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Die Welt · 1906-12-07 · 49 (7.12.1906) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
49 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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des „Schlemiel" Tausenden von Lesern bereitet, und das zumeist dank der fröhlich-launigen Einfälle Jungmanns, die er „aus jeder Distel" sog. Aus dem Augenblick geschöpft, in leichte, ungezierte Versform gesteckt, haben seine Spott- und Scherzgedichte doch einen bleibenden Wert. Das sieht man jetzt, wo Jungmann seine Gedichte zu einem Bändchen vereinigt hat, das den Titel „Dornen" trägt. Ein doppelsinniger Titel: denn es sind nicht nur die Dornen, an denen sich andere ihre kecken Finger zerstechen oder ihre Narrentracht zerreißen sollen. Wir entdecken plötzlich, daß Harlekin, der für gewöhnlich hell seine Glöckchen klingen ließ, im Grunde doch auch ein melancholischer Geselle ist, ein „echter Jude", der eigentlich nur so laut lacht, weil er sonst nur zu oft bitter wehklagen müßte über die vielen Wunden, die ihm selbst das Dorngestrüpp auf seinem Wege reißt. Aber solcher klagender Poeten, solcher „Trauerweidensänger" hatten und haben wir genug. Diese Art Lyrik ist es auch offenbar nicht, wo Jungmann Neues und Besseres gibt als die vielen vor ihm und neben ihm. Sein Stärkstes ist die Satire und der Humor und seine Domäne nicht der zierliche Band Lyrik, sondern das bunte Blatt, das in Wort und Bild die Lächerlichkeiten des Augenblicks festhält, — der „Schlemiel". ~ Dem „Schlemiel" wünschen wir ein recht baldiges Auferstehen, schon im Interesse der Jungmannschen Muse, die es nicht verdient, von Gedichtband zu Gedichtband — eine lange Frist! — feiern zu müssen. ro o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG (( o o o o o o ^=j> lk o o o o o o o Südafrika Die Federation der südafrikanischen Zionisten entfaltet zugunsten des Fonds für die Errichtung eines jüdischen Waisenhauses in Palästina (für die nach den Pogromen hinterbliebenen Waisenkinder) eine bewundernswerte Werbetätigkeit. Vor kurzem erst haben wir einen Betrag von 20 000 Mark ausweisen können, den die südafrikanische Federation für den obengenannten Zweck gesammelt hat; nun wird die Übersendung weiterer 20 000 Mark avisiert und zugleich die Fortsetzung der Propaganda für den Waisenfonds angekündigt. Ein Telegramm aus Johannesburg meldet, daß Herr David Wolffsohn, Präsident des Aktionskomitees, daselbst eingetroffen ist, und, von den Gesinnungsgenossen herzlich begrüßt, an der eben stattfindenden Jahreskonferenz der südafrikanischen Zionisten teilgenommen hat. Auf der Jahreskonferenz wurde u. a. die Parole für eine besonders eifrige Propagandatätigkeit während der Schekeltage ausgegeben. Palästinareise des Zionistischen Zentralvereins in Wien Wir erhalten unterm 25. November aus Smyrna folgenden Bericht: Die Reise verlief vollkommen programmgemäß und war bisher vom herrlichsten Wetter begünstigt. In Srnyrna, Alexandrien und Port Said wurden die kurzen Fahrtintervalle zu kleinen Ausflügen benutzt, von Port Said mußte der Dampfer nach Beirut, da eine zweitägige Quarantaine zu absolvieren war. So fuhren wir an Jaffa vorüber, die ganze palästinensische und phönizische Küste entlang, im Angesicht des Karmel und des Libanon, die wir leider nur von ferne grüßen konnten. Nach absolvierter Quarantaine wurde ein kurzer Ausflug nach Beirut gemacht; die Zeit reichte nicht, um über den Libanon nach Damaskus zu gehen. Am 9. Nov. abends fuhren wir von Beirut in einer wundervollen Sternennacht nach Jaffa zurück und hatten damit .endlich, nach elftägiger Reise, das ersehnte Ziel erreicht. Der zehntägige Aufenthalt in Palästina wurde sehr fleißig benutzt, so daß wir eine Fülle von Eindrücken und Anregungen empfingen. Von Kolonien wurden Petah Tikwah, — die zukunftsreichste, kräftig aufblühende — Mozza—, wo uns der wackere Simon Broze zur Zeder Herzls führte, dessen er in ergreifenden Worten gedachte — und Rischon le Zion besucht; in Jerusalem zahlreiche Institute, Schulen, Hospitäler etc., selbstverständlich unsere Bank, die Nationalbibliothek usw. Den Höhepunkt des Programms bedeutete der Besuch im „Bezalel", der