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Die Welt · 1906-12-07 · 49 (7.12.1906) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
49 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE3^E LT No. 49 Es gibt einen Geist, den der Mensch erlangt im Gange der Zeiten. Aber es gibt einen Geist, der über defi Menschen kommt in großer Fülle, in großer Eile, schneller als ein Augenblick, denn er ist über der Zeit, und es bedarf keiner Zeit zu diesem Geiste. Denken und Sprechen Alle Gedanken des Menschen sind Worte und sprechende Bewegung, auch wenn er es nicht weiß. * Wahrheit und Dialektik Der Sieg erträgt die Wahrheit nicht, und wenn man vor deinen Augen ein wahres Ding ausbreitet, verstoßest du es wegen des Sieges. Wer da die Wahrheit in ihr selbst will, treibe den Geist des Sieges von dannen; dann erst bereite er sich, die Wahrheit zu schauen. * Zweck der Welt Die Welt ist nur um der Wahl und des Wählenden willen geschaffen worden. * Der Mensch, der Herr der Wahl, soll sagen: Die ganze Welt ist nur um meiner willen erschaffen worden. Daher soll jeder Mensch achten und schauen, zu jeder Zeit und an jedem Orte die Welt zu erlösen und ihren Mangel zu füllen. Freude Durch die Freude wird der Sinn Schwermut geht er ins Exil. seßhaft, aber durch die Vollendung Sich zur Einheit vollenden, bis man vollendet ist nach der Schöpfung, wie man vor der Schöpfung war, daß man ganz eines sei, ganz gut, ganz heilig, wie vor der Schöpfung. * Man muß sich an jedem Tage erneuern, um sich zu vollenden. Der Trieb Der böse Trieb ist wie einer, der unter den Menschen umherläuft, und seine Hand ist geschlossen, und niemand weiß, was in ihr ist. Und er geht zu jedem und fragt: „Was fasse ich wohl in meiner Hand?" Und jedem dünkt es, als sei das in der Hand, was er zu innerst begehrt. Und alle laufen jenem nach. Und dann öffnet er seine Hand, und es ist nichts darin. * Man kann Gott mit dem bösen Triebe dienen, wenn man sein Entbrennen und seine begehrende Glut zu Gott lenkt. Und ohne bösen Trieb ist kein vollkommener Dienst. Der böse Trieb wandelt sich in dem Gerechten in einen heiligen Engel, ein Wesen der Macht und des Schicksals. Aufstieg Für des Menschen Aufstieg ist keine Grenze, und jedem ist das Höchste offen. Hier waltet allein deine Wahl. Sich selbst richten Wenn ein Mensch sich selbst nicht richtet, richten ihn alle Dinge, und alle Dinge werden die Boten Gottes. Wille und Hemmung Es gibt keine Hemmung, die man nicht zerbrechen kann, denn die Hemmung ist nur des Willens wegen da, und in Wahrheit sind keine Hemmungen als nur im Geiste. Zwischen Menschen Es gibt Menschen, die leiden furchtbare Not und können nicht erzählen, was in ihrem Herzen ist, und sie gehen einher, voll der Not. Kommt ihnen da einer entgegen mit lachendem Angesicht, er vermag sie zu beleben mit seiner Freude. Und das ist kein geringes Ding: einen Menschen beleben. * Im Verborgenen Es gibt Menschen, die im Offenbaren gar keine Herrschaft haben, aber im Verborgenen regieren sie das Geschlecht. Das Reich Gottes Die nicht in der Einsamkeit wandeln, werden verwirrt sein, wenn der Messias kommt und man sie ruft; aber wir werden sein wie ein Mensch nach dem Schlafe, dessen Sinn ruhig und gelassen ist. Die Wanderung der Seelen Gott tut nicht zweimal das gleiche Ding. Und wenn eine Seele wiederkehrt, wird ein anderer Geist ihr Genosse. * Wenn eine Seele auf die Welt kommt, beginnt ihre Tat aus den heimlichen Welten emporzusteigen. * Es gibt nackte Seelen, die nicht in den Körper eingehen können, und über sie ist großes und mächtiges Erbarmen, mehr als über jene, die da gelebt haben. Denn diese waren im Körper und haben Söhne, jene aber können nicht nach oben steigen, und auch nach unten können sie nicht hin, sich mit dem Körper zu bekleiden. Und es gibt noch Wanderungen auf der Welt, die sich noch nicht offenbart haben. * Die Gerechten müssen unstet und flüchtig sein, weil es vertriebene Seelen gibt, die nur dadurch emporsteigen können. Und wenn ein Gerechter sich wehrt und nicht wandern will, wird er unstet und flüchtig in seinem Hause. * Es gibt Steine wie Seelen, die sind hingeworfen auf den Straßen. Aber wenn einst die neuen Häuser gebaut werden, dann fügt man ihnen die heiligen Steine ein. qp^LLu □?ö^ ^Oo KORRESPONDENZEN >ÖP o o o o OlO (Diese Rubrik, für die die Redaktion nicht die Verantwortung trägt, ist, wie wir wiederholt bemerken, Zuschriften aus dem Leserkreise und freiem Meinungsaustausch offen.) Zum Artikel „Auch eine Predigt" Zu den in unserer „Politischen Revue" in Nummer 46 enthaltenen Ausführungen sendet uns Herr Rabbiner Dr. David nachstehende Berichtigung: „1. Es ist unwahr, daß ich den Prozeß des Falschmünzers Schapira zum Ausgangspunkt eines Sermons genommen habe. 2. Es ist unwahr, daß ich die gesamte Qalizische Judenheit oder auch nur einen Teil derselben verleumdet habe. 3. Es ist unwahr, daß ich die jüdischen Kaufleute Wiens aufgefordert habe, mit ihren Glaubensgenossen aus Galizien jede geschäftliche Beziehung abzubrechen. 4. Es ist unwahr, daß ich das angebliche Zitat aus Jeremias „Von Norden kommt nichts Gutes" oder ein sinnverwandtes in meiner Predigt angeführt habe. Vielmehr habe ich in meiner Predigt über das wahre Wesen der Religion gesprochen und dargetan, daß die Art von Frömmigkeit, die sich in der Beobachtung gewisser äußerer Formen und Observanzen betätigt, dabei aber gegen die Grundsätze des Rechts und der Moral sich vergeht, vom Stand-

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