Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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No. 50 DIE^ELT 17 Wahl und die Konservativen sehen diesen Protest ganz gerne, aber der wird wenig nützen. Die Wahl ist gesetzlich und sicher. Aber eine kleine Lehre liegt auch in diesem Husarenstückchen. Derartige Erfolge sind auch anderswo möglich, unsere Juden sind auch anderswo bequem. Rütteln wir sie ein wenig auf, und setzen ihnen unsere Vertreter auf die Nase, unserer Feinde Fehler sind unsere Waffen! Berlin. Von Mitgliedern des „Vereins Jüdischer Studenten" (B. J. C.) zu Berlin ist an der hiesigen Universität eine neue jüdische Korporation gegründet worden. Die Korporation führt den Namen: „Verein Jüdischer Studenten Makkabäa". Das Programm des Vereins ist das Kartellprogramm des „Bundes Jüdischer Corporationen"; die Farben sind blau-weiß auf gelbem Grunde. Der Verein, der am 6. d. Mts. vom Rektor und Senat genehmigt worden ist, wird im Januar mit einer Antrittskneipe an die Öffentlichkeit treten. Chargierte sind: jur. Felix RosenblüthX, jur. Julius Rosenfeld XX, F. M., med. Leo Landau XXX, T. W. Die Kneipe befindet sich bis auf weiteres im Lokal des V.J. St., Sipsstraße 12 a. Zuschriften sind zu richten an die Kneipe oder an Felix Rosenblüth, Auguststraße 83. Königsberg i. Pr. Arn 24. November feierte der „Verein Jüdischer Studenten" zugleich mit seinem Semesterantrittsabend die Einweihung seines neuen Hauses. Der über Erwarten glänzende Verlauf dieser Feier legte beredtes Zeugnis davon ab, daß es dem Vereine in der kurzen Zeit seines Bestehens in zielbewußter Tätigkeit gelungen ist, sich zum Mittelpunkt der bewußt jüdischen Kreise Königsbergs zu machen. Die jüdischen Vereine, die Zionistische Ortsgruppe, der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur", deren Vorträge und Versammlungen in Zukunft im Vereinskasino stattfinden werden, waren durch ihre Vorstände vertreten. Die Zionistische Vereinigung ehrte den „V. J. St." durch die Widmung von 10 Ölbäumen. Als Vertreter der Repräsentanz sprach Herr Stadtverordneter Max Arendt. Für den V. J. St. gewann der Einweihungskommers seine besondere Bedeutung dadurch, daß zum ersten Male Vertreter der Bundesvereine in unserer Mitte weilten und Zeugnis ablegten von dem festen Zusammenhalten aller Vereine jüdischer Studenten. Im Namen des Bundes sprach Assessor Dr. Dobrzynski; den Stammverein Berlin' vertrat Dr. Salinger, den neugegründeten Verein „Makkabäa" Bbr. Rosenblüth. In der Tendenzrede entwarf Rabbiner Dr. Perl es in beeisternden Worten ein Bild von den Leistungen und Aufgaben des . ereins Jüdischer Studenten. — Chargierte sind in diesem Semester: cand. jur. Klewansky x»xx, stud. med. Ivar Weißbrem xx'X» caridiur- Blumenfeld F. M. Durch die tatkräftige Unterstützung der maßgebenden Kreise ist es uns gelungen, das jüdische Haus zu schaffen, das einen Mittelpunkt jüdischen Geisteslebens in Königsberg bilden soll. Für das studentische Herzldenkmal sind ferner eingelaufen: Baruch Kahane, Wien................ 5.— David Wolffsohn, Köln, Mk. 50............ 58.76 Eine Zionistin, Wischan............... 5.— „Zephira", Czernowitz................ 10.— „Theologischer Verein", Wien ............ 10.— Sammelbogen Nr. 82, Ludwig Meilich, „Unitas", Wien —.42 Sammelbogen Nr. 84, Moriz Tischler, „Unitas", Wien 6.— Sammelbogen Nr. 98, Dr. Abraham Gumprich, Dr. Wahrhaftig, Henryk Lorie ä Kr. 2, David Spindel, Dr. Goldwasser, Katz, Dr. Zygmund Vogler, Filip Goldwasser, Jakob Schlachet, Dr. Groß ä Kr. 1 .....Summa 11.