Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 48 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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geschrieben, der treu und beharrlich für die Judensache gekämpft - hat und nun sieht, wie wenig er mit seinem Jugendprogramm, dem er trotz veränderter Verhältnisse um sich herum treu geblieben, dem Ziele der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit näher ge- '* kommen ist. Klingt es nicht gar wie eine Bankerotterklärung derT Bewegung, deren Mitschöpfer er war? Bloß die Hoffnung haben, daß unsere Nachkommen in ihrer gedrückten Lage sich nicht gedrückt fühlen, ist doch etwas gar zu wenig! i Fordern, verlangen, „sagen, was ist". . . . Kaum einen Ge-" danken finden wir in der jüdischen Emanzipationsliteratur, den wir nicht bis in die heilige Schrift hinein verfolgen können. Es gibt ferner bis heute noch keine bessere schärfere Judenapologie als die von Christian Wilhelm Dohm aus dem Jahre 1781, die alles, was vorher und nachher geschrieben, in den Schatten stellt. Es gab auch in Deutschland eine Zeit, in der die Parlamente wiederliallten von Verteidigungsreden aus jüdischem Herzen. — Fordern, verlangen, „sagen, was ist" wird von der Seite des jüdischen Volkes niemals aufhören, wenn auch seine Stammesgenossen in den Parlamenten schweigen. Aber wir und der Verfasser, ein Vertreter einer der unseren freilich gegnerischen Bewegung, dürfen uns nicht einbilden, daß wir damit allein auch nur einen Schritt unserem Ziele näher kommen. — Die Schrift verdient als anregende, gut : geordnete historische Lektüre weiteste Verbreitung. Sie wird manchen Leser veranlassen, sich mit der Entwicklung der Judenfrage zu beschäftigen und sicher jeden, der die Zeit von der großen " französischen Revolution an bis heute als ein für uns organisches 7 Ganzes würdigt, der vor allem in den Zeiten unseres Aufschwungs die stets sich gleich bleibenden gegenwirkenden Kräfte scharf ins Auge faßt, der wird nicht in so triste Schlußstimmung geraten wie der Verfasser. Er wird sehen, daß es im Judentum eine mächtig wachsende Partei gibt, die das Morgenrot der Freiheit in ihrer Brust schon fühlt, die unbekümmert um Rassenhaß und Klassenhaß, klug gemacht durch die Lehren der Geschichte unseres Volkes, in sich selbst die rosige Zukunft sieht. Goldschmidt ist noch nicht im letzten — testamentsberechtigten Alter. Er wird das jetzige Testament noch einmal umstoßen, nachdem er gesehen haben wird, daß wir Juden nicht auf dem Wege der Freiheit zur Gleichheit und Brüderlichkeit, wohl aber durch Brüderlichkeit, durch festes, treues Zusammenstehen aller Juden, zur Freiheit und Gleichheit gelangen können. Erst müssen wir Juden als Juden uns alle vereinigen, mit Fleiß an der Hebung unseres Volkes arbeiten, dann sind wir auf dem sichersten Wege, uns frei fühlen zu dürfen, um schließlich den anderen gleich sein zu können. ^Oo KORRESPONDENZEN rjpp^ □TD O Q Q O Jj (Diese Rubrik, für die die Redaktion nicht die Verantwortung trägt, ist, wie wir wiederholt bemerken, Zuschriften aus dem Leserkreise und freiem Meinungsaustausch offen.) 0OO°nin :^OD Eine offene Anfrage an Herrn Kremenezky In der Nationalfond-Debatte des 5. Kongresses, der die Schaffung ies NF beschloß, regte der Delegierte Kobler an, die NF-Komnission möge nach Mitteln und Wegen suchen, um die enormen 3eträge, die alljährlich für Depeschen zu Festlichkeiten, insbesondere Hochzeiten, verschwendet werden, dem NF zuzuführen. Das war am 29. Dezember 1901. In Nr. 6 der „Welt", vom 7. Februar 1902, machte Hugo Schachtel einen detaillierten Vorschlag zur Herstellung von Depeschenformularen durch die i.eitung des NF, die dann bei entsprechenden Gelegenheiten zu Glückwünschen etc. verwandt werden sollten. In derselben und späteren Nummern der „Welt" wiederholte sich x-fach die Anregung, NF-Depeschen zu schaffen. Am 27. August 1903 erstattete üerr Kremenezky dem 6. Kongreß Bericht über den damaligen Stand des NF. In diesem Bericht heißt es (Prot. S. 251): „Uns war es nicht nur darum zu tun, für den NF die bisher gebräuchlichen Formen der Agitation anzuwenden, sondern sämtliche Anregungen, die uns zugekommen, genau zu studieren, um sie im Falle der Verwendbarkeit für den NF fruchtbringend zu