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Die Welt · 1906-12-14 · 50 (14.12.1906) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
50 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE ELT No. 50 Itzkawitsch ist vom Bericht des Z.-B. nicht befriedigt, da er kein genügendes Tatsachenmaterial enthält. Es ist u. a. nicht einmal mit einem Worte die zionistische Versammlung, die vor einigen Monaten in Odessa tagte, erwähnt worden. Wie kann man denn eine solche Versammlung, die zur Erhaltung der Energien der Partei soviel beigetragen hat, verschweigen? Das Z.-B. kennt offenbar nicht genau die Lage. Man dürfe nicht die geänderte Situation vergessen. Der Minsker Kongreß war die Zeit der Poesie, — jetzt wollen wir nicht eingelullt werden und uns nicht herausputzen, sind ernst genug und kennen unsere Verantwortung. Wir müssen unsere Leiden und Gebreste aufdecken. Ich fordere eine Antwort vom Präsidium, warum es einen Bericht über den Zustand in Rußland nicht unterbreitet hat. Nicht mit Kleinigkeiten und Plänen soll man zu uns kommen. Die Konferenz soll alles, was in den Organisationen vorgeht, aufdecken. Dr. Tschlenow gibt Aufklärungen wegen der Abwesenheit vieler russischer Mitglieder des A. C. Sieben sind im Auslande zwei haben abgesagt, von zweien ist keine Antwort eingelaufen, drei sind hier, drei kommen morgen, Rosenbaum ist krank, Temkin ist noch zu erwarten. Grünbaum berichtet zur Klärung der Frage über die Tätigkeit der polnischen Bureaus. Das Bureau in Polen hat nie die Informationszirkulare direkt von der Kölner Zentrale bekommen. Man muß damit die Tätigkeit der Mitglieder des A. C. von der des Bureaus unterscheiden. Es ist Schuld des Aufbaues der Gesamtorganisation, daß das Z.-B. in Wilna nur eine Kanzlei ist. Der Zionismus muß wie jede Partei ein Organ haben, das sie leiten soll. In Odessa hat man einen großen Fehler gemacht, und zwar weil man die Organisationsfragen über die Programmfragen stellte. Man muß zuerst wissen, wohin man geht. Wir müssen unsere Gegenwartsarbeit in Palästina und im Lande präzisieren. Machet aus einem Konglomerate von Personen eine Partei, und wir werden eine dominierende Partei im Judentum werden. Dr. Pasmanik: Wohl zum erstenmal hören wir solche Kritik der Leitung. Aber wir müssen die Sache von anderem Standpunkte aus beurteilen. Wir müssen die zionistischen Erscheinungen in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhange betrachten. Das Kritische in unserer Situation geht viel tiefer, als manche glauben. Es wird von den allgemeinen Ursachen des jüdischen und des allgemeinrussischen Lebens bedingt. .Der Zionismus ist keine Partei, er ist das Volk. Und wir sehen nun zwei Strömungen in ihm um die Herrschaft streiten. Die eine ist die rein territoriale, die nur die Staatsbildung in Palästina als Ziel hat, die andere betrachtet den Zionismus als eine Evolution des Judentums, als ein Resultat der Energiensammlung des jüdischen Volkes. Aber weder die eine noch die andere Strömung wird das Feld behaupten. Ich bin überzeugt, daß der gegenwärtige kritische Zustand durch die Synthese beider Gegensätze überwunden werden wird. . . . Die Lebensbedingungen bringen auch manchen inneren Kampf mit sich. Wir wollen oft revolutionärer sein, als die Revolutionäre; das Bureau der zionistischen Organisation in Polen z. B. hat eine Disziplinlosigkeit begangen, als es entgegen den Beschlüssen des Z.-B. die Wahlen für die erste Duma boykottierte. Nicht um Personen soll es sich uns handeln. Personen kann man beseitigen. Wir müssen eine Synthese der Prinzipien schaffen! .... Nachdem noch einige andere Redner gesprochen haben, und nach dem Schlußwort B. Goldbergs, der u. a. auf die Frage der Nichterwähnung der Odessaer Konferenz einging und darauf hinwies, daß diese einem von der Konferenz der russischen Rayonvorsteher, die bei der Jahreskonferenz in Cöln zugegen waren, angenommenen Beschlüsse zuwiderlaufe und darum eine Disziplinwidrigkeit sei, ergriff Dr. Tschlenow das Wort zur Aufklärung der Frage über die Uneinigkeit im engeren A. C. Das engere A. C. leide darunter, daß es aus heterogenen Elementen besteht. Aber es sei absolut nicht richtig, daß unter manchen russischen Rayoavorstehern persönliche Reibereien Platz haben. Jeder dient bloß der Bewegung nach seinen Kräften und seinem Verstände. Er wolle nicht alles in Rosafarben malen. Wir dürfen aber auch die Gegensätze nicht zuspitzen. Was den Brief Kremenezkys betrifft, könne gegen das von ihm aufgestellte Prinzip, wie der N.