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Die Welt · 1906-11-23 · 47 (23.11.1906) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
47 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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leichtert, daß viele Ortsgruppen mancherlei von den Ausstellungsmaterialien für sich erwerben dürften (sei es als Eigentum der Ortsgruppen, sei es als Verkaufs- oder Verlosungsobjekt für spätere Gelegenheiten). Außerdem aber müßte auf jeder der Ausstellungen ein flotter Verkauf von Palästinaprodukten, Andenken, Bildern, Publikationen etc. stattfinden. Eventuell wären die Eintrittskarten gegen kleine Einkäufe zu verrechnen oder könnten zur Teilnahme an einer Verlosung von Ausstellungsgegenständen berechtigen. Ist die Beteiligung eine nur einigermaßen genügende, so lassen sich leicht Einrichtungen treffen, mittels deren jeder solchen Veranstaltung ein sofortiger, direkter Überschuß sicher erscheint. Die geplante Aussteilungsorganisation würde dieEigentümlichkeit haben, daß sie selbst das meiste an Ausstellungsobjekten zu stellen hätte und daß die eigentlichen Aussteller (zum Beispiel die Palästina- Weingesellschaften, der „Bezalel" und ähnliche Institute, sowie die Verleger von Publikationen) den verhältnismäßig geringeren Teil beistellen würden. Aber die Materialien der Organisation — Bilder, Reproduktionen, kartographische und sonstige Darstellungen — werden schon bei einer ganz kleinen Anzahl von herzustellenden Exemplaren nur noch ganz minimale Kosten verursachen. Eine Hauptschwierigkeit der größeren Ausstellungen wird es sein, möglichst viele tatsächliche Ausstellungsobjekte zusammen zu bekommen, da ein allzugroßes Überwiegen der Bilderniaterialien etc. zu buchmäßig wirken' könnte. Zwar hat eine Gemäldeausstellung vor ihrem vollständig illustrierten Katalog noch unendlich viel voraus, fufid selbst eine Ausstellung, die nur aus Reproduktionen und graphischen Darstellungen bestände, hätte noch immer vor einem aus -diesen Materialien zusammgestellten Buche den großen Vorzug, daß ^äas „ausgestellte" Buchmaterial ganz anders „gelesen" wird als das ^gedruckte. — Abgesehen hiervon aber müssen wir trachten, so viel als möglich „lebendiges" Material zu bekommen, und das dürfte uns außer den Palästinaprodukten, — die reichlich vertreten sein werden, und den oben aufgestellten „Gegenständen" — durch leihweise Beschaffung jüdisch-interessanter Gegenstände nicht schwerfallen. Alle Ausstellungen — größere und kleinste— sollten mit Lichtbildervorträgen verbunden sein,.und au Drucksachenpropaganda informativer Art sollte nicht gespart werden. Kleine Broschüren, die inhaltlich und äußerlich ansprechend hergestellt sind, würden bei billigem Verkaufspreise auch reichlich ihre Kosten decken. Alle diese und ausführliche Publikationen über Palästina dürften zusammen mit den Ausstellungen der Propaganda einen neuen, kräftigen Anstoß geben, der allen jüdischen Bestrebungen vorwärts helfen wird. (Speziell von den Ausstellungen, die nicht nur viele Leistungen, sondern auch viele Lücken zeigen sollen, erhoffe ich den Anstoß zur Verwirklichung manchen schönen Planes.) DEUTSCHLAND UND DIE ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE IN MAROKKO In einer Zuschrift an die „Kölnische Zeitung" äußert sich Geheim rat Goldberger, der Vorsitzende der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance, zu der (von uns ausführlich behandelten) Forderung nach Einführung deutschen Unterrichts in den Allianceschulen und Stärkung des deutschen Einflusses unter den marokkanischen Juden u. a. wie folgt: „ . . . . Sollten die Allianceschulen im Orient den Zöglingen gleichsam ein Fenster nach der Kulturwelt Europas öffnen — das mußten sie wollen — so war der Unterricht in einer europäischen Sprache unabweisbar. Es entsprach der Genesis, es entsprach den Verhältnissen, daß damals die französische Sprache hierbei nur in Betracht kommen konnte. Aber auch sonst wäre die Aufnahme der deutschen Sprache in