alle unsere Erwartungen weit übertraf. Das größte und schwierigste Problem, für die Judenschaft Jerusalems rasche lohnende Erwerbszweige zu schaffen, wird in kurzer Zeit für Hunderte, bei nachhaltiger Unterstützung des Institutes für Tausende durch den Bezalel gelöst werden. Die Schule ist heute schon der Mittelpunkt nach dem die jüngeren jüdischen Elemente der Stadt gravitieren, der segensreiche Einfluß, den unser unvergleichlicher Prof. Schatz ausübt, ist überall zu spüren. Hoffen wir, daß seine großartigen Pläne für die Zukunft in den maßgebenden zionistischen Kreisen volles Verständnis finden werden. Ausflüge Jordan—totes Meer, Hebron — Bethlehem etc. gaben reichlich Gelegenheit, Land und Leute von Judäa kennen zu lernen. Ein Abend bei Ben Jehuda und ein zweiter bei Prof. Schatz verschafften uns die Möglichkeit gegenseitigen1 Gedankenaustausches, der hoffentlich beiderseits recht fruchtbringend gewesen ist. Darüber wäre ein anderes Mal ausführlich zu berichten. Besonders liebenswürdig wurde die Gesellschaft vom neuen Chacham Bäschi Rabbi Jakob Mair empfangen, welcher ihr anläßlich des Beiramfestes auch Zutritt zum Gouverneur verschaffte, der sich sehr freundlich über die Idee, jüdische Gesellschaften nach Palästina zu führen, äußerte. Der neue Chacham Baschi ist ein hochintelligenter, feingebildeter Mann, von dem man allseits einen äußerst wohltätigen Einfluß auf die Judenschaft Jerusalems erwartet. Unseren besonderen Dank erwarben sich auch die Herren des österreich.-ung. Konsulates: S. Rocach in Jaffa und A. Torosiau in Jerusalem, welche die Gesellschaft bei ihrer Ankunft erwarteten und in aufopfernder Weise unterstützten. Zwei der Reiseteilnehmer blieben in Palästina zurück, um womöglich für immer dort verbleiben zu können. Schweren Herzens schieden wir andern von Palästina und unseren Gesinnungsgenossen dortselbst, welche sich in Liebenswürdigkeiten überboten. Für arme Schüler des Bezalel wurde seitens der Gesellschaft K. 720.—, für Eintragung der Reise ins goldene Buch Frcs. 250.—, für diverse Wohltätigkeitsinstitute ca. Frcs. 500.—, für den Volksbildungsverein Jaffa Frcs. 50.— u. a. m. gesammelt. Ein kurzer Ausflug nach Kairo und in die Pyramiden gestaltete sich äußerst genußreich, und in Konstantinopel gedenkt ein großer Teil der Gesellschaft noch ein paar Tage zu verbringen. Die Reise wird gewiß allen Teilnehmern in angenehmster Erinnerung bleiben, was nicht zuletzt dem Arrangement des Ungarischen Fah r karte nbureaus und dem unermüdlichen Reiseleiter, Gg. A. Grajewsky (Reisebureau Tabor, Jerusalem) zu danken ist, dessen Umsicht und Tüchtigkeit nicht genug gerühmt werden kann. Interessenten für eine nächste Palästinafahrt (Frühjahr 1907) wollen sich beim Zionistischen ZentralvereinWien, Türkenstraßa9,schon jetzt melden. Tagesordnung der Konferenz der russischen Zionisten in Helsingfors Am Dienstag, den 4. Dezember, wurde die Konferenz der russischen Zionisten in Helsingsfors eröffnet. Wir werden natürlich einen ausführlichen Bericht über diese Konferenz bringen und registrieren für heute den sehr umfangreichen Arbeitsplan: Erster Tag: 1. Eröffnung der Konferenz durch das Mitglied des Zentralbureaus Rechtsanwalt Rosenbaum. 2. Wahl des Präsidiums nach den Vorschlägen der permanenten Kommission. 3. Einleitungsrede des Präsidenten über die Aufgaben der Konferenz. 4. Bericht des Zentralbureaus. Von der Tätigkeit des Z. B. und der Lage der zionistischen Bewegung. 5. Diskussion des Berichtes. 6. Legalisierung. Referent: H. S. E. Weißenberg. 7. Diskussion zu Punkt 6. Zweiter Tag: 1. Auszug aus dem Bericht des nach Palästina entsandten Dr. Schenkin: Die Erforschung des nahen Ostens vom Standpunkte der jüdischen Emigration. Stellvertretender Referent: L. Jaffe. 2. Von der realen Arbeit in Palästina und der zionistischen Tätigkeit in Rußland inbetreff Palästinas. Referent: B. Goldberg. 3. Diskussion zu den Punkten 1 und 2 (unter Beteiligung des Mitgliedes der Palästinakommission Dr. Soskin). 4. Unsere finanziellen Institutionen — Bericht: Dr. Katzenelson. Dritter Tag: 1. Das allgemeine politische Programm. Referent: Herr Grünbaum. 2. Diskussion.

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