen und Reichsverbänden, an dem Aufschwung des jüd.-nat. Gedankens, ganz unabhängig von einander, jede in und für ihre Umgebung, obwohl der Anschluß und die Zusammenschweißung sämtlicher zionistischen Korporationen, schon infolge der Gemeinsamkeit ihrer Interessen, viel sichere, raschere und "hauptsächlich dauerndere Leistungen zu Tage fordern könnte. Von solchen Grundsätzen ausgehend treten wir an euch mit dem Vorschlage eines „Weltbundes aller zionistischen Korporationen", indem wir euch gleichzeitig die von uns zu diesem Zwecke ausgearbeiteten Statuten behufs Genehmigung vorlegen: si 1. Der Weltbund zionistischer Korporationen macht sich die Vereinigung sämtlicher, auf dem Boden desZionismus stehenden ' jüdischen Studentenverbindungen zur Aufgabe. § 2. Der W. B. z. K. hat zum Zweck das gemeinsame Vorgehen aller zionistischen Korporationen in allen den Zionismus und das Judentum angehenden Fragen, und nach Möglichkeit für den Zionismus in akademischen Kreisen Propaganda zu machen. § 3. Als Mittel zur Erreichung des (in § 2) angegebenen Zieles dienen: a) die Einberufung von Konferenzen aus Vertretern aller dem W. B. z. K. angehörenden Korporationen, die sowohl über die Lage der jüdischen Studenten, als auch über allgemeine jüdische Zeitfragen zu beraten haben; b) die Veröffentlichung von Broschüren und Flugschriften; c) die Herausgabe eines, die Interessen des W. B. z. K. verfechtenden, periodisch erscheinenden Organes. § 4. Sämtlichen dem W. B. z. K. zugehörigen Korporationen wird es zur Pflicht gemacht, sich gegenseitig mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen. § 5. Zur Herbeischaffung der erforderlichen Geldmittel dienen die Korporationsbeiträge, welche, je nach der Mitgliederzahl der betreffenden Korporation, proportionell erhoben werden. § 6. Die Leitung des W. B. z. K. liegt in den Händen eines für die Dauer eines Jahres gewählten Vorstandes, bestehend aus Präsidium, Sekretariat und Kassaverwaltung. § 7. Der Leitung steht das Einberufungsrecht der Konferenz zu. § 8. In den Machtbereich der Konferenz fällt: a) Aufstellung der Tagesordnung; b) Wahl der Leitung; c) Beschlußfassung über Aufnahme oder event. Ausschluß von Verbindungen. § 9. Für die Beseitigung event. Streitigkeiten zwischen den zum W. B. z. K. gehörenden Korporationen wird ein ausschließlich zu diesem Behufe gewählter E.-R. (Ehrenrat) eingesetzt. § 10. Die Devise des W. B. z. K. lautet: „Mit vereinter Kraft für Volk und Vaterland." Wir bestehen nicht ausdrücklich auf der Annahme dieser Statuten ohne jede Modifikation, sondern sind gerne bereit, jeglichen Vorschlag, es sei denn, daß er die Erweiterung oder Einengung obiger Statuten bedeute, insofern er den Prinzipien unserer Bestrebungen nicht zuwiderläuft uud sich praktisch ausführen läßt, zu prüfen und nach Gebühr zu berücksichtigen. Wir sind der starken Zuversicht, daß es keine jüdisch-nationale Korporation versäumen wird, diesen unseren Aufruf ihrem Konvente zwecks ernster Durchberatung vorzulegen und uns die darüber gefaßten Beschlüsse oder event. Anträge umgehend mitzuteilen. Mit Kampfesruf und Zionsgruß! Die jüdisch-nationale Studentenverbindung „Kadimah", Bern. Adresse: Bern (Schweiz), Restaurant Schäfer, Kornhausplatz. Ein Verein „Bezalel" in Wien Nach direkter persönlicher Fühlungnahme mit Prof. Schatz, Jerusalem, haben Gesinnungsgenossen einen Verein „Bezalel" in Wien gegründet. Anfragen und Anmeldungen sind an Gg. Adolf Böhm, pr. Adr. Zionistischer Zentral verein, Wien 9, Türkenstraße, zu richten. Österreich Wien. Der theologische Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien veranstaltet Dienstag den 18. Dezember 1. J. im großen Festsaale des Hotel Central (II. Taborstraße 8), seine diesjährige Chanukkahfeier. Ihre gefl. Mitwirkung haben zugesagt u. a.: Herr Oberkantor Bila Gutmann, Herr Oberkantor Mathyäsz Herr Dr. Leo Ascher, Komponist, Herr S. Zimbler, Konzertmeister. Graz. Akadem. Verein „Charitas". Chargenwahlen: Med. Julius Schwarz, Med. Alfred Weiß, Chem. Oskar Reich. Ung. Hradisch, Jüd.-akad. Ferialverbindung „Achiwah" Chargen wählen: Jur. Karl Sonnenfeld, Ing. Hugo Brief, Phil Viktor Braun. Deutschland Köln. Eine Kultuswahl. In Köln finden zur Zeit die Kultuswahlen statt. Bis vor 3 Jahren hatten die „Konservativen" die Mehrheit. Dann kamen auf Grund des Dreiklassenwahlsystems, das die Wähler nach ihrem Gelde wertet, die „Liberalen" zur Herrschaft. An und für sich war der Unterschied nicht groß. Die Liberalen führten natürlich die Orgel ein, sonst waren sie so wenig liberal, wie es all die Jahre vorher die Konservativen gewesen waren, und unter ihrer Verwaltung war das jüdische Gerneindeleben in der Metropole des Rheinlandes ebenso trist und langweilig wie . unter den Konservativen. Nun kam in diesen Tagen wieder die Wahl. Beide Parteien, viel zu bequem, sich die Mühe und Kosten eines Wahlkampfes aufzuladen, waren bereit, sich zu vertragen. Da kan: einigen jungen Zionisten der Gedanke, daß es bei dieser allgemeinen Faulheit für einige Fleißige doch leicht sein müßte, zur Geltung zu kommen, und Leben in die Bude zu bringen. Als die konservative Partei notgedrungen eine Wählerversammlung abhalten mußte, traten sie mit Energie und Geschick auf — und wurden gleich zu Herrschern der Situation. Und sie ließen sich auch nicht abschütteln, trotz mancher Gegenminen und trotz der niederträchtigsten Verrätereien und Intriguen im eigenen konservativen Lager. Und so gelang es ihnen, ohne viel Mühe zwei Kandidaten — die Herren Goldreich und Linz — in der III. Klasse durchzubringen, von denen der eine — Goldreich — sogar — horribile dictu — ein „Ausländer" war. Zwar legten die „Liberalen" Protest ein gegen dessen