Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 48 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Mo. 48 DIE^ELT 17 nachhaltig bekunde, um die Mittel zur Linderung des allerärgsten Elends verfügbar zu haben. An andererStelle: „Am betrübendsten ist die Unzulängl ich - keit unseres Stiftungsvermögens auf dem Gebiete der offenen Armenpflege, für welche die hierfür vorhandenen Mittel infolge der stetig steigenden Paupertät in der jüdischen Bevölkerung Wiens sich als gänzlich unzureichend erwiesen, ein Umstand, der es mit sich bringt, daß zahlreiche, nach jeder Richtung unterstützungswürdige Bewerber abgewiesen werden müssen". Und ferner: „Noch immer kann die Kultusgemeinde trotz des vorhandenen Bedürfnisses die Errichtung eines Knabenwaisen-\ hauses nicht in Aussicht stellen und ebensowenig das Projekt der Errichtung eines Kinderbosp.itals der Ausführung näher bringen, für welches zwei bedeutende, aber nicht ausreichende Stiftungen im Gesamtbeträge von 319 000 K. in Verwaltung der Kultusgemeinde sind". Und dies alles in einer Gemeinde, deren Statut rein plutokratisch reformiert wurde, und in der die Vertreter der Höherbesteuerten alle Macht an sich gerissen haben. In einer solchen lemeinde wird nicht einmal den notwendigen Bedürfnissen der Armenpflege, eines Knabenwaisenhauses und eines Kinderhospitals - nach eigenem Geständnisse — Rechnung getragen. Für diese lerren existiert eben nicht der Grundsatz: Reichtum verpflichtet. Zum Schlüsse reproduziere ich die Tabelle der Berufsarten der Verstorbenen, da sie einen Rückschluß auf die Berufe der Lebenden gestattet. Beruf 1905 Advokaten.......... 13 Ärzte............ 16 Bankiers .......... 8 Beamte (öffentliche) ..... 40 (privat)....... 71 Dienstleute ......... 27 Fabrikanten......... 12 Geistliche.......... 3 Ingenieure.......... 6 Journalisten......... 4 Kaufleute (selbständig) .... 192 (angestellt)..... 126 Kleinhändler......... 36 Künstler........... 3 Lehrer........... 12 Militaristen.......... 7 Ohne Beruf........ 183 Privatiers..........: 36 Handwerker (Meister).....! 36 „ (Hilfsarbeiter) . . . j 56 Studierende......... 11 Summe 898 Frauen . . . 763 Kinder . . . 441 Summe 2102 Der Bau der großen arabischen Bisenbahn Der Bau der Hedjaslinie wurde am 1. Mai 1900 durch ein Irade es Sultans angeordnet. Die Arbeit begann sofort, der Fortschritt war edoch wegen mangelhafter Organisation und technischer Unkenntnis in geringer. Im Januar 1901 wurde deshalb ein Ingenieur, Herr Meißner, der in diesem Jahre Pascha wurde, zum technischen Leiter gemacht. Bis zum 1. September 1906 waren 853 Kilometer, einschließlich der 161 Kilometer von Haiffa nach Dera, fertiggestellt worden, so daß man tatsächlich jährlich um 150 Kilometer vorgerückt Arar und eine Arbeitsleistung zu verzeichnen hatte, wie auf keiner anderen türkischen Linie. Dabei hatte die Hedjasbahn mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Hauptschwierigkeit, jie noch mit jedem Kilometer wächst, war die Wasserzufuhr. Als /-weite Schwierigkeit ist die Zufuhr von Feuerungsmaterial und als dritte die Beschaffung von Arbeitskräften zu bezeichnen. Endlich hat man in verschiedenen Distrikten mit Treibsand zu kämpfen, pie größte Schwierigkeit bildet wie bereits gesagt, die Wasserzufuhr. iNTur sieben Stationen der Linie haben Quellen, auf die man sich im Sommer und Winter verlassen kann. Das Ergebnis dieser Quellen genügt nicht einmal für den Dienstverkehr und man hat die Bahn nur dadurch in Tätigkeit halten können, daß man Tender mit großen Wasserreservoirs und sogenannte Cisternenwagen einstellte. Die Versuche, durch Bohrungen Wasser zu erreichen, erwiesen sich bisher als nutzlos, trotzdem man 110 Meter tief ging. Man hofft, daß diese Bohrungen in den tiefer gelegenen Distrikten hinter Medain Salih besseren Erfolg haben werden. Syrien und Arabien besitzen kein Heizmaterial, und es muß deshalb zu Heizungszwecken Kohle importiert werden. Die Hauptdepots der Eisenbahnlinie wurden in Damascus und Haiffa angelegt, so daß alle Kohlen, die an dem Kopfpunkt der Linie gebraucht werden, mehrere hundert Kilometer transportiert werden müssen. Ein Deutscher * machte darauf aufmerksam, daß sich viel sparen ließe, wenn man die Hedjaslinie durch die Bagdadlinie mit den Petroleumquellen von