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Die Welt · 1906-11-30 · 48 (30.11.1906) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
48 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Mo. 48 DIE^ELT 15 Amerika Immer deutlicher tritt der nachhaltige Erfolg der Tannersviller - . iihreskonferenz hervor. Es ist geradezu erstaunlich, die Fülle von . Leben und Bewegung innerhalb der Vereine zu beobachten, die im ■- vnschluß an die Konferenz allerorten Platz gegriffen hat. Im ganzen Lande findet eine Versammlung nach der andern statt, und was ias wichtigste ist, der Enthusiasmus der Gesinnungsgenossen drückt ich überall auch in Zahlen und im Zahlen aus. Insbesondere ist; s das Palästinawerk, das lebhaftes Interesse erweckt. So konnte ins neu gegründete Palästina-Komitee allein im Monat Oktober her eine Spendeneinnahme von mehr als 3000 Mark quittieren. Darunter befinden sich 1000 Mark für das Pal.-Industriesyndikat;nd 800 Mark für den Pal.-Pflanzungsverein, für den Bezalel gingen; uch ca. 800 Mark ein. Der rührige Vorsitzende des Pal.-Komitees,!!err Lewin Epstein, hat neuerdings nach dem Vorbilde der Minucha 'Nachla, die bekanntlich unter der Leitung des Herrn Lewin Epstein inerzeit die Kolonie Rechowoth gegründet hat, die Gründung einer nerikanischen Minucha W'Nachla veranlaßt. Die Mitglieder dieser ereinigung zahlen während eines Zeitraums von 10 resp. 15 Jahren;;Ijährlich 30Q resp. 200 Dollars an die Vereinskasse. Für dieses i cid wird in Palästina ein zusammenhängender Landkomplex gekauft, if den die Mitglieder nach Maßgabe ihrer Einzahlungen Anspruch; iben. Nach 10 oder 15 Jahren besitzt auf diese Weise jedes Mitglied ein Landgut in Palästina, groß genug, eine Familie zu i mähren. Es steht ihm dann frei, das ihm gehörige Stück Land i der neuen Kolonie selbst zu bebauen, also als Kolonist nach! ilästitia zu gehen, oder aber es andern Juden zur Bewirtschaftung i übertragen. Die Idee findet ihrer praktischen soliden Grundlage egen im nüchternen Yankeelande großen Anklang. Das Exekutivkomitee hat beschlossen, die Broschüre „Zehn Jire Zionismus" in 10 000 Exemplaren im Lande zu verbreiten id von der Broschüre „Was ist und was bezweckt der Jüdische \itionalfonds" eine englische Ausgabe zu veranstalten. England Das Exekutivkomitee der English Zionist Federation hielt am nntag, 25. d., eine Sitzung ab. Der Hon. See. gab einen Bericht •er die Vorbereitungen für den Schekeltag. Daraus geht hervor, i) die Vereine, besonders in der Provinz, die Vorbereitungen außerdentlich energisch betreiben. Es wurde im Einverständnis mit der stend-Schekelkommission beschlossen, den Schekeltag im Eastend irch ein Massenmeeting in Form einer Chanukahfeier zu begehen, 1 i welcher die Schüler der hebräischen Schule eine hebräische Uifführung veranstalten sollen. An das A. C. wurden weitere 50 Pfd. auf Schekelkonto abgeführt. Der Hon. See. wurde beauftragt, die zionistischen Zentren in agland zu besuchen und dort Konferenzen der Vertrauensmänner ,.-r einzelnen Distrikte zu veranstalten, um die Aussichten und die Vünsche der einzelnen Vereine inbezug auf die zionistische Arbeit ennen zu lernen. Als erste Konferenz dieser Art ist eine Zusammenkunft von Vertretern der Vereine von Süd-Wales vorgesehen, iie am 9. Dezember stattfinden soll. Aus Liverpool, Cardiff und vom Palästinaklub in London sind bemerkenswerte Berichte über den günstigen Fortschritt der Monistischen Arbeit eingelaufen. Besonderes Interesse beanspruchte ier Bericht der Zionistischen Vereinigung Shanghai. Diese Ver- -migung hat neuerdings ihre Aufmerksamkeit insbesondere dem Nationalfonds zugewandt und als erstes Ergebnis ihrer Sammlung 30 Dollars abgeführt. Auch hat die Vereinigung die Summe von > 50 Dollars für die Pal.