Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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10 DIEX^ELT No. 50 dem Zentralbureau sind nicht einmal die nötigen Adressen zur Führung des Briefwechsels zur Verfügung gestellt worden. Unter solchen Umständen konnte natürlich die agitatorische Tätigkeit des Zentralbureaus nicht viel ausrichten. Es waren außerordentliche Maßnahmen nötig. Als solche erschienen dem Z.-B. die Einberufung einer großen Delegiertenversammlung in Rußland, die Entsendung einer Reihe von Organisatoren und Agitatoren, die nach einem einheitlich ausgearbeiteten Plane agitieren sollten, und endlich die Legalisierung der Organisation. Die Einberufung der Konferenz in Rußland selbst stellte sich bald als eine unüberwindliche Schwierigkeit heraus. Auch die Legalisation der Partei konnte nicht vorgenommen werden. Die Mitglieder des Z.-B. hielten eine Beratung mit den besten Rechtsanwälten unserer Organisation, und es erwies sich, daß der internationale Charakter unserer Organisation kaum in die Rahmen des russischen Rechtes hineinpaßt, und daß die Legalisierung der Partei nur durch Änderungen unserer Organisationsstatuten1, die das Z.-B. nicht verantworten konnte, möglich sei. Auch prinzipiell fand die Frage der Legalisation keine einmütige Zustimmung. Deshalb wurde beschlossen, die grundsätzliche Lösung der Frage der Konferenz zu überlassen. Das Z.-B. begnügte sich damit, den einzelnen Vereinen zu raten, sich legalisieren zu lassen. Manchen gelang es auch. So existierten legalisierte Vereine in Odessa und Petersburg. Auch die Statuten des Minsker Zionistenvereins sind zur Registrierung eingereicht worden. Es blieb somit das letzte Mittel — die ausgedehnte mündliche Agitation. Man dachte an die Einberufung einer speziellen Organisation der Agitatoren, an der zwei Mitglieder des Z.-B. teilnehmen sollten, um eine einheitliche Instruktion für die Agitation auszuarbeiten. Aber infolge der mangelnden Unterstützung seitens der in Betracht kommenden Personen, wie auch des engeren A. C. mußte dieser Plan aufgegeben werden. Das Z.-B. hält die Agitationsfrage für eine der wichtigsten und macht die Konferenz aufmerksam auf diesen Mangel unserer Organisation. Über Auftrag des Z.-B. machten Agitationstournees folgende Herren: Sch. Lewin, Babkow, Bernholz, L. Berger, Bregman, J. Brutzkus, Schabotinsky, Seidenmann, Karon, Pasmanik und Taneiser. Wenn die mündliche Agitation mangels einer größeren Zahl geeigneter rednerischer und organisatorischer Kräfte keine großen Erfolge zeitigen konnte, so war die schriftliche Agitation* des Z.-B. sehr erfolgreich. Das Z.-B. verbreitete gegen zehn Zirkulare in hebräischer Sprache und im Jargon — in einer Anzahl von 450000 Exemplaren. Diese Zirkulare fanden Anklang bei den Vereinen, wurden auch in der Presse sehr beachtet und nachgedruckt. Der Umfang der Korrespondenz war groß, was durch folgende Zahlen nachgewiesen werden kann: Es liefen beim Z.-B. von Vereinen und Privatpersonen 4500 Briefe ein, abgeschickt wurden über 4000 Briefe und 4000 eingeschriebene Briefe und Sendungen. Außer den Zirkularen an die Vereine verschickte das Z.-B. im Laufe des Jahres über 16 umfangreiche informative Zirkulare speziell für die Rayonsvorsteher. Leider reagierten von den 16 Mitgliedern des großen A. C. und den zwei Mitgliedern des engeren A. ,C. auf die Zirkulare nur fünf Herren (Tschlenow, Ussischkin, Sapir, M, Rabinowitsch und Idelson). Manche aber ließen von sich überhaupt nichts hören und man merkte im Laufe des Jahres nichts von ihrer Tätigkeit. Noch mehr -als das — aus den beiden Städten, wo Rayonsvorsteher wohnen, aus Kiew und Jekaterinoslaw, lief kein einzelner Schekel für das IX. Kongreß jähr ein. Das Z.-B. stand ferner in lebhaftem Briefwechsel mit dem Zentrum in Köln, mit der Palästinakommission, mit der Kolonialfbank, mit den Instituten in Jaffa und den hervorragenden Zionisten. Es wurden 386 Tausend Exemplare von „Flugschriften" betreffend den Schekel, den Nationalfonds, den Schekeltag usw. verbreitet, was einem wirklich vorhandenen Bedürfnis entsprach. Davon waren 261 V 2 Tausend in hebräischer gprache und im Jargon und 125000 in russischer Sprache. Darunter waren Schekelaufrufe 200000, Aufrufe wegen des N. F. 180500. Außerdem gab das Z.-B. das Referat Prof. Warburgs über die Arbeit in Palästina in Jargonübertragung — 5200 Exemplare, die Broschüre: Informationen über Palästina vom Jaffaer Bureau — 5000 Exemplare, Summa — 445000 Exemplare heraus. Aber der Zionismus ist schon über die Zeit hinaus, wo man sich mit. solcher „Flugblattliteratur" begnügen konnte. Der zionistische Gedanke wird jetzt immer mehr vertieft, die Zionisten verlangen eine klare Antwort auf viele theoretische, oft sehr komplizierte und abstrakte Fragen. Der Mangel an geeigneter geistiger Nahrung droht dieses Streben nach Vertiefung in eine fruchtlose geistige Gymnastik zu verwandeln. Angesichts dessen stellte sich das Z.