— Gesamtsumme Kr. 106.18 Studentenkomitee zur Errichtung eines Herzldenkmals in Moza bei Jerusalem.. o° NACHRICHTEN X °°° n—^sl Ssy^_J Ein Pogrom in Odessa Wie uns telegraphisch berichtet wird, fand in Odessa am Sonntag ein Anfall des Schwarzen Hundert, in deren Reihen sich auch Qymnasialschüler (!) befanden, auf jüdische Läden statt. Es gab viele Verwundete. Juden in der Partei der friedlichen Erneuerung? Das Zentralkomitee des „Vereins für jüdische Gleichberechtigung" sandte an alle Zeitungen und Abteilungen des Vereins die folgende Mitteilung: „In der ausländischen Presse erschien die Nachricht, daß alle russischen Juden sich angesichts der nahenden Wahlen der Partei der friedlichen Erneuerung anschließen. Das Zentralkomitee des Vereins für jüdische Gleichberechtigung, welches in den unmittelbarsten Beziehungen zu der jüdischen Wahlbewegung steht, erklärt, daß diese Nachricht vollständig falsch ist. Die Vereinigung der Juden mit der Partei der friedlichen Erneuerung wäre ein Widerspruch gegen die Resolutionen der Vereinskonferenzen und eine Verengerung der jüdischen Interessen. Die Schwankungen, welche die hervorragendsten Vertreter der Partei der friedlichen Erneuerung bei der Behandlung der Judenfrage gezeigt haben, entsprechen weder der Wichtigkeit der Frage, noch dem Niveau des russischen Judentums, welches schon seit langem die Überzeugung gewann, daß die jüdische Gleichberechtigung nicht auf dem Wege der Kompromisse erreicht werden kann, und daß beim Kampfe um die jüdische Gleichberechtigung eine Opposition gegen alle Unternehmungen der Regierung, gegen die Prinzipien der bürgerlichen Gleichheit und politischen Freiheit erforderlich ist. Die Judenfrage auf der Konferenz der Vertreter des russischen Adels Auf der letzten Sitzung der Konferenz hat der Vertreter des Adels vom Gouvernement Tambow ein Expose über die Judenfrage vorgelegt. Er hat vorgeschlagen, daß man eine Kommission wählen soll, welche ein Gesetzprojekt zur Lösung der Judenfrage ausarbeiten soll. Im Expose wird darauf hingewiesen, daß die Gärung unter den Bauern nur durch die Agitation der jüdischen Partei „Der Bund" hervorgerufen wurde. „Das sind die Ursachen, weswegen wir die jüdische Gleichberechtigung nicht zulassen können, denn es wäre ein Verrat gegen die Integrität und den Wohlstand unseres Vaterlandes", sagte der echt-russische Patriot Herr Blank. Weiter machte der Referent den Vorschlag, daß man sich an die Regierung wenden soll, um die Juden auf Grund des § 87 der Gesetzgebung zur gesetzgebenden Arbeit nicht zuzulassen. Dieser Vorschlag des Herrn Blank wurde prinzipiell angenommen, doch sprach sich die Versammlung dafür aus, daß die Judenfrage nur auf gesetzgebendem Wege, d. h. durch die Reichsduma gelöst werden kann. Behandlung von Emigranten in Preußen. Das Berliner „Zentralbureau für Auswanderungsangelegenheiten" teilt mit: Durch die Tageszeitungen ging die Nachricht, daß in Preußen neue Erschwerungen für den Durchzug russischer Emigranten durch ministerielle Verordnungen eingeführt worden seien. Diese Nachricht entspricht nicht den Tatsachen. Andere Durchzugserschwerungen als in den früheren Ausgaben unseres Korrespondenzblattes (vergleiche Jahrgang I, No. 3, 4, 5) enthalten sind, sind nicht erlassen worden. Dagegen scheinen die Grenzbehörden darauf hingewiesen worden zu sein, mehr als bisher darauf zu achten, daß nicht mittel- und paßlose Russen sich in Preußen seßhaft machen. Ein Berliner Bureau verbreitet in russischen und polnischen Blättern die Nachricht, daß der Bade- und Desinfektionszwang für russische Auswanderer an der preußisch-russischen Grenze aufgehoben sei. Diese Nachricht entspricht bis jetzt nicht den Tatsachen. Richtig ist dagegen, daß die Schiffahrtsgesellschaften in dankenswerter Weise um Aufhebung des Bade- und Desinfektionszwanges bei der preußischen Regierung eingekommen sind, und es steht zu erwarten, daß die Aufhebung durchgesetzt wird. Wir betonen aber, um Auswanderer vor Weitläufigkeiten zu schützen, daß dies bis jejj^noch nicht geschehen ist. Mit dem Wegfall des Erfordernisses, daß russische Auswanderer an der preußischen Grenze gebadet werden und ihr Gepäck desinfiziert werden muß, tritt eine erhebliche Erleichterung des Grenzüberganges ein, aber es fallen natürlich nicht, wie in russischen Zeitungen zu lesen war, die' übrigen Durchzugserschwerungen weg, wie die Bestimmungen über die Schiffskarten, die Geldmittel und den Gesundheitszustand. Die russischen Auswanderer müßten nach wie vor die Stationen aufsuchen, um auf diese Verhältnisse hin geprüft zu werden. Infolge der ausführlichen Berichterstattung über die HL allrussische Zionistenkonferenz und des größeren Um« fanges des Nation alfonds=Ausweises mußten einzelne Ein Sendungen zurückgelegt werden.