Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1906-11-23 · 47 (23.11.1906) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
47 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316186-3316234--48747-3343689
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rahmen eines gewöhnlichen Vortragsabends hinaus ging derjenige in der Aula der Töchterschule, bei dem sich Zionismus und Terrir torialismus gegenüberstanden. Die Frage des Territorialismus veranlaßte die Initianten der Basler Gruppe zu einer gemeinsamen Besprechung, zu der einige Vertreter abgeordnet wurden und bei der es gelang, die Einberufer jener Sitzung von dem Gedanken einer beabsichtigten Gründung eines itoistischen Basler Vereins abzubringen. Besondere Erwähnung verdienen noch die Makkabäerf- Feier, die Rosenfeld-Feier und das Jahresfest „Sommerfrische iu Ober-Casinolingen". — In die diesjährige Amtsperiode fiel die schon längst projektierte Gründung einer allgemeinen jüdischen Bibliothek in Basel. Nachdem ein vom Verein gewähltes Kuratorium sich in eingehender, gründlicher Weise mit dem Studium der Angelegenheit beschäftigt hatte, waren sämtliche hiesigen jüdischen Korporationen mit der Frage befaßt worden, so daß im Laufe des Vereinsjahres die Gründung zur Tatsache geworden ist. Dabei hat sich die Z. V. B. mit einem jährlichen Beitrag von 100 Fr. beteiligt; außerdem hat sie ihre umfangreiche Bibliothek als Grundstock zur Verfügung gestellt, wie auch einen für den Zweck gesammelten Fonds von zirka 950 Fr. Zum schweizerischen Zionistentag wurden 6 Mitglieder abgeordnet. Des Nationalfonds wurde sowohl bei Vereinssitzungen als auch bei festlichen Anlässen in geeignetster Weise gedacht. Durch die angeregte Seibstbesteuerung für den jüdischen Nationalfonds bei Mitgliedern des Vereins konnte jeweils ein ansehnlicher Betrag abgeführt werden. An Schekeln und Landesbeiträgen wurden 282 Fr. bezahlt. Dem Verein zur wirtschaftlichen Erschließung Palästinas traten 18 Mitglieder der Z. V. B. bei. Der vom Kassier vorgelegte Kassabericht schließt zum ersten Male seit langen Jahren mit einem Aktiv-Saldo. Bericht und Rechnung wurden nach wenig benutzter Diskussion einstimmig genehmigt. Allgemeine Prinzipien aus dem Programm- Projekte der Poale Zion Rußlands*) I. Das allgemeine Parteiprogramm. 1. Das Maximumprogramm der Partei ist die Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel, die Umbauung der Gesellschaft nach sozialistischen Prinzipien; der einzige von der Partei anerkannte Weg ist der Kampf des jüdischen Proletariats in den Reihen der allweltlichen Sozialdemokratie. 2. Den wichtigsten Punkt des Programms — das Maximumprogramm—, welches diese von allen anderen sozialdemokratischen Parteien unterscheidet, bildet die Forderung einer auf demokratischen Grundlagen eingerichteten territorialen Autonomie für das jüdische Volk, als einer notwendigen Bedingung der freien Entwickelung seiner Produktionskräfte. 3. Diese territoriale Autonomie kann nur in Palästina realisiert werden, und das jüdische Proletariat ist verpflichtet, der Verwirklichung dieses Punktes des Programminimums in demselben Grade, wie der Verwirklichung aller anderen Punkte des Programms auf dem Wege des Klassenkampfes beizustehen. l. Zwischen dem Klassenkampfe und der politischen Erziehung des jüdischen Proletariats in der Diaspora einerseits, und der realen Arbeit in Palästina anderseits muß ein unmittelbares und unlösbares Verhältnis bestehen. II. Die Arbeit in der Diaspora. 1. In den Ländern der Diaspora strebt die Partei auf dem Wege des Klassenkampfes zur maximalen Demokratisierung der Gesellschaft, und in dieser ihrer Aufgabe stimmt sie mit dem Programminimum aller anderen sozialdemokratischen Parteien überein. 2. In der Nationalfrage stellt die Partei die Forderung der nationalpolitischen Autonomie mit einer umfassenden ökonomischen, kulturellen und finanziellen Kompetenz in allen inneren nationalen Angelegenheiten derjenigen Volksgruppen, deren Interessen von einer nur territorialen Autonomie nicht genügend berücksichtigt werden können. 3. Die Partei glaubt, daß auf einer hohen Entwicklungsstufe der gesellschaftlichen Demokratisation und bei hoher Spannung der Nationalkonflikte, diese Institution der nationalpolitischen Autonomie zur vollen Realisierung gelangen wird. •L Bei der Aufstellung der Forderung der nationalpolitischen Autonomie als maximaler Formel der jüdischen Nationalrechte in der Diaspora hebt die Partei hervor, daß diese Institution keineswegs als einziger und unumgänglicher Weg zum Zionismus betrachtet werden kann, und daß bis zur Realisierung der territorialen Autonomie keine demokratischen Institutionen und nationalen Rechte die Judenfrage lösen können. *) Dieses Programm wurde in einer jüngst abgehaltenen Konferenz der Poale 'hui Rußlands festgestellt, wodurch die Verschiedenartigkeit der Programme der einzelnen P. Z.