verwerten." Ferner (Prot. S. 256): Ich möchte jetzt den Herrn Präsidenten bitten, eine Abstimmung zu veranlassen über die Schaffung einer Marke von höherem Einheitswerte, von ungefähr 1 Francs und in den verschiedenen Landesmünzen in gleichem Werte. Es lat sich nämlich das Bedürfnis nach einer größeren entsprechend i umgestalteten Marke herausgestellt, z. B. für Gratulationsdepeschen und für Quittierung von größeren Beträgen, die Herren aus den Landsmannschaften werden mir das betätigen." Dieser Antrag, sowie ein späterer von Simon und Genossen auf Schaffung eines einfachen in künstlerischer Form hergestellten Blattes als Ersatz für Glückwunschetc.-Telegramme wurden dann zusammen mit anderen Antragendem NF-Ausschuß übergeben. Zwischen dem 6. und 7. Kongreß wurde noch öfter, sowohl die Forderung nach höherwertigen NF-Marken, wie die nach Depeschenformularen zu Gunsten des NF wiederholt. Von' einer Ausführung dieser also doch von NF-offiziellster Seite als berechtigt anerkannten Wünsche, sah und hörte man nichts. Da nahm sich die Hamburger Ortsgruppe der Sache etwas an und ließ ganz einfache 'Depeschenformulare herstellen, die mit NF-Marken entsprechend den üblichen Telegrammgebühren zu bekleben imd dann als Brief zu versenden sind. Diese Formulare wurden aber außerhalb der deutschen Landsmannschaft so gut wie gar nicht bekannt. Die Zentrale, die doch sicher von dieser Einrichtung Kenntnis erhielt, hielt es nicht für nötig, dieselben den anderen Landsmannschaften zur Nachahmung zu empfehlen. Der 7. Kongreß kam heran. Herr Kremenezky sagte als Berichterstatter des NF, nachdem er von verschiedenen Neueinrichtungen gesprochen (Prot. S. 223) .... und wir werden in kürzester Zeit noch die im Drucke befindlichen Telegrammblankette und Marken im Werte von 1 Frc. 1 Kr. 40 Kop. usw. folgen lassen." Ein Delegierter, dem wohl dieses Versprechen nicht bindend genug erschien, Herr Salzmann, beantragte nochmals (S. 254) die Ausgabe von NF-Telegrammformularen. Eine Abstimmung erfolgte allerdings nicht. Zur Zeit des Kongresses erschien auch eine Broschüre über den NF, in der auch auf Seite 11 die demnächstige Ausgabe von Formularen für Gratulationsdepeschen und höherwertigen NF-Marken angekündigt wurde. Das war August 1905. Wiederum verging ein Jahr. Von der angekündigten Erfüllung der alten Wünsche vernahm man nichts. Ende August 1906 fand die Jahreskonferenz statt. Im Bericht über den NF ist zu lesen („Welt" Nr. 35 S. 17): „Außer den bestehenden Sammlungsmöglichkeiten gelangen jetzt für alle Länder Telegrammblankette und ab 15. Oktober dieses Jahres Marken in größerem Wert zur Ausgabe. Im November ist eine neue Auflage der oben erwähnten NF-Broschüre erschienen. Da heißt es von den höherwertigen Marken, die am 15. Oktober das Licht der Welt erblicken sollten, auf Seite 11, daß sie demnächst erscheinen. Die Telegrammformulare sind in dieser Broschüre bereits abgebildet und sind wirklich künstlerisch. Im Text heißt es von Ihnen, daß sie bereits ausgegeben werden. In Wirklichkeit aber sind sie bis jetzt nirgends zu erhalten..... Und nun dieser kleinen historischen und tatsächlichen Feststellung Zweck, die bescheidene Anfrage an Herrn Kremenezky, dessen große Verdienste um den NF keineswegs etwa hier herabgesetzt werden sollen: „Wann endlich werden diese alten Wünsche durch die Tat erfüllt werden? Hillel. An die zionistische Parteipresse aller Sprachen! Die Palästinakommission wiederholt ihre Bitte an die zionistischen Zeitungen der verschiedenen Sprachen, das in der „Welt" Nr. 46 vom 16. November veröffentlichte Rundschreiben betreffs der Erhebung des freiwilligen Palästinabeitrages sowie die Beitrittseinladung des Palästina-Industrie-Syndikats nebst dem Begleitbrief von Prof. Dr. O. Warburg durchaus in extenso zum Abdruck zu bringen, sofern dies bisher noch nicht geschehen ist." Teplitz-Schön au. Das zionistische Rayon-Komitee Teplitz- Schönau hat im Verein mit dem Jüdischen Yolksverein „Zion", Brüx, bei diesem eine Sammelstelle für Posterlagscheine eingerichtet. Die Gesinnungsgenossen im Distrikt Böhmen werden hiermit aufgefordert, Erlagscheine gesammelt immer an den Jüdischen Volksverein „Zion", Brüx, einzusenden. Der Reinertrag wird dem Nafionalfonds zugeführt. Sammelt Erlagsscheine!