-F. zu verwalten sei, nichts eingewendet werden; wohl aber sei die Form des Kremenezkyschen Briefes taktlos gewesen. Der größte Teil der N.-F.-Gelder müsse in Grundstücken angelegt werden. Daß dies nicht geschieht, daran sei seiner Meinung nach nicht der Widerstand des engeren A. C, sondern die mangelhafte Ausrüstung der Palästinakommission schuld. Wir müssen uns hüten, schließt Redner, einander zu verdächtigen. Wir brauchen gegenseitige Toleranz und Kollegialität. Darauf wird eine Formel des Übergangs zur Tagesordnung, unter Gutheißung des Berichtes .und Dankes an das Z.-B., angenommen. SCHLUSS DES ERSTEN TAGES Nach telegraphischen Nachrichten, die uns zugingen, betrafen die wichtigsten Beschlüsse der Konferenz die Organisations-und Palästinaarbeit-Frage. Das Zentralbureau verbleibt in Wilna und wurde mit wesentlichen Vollmachten ausgestattet. In der Frage der praktischen Arbeit in Palästina wurde prinzipiell die nachdrücklichste Unterstützung einer Reihe von der Palästina-Kommission vorgeschlagenen Unternehmungen beschlossen. □!□ ^Oo »s€ Dor KORRESPONDENZEN 0 0 0^qp # sQ;?oQD (Diese Rubrik, für die die Redaktion nicht die Verantwortung trägt, ist, wie wir wiederholt bemerken, Zuschriften aus dem Leserkreise und freiem Meinungsaustausch offen.) Zur Abänderung des Organisationsstatuts Die Flut der Vorschläge zur Abänderung unseres Organisationsstatuts hat sich etwas gelegt, und es ist so die Möglichkeit und Muße gegeben, die Fülle der Anträge und Meinungen Revue passieren zu lassen und zu sichten, was Schätzbares in ihnen enthalten war. Und da ergibt sich, daß alle Vorschläge lediglich bis zum Schekel gegangen sind, daß alle Diskussionen sich ausschließlich at^f die Art der Organisation (und zwar hauptsächlich hinsichtlich der finanziellen Seite der Bewegung) beschränken. Ich glaube nicht, daß damit die Frage der Abänderung unseres Statutes erschöpft ist. Ich bin der Ansicht, daß es noch mehr und vielleicht auch noch wichtigere Punkte gibt, in denen unsere Verfassung entweder mangelhaft angelegt ist oder aber schlecht funktioniert. Jedenfalls ergibt die kritische Prüfung der bisher vorgebrachten Meinungen, daß offenbar die Handhabung der Beitragsleistung zur Organisation nicht einwandfrei geübt wird und daß in weiten Kreisen die Organisation des Schekels als nicht vollständig geglückt angesehen wird. Mir scheint aber, daß diese Frage nicht gesondert von den allgemeinen Fragen der Organisation behandelt werden kann, daß ebenso, wie es notwendig ist, daß das Statut sich auf einem gemeinsamen einheitlichen Grundgedanken aufbaut und sich in bestimmter Richtung bewegt, daß so auch die Kritik und die Vorschläge zur Reorganisation das Statut als ein Ganzes betrachten müssen und nicht Einzelforderungen aufstellen dürfen, die mit anderen Punkten des bisher geltenden Statuts in Widerspruch stehen oder auf sie nicht Rücksicht nehmen. Im folgenden soll versucht werden, an Hand dieser Erwägungen Vorschläge zur allgemeinen Reform des Organisationsstatuts zu machen. Zunächst ergibt sich da, daß das bisherige Statut schon eine ganze Reihe der Vorschläge enthält, die von den verschiedenen Einsendern als grundlegende Neuerung vorgetragen worden sind. Es ergibt sich aber weiter, daß diese Bestimmungen teilweise oder gar nicht mehr beobachtet werden, und hierin ist nicht zum wenigsten der Grund für die Auffassung zu suchen, die das bisherige Statut als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet. Aber davor kann schließlich das beste Statut nicht bewahren, daß seine klaren Bestimmungen nicht erfüllt werden. Das hängt ausschließlich von dem Eifer und der Disziplin der Gesinnungsgenossen ab. Trotzdem ist in gewisser Beziehung auch das heute giltige Organisationsstatut dafür verantwortlich zu machen, daß seine grundlegenden Bestimmungen in Vergessenheit geraten sind, deshalb, weil einmal seine Vorschriften nicht immer so gefaßt sind, daß sie ohne weiteres als unbedingt verbindlich angesehen werden müssen, dann aber auch, weil das Statut keinerlei Vorsorge getroffen hat, eine Durchkreuzung seiner Bestimmungen durch die Vorschriften von Unterorganisationen zu verhindern und die Beobachtung seiner Satzungen zu erzwingen. Ein Schulbeispiel für diese meine Be-

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