den Lehrplan der Allianceschulen niemanden in den Sinn gekommen. Das wäre in den 60er Jahren ein wahrer Anachronismus gewesen! — Was hätten die Schüler mit der deutschen Sprache anfangen sollen? Niemand hätte Qrnsthaft meinen können, daß damit den Schülern etwas Nützliches erwiesen würde. Freilich haben sich seitdem die Dinge geändert. Der nach dem deutsch-französischen ' Krieg einsetzenden allmählichen glücklichen Wandlung in der Bedeutung und in dem Ansehen des Deutschtums in der Welt, dem friedlichen Siegeszug des deutschen Handels und der deutschen Industrie hat sich auch die Alliance IsraeJite Universelle nicht entziehen können. Den Anforderungen einer neuen Zeit mußte man gerecht werden. Deutscher Sprachunterricht hatte, da er für die Schüler notwendig wurde, nach und nach zur Einführung zu gelangen. Wo das bisher noch nicht geschehen ist, wird es in Angriff genommen werden müssen. Wir in Deutschland werden nichts tun, was deutschem Patriotismus entgegen ist; und wir werden uns in den Werken der Alliance nur von den Interessen derer leiten lassen, denen das Werk der Alliance Israelite Universelle gewidmet ist. Daß zwischen heute und morgen nicht umgestoßen .oder umgemodelt werden kann, was während eines halben Jahrhunderts unter Mühen nnd Sorgen geschaffen worden, ist selbstverständlich. Ein Schulplan ist leicht geändert, aber die Ausführung erfordert Zeit; es handelt sich doch um Anstalten, für die die Lehrer erst erzogen werden müssen. Das Zentralkomitee in Paris hat nun auf unsere Anregung hin neuerdings beschlossen, daß ein Teil der in der Ecole Normale in Auteuil zu Lehrern ausgebildeten Zöglinge vor der Rückkehr nach dem Orient und vor Beginn ihrer Lehrtätigkeit an den Allianceschulen nach Deutschland geschickt werden soll, um hier an geeigneten Lehrstätten sich in der Kenntnis und Wissenschaft der deutschen Sprache zu vervollkommnen. Meine Freunde und ich sind der Meinung, die wir nicht aus theoretischen Erwägungen geschöpft haben, daß es ein großer Fehler wäre, an dem Namen der Alliance Israelite Universelle zu rütteln Man sollte vielmehr immer und immer den universellen Charaktei betonen, statt der Alliance den Ruf einer französischen Organisation zu machen. , . . ... Ich schließe mit den Worten, die ich mit dem Präsidium der Deutschen Konferenzgemeinschaft in diesen Tagen erst an meint deutschen Glaubensgenossen gerichtet habe: Die Deutsche Konferenz gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle will die Vorurteile beseitigen, die die Alliance als eine mehr oder weniger nur französischen Interessen dienende Institution kennzeichnen. Sie wir in Deutschland das Verständnis für die kulturellen Aufgaben de Alliance Isra61ite Universelle zu neuem Leben wecken, eine Brück: schlagen zu den breiten Schichten der Glaubensgemeinschaft, un< die Herzen, die fern geblieben sind, durch Belehrung und Werk der Nächstenliebe erobern." Die „Köln. Ztg." bemerkt hierzu: „Die Erklärungen des Geheimen Kommerzienrats Goldberge widerlegen unseres Erachtens nicht diejenigen Ausstellungen, di wir auf Grund der bisherigen einseitig, französierenden Tätigke1 der Alliance gegen diese und gegen die Beteiligung deutsche Kapitals an ihr erhoben haben. Für die Vergangenheit haben wi nichts von unserm Urteil über die Alliance und ihre Tätigkei zurückzunehmen. Was die Zukunft anbelangt, so sind wir überzeug' daß Herr Goldberger und seine nähern Freunde das ehrliche Bc streben haben, in dem bisher zugunsten Frankreichs einseitig nationalen Verhalten der Alliance eine Änderung herbeizuführe! die den sachlichen Bedürfnissen der jüdischen Schulen und de praktischen Bedeutung der deutschen Sprache entspricht. Wi halten diese Aufgabe mit Rücksicht auf alle in Betracht kommende Verhältnisse aber für so überaus schwer, daß wir an ihre Verwirk lichung erst dann glauben werden, wenn uns nicht nur die Zi Sicherung guten Willens, sondern wirkliche Taten vorliegen werde) Diese warten wir ab,"

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