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Die Welt · 1906-12-14 · 50 (14.12.1906) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
50 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 50 - DIEMKE LT — 7 der Hasmonäer wallt durch uns. Unsere Brüder leiden. Wi? Ich begehre nicht meines Lebens zu schonen in wollen nicht ferne stehen. Wie klingt uns das Wort Simons, des dieser Trübsal. Denn ich bin nicht besser als meine Makkabäers, so frisch und jung: Brüder. Und begehre nicht, es besser zu haben denn sie. Spezialbericht über die III. Allrussische Zionistenkonferenz in Helsingfors I. TAG Dienstag den 4. Dezember wurde unter Teilnahme von 80 Delegierten aus den verschiedenen Gegenden Rußlands im Hotel Kaleva in Helsingfors die III. Allrussische Zionistenkonferenz eröffnet. Die verhältnismäßig geringe Anzahl der Delegierten ist die Folge der allzugroßen Entfernung der Hauptstadt Finnlands vom jüdischen Ansiedlungsrayon. Man vermißte die altgewohnten Gesichter mancher Führer der zionistischen Partei. So entschuldigten sich die Herren Ussischkin, Rosenbaum, Ternkin, Kohan-Bernstein u. a. Um 11 Uhr vormittags eröffnete Herr B. Goldberg im Namen des Zentralbureaus der Zionisten Rußlands die Konferenz. Eröffuungsrede B. Goldbergs Im Auftrage des Zentralbureaus der zionistischen Organisation in Rußland erkläre ich die dritte Delegiertenkonferenz der Zionisten Rußlands für eröffnet. Die Notwendigkeit der Einberufung von periodischen Delegiertenkonferenzen zwecks Besprechung der Programmpunkte, Erörterung der Taktik und der Berichterstattung über die Tätigkeit der Partei wird von allen regelmäßig funktionierenden Organisationen anerkannt. Die Bedingungen der russischen Wirklichkeit haben es jedoch mit sich gebracht, daß es uns nur in seltenen Fällen gelingen konnte. Die Delegiertenkonferenzen sind durch die Konferenzen, die vor und nach den Kongressen stattfänden, ersetzt worden, aber am 7. Kongreß ist infolge des unglückseligen Uganda-Konfliktes die Konferenz nicht zustande gekommen, obwohl man gerade damals auf solch große historische Erscheinungen wie die russische Befreiungsbewegung und die Teilnahme an der Schaffung neuer Formen des russischen Lebens reagieren mußte. Nach dem Kongreß bildete sich das Zentralbureau in Wilna, und dieses nahm nunmehr seinerseits die Frage der Einberufung der Konferenz auf, aber der Sturm der Revolution, die blutigen Ereignisse in Rußland, die Teilnahme *an der Wahlkampagne für die erste Reichsduma ließen diesen Wunsch nicht zur Tat werden. Erst auf der Konferenz in Köln wurde von den russischen A. C.-Mitgliedern beschlossen, ohne Rücksicht auf die Ereignisse eine Delegiertenkonferenz in einer der Zentren des jüdischen Ansiedlungsrayons, wo das jüdische Leben pulsiert, einzuberufen. Aber im „konstitutionellen" Rußland ist noch die Zeit nicht dafür*gekommen, und wir waren gezwungen, uns im fernen Norden, in der Hauptstadt Finnlands, zu versammeln. Und auch auf dem letzten Durchgangspunkte nach dem gastlichen Helsingfors, nämlich in Petersburg, mußten manche von uns durch das Fegefeuer der Petersburger Polizeigebäude wandeln. Meine Freunde! In der Tatsache, daß wir aus dem fernen Süden vom Schicksal nach dem weiten Norden gebracht worden sind, liegt ein Symbol. Das Schicksal wollte uns klar zeigen, was ein kleines Volk, das fest und unerschütterlich um seine Freiheit und Unabhängigkeit kämpft, erlangen kann. Möge das Beispiel des finnischen Volkes Ihnen als Muster dienen, wie in Momenten, wo dem ganzen Volke eine Gefahr droht, alle privaten, Klassen- und Parteidifferenzen bei Seite gelegt werden müssen, und wie das ganze Volk wie ein Ganzes für die allgemeine Sache kämpfen muß. Nach dieser kurzen Begrüßung schlägt Herr Goldberg im Auftrage des Organisationsbureans Dr. E. Tschlenow (Beifall) als Vorsitzenden, die Herren N. Davidson und S. Weißen berg als zweite Vorsitzende, die Herren C. Jaffe, Klebanow, Hartglas und Trivus als Schriftführer, vor. (Beifall.) Nachdem das Präsidium konstituiert war, ergriff Dr.E.Tschle now das Wort zu seiner Rede' über die Aufgabe der Konferenz. Dr. Tschlenows Rede Wir eröffnen unsere Konferenz in einem Lande, das in der letzten Zeit ein Asyl für alle diejenigen wurde, die für eine bessere Zukunft der Völker Rußlands kämpfen. Wegen der weiten Ferne, in der wir beraten müssen, mußten wir auf eine größere Zahl von Teilnehmern verzichten. Wir bedauern es. Aber die Annäherung an das edle Volk, das uns gastlich aufnahm, wird uns