Mossul, die Heiz- und Bel>euchtungsmaterial liefern könnten, in Verbindung brächte. Die Arbeiterfrage ist durch das willig arbeitende Militär gelöst worden. Die schwierigere Arbeit wird allerdings Zivilisten überlassen werden müssen, und da die Eingeborenen wenig an derartige Arbeiten gewöhnt sind, ist die Verwendung ausländischer Arbeiter für den Bau von Brücken, Viadukten und Stationen notwendig. Je weiter aber die Bahn in das einer Wüste ähnliche Innere vordringt, desto schwieriger wird es, diese Arbeitskräfte zu finden. Auf Treibsand ist man erst einmal gestoßen. Man umging die bedrohte Stelle. Muktar Bey, der die Aufnahmearbeiten bis nach Mekka gemacht hat, macht darauf aufmerksam, daß die Linie verschiedene Distrikte durchzukreuzen hat, die unter Treibsand leiden. Die türkischen Ingenieure werden mit der erfolgreichen Bekämpfung dieses Hindernisses durch General Annenkow beim Bau der transkaspischen Bahn lernen müssen. Wenn der Bau mit der Durchschnittsgeschwindigkeit der letzten 5 Jahre fortschreitet, so erreicht die Bahn um Ende des Jahres 1910 Medina und drei Jahre später Mekka. Die erwähnten Schwierigkeiten dürften vielleicht den Fortschritt etwas verlangsamen. Es ist nun der Vorschlag gemacht worden, von Dschidda, der Hafenstadt Mekkas aus, entgegenzuarbeiten. Wird dieser Plan angenommen, so würde der ganze Bau Ende 1910 d. h. drei Jahre vor der als wahrscheinlich angenommenen Zeit, beendet sein. Dieser Plan hat verschiedene Vorzüge. Vor allen Dingen würden die allgemeinen Kosten geringer werden. Der Bau der Bahn, einschließlich der Linie Haffa-Dera, hat bisher pro Kilometer nur 2200 türkische Pfund (50 000 Fr.) gekostet. Die Soldaten werden vom Kriegsministerium bezahlt und der Eisenbahnfonds zahlt nur den für die Arbeit gewährten Zusatzsold, der sich auf höchstens 65 Cts. pro Tag beläuft. Ein kostbares altes Manuskript des Pentateuch Eine seltene alte Handschrift wurde in London einer erwählten Versammlung von Orientalisten von dem Samariterpriester Isaac vorgelegt. Es ist eine Pergamentrolle, die den Pentateuch enthält, im Jahre 1050 geschrieben wurde und sich bis heute im Besitz der kleinen Samaritergemeinde von Nablus, am Fuße des Garizim in Palästina, befand. Die Verarmung der Gemeinde hat den Priester veranlaßt, das Manuskript für 100 000 Mark zum Verkauf anzubieten; die seltene Rolle befindet sich in einem mit Silber reich ausgelegten Metallkästchen. Nach dem Raumumfang der Genesis wird die Länge des alten Pergamentes auf etwa 22 Fuß geschätzt. An einem Ende ist die Rolle ein wenig durch Wasser beschädigt; aber gerade das Einleitungskapitel der Genesis ist, was bei diesen alten Rollen selten vorkommt, vollständig. Übrigens besitzt die Gemeinde noch ein zweites weit kostbareres Manuskript, nach der Tradition die erste Übertragung der hebräischen Bibel ins Samaritanische, die vor mehr als 2000 Jahren angefertigt wurde. Dieses Pergament wird nur Personen königlichen Blutes gezeigt. Von der Anstalt zur Heranbildung israel. Krankenpfleger zu Preßburg Die Anstalt zur Heranbildung israelitischer Krankenpfleger hat schon in der kurzen Zeit ihres Bestehens einen Ruf erworben, der ihr jedenfalls zur Ehre gereicht. Die von der Anstalt ausgebildeten Krankenpflegerinnen, welche bei Kranken ohne Unterschied der Konfession ihren Dienst machten, wurden auch außerhalb Preßburgs gesucht und waren zu jeder Zeit „vergriffen". Teilweise wegen Krankheit und auch wegen freiwilligem Austritt von Pflegerinnen sieht sich die Anstalt bemüßigt, ihr Pflegerinnenmaterial aufzufrischen. Es ist ein Konkurs auf drei Pflegerinnenstellen ausgeschrieben. Die Pflegerinnen werden im ersten Jahre theoretisch und praktisch ausgebildet. Während dieser Zeit bekommen sie nächst unentgeltlicher Verpflegung ein Honorar von 12 Kronen monatlich. Nach einem Jahr jedoch, wenn sie nach erfolgreicher Prüfung als Stammpflegerinnen lebenslänglich aufgenommen werden, erhalten sie außer gänzlicher Verpflegung und Oberkleidung ein Jahresgehalt von 240 Kronen, welches von 3 zu 3 Jahren bis 500 Kronen steigt. Reflektantinnen, zwischen 20—40 Jahren, haben ihr Gesuch an die Direktion der Anstalt (israelitisches Krankenhaus) bis 25. November 1. J. einzureichen. Dem Gesuche ist ein Geburts-, Sitten- und Schulzeugnis 1 \ ii,