Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 49 (7.12.1906)
- Date
- 1906-12-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316186-3316236--48787-3343731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 49 -DIE j von dem letzteren Posten ist es für £ 4 750.— höchst zweifelhaft, ob sie ausgegeben werden. Die gekauften Ländereien sind auf den Namen der Herren Levontin resp. Salomon Reinach-Paris katastral eingetragen. Herr Levontin hat vor dem englischen Konsulat eine gesetzliche Erklärung abgegeben, daß die auf seinen Namen eingetragenen Ländereien dem Jewish Colonial Trust gehören, eine gesetzliche Erklärung des Herrn Reinach wird demnächst erfolgen (eine provisorische besteht bereits). * * * Angesichts dieser Zahlen und Erklärungen erscheint es uns, bei aller Hochachtung vor Herrn Kremenezky und seinen Verdiensten um den Nationalfonds, gerade von seiner Seite ebenso unangebracht wie unvorsichtig, von einer Erschöpfung des Nationalfonds zureden und gar das Gespenst eines Nationalfondkrachs an die Wand zu malen. Wir glauben, daß er selbst nach der obigen Darstellung mit uns darin übereinstimmen wird, daß wir vollauf berechtigt sind, allen, die für den Nationalfonds gespendet haben und spenden werden, zu versichern, daß der Nationalfonds mit der peinlichsten Sorgfalt verwaltet und verwendet wird. Anregung der Palästinakommission An die Federationen der zionistischen Organisation! Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Im Anschluß an das in der „Welt" Nr. 46 vom 16. November veröffentlichte Rundschreiben erlaubt sich die Palästinakommission, den geehrten Leitern der Federationen die Anregung zu unterbreiten, im Interesse eines möglichst baldigen Einzugs des freiwilligen Palästinabeitrages einen oder mehrere Palästinaabende in einer jeden Ortsgruppe zu veranstalten. gELT - - 15 Auf diesen Palästinaabenden sollen unter anderem Vorträge über die Eignung Palästinas zur Kolonisation, über die jüdischen Kolonien, über die bisherige Tätigkeit der Palästinakommission, über die Institutionen, bei denen die Zionisten beteiligt sind, z. B. die Anglo Pal. Co, der Bezalel, die Ölbaumspende, der Herzlwald, der Pflanzungsverein „Palästina", das Palästina-Industrie-Syndikat etc. gehalten werden.*) Die Palästinakommission glaubt, daß sich gerade die vorgeschlagenen Palästinaabende ganz besonders dazu eignen dürften, daß für den Palästinabeitrag eifrig gesammelt werde. In Anbetracht verschiedener wichtiger Aufgaben und damit verbundener Ausgaben, die der Palästinakommission bevorstehen, wäre es wünschenswert, daß der Einzug des Palästinabeitrages bis Februar 1907 seinen Abschluß findet. Schließlich werden die Zentralbureaus der Federationen gebeten, von allen wichtigen Maßnahmen, die sie in Sachen des Palästinabeitrages treffen, der Palästinakommission Mitteilung zu machen. Mit vorzüglicher Hochachtung Kommission zur Erforschung Palästinas: 0. Warburg. P. S. Sämtliche Parteiblätter werden um Abdruck vorliegender Anregung gebeten. *) Als Literaturquelle für die Vorträge notieren wir: 1. die Zeitschrift „Palästina", Jahrgang 1902 und 1903; 2. die Zeitschrift „Altneuland", Jahrgang 1904, 1905 und 1906; 3. den Vortrag von Major Claude R. Conder: ..Die Kolonisation Palästinas" (herausgegeben v. Kolon. Verein „Esra"); 4. die Broschüre von W. Bambus: „Die jüdischen Kolonien in Palästina" (herausgegeben von der Gesellschaft „Karmel", Wien); 5. der demnächst erscheinende Vortrag von Prof. Warburg: „Die Zukunft Palästinas und die jüdischen Aufgaben daselbst" (herausgegeben vom Jüdischen Kolonisationsverein Wien). BUCHER-REVUE Die jüdische Volksbewegung Eine neue zionistische Propagandaschrift In enormer Massenauflage ließ vor kurzem das Zentralbureau der zionistischen Vereinigung eine ihr von der Propagandakommission zur Verfügung gestellte Broschüre erscheinen, die durch ihren ruhigen, fast akademischen Ton sehr angenehm auffällt. Eine knappe geschichtliche Übersicht zeigt sehr richtig und