-Gru'ppen behoben wurde. Wir behalten uns vor, auf diese, wie auch «las Pragramm der österreichischen Poale Zion theoretisch einzugehen. Red. 5. Auf dem Wege zur Erreichung der Maximalformel der Nationalrechte in der Diaspora erblickt die Partei eine Reihe von Übergangsstufen: die Freiheit der Nationalerziehung, die nationalkulturelle Autonomie, die Gleichberechtigung aller Sprachen, proportionale Vertretung in den gesetzgebenden, administrativen und gerichtlichen Organen. III. Die allgemeinen Prinzipien der Realisierung des Zionismus. 1. Der proletarische Zionismus erklärt nur diejenigen Realisationsmittel des Zionismus für erlaubt, welche mit dem Prinzip des Klassenkampfes und der progressiven Demokratisierung der Gesellschaft sowohl in den Ländern der Diaspora, wie auch in Palästina übereinstimmen. 2. Da die zionistischen Bourgeois sehr oft nach der Seite der abgelebten und reaktionären Formen des gesellschaftlichen Lebens, welche keineswegs zur Realisierung des Zionismus führen können, tendieren; und da die Realisierungsmöglichkeit des Zionismus durch die Wechselwirkung der realen Kräfte und Interessen, mit welchen die zionistische Politik immerfort rechnen muß, bestimmt werden, so betrachtet derproletarische Zionismus es für seine Aufgabe, jede Politik, welche sich auf reale Interessen stützt, zu unterstützen, und gegen die Politik der Philanthropie, des unnützen Idealismus, der Bittschriften etc. zu kämpfen. 3. Der proletarische Zionismus gibt zu, daß die geschichtliche Notwendigkeit zur Befestigung und Erweiterung der jüdischen Positionen in Palästina und auch zur Steigerung des gesellschaftlichen Interesses für Lösung der Judenfrage in zwei Richtungen geführt hat: a) Die Entartung der breiten Massen der jüdischen Kleinbourgeoisie, welche mit den Pogromen und dem Wachsen der Emigration zusammenhängt, ruft das Interesse der Kulturvölker für die Lösung der Judenfrage hervor; der damit wachsende nationale Einfluß der Juden in der Diaspora erleichtert die Möglichkeit der Ausnutzung dieses internationalen Interesses für zionistische Zwecke; b) die Erweiterung der zionistischen Positionen in Palästina und der Zusammenstoß mit den reaktionären Kräften des Landes werden die Intervention der Kulturvölker hervorrufen und zur Lösung der Judenfrage im demokratischen Sinne und auf palästinensischem Boden führen; der parallel damit wachsende Einfluß der Juden in Palästina erleichtert die Möglichkeit der Ausnutzung dieser internationalen Intervention zum Zwecke der Erreichung einer politischen territorialen Autonomie in Palästina. 4. In diesen obengenannten allgemeinen Richtungen wirken die Kräfte des jüdischen Kapitals und der jüdischen Arbeit: a) dieser Kampf in der Diaspora räumt dem jüdischen Proletariat eine Stellung im internationalen Klassenkampfe ein und gibt ihm das Recht der Teilnahme an den Errungenschaften der gesellschaftlichen Demokratisation, mk welcher die Nationalisierung der Gesellschaft im allgemeinen und die Steigerung des jüdisch-nationalen Einflusses im besonderen eng verbunden sind; b) dieser Austrag zwischen der jüdischen Arbeit und dem jüdischen Kapital, welche nach Palästina gebracht werden, schafft eine Basis für die immer wachsende gesellschaftliche Demokratisation Palästinas. 5. Die Immigration der Juden nach Palästina wird dadurch hervorgerufen, daß in den großkapitalistischen Ländern der jüdischen Immigration den Juden der Zutritt zu den höheren Produktionsformen erschwert wird, während das jüdische Emigrationsbedürfnis mit jedem Tage wächst; deswegen sind die Juden genötigt nach Palästina zu wandern, als nach einem halbackerbauerischen Lande, welches für die jüdische kleinkapitalistische Emigration am passendsten ist. 6. Der proletarische Zionismus erklärt, im Gegensatz zu anderen zionistischen Parteien, daß die Aufgabe der zionistischen Bewegung nicht einzig und allein im Finden eines Territoriums, in der Erlangung eines Charters, sondern in der planmäßigen Regulierung des elementaren Prozesses der jüdischen Immigration nach Palästina, in der Erlangung einer politischen und territorialen Autonomie in diesem Lande besteht. Die Erreichung dieser territorialen Autonomie stützt sich auf den Prozeß der jüdischen Immigration nach Palästina und wird durch den Klassenkampf des jüdischen Proletariats in Palästina und in der Diaspora und die durch diesen Kampf hervorgerufene demokratische Intervention der Kulturvölker in die inneren Angelegenheiten Palästinas realisiert. Die allgemeinen zionistischen Organe erleichtern, ordnen und rationalisieren diese elementare Immigration, indem sie sich auf die obengenannten Faktoren des internationalen Interesses, der gesellschaftlichen Demokratisation und des jüdisch-nationalen Einflusses stützen. 7. In diesem Prozesse leitet der proletarische Zionismus den Klassenkampf des jüdischen Proletariats in der Diaspora und in Palästina,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.