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Die Welt · 1906-12-14 · 50 (14.12.1906) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
50 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No.,50 - - DIE1 Priester pflegten einen hohlen Formalismus, die Besten deuteten die Texte, — und mochte alles rings in Trümmer gehen, nur das Volk in seiner Gesamtheit litt schwer und brach hilflos, qualzerrissen, unter der Last zusammen. Plötzlich bäumte sie sich auf in einer Greisenbrust, in einer Familie, in einer Schar, überwältigt von dem jahrhundertelang getragenen stummen Weh, und die Rettung kam. So muß es auch wieder kommen. Der größte Teil des jüdischen Volkes ist unterjocht, die Goluswellen schleudern ihn hin und her; er wird von überstürzenden Ereignissen und furchtbaren Seelenspannungen gefoltert, Es ist ein verzweifeltes Ringen nach Lebensluft. Der beste Teil des Volkes will in seiner alten Heimat frei werden. Seit einigen Jahrzehnten hat das Volk, wie gELT — 5 ein sein Weh ungestüm ausschluchzendes Kind, sein gewaltiges Sehnen ausgesprochen, doch wird es mitleidsvoll, aber verständnislos, in die kalte, feindselige Welt zerstreut, um einer neuen Zertrümmerung und neuen Leiden entgegenzugehen und einem neuen Verhängnis entgegenzustürmen. Es schweben Makkabäerfürsten in der Volksatmosphäre - herum, sie flattern in der Mitte aller fremden Kämpfe auf, der Sturm des Schmerzes rast sich überall aus, — doch fehlt der Boden, und die Heiligtümer sind entweiht. Doch muß sich die Volksseele zu der Erlösung durchringen. So feiern wir nicht nur, sondern wir erleben die Makkabäergeschichte. Ja, es ist unser Fest. N. SOKOLOW CHANUKKAHFEST UND MAKKABAERFEIER Von Dr. THEODOR ZLOCISTI (Schluß) Es ist schwer zu sagen, wohin man die ersten Makkabäer zu stellen hat. Noch fehlt uns jeder Einblick in die damaligen jüdischen Parteiverhältnisse, in ihre programmatischen Besonderheiten und in den Grad der Ausprägung der Gegensätze. Auch die entscheidende Tatsache läßt sich nicht erkennen, wie weit die späteren drei Hauptrichtungen im Judentum schon damals angedeutet oder gar ausgebildet waren. Denn die vorhandenen Quellen lassen uns ganz im Stich; und in den später geschriebenen Makkabäerbüchern und zum Teil auch in dem Buch Daniel ist doch schon die Parteitendenz deutlich aufgetragen. Allein man erkennt doch, daß die Makkabäer und ihr Kreis sich nicht in das Prokrustesbett einer der nachmalig ausgebildeten Parteien einzwängen lassen. Sie waren aus priesteriiehern Geschlecht und stammten aus einem kleinen Landstädtchen, wohin wohl kaum der volkzerspaltende Parteihaß gedrungen war. Aber die ungebrochene Kraft des Volkes lebte in ihnen und der natürliche, noch nicht durch Tüfteleien verkleisterte Sinn der Ackerleute. Sie sehen zuerst die Not, sie sehen voll Wut, wie der Feind haust, die Männer mordet, die Frauen und Kinder verkauft und das Land ausbeutet. Es scheint charakteristisch, daß Mattathias in seiner lauten Klage (I Makk. 2,7—13) zuerst der allgemeinen Not gedenkt und dann des Tempels. Für die Leitmotive der frühen Makkabäer ist von besonderer, bisher wenig gewürdigter Bedeutung das Kapitel 14 im 1. Makk.