Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 49 (7.12.1906)
- Date
- 1906-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Es ist ein Trugschluß, wenn man sich einbildet,^ daß Palästina von all diesen wachsenden und ineinander greifenden Interessen unberührt bleiben kann. Wir, können mit Sicherheit, auf Grund der Tatsachen, behaupten, daß die Wiederbelebung Palästinas nicht als ferne Möglichkeit dämmert, sondern daß sie als notwendige Folge des ganzen, vor unsern Augen sich abspielenden Auferstehungsprozesses des Ostens erscheint. Es ist kein Traum, es ist erdenschwere Wirklichkeit. Daß Großmächte und Kapitalisten ihre Interessen in und um Palästina fördern, — darüber brauchen wir uns keine grauen Haare wachsen zu lassen. Im Gegenteil: es ist ein Beweis der Lebensfähigkeit und der großen Zukunft des Landes. Aber ein nonchalantes Drüberweghuschen wäre ein fataler Irrtum. Wir müssen innerhalb dieser Politik stehen und unsere Interessen wahren. Diplomatie ist ein abgehetztes Wort; ja, auch Demokratie ist abgehetzt. Man darf keine Fetische machen. Wenn man. das Palästinaproblem mit nüchterner Klarheit erwägen und erkennen wird, so wird man sehen, daß man für die Erreichung des Zieles überall sein muß, schauend und horchend, forschend und mitwirkend, mit feineni Takt und eiserner Geduld. Ja, dasLand hat Perspektiven, und es ist reich anHoff nungen und Möglichkeiten. Es ist nicht ein Wölkenkuckucksheim und bedarf nicht erst auf der Karte gesucht zu werden. Es ist da, nur wir sind noch nicht da, um richtig, mit der Kraft unserer Gesamtheit zu arbeiten und eintretendenfalls bereit zu sein. s. Eine hebräische Ausgabe der „Welt" Wir sind heute in der angenehmen Lage eine Mitteilung zu machen, von der wir überzeugt sind, daß sie in weiten Kreisen unserer Leser ein freudiges Echo finden wird. Das Aktionskomitee hat den Beschluß gefaßt, vom 1. Januar 1907 ab eine hebräische Ausgabe der „Weif unter dem Titel: HA' OL AM allwöchentlich erscheinen zu lassen. Jeder von uns weiß unserer nationalen Sprache den Rang anzuweisen, der ihr, als dem edelsten Band, das die Volksteile umschließt, unter unseren Kulturgütern gebürt. Es gehört mit zu den Ruhmestiteln des Zionismus die er für sich beanspruchen darf, durch die verjüngende und werbende Kraft seiner Ideen das Wiederaufleben der hebräischen Sprache gestärkt, ihre Verbreitung gefördert, Talenten neuen Impuls, den Massen neue Anregung aus dem unerschöpflichen Born der Vätersprache gegeben zu haben. Mit freudiger Genugtuung haben wir i begrüßt, daß auf dem Boden, dem unsere Sehnsucht zustrebt, das Hebräische zur Sprache der heranwachsenden Generation und damit zur lebendigen Volkssprache geworden ist. Umso schmerzlicher aber haben wir es al'o empfinden müssen, daß auf anderer Seite, in Rußland, dem furchtbaren Zerstörungs- und Verwüstungsprozeß aiiv'i das hebräische Schrifttum zum Opfer gefallen ist, daß die meisten hebräischen Zeitungen und Zeitschriften de' Ungunst der Zeit weichen und ihr Erscheinen einstellen mußten. Ha1 Ol am, das neuerscheinende Blatt, erhebt nicht den Anspruch, diese große Lücke auszufüllen. Abu es will wenigstens ein Zeichen des Lebens der hebräischen Sprache, der hebräischen Literatur sein, in der schweren Ubergangszeit eine Sammelstätte für alle jetzt zur Untätigkeit verurteilten Talente. Es hat aber noch andeix Ziele. Es will auch unter westeuropäischen Juden — soweit sie dem Hebräischen nähergetreten sind — das Verständnis und die Liebe für die nationale Sprache stärken und durch die Heranziehung von Mitarbeitern au.; Ost und West, ein geistiges Bindeglied zwischen den räumlich Geschiedenen herstellen. Für das Blatt ist zunächst nur ein bescheidener Umfang geplant. Deswegen wird sich Ha' Ol am nii- Ausschaltung des Politischen vor allem der Pflege des Literarischen, Künstlerischen und Wissenschaftlichen zuwenden Ha' Ol am wird lediglich selbständige Originalartikel und belletristisch-literarische Aufsätze der besten jüdischen Publizisten enthalten. Die literarische Leitung dieses Blattes ist Herrn N. Sokolow anvertraut worden. Wir sind überzeugt, daß'Ha' Ol am allerorts als eine dankenswerte Bereicherung der modernen hebräischer. Literatur begrüßt werden wird und laden hiermit alle Freunde der hebräischen Sprache zum Bezug des Blattes ein. Der Bezugspreis von Ha' Ol am wird sich für Abonnenten der „Welt" auf Mk. 4.— jährlich, für Nichtabonnenten auf Mk 8.— jährlich stellen. Bestellungen nimmt entgegen: Verlag „Die Welt" 0. m. b. H.