-Kommission gesammelt und erhofft gerade ' oii diesem Zweige ihrer Tätigkeit besonders gute Erfolge. Die erste zionistische Konferenz in Polen Sonntag, den 18. November, fand eine Versammlung der Ver- 1 reter aller zionistischen Vereine des Petrikauer Gouvernements statt. Außer den 20 Delegierten sind zur Konferenz noch zwei .Vertreter des Warschauer zionistischen Bureaus erschienen. Auf der Tagesordnung standen folgende zwei Punkte: 1. die allgemeine Zionistische Organisation und 2. die zionistische Platform für die feevorstehenden Wahlen in die Reichsduma. Nach langen, zwölfstündigen Debatten hat die Versammlung eine Kommission von 5 Mitgliedern (3 aus Petrikau, 1 aus Lodz und 1 aus Tschenstochow) gewählt, welche die Kontrolle und die Aufsicht über die Wahibewegung im Gouvernement Petrikau übernehmen soll. Es wurde eine Resolution angenommen, wonach das Komitee nur für diejenigen Kandidaten agitieren soll, welche mit den Beschlüssen des Warschauer Zentralkomitees vollständig einverstanden sind. Die oberste Leitung aller zionistischen Wahlvereine hat das Warschauer Zentralkomitee übernommen. Die Berichte der verschiedenen Delegierten haben erwiesen, daß dank der energischen Arbeit der Führer die zionistische Bewegung im Gouvernement Petrikau starke Fortschritte gemacht hat. Deutschland Gruppenverband „Oberschlesien". In den Gruppen Ratibor, Königshütte, Beuthen und Kattowitz hielt Herr Franz Landsberger-Breslau in der Zeit vom 17. bis 20. d. M. Vorträge über „Moderne jüdische Kunst", die das lebhafteste Interesse der gesamten jüdischen Bevölkerung dieser Orte erregten. Dementsprechend war die Beteiligung überall sehr zahlreich; in Beuthen und Kattowitz wohnten gegen 200 Personen den Veranstaltungen bei. Der Redner wies in seinen Ausführungen die Existenz einer spezifisch jüdischnationalen Kunst nach, legte eingehend ihre Berechtigung und ihren Einfluß auf die allgemeine Kulturentwicklung dar und betonte eindringlich als Voraussetzung ihrer Erhaltung die Notwendigkeit der Pflege des nationalen Bewußtseins unter den Juden. Die Veranstaltungen hatten auch der Bewegung völlig fernstehende Kreise angezogen. Es darf gesagt werden, daß die Vorträge für die Förderung des nationalen Gedankens von außerordentlich wohltätigem Einfluß waren. Leipzig. Am 22. d. sprach Herr N. Sokolow im „Bonoraud" vor einer Versammlung von ca. 800 Personen über das Thema: „Die Lage der Juden in Rußland, die Emanzipationsaussichten und der Zionismus." Seine geistreichen, überaus klaren Ausführungen fesselten und gewannen die Menge so sehr, daß sie nach seinem fast zweistündigen Vortrag und einer kurzen Diskussion folgende Resolution mit bedeutender Majorität annahm: „Die im „Bonoraud" in Leipzig am 22. November 1906 tagende jüdische Volksversammlung erklärt ihre lebhafte Sympathie mit den Zielen der zionistischen Bewegung. Sie erklärt die volle Emanzipation der Juden im Osten für unbedingt erforderlich und ist der festen Überzeugung, daß die endgiltige Lösung der Judenfrage sowohl im allgemeinen wie der in Rußland im besonderen durch die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina erfolgen wird." Diese Versammlung bedeutet für die Leipziger Ortsgruppe einen großen Erfolg; Neuanmeldungen zum Beitritt sind in erheblicher Zahl eingelaufen. Österreich Wien, Erster Jüdischer Turnverein, 1. Mölkerbastei 5. Die bei der diesjährigen Hauptversammlung vorgenommenen Neuwahlen in den Turnrat für das Vereinsjahr 1906 07 haben folgendes Resultat ergeben: Obmann: Herr Dr. Ludwig Werner. Obmann-Stellvertreter: Herr Dr. Emil Krassny. I. Schriftführer: Herr Moritz Lamberg. II. Schriftführer: Herr Robert Reich. I. Turnwart: Herr Rudolf Pollak. II. Turnwart: Herr cand. jur. Arthur Felsenburg. Zeugwart: Herr Ingenieur Otto Stiasny. I. Kassierer: Herr Hugo Spitzer. II. Kassierer: Herr Leopold Wessely. Ersatzmänner: Herr Karl Plowitz, Herr Alfred Moller und Frl. Thilda Frankfurter als Vertreterin der Damenabteilung. _ Kleine Nachrichten aus Palästina Die junge Arbeiterorganisation „Hapoel Hazoir" hat beschlossen, ein Parteiblatt in hebräischer Sprache herauszugeben — den kleinen Mitteln entsprechend in sehr bescheidenem Umfange. In Rechoboth veranstaltete die Verwaltung der dortigen Gemeinde-Bibliothek einen literarisch-künstlerischen Abend zu Gunsten der Bibliothek, der den Ertrag von 100 Frcs. abgeworfen hat. Die Förderung solcher Bibliotheken ist äußerst notwendig für die weitere Ausbildung der Jugend, die der Schule entwachsen ist.

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