-Buch. Dort wird die Friedensarbeit Simons geschildert. Zunächst eroberte er Jaffa, um einen Zugang zum Meere zu gewinnen! Dann rückte er die Grenzen seines Landes hinaus, versicherte sich der Burg von Jerusalem, deren Besitz eine Friedensgarantie bot. Im Lande wurde für bessere Nahrung gesorgt. Aber auch für gute Waffen. Er legte Proviantkammern an, um gerüstet zu sein. „Er hielt Frieden im Lande, daß eitel Freude in Israel war. Und ein jeder besaß seinen Weinberg und seinen Garten mit Frieden und durfte sich nichts besorgen, denn niemand durfte sie überziehen. Und die Könige in Syrien konnten ihnen die Zeit nicht mehr Schaden tun. . Und er hielt Recht im Lande, und schützte die Armen unter seinem Volk wider Gewalt, und strafte alles Unrecht, und vertilgte die Gottlosen. Das Heiligtum richtete er auch wieder herrlich an, und ließ mehr heilig Geräte darin machen." (I. Kap. 14. V. 11—15.) Zunächst sorgte er also für die politische, strategische und wirtschaftliche Sicherung des Landes. Sie wird uns recht eingehend geschildert. Und dann erst für das Heiligtum!! Sollte die Aufzählung seiner Friedenswerke in der vorliegenden Reihenfolge nur ein Zufall sein? Dagegen spricht doch der ganze innere Aufbau und Zusammenhang! Oder liegt nicht darin ein Hinweis auf bestimmte Regierungsmaximen und auf nationale Grundanschauungen? Gewiß! Die Makkabäer sind getreue Söhne und bewußte Verteidiger ihrer überlieferten Religion. Aber sie scheinen in der Sicherung des Volkes, in der Festigung des Staates die beste Gewähr auch für die Erhaltung der Lehre zu sehen. Vorkämpfer jüdischer Kultur, scheinen sie auf der andern Seite doch dem hellenistischen Gedankenkreise in seiner edelsten, wahrhaft kulturvollen Form nicht fernzustehen. Die Männer, die Juda Makkabi nach Rom sendet, haben griechische Namen: Eupolemos und Jason. Jonathans Gesandte heißen Numenias und Antipater. Es ist nicht anzunehmen, daß die Makkabäer für diese wichtige Gesandtschaft, die ein politischer Schachzug ersten Ranges war und deren Historizität wohl mit Unrecht angefochten wird, die schlechtesten Patrioten gewählt haben. Es muß auch eine Patriotenpartei in Judäa mit hellenistischer Bildung gegeben haben. Zu den „Frommen" und Schriftgelehrten haben sie kaum die besten Beziehungen gehabt. Durch die Tat haben sie sich gegen jene Heiligen gewandt, die sich am Sabbat lieber hinschlachten ließen als zu kämpfen. Und es ist bezeichnend, daß die Frommen, die sich, solange die Lehre bedroht war, ihnen angeschlossen hatteny sofort befriedigt sind, als ihnen die Freiheit ihrer Religionsübung gewährleistet wird. Das genügt ihnen. Die weitsichtige Politik der Makkabäer bedeutet ihnen nichts. Wenn sie nur ihre Religion nicht gefährdet sehen, die Zukunft liegt in Gottes Hand. Und ihr Reich ist überhaupt nicht von dieser Welt. Es zeichnet die Stellung der Frommen zu den Makkabäern nichts besser als ihr Verhalten gegenüber Alkirnos. Als Demetrius I. dem Lysias die Herrschaft entrissen hatte und er den Günstling Alkirnos gewaltsam als Hohenpriester in Jerusalem einsetzt, gewissermaßen als Gegengewicht gegen den Einfluß der Makkabäer, kamen viele Schriftgelehrte zu Alkirnos und Bacchides und viele von den Frommen in Israel. Die versahen sich Gutes von Alkirnos und begehrten Frieden. (I M. 7, 12, 13.) Sie verließen, sie verrieten die Sache des Volkes, die die Sache der Makkabäer war. Freilich sich selbst zum größten Verderben. Warum? — „Ein Priester aus dem Geschlechte Aaron ist mit dem Heere gekommen. Er wird uns keine Untreue beweisen." (I M. 7, 14.) Schließlich ist doch Alkinios aus hohenpriesterlichem Hause. Und trotz alledem der einzige gesetzmäßige Anwärter auf das heilige Amt. Was sind gegen diesen sanktionierten Hohenpriester die kleinen Priester aus dem Landstädtchen Modin? Wenn wir uns ein Gesamtbild zu machen versuchen, so er-

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