-B. zur Aufgabe, eine gute Monographie-Literatur und eine ernste Presse ins Leben zu rufen. Zu diesem Behuf sind folgende Preise ausgeschrieben worden : 1. Ein Preis von 300 Rubel für eine Arbeit über die nationalpolitischen Bewegungen im XIX. Jahrhundert, und zwar: a) die Grundmomente der Geschichte der politisch-nationalen Renaissance der geknechteten Nationalitäten, b) die Charakteristik des Befreiungsprozesses der Völker, die ihre Selbständigkeit noch nicht erlangt haben. 2. Ein Preis von 150 Rubel für das Thema: Die nationalen Fonds bei verschiedenen Völkern, die keine politische Selbständigkeit haben. Wesen und Bedeutung dieser Fonds. Leider hatte bisher trotz der verschiedentlichen Mahnungen und Schritte des Z.-B. das Preisausschreiben keinen Erfolg, da keine Arbeit eingegangen ist. Dafür wird bald eine vom Z.-B. bei einem Fachkenner in Konstantinopel bestellte Arbeit über die Autonomie der Nationalitäten in der Türkei fertiggestellt und publiziert werden. In der Preßfrage entschied sich das Zentralbureau für die Gründung eines freien nichtoffiziellen Organs, das durch die Zeitung „Das jüdische Volk", die von Dr. J. Lurje redigiert wird, repräsentiert ist; gleichzeitig hat man gewisse Schritte unternommen zur Gründung einer zionistischen Wochenschrift in hebräischer Sprache in Palästina und schritt an die Herausgabe einer zionistischen Monatsschrift in Odessa. Das Z.-B. subsidierte auch die bereits bestehenden „Ewrejskaja Mysl" und „Zion" und erwarb einen Anteil der „Ewrejskaja Schisnj". Die Frage der Regelung der zionistischen Presse muß der Konferenz überlassen werden. Außerdem gründete das Z.-B. eine kleine Buchhandlung, woher die Vereine die zionistische Literatur beziehen können. Die Tätigkeit des Zentralbureaus setzte gerade in einem Augenblicke ein, wo die reale Arbeit in Palästina als dringende Notwendigkeit anerkannt wurde. Da diese Arbeit dem engeren A. C. und der Palästinakommission obliegt und das Z.-B. hier keine eigene Tätigkeit zu entfalten hat, so mußte sich die Arbeit des Z.-B. höchstens auf die Propaganda in dieser Richtung reduzieren. Diese Propaganda ist jedoch beinahe überflüssig gemacht durch die allgemeine Stimmung der Zionisten in Rußland, wie auch der meisten Zionisten des Westens für die praktische Palästinaarbeit. Aber das Z.-B. hatte die Aufgabe, angesichts der immer anschwellenden Emigration von Arbeitern wie auch Kleinkapitalisten nach Palästina Informationen über die Lebensbedingungen und die Industrie in Palästina und in den Nachbarländern zu liefern. Aus diesem Grunde entsandte das Z.-B. das Mitglied des großen A. C. Herrn M. Scheinkin nach einigen größeren Zentren des nahen Ostens zwecks näherer Erforschung ihrer Zweckmäßigkeit für die Einwanderung, hauptsächlich aber zwecks der Gründung permanenter Komitees daselbst, denen man die informative Arbeit wie auch die Pflicht, den ankommenden Einwanderern an die Hand zu gehen, auferlegen könnte. Die Resultate der Tätigkeit des Herrn Scheinkin werden der Konferenz vorgelegt werden. Dann bewilligte das Z.-B. eine Unterstützung dem von Herrn S. Gordon in Jaffa aus eigener Initiative gegründeten Informationsbureau, aus dem in der Folge ein großes Informationsbureau mit Filialen in Jerusalem, Haifa usw. erwuchs. 1000 Rubel sind für die armen Emigranten, die aus den Pogromgegenden gekommen sind, gespendet worden. Ebenso wurde der jungen Arbeiterorganisation in Palästina eine kleine Subsidie gewährt. Es wirc die Gründung des Kleinkredits und ähnlicher Anstalten geplant, für weiches Ziel das Z.-B. spezielle Summen zu seiner Verfügung hat Das Z.-B. betrachtet als eine der wichtigsten Arbeiten ir Palästina die Förderung des in Palästina entstandenen Verein? jüdischer Schriftsteller, die auf sich die verlockende und mutigt Aufgabe nehmen, eine literarische Tribüne in Palästina zu gründen Die palästinensischen Schriftsteller denken zuerst an die Herausgab« des Jahrbuchs „Hoomer", der ein wichtiger Beitrag zur. hebräische^ Literatur des neuen Palästinas zu werden verspricht. Über Auftrag des Z.-B. befaßt sich eine Kommission der palästinensischen Schrift steller mit der Frage einer Wochenschrift in Palästina, und es bega! sich Herr Ludvipol dahin zur Erforschung der technischen Be dingungen der Wochenschrift und seiner eventuellen Auf nah m-.- unter den Juden des Orients. Das Z.-B. machte auch indirekt das engere A. C. und d. Palästinakommission auf die wesentlichen Fragen der praktischer. Arbeit in Palästina aufmerksam. So ist dank dem Z.-B. das Interesse für das Projekt der Agrarbank, das nach der Jahreskonferenz in Köln ganz verschollen ist, wieder wachgerufen, und die Einsetzung einer Kommission zum Studium der Frage beim engeren A. C. angeregt, um dem nächsten Kongreß einen ernsten, durchgearbeiteten Plan der Organisation des Bodenkredits in Palästina vorlegen zu können. Das Z.-B. machte die Palästinakommission gleichzeitig auf die Frage der Verpachtung des Nationalfondsbodens zu billigen Bedingungen an die armen Einwanderer aufmerksam und legte Protest gegen die Verpachtung der Nationalfondsländereien an die Araber ein.