geschickt, daß die Keime maßvoller zionistischer Absichten und Hoffnungen bereits in den Gründern der „Alliance israelite" lebendig waren, deren Nachfolger später dem Zionismus sich so schroff gegenüberstellen zu müssen glaubten. Die wachsende Not der osteuropäischen Judenschaft entwickelte diese Keime mehr und mehr, bis schließlich das uralte Streben nach der Heimkehr ins gelobte Land auch der Mehrheit der noch jüdisch empfindenden Westeuropäer als das einzige Mittel einleuchtete, die östliche Judenfrage einer befriedigenden Lösung zuzuführen. Denn es wird täglich klarer, daß es unmöglich ist, die Juden in Rußland zu belassen, wenn man sie nicht allen Schrecken der Revolution und Gegenrevolution preisgeben will, zwischen denen sie das Schicksal des Korns zwischen den Mühlsteinen erleben müssen. Also Emigration! Massenauswanderung! Aber wohin? Zerstreuen läßt sich die ostjüdische Emigrantenmasse durch kein Mittel; sie hält fest zusammen wie ein aus einem Stocke ausgeflogener Bienenschwarm; in New York und London sind jüdische Riesenstädte entstanden, eine Erscheinung, die in den Vereinigten Staaten und England zur Erschwerung der Einwanderung geführt hat. Die Versuche zerstreuter Ansiedlung, wie sie große jüdische Philanthropen mit ungeheurem Aufwände gemacht haben, sind überall gescheitert — außer in Palästina, wo jetzt endlich nach langen Jahren die richtige Organisationsform gefunden scheint. Hier nämlich findet der einwandernde Jude sofort Anschluß, sprachliches und religiöses Verständnis, und hierher bringt er ein Imponderabile, das der Praktiker gar nicht hoch genug veranschlagen kann, das Menschgefühl bereits mit, das ihm überall sonst nur schwer und langsam anwächst. Darum ist er hier auch von vornherein zu härterer und entsagungsvollerer Pionierarbeit bereit, als irgendwo anders. Da nun das Land den Gebieten des größten Druckes, Rußland und Rumänien, außerordentlich nahe liegt, da es, wie jetzt unzweifelhaft feststeht, für Kleinkultur besonders geeignet ist, d. h. einer so dichten Ackerbevölkerung Raum gewährt, daß die gesamte, im Augenblick auswanderungsbedürftige Judenmasse Platz finden könnte, da es ferner als die Landbrücke zwischen den zwei Erdteilen und als Lagerstätte wertvoller Mineralien eine glänzende kommerzielle Zukunft hat, und da schließlich die Türkei sich von jeher als judenfreundliche Macht bewährt hat, so kann die volkswirtschaftliche, politische und emigrationstechnische Erwägung die Sehnsucht der Ostjuden nach dem Lande der Väter nur gut heißen. Auch das kann jeder unbefangene Zionist zugeben, daß eine zur großen Mehrheit aus Juden bestehende Siedlung in Palästina, erst einmal unter dem Schutze der Mächte mit einer gewissen Autonomie ausgestattet, schnell genug zur Wiederschöpfung eines Volkstums im eigentlichen Sinne führen müßte, dessen Grundlagen in der auf Sprache, Religion, Literatur und Tradition geeinten Ostjudenschaft heute schon stark genug gegeben sind. Alles in allem erweckt die ganze Schrift den angenehmen Eindruck, als wäre die gärende Mostzeit des Zionismus vorüber und es beginne jetzt die Zeit der Reife und Klärung. Die erfreuliche Annäherung der früher feindlichen Gruppen, die sich seit einigen Jahren immer stärker vollzieht, dürfte auf diesem Boden gegenseitiger Würdigung und Schonung neue, ersprießliche Fortschritte machen. Dr. FRANZ OPPENHEIMER Dornen Von Max Jungmann, Berlin 1906. Max: Jungmann, der Begründer und die Seele des leider in der Blüte seiner Jugend abberufenen „Schlemiel", hat ein neues Genre in die jüdische Literatur eingeführt: den kritischen Humor. Während die sonstige jungjüdische Lyrik fast nur eine Saite hatte, den Judenschmerz, während sich Publizisten und Redner zum Zorn oder zum Enthusiasmus entflammten, wählte er das Mittel, das sich so oft schon bewährt hat, wo der strengste Ernst nichts fruchten will, — er suchte die Lacher auf seine Seite zu bringen, — und es ist ihm oft gelungen. Viele frohe Stunden hat die kleine Auflage