vielleicht von großem Nutzen sein. Sie wird uns zeigen, wie man zähe, fest und dennoch gemäßigt zur Freiheit und Unabhängigkeit streben muß. Sie wird uns anschaulich zeigen, daß jeder noch so kleine Teil der Menschheit berechtigt ist, inmitten des Kampfes für die Allgemeinheit, mit besonderer Intensität seine eigenen Interessen zu verteidigen. Diese unsere Konferenz ist die dritte allrussische Zionistenkonferenz. Sie fällt mit dem zehnjährigen Jubiläum der Schrift, die schon durch ihren Namen die Aufmerksamkeit der ganzen jüdischen Welt gefesselt hatte, zusammen. Die Jahre, die seitdem verflossen sind, waren reich an Entwicklungsmomenten, und vor einem solchen wichtigen Momente, der vielleicht ein neues Stadium unserer Bewegung inaugurieren wird, stehen . wir jetzt. Die Neulinge in unserer Partei sprechen von einem alten und einem neuen Zionismus. Aber dieser Unterschied besteht jn der Wirklichkeit nicht. Die Entwicklung, die der Zionismus durchgemacht hat, ist nur die Abwicklung der vier Grundprobleme, die in dem inhaltsreichen und vielumfassenden Baseler Programm gelegen waren, und deren Synthetisierung. Ich werde nur in kurzen Umrissen die Entwicklungsmoniente unserer Organisation zeichnen. Es wird allen, die noch vor der Entstehung des politischen Zionismus für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes gekämpft haben, erinnerlich sein, welche Stimmung zur Zeit der Erscheinung des „Judenstaates" geherrscht hat. Wir aber standen unter dein schweren Eindruck des Verbotes vom Jahre 1891, das auf unsere Reihen eine desorganisierende Wirkung ausgeübt hat. Nicht etwa, daß unser Glaube an die Lebensnotwendigkeit unserer Sache erschüttert wurde. Aber die momentane Desorganisation war damals sehr nachhaltig. Alle, die nach einem neuen Worte sehnten, zerstreuten sich. Alle erwarteten dieses neue Wort und wußten nicht, woher es kommen werde. Es kam aus Paris, dieser Weltstadt, die dem Jüdischen ganz fremd gegenübersteht. Dort entstand und formte sich die Idee, die alle Juden vereinen, die Sympathien der Nichtjuden gewinnen sollte. Diese Idee war die, daß die Judenfrage eine Weltfrage, eine internationale Frage, der Judenstaat eine internationale Notwendigkeit sei, vom Leben selbst hervorgerufen, vom Leben realisiert werden müsse. Die Pflicht des jüdischen Volkes sei nur die historische Entwicklung zu beschleunigen und zu erleichtern* Sie wissen, mit welchem Zweifel, mit welchem Spotte von vielen dieser erste Ruf entgegengenommen wurde. Aber er hat zugleich einen mächtigen Widerhall gefunden. Der erste Kongreß war eine ganz neue Erscheinung. Der Ruf, der von dort ausging, weckte die alten, schlummernden Kräfte, rief neue ins Leben, zum Kampf. In diese Periode des Frühlings, des mächtigen Auf Schießens des politischen Zionismus fiel diel.allrussischeZionistenkonferenz in Warschau. Ich werde nur auf einige Momente dieser, vielen von uns noch erinnerlichen Konferenz hinweisen. Wir, die nach Warschau gekommen sind, waren durch ein Streben verbunden, aber noch nicht geeinigt und einheitlich gesinnt. Es waren unter,, uns die Chowewe-Zion vom alten Schlag, die jede politische Arbeit verneinten, und nur die Kolonisation anerkannten, diplomatische Zionisten, die in ihrer Begeisterung alles, was nicht mit diplomatischen Unterhandlungen und der Sicherung der öffentlich-rechtlichen Garantien erreicht wurde, leugneten, und endlich die Achad-Haamisten, die von einem geistigen Zentrum träumten. Die Gegensätze stießen hart aufeinander. Der Kampf um das „Kulturmoment" in unserer Bewegung kündigte sich bereits an. Noch unbekannt und im Schöße der Zukunft ruhten die später erst akut gewordenen Fragen von der Gegenwartsarbeit und des proletarischen Klassenmoments im Zionismus. Nach vier Jahren. Vier Kongresse haben bereits stattgefunden. Die Organisation ist bereits weltumfassend geworden. Die Bank, der Nationalfonds sind ins Leben gerufen worden, unser Führer unternahm einen diplomatischen Schritt nach dem anderen. Aber mit der Erstarkung der Partei ging auch ein Differenzierungsprozeß innerhalb der Reihen der politischen Zionisten selbst vor sich. Damals trat die zweite allrussische Zionistenkonferenz in Minsk zusammen. 570 Delegierte kamen zur Konferenz, ein Beweis des erstaunlichen Wachstums der Bewegung. Und auch die Minsker Konferenz hatte keinen einheitlichen Charakter, sondern wies drei Gruppen auf — die Misrachi, die Fraktion und das sogen. Zentrum. Diese

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